Agentenaffäre Die Spione, die zurück in die Kälte gehen

Die zehn in den USA enttarnten Spione Russlands sind wieder frei. Im Austausch für vier West-Agenten wurden sie in Wien den USA übergeben.

Die spektakuläre Spionageaffäre zwischen den USA und Moskau wurde mit einem Agentenaustausch beendet. Um die zehn in den USA festgenommenen russischen Spione freizubekommen, hat Moskau vier mutmaßliche westliche Agenten entlassen.

Der größte Agentenaustausch seit Ende des Kalten Krieges fand am Wiener Flughafen statt. Die Prozedur habe rund eine Stunde gedauert, berichteten US- Medien. Beobachter gehen davon aus, dass die Agenten im Transitbereich oder in einem Fahrzeug übergeben worden sind – also ohne offiziell österreichischen Boden zu betreten. "Der Austausch ist vollendet", bestätigte ein Sprecher des US-Justizministeriums.

Russlands Außenministerium bestätigte das diplomatische Manöver nicht direkt, gab aber bekannt, dass die Geheimdienste beider Staaten "im Geiste der konstruktiven Partnerschaft" die Rückkehr von zehn russischen Bürgern erreicht hätten – gleichzeitig übergebe Moskau den USA vier Häftlinge.

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Die in den USA enttarnten Spione waren in der Nacht zu Freitag in einer von der US-Regierung gecharterten Maschine der Vision Airlines von New York nach Wien geflogen, heißt es in Medienberichten. Der Flieger und eine russische Maschine aus Moskau standen nach der Landung etwa zwei Stunden auf dem Rollfeld nahe beieinander und hoben dann kurz hintereinander wieder ab.

Die aus New York kommenden Agenten flogen in einem Passagierflugzeug des russischen Zivilschutzministeriums vom Typ Jakowlew Jak-42 weiter nach Moskau. Es landete am Nachmittag auf dem Flughafen Moskau-Domodedowo, meldete die Agentur Interfax. Zunächst wurde nicht bestätigt, dass sich die enttarnten Spione tatsächlich an Bord befanden. Die aus Moskau kommenden Agenten sollen auf ihrem Weg in die USA auf einer Militärbasis in England zwischengelandet sein, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Aus dem Umfeld des US-Außenministeriums heißt es, dass nicht alle der von Russland freigelassenen Agenten in die USA weiter reisten.

Um dem Deal zwischen Washington und Moskau den Weg zu ebnen, gaben die Inhaftierten vor einem Gericht in New York zu, für Russland spioniert zu haben. Das Gericht verzichtete daraufhin auf eine Verurteilung der Agenten und ordnete ihre sofortige Abschiebung an. Neben der Agententätigkeit für Russland, die mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden könnte, hatte die US-Anklage den Beschuldigten Verschwörung zur Geldwäsche zur Last gelegt. Darauf stehen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Das Gericht hat entschieden, dass die ehemaligen Agenten nie wieder in die USA zurückkehren dürfen. Davon betroffen ist auch die in Peru geborene Spionin Vicky Pelaez, die die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Die Festgenommenen sollen einem Spionagering angehören, der seit den neunziger Jahren für den Kreml in den USA spioniert haben soll. Die zehn Männer und Frauen wurden in der vergangenen Woche in New York, Boston und Virginia festgenommen. Ein weiterer Mann wurde in Zypern gefasst, ihm gelang allerdings die Flucht.

Die Entscheidung zum raschen Austausch der Agenten sei aus Gründen der "nationalen Sicherheit" sowie aus "humanitären" Erwägungen heraus getroffen worden, begründete US-Außenministeriumssprecher Mark Toner das Vorgehen. So könne die Freilassung von vier Häftlingen in Russland erreicht werden, die als westliche Spione verurteilt worden waren und lange Haftstrafen absitzen müssen. Einige der Häftlinge seien in einem schlechten Gesundheitszustand, sagte Toner.

Kurz nach Bekanntgabe des New Yorker Urteils begnadigte der russische Präsident Dmitrij Medwedjew tatsächlich vier wegen "Kontakten mit westlichen Geheimdiensten" verurteilte Häftlinge. Darunter ist nach Angaben der russischen Regierung auch der Waffenexperte Igor Sutjagin, der 2004 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Er soll Geheimunterlagen über eine CIA-Tarnfirma in Großbritannien an die USA weitergegeben haben.

Ebenfalls freigelassen wird der frühere russische Militär Sergej Skripal, der für Großbritannien spioniert haben soll. 2006 wurde er zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Frei kommen zudem der frühere russische Geheimdienstmitarbeiter Alexander Saporoschski und ein Mann namens Gennadi Wasilenko.

Vor ihrer Freilassung richteten die vier Männer ein Gnadengesuch an den russischen Präsidenten, in dem sie sich schuldig bekannten. Aus ranghohen US-Regierungskreisen hieß es, das Schuldeingeständnis der Inhaftierten sei eine Bedingung Moskaus für die Freilassung der Häftlinge gewesen.

Seit der Festnahme der russischen Agenten Ende Juni hatte die US-Regierung in Washington immer wieder ihren Willen bekräftigt, die Agentenaffäre nicht zur Belastung für das in jüngster Zeit verbesserte Verhältnis zu Moskau werden zu lassen. Aus dem Kreml hieß es nun, der Austausch sei aufgrund "des großen Vertrauens" zwischen Medwedjew und seinem US-Kollegen Barack Obama möglich gewesen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Geheimdienste Rußlands und der USA sind auch noch da:
    "Wir sind wichtig!" - Ein tatsächlich wirksam für die Gegenseite gearbeiteter Spion wird nach Aufdeckung monatelang vernommen, um den angerichteten Schaden zu erkennen und ggf. zu reparieren.

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    • SP1
    • 09.07.2010 um 9:00 Uhr

    Dass die in den USA festgenommenen keine "tatsächlich wirksamen" Geheimdienstmitarbeiter wären, oder, dass die USA mit dem frühen Austausch einen Fehler begangen hätten?

    • SP1
    • 09.07.2010 um 9:00 Uhr

    Dass die in den USA festgenommenen keine "tatsächlich wirksamen" Geheimdienstmitarbeiter wären, oder, dass die USA mit dem frühen Austausch einen Fehler begangen hätten?

    • medwed
    • 09.07.2010 um 8:55 Uhr

    In Moskau schwitzen die Leute zur Zeit bei rund 33 Grad, im Süden an der Wolga sind es 40 Grad - Tendenz steigend. Zurück in die Kälte...? Schon eher ins Fegefeuer, oder so ähnlich. Ich kenne natürlich John le Carré, finde den Titel des Berichts aber trotzdem ulkig angesichts der momentanen Temperaturen.

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    würden diese Spione "aus der Kälte kommen" (d.h. aufhören, als solche zu arbeiten). Im Feld werden die garantiert so schnell nicht nochmal eingesetzt, jetzt nachdem sie aufgeflogen sind.

    würden diese Spione "aus der Kälte kommen" (d.h. aufhören, als solche zu arbeiten). Im Feld werden die garantiert so schnell nicht nochmal eingesetzt, jetzt nachdem sie aufgeflogen sind.

    • SP1
    • 09.07.2010 um 9:00 Uhr

    Dass die in den USA festgenommenen keine "tatsächlich wirksamen" Geheimdienstmitarbeiter wären, oder, dass die USA mit dem frühen Austausch einen Fehler begangen hätten?

  2. würden diese Spione "aus der Kälte kommen" (d.h. aufhören, als solche zu arbeiten). Im Feld werden die garantiert so schnell nicht nochmal eingesetzt, jetzt nachdem sie aufgeflogen sind.

    • k2
    • 09.07.2010 um 18:54 Uhr

    Gollia wusste sehr genau, dass in den meisten russischen Zeitungen zu mindestens einem ausgetauschten CIA-Agenten mit allen Kennzeichen des typischen Terroristen, welcher
    heimtückisch Bomben baute und damit Menschen verstümmelt
    hatte, für jedes Schulkind deutlich zu lesen war. Gollia
    weiss auch sehr genau, dass Nicht-Wissen vor Strafe kein
    Schutz sein kann:Das ist der oberste Grundsatz von Recht
    und Ordnung.

    http://www.bmi.gv.at/cms/...

    http://www.bmi.gv.at/cms/...

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