Es ist eine seltsame Zusammenarbeit, die sich da in Afghanistan manifestiert: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit unterstützt das iranische Regime die Taliban und andere Aufständische. Bemerkenswert ist dieser Umstand deshalb, weil es sich hier zwei ehemalige Erzfeinde verhängnisvoll aneinander annähern.

Denn eigentlich sehen die Taliban Schiiten, also auch Iraner, als Ungläubige an. Umgekehrt versagte Teheran dem Taliban-Regime im Afghanistan der neunziger Jahre stets die Anerkennung.

Inzwischen haben sich die Zeiten offensichtlich geändert. Alte Animositäten wurden durch ein schon im Kalten Krieg beliebtes Motto ersetzt: der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Ende Mai schlug der damalige Kommandeur der Isaf, Stanley McChrystal, Alarm: Afghanische Aufständische würden in Iran ausgebildet und mit Waffen versorgt, warnte er seinerzeit.

Bemerkenswert ist diese neue Allianz deshalb, weil iranische Offizielle gleichzeitig nicht müde werden, ihre Verbundenheit mit der Regierung Hamid Karsais zu betonen. Hinter den Kulissen arbeitet man offensichtlich an einer entgegengesetzten Strategie.

Doch nicht nur die Taliban werden von Iran aus unterstützt. Auch auf die schiitische Minderheit in Afghanistan versucht Teheran Einfluss zu nehmen.

Dafür gibt es mehrere Hinweise: So hat die Islamische Republik einen Ableger eines theologischen Zentrums in Kabul gegründet. Dort wird, anders als am iranischen Pendant dieser Fakultät in Qom, ein radikaler Islam gelehrt. Gleichzeitig verteilen iranische Funktionäre Propagandabücher in der afghanischen Hauptstadt – zum Spottpreis von ein oder zwei US-Dollar.

Manche Beobachter führten auch das frauenverachtende Gesetz, das Hamid Karsai vor der Präsidentschaftswahl erlassen wollte, um die schiitische Minderheit für sich zu gewinnen, auf iranische Einflussnahme zurück.

In seinen Bemühungen um die Schiiten in Afghanistan (die zwischen zehn und zwanzig Prozent der Bevölkerung stellen) macht sich Teheran deren große Unzufriedenheit zunutze. Sie fühlen sich vielfach ausgegrenzt und unterrepräsentiert in der Politik des Landes.

Die Motive für die mannigfaltigen und nicht eben gradlinigen iranischen Aktivitäten in Afghanistan mögen in die Zukunft gerichtet sein: Im instabilen Afghanistan ist es sinnvoll, auf mehrere potentielle Verbündete zurückgreifen zu können. Traditionell unterstützt Iran die Protagonisten der alten Nordallianz. Dringt man nun auch zu den Taliban und der schiitischen Minderheit vor, sind die Einflussmöglichkeiten maximal ausgedehnt.