Als Bürgermeister einer Kommune im Norden Ruandas soll der Verdächtige an der Ermordung von Mitgliedern der Tutsi-Minderheit beteiligt gewesen sein: Onesphore R. Nun wurde er im Raum Frankfurt von Beamten des Bundeskriminalamts festgenommen. Gegen ihn laufen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Beteiligung am Völkermord in dem afrikanischen Land .

Wie die Behörde in Karlsruhe mitteilte, soll der 53-Jährige im April 1994 drei Massaker angeordnet und koordiniert haben. Dabei seien mindestens 3730 Menschen getötet worden, die zuvor in Kirchen Schutz gesucht hatten.

R., der 2002 als Flüchtling nach Deutschland gekommen war, wird auch vom Generalstaatsanwalt von Ruanda mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er war deshalb im April 2008 in Auslieferungshaft genommen worden. Er kam dann jedoch im November 2008 wieder auf freien Fuß, weil Justizbehörden in Frankfurt Auslieferungen nach Ruanda in Anlehnung an gleichlautende Entscheidungen des Internationalen Ruanda-Tribunals mit Sitz in Arusha in Tansania für unzulässig erklärt hatten. 

Von Dezember 2008 bis Mai 2009 saß R. in Untersuchungshaft. Der Bundesgerichtshof hob den Haftbefehl dann aber auf, weil nach seiner Ansicht die Aussagen mittelbarer Zeugen nicht für einen dringenden Tatverdacht ausreichten. Nach "intensiven weiteren Ermittlungen" habe der Ermittlungsrichter am BGH nun erneut Haftbefehl erlassen, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Nach früheren Medienberichten steht R. als Nummer 435 auf der amtlichen ruandischen Liste gesuchter Verantwortlicher des Genozids von 1994 . Damals hatten Mitglieder der Hutu-Mehrheit von April bis Mitte Juli etwa 800.000 Menschen ermordet. Rund 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie politisch moderate Hutu wurden getötet.