Irak "Die Aufständischen im Irak drehen auf"

Die US-Kampftruppen sind weg – Morde und Entführungen nehmen zu. Doch: "Irak wird den Aufschwung schaffen": Ein deutscher Bauunternehmer über sein Leben in Bagdad.

Mit Betonwänden gegen Terroranschläge: Ein Markt in Bagdad

Mit Betonwänden gegen Terroranschläge: Ein Markt in Bagdad

Ingo Sahlmann (48) lebt seit drei Jahren mit seiner amerikanischen Frau in der hoch gesicherten Grünen Zone von Bagdad und ist Chef eines Bauunternehmens mit 70 Mitarbeitern.

Frage: Die US-Kampftruppen sind aus dem Irak abgezogen. In welchem Zustand lassen sie das Land zurück?

Ingo Sahlmann: Die Terroraktionen haben sich massiv verstärkt. In der Grünen Zone gibt es wieder intensiven Beschuss von Raketen und Mörsern. Auch die US-Botschaft wurde mehrfach getroffen, diplomatisches Personal aus Sicherheitsgründen außer Landes gebracht. Die Aufständischen drehen auf und die Frustration in der Bevölkerung ist groß. Sechs Monate nach der Wahl gibt es immer noch keine neue Regierung und vieles ist zum Stillstand gekommen. Die Amerikaner sind nicht sehr beliebt, aber die Leute wissen, ohne die Hilfe der USA wird es schwierig.

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Frage: Was passiert außerhalb der Grünen Zone?

Sahlmann: Draußen in der Stadt nehmen gezielte Morde an Irakern zu, die mit westlichen Firmen zusammenarbeiten. Es gibt auch mehr Entführungen, um Lösegeld zu erpressen. Unsere Mitarbeiter verheimlichen oft ihren Familien, dass sie für ein westliches Unternehmen arbeiten, um ihre Angehörigen zu schützen. Man muss im Moment den Kopf einziehen und darf keine unnötigen Risiken eingehen.

Frage: Was sind unnötige Risiken in Bagdad?

Sahlmann: Man sollte sich als Westler nicht frei auf der Straße bewegen, einkaufen gehen oder sich gar in ein Cafe setzen. Das geht nicht. Man könnte überfallen oder entführt werden. Auch könnten Leute versuchen, ein Exempel zu statuieren und einen auf offener Straße umzubringen. Wenn ich aus geschäftlichen Gründen die Grüne Zone verlassen muss, engagiere ich eine private Sicherheitsfirma. Dann fahren wir in einem Konvoi von zwei, drei gepanzerten Fahrzeugen und haben unsere Personenschützer dabei. Ich versuche, solche Ausflüge auf ein absolutes Minimum zu beschränken.

Leser-Kommentare
  1. Der Mann ist Optimist, das ist sicher keine schlechte Eigenschaft. Er sollte nur den richtigen Zeitpunkt zum Absprung nicht verpassen. Denn entgegen seiner Annahme ist die Tatsache, dass der Irak auf Öl und Gas schwimmt, keine Garantie für Stabilität, sondern eine Garantie für Instabilität. Diverse Gruppen werden in nächster Zukunft versuchen an diese Schätze heran zu kommen, davon kann man ausgehen. Indirekt benennt er ja selbst den Grund: "Das größte Problem ist, dass das Land nicht als einheitliche Nation denkt, sondern primär als Schiiten, Sunniten und Kurden."
    Eine kurze Bemerkung am Rande: Das Phänomen der um die Macht konkurrierenden Gruppen geht direkt auf die Invasion der USA zurück. Denn wer war der Nationalist, der mit eiserner Hand die Völker und Konfessionen zusammen gehalten hat? Der liebe Herr Saddam Hussein. Den hat man aber umgebracht, und ebenso hat man die zugehörige politische Partei, welche diesen Aspekt programmatisch vertreten hat, verboten.
    Die USA machen sich jetzt aus dem Staub, was einerseits natürlich begrüssenswert ist, andererseits nun aber auch mit ziemlicher Sicherheit einen blutigen Bürgerkrieg entfesseln wird. Ich bin mal gespannt, wann entweder
    - die NATO
    - der Iran
    - oder Israel
    einrücken wird, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.
    Die Probleme im Irak fangen jetzt erst an.

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    Solange die Iraker sich gegenseitig bekämpfen, besteht keine große Gefahr des Eingreifens. Warum sollten der Iran oder Israel dort eingreifen, was wäre zu gewinnen?
    Das Land ist kaputt und das Öl fließt dahin, wohin es soll.

    • TDU
    • 31.08.2010 um 20:10 Uhr

    Ich denke, die Probleme waren immer da. Der KOnflikt zwischen Sunniten und Schiiten wurde von Saddam Hussein mit Gewalt unterdrückt und die Kurden brutal bekämpft. Daran ändert m. E. auch nichts die Tatsache, dass andere Terrororganisationen einer Gruppe zur Vorherrschaft verhelfen wollen.

    Solange die Iraker sich gegenseitig bekämpfen, besteht keine große Gefahr des Eingreifens. Warum sollten der Iran oder Israel dort eingreifen, was wäre zu gewinnen?
    Das Land ist kaputt und das Öl fließt dahin, wohin es soll.

    • TDU
    • 31.08.2010 um 20:10 Uhr

    Ich denke, die Probleme waren immer da. Der KOnflikt zwischen Sunniten und Schiiten wurde von Saddam Hussein mit Gewalt unterdrückt und die Kurden brutal bekämpft. Daran ändert m. E. auch nichts die Tatsache, dass andere Terrororganisationen einer Gruppe zur Vorherrschaft verhelfen wollen.

  2. Entfernt wegen Diffamierungen. Die Redaktion/is

  3. ... mögen nicht als einheitliche Nation denken, aber ähnliche Interessengruppen gibt es in jedem Land. Es wird die Kunst der Politiker sein, den Irakern zu vermitteln, dass alle davon profitieren, wenn sie zusammenarbeiten (auch wenn von diesen Politikern im Moment nicht viel zu sehen ist).

    Ist es nicht genau diese Aufgabe, die Politiker haben? Die Interessen aller in vernünftigen Kompromissen zu befriedigen?

    • HHuber
    • 31.08.2010 um 19:52 Uhr

    Ist der gute Mann nur Optimist oder nur einfach unbeschreiblich naiv? Ich denke eher das Letztere - man braucht sich nur die letzten Monate anschauen und es besteht kein Grund für die Annahme, es würde jetzt nach Rückzug der Amerikaner besser (die, das muss auch gesagt werden, für den jetzigen Zustand voll und ganz verantwortlich sind). Man kann wirklich nur hoffen - wie schon erwaähnt wurde - dass der gute Mann den richtigen Zeitpuntk für den Absrpung nicht verpasst, sonst wird er auch eine grosse Schlagzeile.

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    • Afa81
    • 31.08.2010 um 20:49 Uhr

    ...ich glaube, der Mann kann das besser beurteilen, als wir alle zusammen.

    • Afa81
    • 31.08.2010 um 20:49 Uhr

    ...ich glaube, der Mann kann das besser beurteilen, als wir alle zusammen.

  4. Solange die Iraker sich gegenseitig bekämpfen, besteht keine große Gefahr des Eingreifens. Warum sollten der Iran oder Israel dort eingreifen, was wäre zu gewinnen?
    Das Land ist kaputt und das Öl fließt dahin, wohin es soll.

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    "Das Land ist kaputt und das Öl fließt dahin, wohin es soll." Noch. Genau deshalb, und auch zum Schutz der Schiiten, wird der Iran mitmischen, wahrscheinlich subversiv. Sollte sich abzeichnen, dass eine radikalislamische Gruppe die Oberhand gewinnt und die NATO keine Lust verspürt einzugreifen, wird Israel nicht lange zögern.
    Es könnte natürlich sein, dass ein Angriff auf den Iran die Karten neu mischt. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, bis dem Iran die Finanzierung von Terroranschlägen im Irak vorgeworfen wird, da gehe ich jede Wette ein. Daraus liesse sich dann auch ein Kriegsgrund konstruieren und die GI's werden jetzt erst einmal nichts zu tun haben.

    "Das Land ist kaputt und das Öl fließt dahin, wohin es soll." Noch. Genau deshalb, und auch zum Schutz der Schiiten, wird der Iran mitmischen, wahrscheinlich subversiv. Sollte sich abzeichnen, dass eine radikalislamische Gruppe die Oberhand gewinnt und die NATO keine Lust verspürt einzugreifen, wird Israel nicht lange zögern.
    Es könnte natürlich sein, dass ein Angriff auf den Iran die Karten neu mischt. Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern, bis dem Iran die Finanzierung von Terroranschlägen im Irak vorgeworfen wird, da gehe ich jede Wette ein. Daraus liesse sich dann auch ein Kriegsgrund konstruieren und die GI's werden jetzt erst einmal nichts zu tun haben.

    • TDU
    • 31.08.2010 um 20:10 Uhr

    Ich denke, die Probleme waren immer da. Der KOnflikt zwischen Sunniten und Schiiten wurde von Saddam Hussein mit Gewalt unterdrückt und die Kurden brutal bekämpft. Daran ändert m. E. auch nichts die Tatsache, dass andere Terrororganisationen einer Gruppe zur Vorherrschaft verhelfen wollen.

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    Wie, meinen Sie, werden die Unabhägigkeitsbestrebungen der Kurden in Zukunft behandelt werden? Die schwimmen auf Öl und werden deshalb brutal bekämpft werden. Es wird interessant sein, wie sich die Türkei verhalten wird. Denn ein unabhängiger Kurdenstaat im Irak wird umgehend territoriale Ansprüche geltend machen. Aber soweit wird es wahrscheinlich gar nicht kommen. Die Türken haben vor ein paar Monaten ja bereits klar gemacht, wozu sie notfalls bereit sind.
    Wenn der Irak Glück hat, findet sich jemand, der den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten mit Gewalt unterdrückt, ansonsten kommt es nämlich ziemlich bald zum grossen Knall.
    Was fehlt, und im Interview angesprochen wird, ist ein Nationalist. Saddam Hussein wäre der Mann gewesen.

    Wie, meinen Sie, werden die Unabhägigkeitsbestrebungen der Kurden in Zukunft behandelt werden? Die schwimmen auf Öl und werden deshalb brutal bekämpft werden. Es wird interessant sein, wie sich die Türkei verhalten wird. Denn ein unabhängiger Kurdenstaat im Irak wird umgehend territoriale Ansprüche geltend machen. Aber soweit wird es wahrscheinlich gar nicht kommen. Die Türken haben vor ein paar Monaten ja bereits klar gemacht, wozu sie notfalls bereit sind.
    Wenn der Irak Glück hat, findet sich jemand, der den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten mit Gewalt unterdrückt, ansonsten kommt es nämlich ziemlich bald zum grossen Knall.
    Was fehlt, und im Interview angesprochen wird, ist ein Nationalist. Saddam Hussein wäre der Mann gewesen.

  5. Der Druck auf den Iran steigert daher die Wahrscheinlichkeit das die Schiiten das Land zerteilen.

    • Afa81
    • 31.08.2010 um 20:49 Uhr

    ...ich glaube, der Mann kann das besser beurteilen, als wir alle zusammen.

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