Fünf Wochen nach dem israelischen Angriff auf eine Gaza-Hilfsflotte spitzt sich der Konflikt zwischen der Türkei und Israel zu. Wie die Zeitung Hürriyet berichtete, drohte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, sollte sich Israel nicht für den Vorfall entschuldigen oder eine internationale Untersuchungskommission einsetzen. Israel habe "drei Möglichkeiten", sagte Davutoglu. "Entweder entschuldigen sie sich oder akzeptieren eine internationale Kommission und ihren Bericht oder die Beziehungen werden gekappt."

Israels Außenminister Avigdor Lieberman lehnte dies umgehend ab. "Wir haben nicht die Absicht, uns zu entschuldigen. Das Umgekehrte wäre das Richtige", sagte Lieberman während eines Besuchs in der lettischen Hauptstadt Riga.

Die Türkei sperrte am Montag den türkischen Luftraum für israelische Militärflüge. Das Verbot könne auch auf zivile Flüge ausgeweitet werden, sagte Davutoglu. Die Luftraum-Sperre werde "entsprechend den Entwicklungen" neu bewertet.

Ein israelisches Spezialkommando hatte am 31. Mai im Mittelmeer das türkische Passagierschiff Mavi Marmara mit mehr als 500 pro-palästinensischen Aktivisten an Bord gestürmt . Neun türkische Aktivisten wurden getötet und mindestens 45 weitere zum Teil schwer verletzt. Israel wollte den Konvoi von insgesamt sechs Schiffen daran hindern, die Seeblockade vor dem Gaza-Streifen zu durchbrechen.

Der Zwischenfall führte zur bislang größten Krise im Verhältnis der beiden strategischen Partner. Die Türkei berief ihren Botschafter ab und sagte drei gemeinsame Militärübungen ab. Beide Länder hatten 1996 einen Vertrag über militärische Zusammenarbeit unterzeichnet und jahrelang gute Beziehungen unterhalten.

Die Regierung Netanjahu hatte daraufhin eine eigene Untersuchungskommission eingesetzt , an der jedoch lediglich zwei ausländische Beobachter beteiligt sind. Die Türkei hatte bislang auf einer internationalen Untersuchung bestanden, Davutoglu rückte von der Forderung Hürriyet zufolge nun ein Stück weit ab. "Wenn ihre eigene Kommission zu dem Ergebnis kommt, dass der Angriff ungerechtfertigt war und sich entschuldigt, dann ist das ausreichend", sagte der Außenminister.