Südkorea Obamas bester Freund
Das Pentagon hat gemeinsame Manöver mit Südkorea im Gelben Meer angekündigt. Ein Signal an Nordkorea und China über die gewachsene Bedeutung Seouls in Ostasien.
© Reuters

Pflegen eine gute Zusammenarbeit: US-Präsident Obama und sein südkoreanischer Amtskollege Lee in Toronto (G 20)
Washington und Seoul blieb am Ende keine Wahl, sie mussten einwilligen: Nordkorea will wieder in der Sechs-Parteienrunde über sein Atomprogramm verhandeln. Das behauptet Pjöngjang zumindest. Die USA und Südkorea hatten zuvor als Bedingung gestellt, dass Nordkorea vor der Wiederaufnahme dieser Runde seine Verantwortung für den Cheonan-Abschuss eingesteht. Das hat das Regime von Kim Jong Il aber wie erwartet nicht getan. Nach Erkenntnissen eines internationalen Ermittlerteams ist das südkoreanische Kriegsschiff im März durch einen nordkoreanischen Torpedo versenkt worden, 46 Seeleute starben dabei. Ein eindeutiges Ergebnis hat die tödliche Attacke auf das Schiff jedoch gehabt: Sie hat die Beziehungen zwischen Washington und Seoul weiter vertieft.
Der UN-Sicherheitsrat hatte die Versenkung der Korvette vor Kurzem zwar verurteilt. Doch als Zugeständnis an China, Nordkoreas einzigem Gesprächspartner und eine Art Schutzmacht, wurde Pjöngjang nicht als Verursacher genannt. Der kommunistische Norden unter seinem Diktator Kim Jong Il will eigentlich direkt mit den Washington verhandeln. Und er will eine Sicherheitsgarantie sowie einen Friedensvertrag mit den USA und China über das Ende des Koreakrieges 1953. Doch nach der Cheonan-Affäre musste Pjöngjang auf drängen Pekings, nach eineinhalb Jahren Abwesenheit, die Atomgespräche mit den USA, Russland, China, Südkorea und Japan wieder aufnehmen.
Möglicherweise war das aber im Kalkül Pjöngjangs, denn das Verhandeln in dieser Runde gehört zu den wenigen Möglichkeiten, Hilfsgüter gegen Versprechungen über die Einstellung des Atomprogramms zu ergattern. Wirtschaftshilfen, die Kim Jong Il vor allem für die Befriedigung der Bedürfnisse von Militärs und Parteikadern braucht. Bislang wurde Kim jedoch nach Verhandlungsergebnissen immer wortbrüchig, das Wissen, über Raketen- und Atomtechnik zu verfügen, hat ihn gegenüber der internationalen Gemeinschaft unabhängig gemacht.
Wirklich Einfluss nehmen auf die Machthaber in Pjöngjang kann nur China. Zu starken Druck wird Peking aber nicht aufbauen. Die chinesische Regierung fürchtet einen Zusammenbruch des maroden Staates im Norden der Halbinsel – genauso wie Südkorea rechnet Peking nach einem Kollabieren Nordkoreas mit unkontrollierbaren Flüchtlingsströmen aus dem verarmten Land. Zudem verfolgt das Rohstoff hungrige China wirtschaftliche Interessen: Es will künftig von den reichen Bodenschätzen Nordkoreas profitieren.
Doch aus sicherheitspolitischer Perspektive hat Peking in seiner Funktion als Regionalmacht eigentlich versagt. Es war Gastgeber unzähliger Verhandlungsrunden, ohne dass ein Erfolg zu verzeichnen wäre. Im Gegenteil, Pjöngjang narrte auch die chinesische Regierung. So ließ Kim Jong Il Mittelstreckenraketen in Richtung Japan abschießen und – zum Ärger der Chinesen – eine Atomwaffe zünden, von der keiner genau sagen kann, ob sie schon zum Angriff taugen würde.
Südkoreas konservative Regierung unter Präsident Lee Myung Bak steht daher vor der Frage, ob es wieder in einen Dialog mit dem Norden tritt – so, wie es zuletzt die liberalen Vorgänger taten – oder ob sie angesichts der bisherigen Ergebnislosigkeit eher auf abschreckende Signale setzt. Lee tendiert zu einer Politik der Stärke, woraus er keinen Hehl macht. Bereits nach dem Zünden der Nuklearwaffe im Nachbarland im Mai 2009 verkündete Seoul eine milliardenschwere Aufrüstung.
Nach der Cheonan-Attacke verlängerte US-Präsident Obama auf Veranlassung Lees am Rande des letzten G-20-Gipfels die Rückgabe der US-Befehlsgewalt über die südkoreanischen Streitkräfte in Kriegszeiten – ein Relikt aus dem Korea-Krieg – von 2012 auf 2015. Kritiker sagen, das Militär des Südens sei auf die Cheonan-Attacke nicht ausreichend vorbereitet gewesen. Und aktuell verkündet das Pentagon gemeinsame Seemanöver mit der südkoreanischen Marine im Gelben Meer – trotz der Einwände Chinas. Von Entspannungspolitik kann in Ostasien zurzeit keine Rede sein.
- Datum 15.07.2010 - 18:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Abgesehn von Meldungen ueber Samsung oder im Vergleich zu Nordkorea hoert man selten etwas ueber Suedkorea. Welche Rolle spielt Suedkorea eigentlich in Asien? Ist es noch ein Schwellenland oder kann es schon zu den Industrienationen gezaehlt werden? Was bietet das Land ausser schnellen Internetleitungen und Mobil-TV oder warum ist es gerade dort so fortschrittlich? Wie steht es um die Bildung und Kultur der Menschen dort? Aehnelt es Japan? Suedkorea hat in der Pisa-Studie, soweit ich mich erinnern kann, in Mathematik sehr gut abgeschnitten. Woran lag das? Wie hat es die Wirtschaftskrise ueberstanden? Kann man es gar als Ausblick in die Zukunft seiner Nachbarlaender betrachten?
Suedkorea ist fuer mich ein Land mit vielen Unbekannten, wirkt aber irgendwie recht modern, obwohl man es eigentlich nie in einem Atemzug mit Japan hoert - ausser bei der vorletzten Fussball-WM.
In Zeiten, wo dem Westen die Antworten auf globale Probleme ausgehen, China aber fuer uns keine Alternative sein kann, waere es erfrischend, ueber die anderen Aufsteiger in der Ferne Bescheid zu wissen!
Guter Kommentar, ich stimme zu und lüfte den Hut.
Für diesen Atemzug haut ihnen der Südkoreaner erst mal eins über. Das Feindbild Nummer eins ist der Japaner. Diese ehemalige Kolonialbösewichtsfunktion wird kultiviert unter Koreanern; das merkt man gleich (ich war nur einmal da).
Die Gesellschaft selbst ist sehr stark konfuzianistisch aufgebaut in ihrem Selbstverständnis - das zieht sich durch sämtliche öffentliche Kulturen bis in die Firmen und Universiäten. Es gibt, soweit ich weiss, kein anderes asiatisches Land (schon gar nicht Japan; die sind Buddhisten und dagegen fast schon liberale Europäer), welches derart den Konfuzius verinnerlicht hat. Das heißt, der Koreaner orndet alles nach Altershierarchien und muss entsprechend immer erst das Alter seines Gegenübers ausforschen, damit er weiss, mit welchen Worten und Gesten er zu handeln hat. Die Alten und Eltern müssen immer verehrt werden; kein Widerspruch (egal wie dumm, was von der Seite kommt). Es ist ein sehr anstrengendes System - aber gnadenlos gegen Aus-der-Reihe-Tanzer. Narrenfreiheit nur für westliche Touristen.
Guter Kommentar, ich stimme zu und lüfte den Hut.
Für diesen Atemzug haut ihnen der Südkoreaner erst mal eins über. Das Feindbild Nummer eins ist der Japaner. Diese ehemalige Kolonialbösewichtsfunktion wird kultiviert unter Koreanern; das merkt man gleich (ich war nur einmal da).
Die Gesellschaft selbst ist sehr stark konfuzianistisch aufgebaut in ihrem Selbstverständnis - das zieht sich durch sämtliche öffentliche Kulturen bis in die Firmen und Universiäten. Es gibt, soweit ich weiss, kein anderes asiatisches Land (schon gar nicht Japan; die sind Buddhisten und dagegen fast schon liberale Europäer), welches derart den Konfuzius verinnerlicht hat. Das heißt, der Koreaner orndet alles nach Altershierarchien und muss entsprechend immer erst das Alter seines Gegenübers ausforschen, damit er weiss, mit welchen Worten und Gesten er zu handeln hat. Die Alten und Eltern müssen immer verehrt werden; kein Widerspruch (egal wie dumm, was von der Seite kommt). Es ist ein sehr anstrengendes System - aber gnadenlos gegen Aus-der-Reihe-Tanzer. Narrenfreiheit nur für westliche Touristen.
Guter Kommentar, ich stimme zu und lüfte den Hut.
Ja, unter Lee ist wieder eine deutliche Annäherung an den amerikanischen Bündnispartner zu erkennen.
Das Verhältnis der beiden Staaten, welches unter Bush und
nicht zuletzt durch seine Aussage , dass Nordkorea zu der berühmt berüchtigten Achse des Bösen zu zählen sei und der damit im Widerspruch stehenden forcierten Entspannungspolitik Rohs, doch ziemlich gelitten hatte, ist unter Lee wieder deutlich besser geworden.
Das hat, wie der Autor richtig bemerkt, mehrere Gründe.
Zum einen ist der derzeitige Amtsinhaber eher konservativ und preferiert eher eine Politik der Stärke gegenüber Nordkorea. Auch weil die Entspannungspolitik seiner Vorgänger kaum von Erfolg gekrönt war. Nordkorea ist bis auf einige wenige Sonderwirtschaftszonen mit Südkorea so abgeschottet wie zuvor.
Und auch das Verhältnis Südkoreas zu China hat sich in den letzten Jahren nach einer Zeit der Entspannung wieder zum Schlechten entwickelt. Ein Schlüsselereignis dürfte die Koguryo-Debatte sein. Im Grunde genommen ging es dabei um ein 1500 Jahre altes Königreich, welches von vielen Koreanern als der erste originär koreanische Staat betrachtet wird. Da dieser Staat aber auch Teile der heutigen Mandschurei umfasste, sprachen einige chinesische Historiker von einem chinesischen Staat. Seitdem hat sich die Wahrnehmung Chinas in Südkorea zum Schlechten gewandelt.
Auch die immer größere Militärmacht Chinas wird in Südkorea als Bedrohung empfunden. China hat immerhin 1,3 Mrd. Einwohner, Skorea 50 Mio.
Diese angebliche "Erwiesenheit" des nordkoreanischen Torpedos ist, soweit ich weiss, eine einzge Farce: erwiesen ist das nur für die (in Südkorea gleichgeschaltete und regierungskontrollierte) Presseagentur, die sämtliche westlichen Journalisten auch nur anzapfen. Die 46 Männer jedenfalls wurden nicht gerettet - obwohl das möglich war (alle hohen Dienstgrade wurden aber gerettet; die unteren wurden offenbar "geopfert"). Welches "Ziel" steckte dahinter?
Der wirtschaftliche Aufstieg Südkoreas ging nur durch eine Diktatur - das ist so üblich; der Rückständige findet so am besten Anschluss ans moderne Wirtschafts-Geschehen (das war mit den Nazis hier auch nicht anders). Die Liberalisierung Südkoreas seit Mitte der 90er Jahre versucht Lee nun wieder ins diktatorische zu wenden - offenbar mit allen medialen Mitteln und Wässerchen. Der Bevölkerung wird so das Wirtschaftskrisenheil versprochen. Ein Rückschritt der Demokratie unter Lee, ein dicke Pfui.
Für diesen Atemzug haut ihnen der Südkoreaner erst mal eins über. Das Feindbild Nummer eins ist der Japaner. Diese ehemalige Kolonialbösewichtsfunktion wird kultiviert unter Koreanern; das merkt man gleich (ich war nur einmal da).
Die Gesellschaft selbst ist sehr stark konfuzianistisch aufgebaut in ihrem Selbstverständnis - das zieht sich durch sämtliche öffentliche Kulturen bis in die Firmen und Universiäten. Es gibt, soweit ich weiss, kein anderes asiatisches Land (schon gar nicht Japan; die sind Buddhisten und dagegen fast schon liberale Europäer), welches derart den Konfuzius verinnerlicht hat. Das heißt, der Koreaner orndet alles nach Altershierarchien und muss entsprechend immer erst das Alter seines Gegenübers ausforschen, damit er weiss, mit welchen Worten und Gesten er zu handeln hat. Die Alten und Eltern müssen immer verehrt werden; kein Widerspruch (egal wie dumm, was von der Seite kommt). Es ist ein sehr anstrengendes System - aber gnadenlos gegen Aus-der-Reihe-Tanzer. Narrenfreiheit nur für westliche Touristen.
In Japan werden Alte Menschen auch sehr respektiert, wobei die Jugend heute in Japan immer mehr aus den Fugen gerät und sich "ungewöhnlich" anzieht.
lieber Neumannder. Der Zusammenhang zwischen Diktatur und wirtschaftlichen Aufschwung ist etwas komplexer als in Ihrem Kommentar dargestellt. Würde ich Ihrer Meinung folgen müsste Nordkorea ja eine blühende Wirtschaftsnation sein.
Und auch der Vergleich zu der Naziregierung in Deutschland hinkt etwas. Immerhin war Deutschland auch davor ein wirtschaftlich starkes Land in Deutschland, ob landwirtschaftlich, technologisch oder Schwerindustrie. Die schwache Phase in den 30ern war wohl eher in einer Weltwirtschaftskrise zusehen, die jedes Land im Griff hatte.
Und in die Rolle des "starken Mannes" ist Herr Lee wohl auch eher durch das Zündeln seines Nachbarn getrieben worden. Es würde sich mir nämlich die Frage stellen, wie er auf Atomtests, Mittelstreckenraketentests und diverse "Zwischenfälle", von denen der Korvettenfall nur ein kleiner Part ist anders reagieren sollte.
Und zu Ihrer Kritik an der Gesellschaftsform kann ich nu erwiedern, dass es hunderte von Jahre geklappt hat, warum sollten sie unbedingt unsere Werte kopieren? Wer sagt Ihnen, dass unsere Gesellschaftsform optimal ist?
In Japan werden Alte Menschen auch sehr respektiert, wobei die Jugend heute in Japan immer mehr aus den Fugen gerät und sich "ungewöhnlich" anzieht.
lieber Neumannder. Der Zusammenhang zwischen Diktatur und wirtschaftlichen Aufschwung ist etwas komplexer als in Ihrem Kommentar dargestellt. Würde ich Ihrer Meinung folgen müsste Nordkorea ja eine blühende Wirtschaftsnation sein.
Und auch der Vergleich zu der Naziregierung in Deutschland hinkt etwas. Immerhin war Deutschland auch davor ein wirtschaftlich starkes Land in Deutschland, ob landwirtschaftlich, technologisch oder Schwerindustrie. Die schwache Phase in den 30ern war wohl eher in einer Weltwirtschaftskrise zusehen, die jedes Land im Griff hatte.
Und in die Rolle des "starken Mannes" ist Herr Lee wohl auch eher durch das Zündeln seines Nachbarn getrieben worden. Es würde sich mir nämlich die Frage stellen, wie er auf Atomtests, Mittelstreckenraketentests und diverse "Zwischenfälle", von denen der Korvettenfall nur ein kleiner Part ist anders reagieren sollte.
Und zu Ihrer Kritik an der Gesellschaftsform kann ich nu erwiedern, dass es hunderte von Jahre geklappt hat, warum sollten sie unbedingt unsere Werte kopieren? Wer sagt Ihnen, dass unsere Gesellschaftsform optimal ist?
Und Konfuzius wird in Korea noch sehr stark vermengt mit einem fast fanatischen Christentum. Das ist irgendwie alles eine seltsame Veranstaltung für den westlichen Beobachter.
Nur deshalb existiert dieses Nordkorea immer noch: dem "Kommunismus" kommt das Konfuzius-Zwangssystem nämlich fundamental entgegen - alle kontrollieren und bewerten sich gegenseitig andauernd und fast ohne Lücke.
In Japan werden Alte Menschen auch sehr respektiert, wobei die Jugend heute in Japan immer mehr aus den Fugen gerät und sich "ungewöhnlich" anzieht.
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