Hubschrauber knattern über die Gebäude und Zelte im Feldlager Kundus. Die Uhr zeigt kurz nach Mitternacht, draußen ist es stockdunkel. Die Maschinen landen auf dem Flughafen, der direkt neben dem deutschen Camp in der nordafghanischen Stadt liegt. Dann sind Lastwagen oder schwere Fahrzeuge in der Ferne zu hören. Nach zwei Stunden steigen die Hubschrauber wieder dröhnend in den Nachthimmel auf. So erlebte es der ZEIT-ONLINE-Reporter kürzlich während seines Besuches im deutschen Feldlager Kundus.

Das seien amerikanische Black-Hawk-Hubschrauber gewesen, die ein Spezialkommando nach Kundus gebracht hätten, berichten am nächsten Morgen deutsche Soldaten. Wer genau an Bord der Maschinen war, was ihr Auftrag im deutschen Mandatsgebiet war, weshalb die Bundeswehr nicht die Mission selbst erfüllt hat – dazu erfährt man offiziell wie so oft nichts.

Die Aktivitäten der Spezialkommandos und ihr Kampf gegen al-Qaida und Taliban unterliegen stets striktester Geheimhaltung. Doch wie die Amerikaner in Afghanistan umgehen, was die US-Soldaten am Hindukusch erleben und wie die letzte Supermacht an einen Teil ihrer Informationen gelangt, ist nun öffentlich. Die Internetplattform Wikileaks hat von einer Quelle fast 92.000 Dokumente des US-Militärs zugespielt bekommen. Nun kann jedermann sie lesen und sich ein Bild über die Mission am Hindukusch gewinnen. Und sich selber ein Bild über Erfolge und Misserfolge der Isaf machen.

Zu lesen ist, wie Zivilisten an Checkpoints erschossen werden, Waffen gefunden werden, Taliban und ihre Rekruten gefangen wurden, amerikanische Soldaten die Rettungshubschrauber anfordern, Informanten über die Bewegung von Anführern der Aufständischen berichten und wie die ausländischen Truppen mit Sprengfallen, Raketen sowie Handfeuerwaffen angegriffen werden.

New York Times , Guardian und Spiegel erhielten die Geheimakten bereits vor der Veröffentlichung im Netz. Die Redaktionen enthüllen brisante Details über Festnahmen und Tötungen von Gegnern der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan. Immer wieder fällt dabei der Name Task Force 373, die unter anderem Jagd auf Taliban macht. Die Task Force 373 besteht aus amerikanischen Eliteeinheiten wie den Delta Forces und den Navy Seals.