Spendenskandal Sarkozy sieht sich verleumdet
Frankreichs Präsident wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Partei habe illegal Wahlkampfspenden einer Unternehmerin angenommen. Doch der Druck auf seine Regierung wächst.
Über viele Jahre hinweg soll der amtierende Staatschef Nicolas Sarkozy von der reichsten Frau des Landes illegal Hunderttausende Euro angenommen haben. So machte es eine Buchhalterin öffentlich. Der Präsident reagierte entrüstet auf den Vorwurf: Alles sei "absolut falsch", sagte ein Sprecher. Dann sprach Sarkozy selbst von Verleumdung. "Ich wäre so froh, wenn das Land sich so leidenschaftlich für die großen Probleme interessieren würde", sagte der Staatschef. Der Präsident nannte "das Gesundheitswesen, die Renten, wie wir Wachstum schaffen". Stattdessen stürze sich Frankreich "auf die erstbeste Verleumdung", die nur einer Sache dienen solle – die Regierung "zu beschmutzen".
Konkret geht es um 150.000 Euro, die die L'Oréal-Großeignerin Liliane Bettencourt Sarkozys Parteienbündnis UMP für dessen Präsidentenwahlkampf im Jahr 2007 gezahlt haben soll . Die langjährige Buchhalterin Bettencourts, Claire T., sagte dem Nachrichtenportal Mediapart , der Vermögensverwalter der Milliardärin habe Frankreichs amtierenden Arbeitsminister Eric Woerth – zugleich Schatzmeister der UMP – das Geld bei einem Essen bar in einem Umschlag zugesteckt. Gesetzlich erlaubt sind nur Parteispenden bis 7500 Euro im Jahr, davon 4600 Euro für einen Wahlkampf; bei Barspenden liegt die Obergrenze bei 150 Euro.
Doch auch Sarkozy selbst soll neben etlichen anderen konservativen Politikern jahrelang ein regelmäßiger Gast der Bettencourts gewesen sein. "Die Politiker gingen im Haus ein und aus, vor allem wenn Wahlen waren", sagte Claire T.. Bisweilen habe André Bettencourt, der Ehemann der L'Oréal-Eignerin, ihnen "100.000 oder sogar 200.000 Euro" zugesteckt.
Sarkozy war von 1983 bis 2002 Bürgermeister des Pariser Vororts Neuilly, der Gemeinde mit den reichsten Bürgern Frankreichs, wo auch die Bettencourts residieren. Die Vorwürfe gegen ihn und seine Partei sind bislang freilich noch nicht bewiesen. Claire T. nennt Mediapart zwar viele Details und behauptet, fein säuberlich Kassenbuch geführt zu haben. Allerdings liegen die Aufzeichnungen nicht vor. Die frühere Buchhalterin behauptet, die heiklen Notizen am Ende dem Hause Bettencourt übergeben zu haben. Dort sucht man bisher vergebens nach den Heften.
Für Frankreichs ohnehin schon von Affären gezeichnete Regierung ist der Schaden dennoch schon jetzt enorm. Denn der Verdacht drängt sich auf, dass die Konservativen mit den Reichen anrüchige Geschäfte in Hinterzimmern abgeschlossen haben. Sarkozy selbst hat aus seiner Nähe zu den Wohlhabenden des Landes nie einen Hehl gemacht. Beispielsweise feierte er seinen Wahlsieg 2007 mit der Crème des französischen Geldadels in einem Nobelrestaurant auf den Champs-Élysées.
Nach seinem Amtsantritt wurde zudem der UMP-Schatzmeister Woerth als Budgetminister verantwortlich für die Steuerfahndung. Seine Frau wiederum kümmerte sich um das Vermögen der Bettencourts. Madame Woerth habe für ihren Rat 13.000 Euro pro Monat plus 50.000 Euro Jahresprämie bekommen, behauptete Claire T.. Zugleich war eines der ersten Gesetze Sarkozys die Begrenzung der Gesamtsteuerlast auf 50 Prozent des Einkommens, was Bettencourt prompt eine Rückzahlung von mehr als 30 Millionen Euro einbrachte.
Trotz der Dementis von Sarkozy und seinem Minister Woerth ("Alles ist klar, alles ist sauber") steht die Regierung also unter einem hohen Druck. "Das Sarkozy-System ist korrupt", kommentierte die unterlegene sozialistische Kandidatin bei der Präsidentenwahl 2007, Ségolène Royal, die Vorwürfe. Sarkozys Berater drängen den Präsidenten daher, zügig zu reagieren. Der Staatschef müsse schnell handeln, sagte sein langjähriger Mentor, Ex-Premier Edouard Balladur.
Doch Sarkozy steckt in einer Zwickmühle: Viele Parteifreunde denken, es wäre das Beste, wenn der Präsident Woerth opfert und das Kabinett umbildet. Doch der Arbeitsminister sollte eigentlich die umstrittene Rentenreform auf den Weg bringen. "Wenn Eric Woerth morgen gehen muss, bringt das die ganze Architektur ins Ungleichgewicht, die es heute der Regierung ermöglicht, bei der Rentenreform voranzugehen", sagte dann auch Industrieminister Christian Estrosi. Ein Abgang Woerths sei "also undenkbar". Ein Ministerberater hält anonym dagegen: "Woerth muss unbedingt bis (zum Beschluss der Rentenreform im Kabinett) nächsten Dienstag durchhalten." Danach seien die Franzosen sowieso am Strand.
Ob nun mit Woerth oder nicht, Frankreichs Konservative droht eine äußerst ungemütliche Zukunft: Wenn die Justiz energisch ermittelt, kann der Skandal Sarkozys letzte zwei Amtsjahre beherrschen und seine Wiederwahl 2012 infrage stellen. "Nicht nur die Presse, sondern auch die Justiz muss ihre Arbeit bis zum Ende führen", forderte der langjährige Sozialistenchef François Hollande. "Wir müssen Klarheit schaffen." Sarkozy persönlich muss jedoch vorerst keine Angst vor den Richtern haben: Als Präsident genießt er – außer bei Hochverrat – juristische Immunität.
- Datum 06.07.2010 - 14:48 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
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gilt natürlich auch hier, aber so fangen sie doch immer an, solche Affären. Ertappt oder nicht - alles bestreiten und auf die Aufklärer zeigen ist die Vornverteidigung.
Allerdings muss man sich hier wirklich fragen, wieso diese Sache ausgerechnet jetzt hochkommt, wo die fraglichen Geschehnisse doch länger zurück liegen. Wieder ein Musterbeispiel für Intrigenprozeduren in der hohen Politik ?
Typisch französisch allerdings der Verweis darauf, dass die Franzosen ab nächsten Dienstag sowieso am Strand seien...
Ich finde es schon bemerkenswert, dass Sarkozy jetzt über DIESE Affäre von vor ein paar Jahren stolpern soll, in der es doch letztlich nur um Geld geht.
Das hat die steigende Zahl Obdachloser und Kältetoter in Paris' Straßen nicht vermocht,
auch nicht die 29.500 Abschiebungen, die Sarkozy im Vorhinein als Zahl festgelegt - und dann erreicht – hat,
auch nicht die hunderttausenden Langzeitarbeitslosen, die dieses Jahr noch ihr „fin de droit“ sehen, sprich keine staatliche Unterstützung mehr haben werden,
auch nicht die Einsetzung ungelernter Teilzeitkräfte in Lehrerposten, um die geplante Stellenreduzierung an den Schulen zu erreichen,
auch nicht die Zerstörung der Renten bei gleichzeitiger Entlastung der Arbeitgeber-Sozialabgaben,
auch nicht die Verschiebung des Verhältnisses Löhne-Dividenden zu Ungunsten der Arbeiter.
Ob Deutschland oder Frankreich, wir akzeptieren die tägliche Unmoralität unserer Spitzenpolitiker, um sie dann an einer x-beliebigen Geldaffäre vorzuführen.
Warum? Weil es uns die Auseinandersetzung mit den echten Problemen erspart...
Pourri.
Auch er fühlte sich verleumdet. Schließlich gab er solchen Leuten doch sein Ehrenwort.
Zum Kommentar 1, der Zeitpunkt hat nichts Besonderes an sich, am 2. Juli war einfach und schlicht der Prozessbeginn, um einem Bekannten der "Unternehmerin" - so hier liebedienerisch die Zeit, Mme Bettencourt ist von Beruf Ehefrau und Erbin, aber mit Sicherheit nicht Unternehmerin - im Auftrag der Tochter der laut Zeit "Unternehmerin" ca. 980 Millionen euro wieder abzunehmen, die er, laut Tochter, dieser abgeluchst hatte, d.h. machte mehr oder minder den Gesellschafter und wurde dafür reich beschenkt, was der Tochter aber missfiel und missfällt. Daher wird behauptet, die laut Zeit "Unternehmerin" sei bei diesen Schenkungen nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte gewesen, allerdings sieht es keineswegs nach geistiger Umnachtung aus, in einem Land wie Ladoucefrance rechten Spitzenpolitikern zur Rechtsparteienfinanzierung namhafte Beträge zukommenzulassen, und auch spricht es nicht für Senilität, Extremauslandsvermögen vor der F-Steuer in Sicherheit zu bringen: Schweiz, Karibik. In ebenderletzten soll übrigens der Gesellschafter laut gewissen Behauptungen eine Insel der laut Zeit "Unternehmerin" (Frau Bettencourt nur als "Unternehmerin"? Quatsch, sie ist eine echte "Leistungsträgerin", und die FDP der Deutschen will das Wohl aller Deutschen, und Weihnachten ist jetzt schon Ostern!) "halten", was also die "Geschenke" ggf. als Honorare gleich viel verständlicher erschienen liesse. Aber dass die F-Justiz in solchen Kreisen korrekt ermittelte, wäre allerdings eine Première.
habt ihr euch auch einen Berlusconi gewählt...
Es gilt die Konsequenzen einer Handlung zu unterscheiden,
wenn i) 150000 € für eine Wahl von Sarkozy zum Präsidenten
ausgegeben wurden und ii) ob 150000 € nicht nur
zur Steuerhinterziehung ausgegeben wurden, dann impliziert
eine solche Handlung der Geldausgabe gemäss i) automatisch
die Annulation der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy.
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