Geheimdienste Moskaus schöne Spione
Der russische Spionagering in den USA erweist sich zunehmend als Gaunerkomödie: Offenbar interessierten sich die Agenten mehr für ihr Leben als für sensibles Material.
© Emmanuel Dunand/dpa/Getty Images

Die vermeintliche russische Spionin Anna Chapman macht derzeit in den US-Medien Karriere als "James-Bond-Girl"
Der Skandal hat ein Bild: eine hübsche junge Frau mit roten Haaren, deren Vater Offizier beim KGB war, dem ehemaligen Geheimdienst der untergegangenen Sowjetunion. Und so wird Anna Chapman, die angebliche Anführerin eines russischen Spionagerings in den USA im Jahr 2010 in manchen Medien wahlweise als "James-Bond-Girl" oder als moderne "Mata Hari" porträtiert – in Anlehnung an die legendäre Nackttänzerin und Doppelagentin im Ersten Weltkrieg, die in deutschen Diensten stand und 1917 in Frankreich hingerichtet wurde. Es heißt sogar, Chapman-Fotos hingen bereits in den Spinden angehender amerikanischer Geheimdienstler und Abwehrspezialisten: wahlweise als verführerisches Pin-up- Girl oder als Warnung, welche Gefahren in dem Metier lauern.
Am Sonntag hatte das FBI den angeblichen Spionagering auffliegen lassen , nur wenige Tage nach dem Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew im Weißen Haus. Das schafft zusätzliche politische Brisanz. Wann wusste Barack Obama wie viel von dem bevorstehenden Zugriff? Schon als er mit Medwedew über den "Reset" der Beziehungen sprach? Eine ernste Geheimdienstaffäre könnte den Neustart, den beide Seiten offiziell wünschen, vereiteln.
US-Zeitungen spekulieren seither, ob alte Kameraden in den Geheimdienstapparaten der einen oder der anderen Seite, die noch in den Kategorien des Kalten Krieges denken, konspiriert haben, um die politische Annäherung zwischen den beiden Präsidenten zu torpedieren. Und dann gibt es da ja auch noch den Machtkampf in Moskau zwischen Staatsoberhaupt Medwedew und Premierminister Wladimir Putin, der als der wahre Machthaber hinter den Kulissen gilt. Putin war selbst ein KGB-Mann. Wollte die US-Seite mit der Enttarnung womöglich Putin schwächen und den umgänglicheren Medwedew stärken?
Die Details, die bei den Haftprüfungsterminen der elf verhafteten Geheimagenten in den jüngsten Tagen zur Sprache kommen oder von ungenannten Quellen im FBI oder den einschlägigen Diensten in amerikanischen Medien lanciert werden, ergeben freilich ein ganz anderes Bild als hochkarätige Spionage oder eine raffinierte Einflussnahme auf die politischen Machtverhältnisse. Es ist wahlweise Dilettantismus von Möchtegernspionen – oder eine Gaunerkomödie, bei der nicht die USA ausspioniert wurden, sondern Russland der Betrogene ist: weil Moskau über Jahre einige Millionen Dollar für die Finanzierung des Mittelklasselebens mehrerer Familien in New York, Boston und im Raum Washington ausgegeben hat, ohne je Informationen von substanziellem Gegenwert zu erhalten.
Was die US-Ermittler bisher an Erkenntnissen veröffentlicht haben, reicht nicht einmal für den Vorwurf der Spionage. Offiziell geht es um die nicht deklarierte Tätigkeit für eine ausländische Regierung und um Geldwäsche. Ganz banale Alltagsfragen vom Kindergarten über die Verabredung mit Freunden bis Hausbesitz haben die angeblichen Agenten weit mehr beschäftigt als die Überlegung, wie sie an sensibles Material gelangen oder mögliche Informanten in einflussreichen Stellungen kennen lernen.
Wären da nicht einige unbestreitbar konspirative Aspekte, hätte sich die Affäre in der öffentlichen Wahrnehmung längst vom angeblichen Spionagedrama zur Farce verschoben. Die Mehrzahl der elf Verhafteten lebte unter falscher Identität in den USA. "Michael Zottoli" und "Patricia Mills", die mit zwei kleinen Söhnen in Arlington vor den Toren Washingtons wohnen, heißen in Wahrheit Mikhail Kutzik und Natalia Pereverzeva und sind russische Bürger. In New York gab "Juan José Lazaro" zu , dass auch er in Wahrheit ein Russe sei. Seine Frau, Vicky Pelaez, wurde als einzige von der Haft verschont – gegen eine Kaution von 250.000 Dollar. Ihre Identität ist unstrittig: die politisch links stehende Kolumnistin von El Diario , der größten Zeitung für Immigranten aus Lateinamerika in New York.
Beim Haftprüfungstermin für ein weiteres Agentenpaar in Boston stöhnte der Richter nach der Befragung: "Wir wissen doch gar nicht, wer diese Leute wirklich sind." Der Mann wollte weiter unter dem falschen Namen "Donald Heathfield" angesprochen werden. Seine Frau, die in der Tarnwelt als "Tracey Lee Ann Foley" auftrat, bat den Richter, sie "Angeklagte Nr. 5" zu nennen. So bleiben sie bis auf weiteres in Haft – wegen Fluchtgefahr. Ein Mitverschwörer hatte sich nach Zypern abgesetzt und war dort festgenommen worden. Als er dann aber gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, nutzte er die Gelegenheit, um zu verschwinden.
Russland reagiere anders als im Kalten Krieg, heben US-Zeitungen hervor. Früher habe es in solchen Situationen bestritten, dass verhaftete Spione irgendetwas mit Moskau zu tun haben könnten. Diesmal hat Russland bestätigt, dass einige der Verdächtigen russische Bürger seien.
Und das rothaarige Bond-Girl? Diese Mata Hari reicht an das große Vorbild offenbar nicht heran: eine junge Frau, die das Leben unter dem Cover einer Immobilienmaklerin in New York interessant und materiell angenehm fand.
- Datum 04.07.2010 - 10:03 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Obama hat Schwierigkeiten mit den US-Geheimdiensten. Diese sollen den russischen Spionagering schon über ein Jahr observiert haben. Und in Verbindung mit dem Besuch von Medwedew hat man den Ring auffliegen lassen (obwohl man wußte, dass die Spione überhaupt nicht gefährlich waren).
Damit sollte auf jeden Fall OBAMA in Schwierigkeiten gebracht werden. Er wußte bei dem Besuch von MEDWEDEW bereits von dem russischen Spionagering.
Ich muß dabei an das merkwürdige Verhalten des US-Generals McChrystal denken, der auch nur OMAMA und seiner Mannschaft mit den Beleidigungen Schaden wollte. OBAMAS Situation wird immer schwieriger!
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
Anfangs durfte man in den dpa-Artikeln noch von eindeutig belastenden Telefon- und Abhörmitschnitten lesen.
Haben die Wettermacher-Agenten von dpa mal wieder mehr versprochen, als zu was sich die reale Polit-Meteorologie dann letztlich mitreißen ließ?
Nicht verzagen. Beim Dreckschleudern wird immer auch jemand getroffen ... und irgendwann bestimmt auch einer, der dann angepisst reagiert ... und bums, hat man eine neue Meldung im Ticker. Bis dahin schadet's nichts - ist es regelrecht notwendig -, dass man die alten Fronten in Erinnerung hält.
kann man dies als PR-Maßnahme für den Film von Angelina Jolie ansehen, die eine russische Spionin darstellt. Zumal auch der Bruder von Rahm Emmanuel in Hollywood arbeitet. Danke an Max Keiser.
Die Russen haben also nichts bestritten sondern eingeräumt, das es sich um Russische Bürger handelt - und ,sind es deshalb gleich Spione? Das ganze ist eine Lachnummer, wie sie nicht besser sein kann.
Man hat nicht einen wirklichen Vorwurf oder Beweis und macht deshalb den Aufstand ? 10 Jahre Überwachung und nichts handfestes, was den Vorwurf tatsächlich begründet?
Da hat sich wohl das Ermittlungspersonal des FBI vorführen lassen - vermutlich sogar durch ihren eigenen Geheimdienst, die lediglich mal etwas Unruhe in die Einigkeit zwischen die Russen und die Amerikanern bringen wollten und auch wohl gelungen scheint.
Das die Russen zugeben, das es sich um Russische Bürger handelt, beweist doch lange nicht, das die Regierung aus Moskau etwas damit zu tun hat - zumal sie ihre Agenten recht gut ausgebildet hat, was wohl hier eher nicht so der Fall war.
Den ganzen Artikel gelesen? Kleines Zitat:
"Ein Mitverschwörer hatte sich nach Zypern abgesetzt und war dort festgenommen worden. Als er dann aber gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, nutzte er die Gelegenheit, um zu verschwinden."
Und noch eins:
"Die Mehrzahl der elf Verhafteten lebte unter falscher Identität in den USA. "Michael Zottoli" und "Patricia Mills", die mit zwei kleinen Söhnen in Arlington vor den Toren Washingtons wohnen, heißen in Wahrheit Mikhail Kutzik und Natalia Pereverzeva und sind russische Bürger."
Den ganzen Artikel gelesen? Kleines Zitat:
"Ein Mitverschwörer hatte sich nach Zypern abgesetzt und war dort festgenommen worden. Als er dann aber gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, nutzte er die Gelegenheit, um zu verschwinden."
Und noch eins:
"Die Mehrzahl der elf Verhafteten lebte unter falscher Identität in den USA. "Michael Zottoli" und "Patricia Mills", die mit zwei kleinen Söhnen in Arlington vor den Toren Washingtons wohnen, heißen in Wahrheit Mikhail Kutzik und Natalia Pereverzeva und sind russische Bürger."
Den ganzen Artikel gelesen? Kleines Zitat:
"Ein Mitverschwörer hatte sich nach Zypern abgesetzt und war dort festgenommen worden. Als er dann aber gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, nutzte er die Gelegenheit, um zu verschwinden."
Und noch eins:
"Die Mehrzahl der elf Verhafteten lebte unter falscher Identität in den USA. "Michael Zottoli" und "Patricia Mills", die mit zwei kleinen Söhnen in Arlington vor den Toren Washingtons wohnen, heißen in Wahrheit Mikhail Kutzik und Natalia Pereverzeva und sind russische Bürger."
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