Homo-Ehe : Sieg für Homosexuelle in Kalifornien

Homosexuelle in Kalifornien können sich freuen: Ein Bundesgericht bewertete das Verbot der Homo-Ehe als verfassungswidrig. Doch der Streit ist noch nicht entschieden.
Unterstützer der Homo-Ehe in Kalifornien feiern das Gerichtsurteil vom Mittwoch © Justin Sullivan/Getty Images

Das bestehende Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe ist verfassungswidrig, befand Richter Vaughn Walker an einem Bundesgericht in San Francisco. Es gebe keine "rationale Grundlage" dafür, Schwulen und Lesben die Ehe zu verwehren, schrieb der Jurist in seiner 136 Seiten starken Entscheidung. Dies verstoße gegen die Gleichstellung.

Die Gegner der Homo-Ehe kündigten an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Rechtsexperten rechnen damit, dass der Fall bis zum Obersten Gerichtshof in Washington gehen wird.

Im Mai 2008 hatten die obersten Richter in San Francisco schwulen und lesbischen Paaren zunächst das Heiraten erlaubt. Bei einem Referendum (Proposition 8) im November 2008 hatten 52 Prozent der Wähler dann gegen die Homo-Ehe gestimmt. Die rund 18.000 Ehen, die zwischen Mai und November geschlossen wurden, blieben aber gültig. Mit der Aufhebung des Wählerreferendums am Mittwoch gab das Gericht aber nicht automatisch Erlaubnis für eine sofortige Wiederaufnahme gleichgeschlechtlicher Eheschließungen. Diese Entscheidung sollte zu einem späteren Zeitpunkt fallen.

Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger begrüßte das Urteil. Es sichere Schwulen und Lesben in Kalifornien "den vollen legalen Schutz und Absicherungen zu, die meiner Meinung nach jedermann zustehen", sagte der Republikaner.

Ein lesbisches und ein schwules Paar waren im vergangenen Januar vor Gericht gegangen, weil ihnen in Kalifornien das Recht auf Eheschließung verweigert wurde. Dies sei diskriminierend, verstoße gegen die Bürgerrechte und die verfassungsmäßig festgeschriebene Gleichbehandlung. Die Gegner der Homo-Ehe argumentierten, die Ehe werde als Bindung zwischen Mann und Frau definiert und müsse als solche geschützt werden.

In fünf US-Bundesstaaten – Connecticut, Massachusetts, Iowa, Maine und Vermont – dürfen Schwule und Lesben den Bund fürs Leben schließen. Rund 30 der 50 Bundesstaaten haben in ihren Verfassungen festgeschrieben, dass die Ehe ausschließlich eine Sache zwischen Mann und Frau ist. Allerdings haben in Kalifornien und einigen anderen Staaten zusammenlebende Homosexuelle ähnliche Rechte wie heterosexuelle Paare.

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Niederlage für die Demokratie!

Die Schwulenehe wurde in Kalifornien mehrheitlich vom Wähler abgelehnt, obwohl im Vorfeld der Volksabstimmung über diese Frage beide im kalifornischen Parlament vertretenen Parteien sich dafür ausgesprochen und entsprechende Propaganda betrieben haben.

[...]

[Der Rest wurde gelöscht. Bitte diskutieren Sie sachlich und konstruktiv. Danke. /Die Redaktion pt.]

Unfug

Demokratie bedeutet nicht "Diktatur der Mehrheit"! Das demokratische Gesellschaftsbild ist zudem nicht davon geprägt dass die Mehrheitsgesellschaft vorgibt was kommod sei und was nicht, sondern es definiert sich alleine über die Verfassung (bei uns das Grundgesetz). Zumindest was alle staatliches Handeln angeht.

Die Ehe mag für die christliche Kirche ein "Sakrament" sein, der weltanschaulich und religiös neutral handelnde säkulare Staat sieht darin aber nur einen weiteren Rechtsakt. Die Zeremonie vor dem "Traualtar" mag ein Sakrament sein, die entsprechende Vorsprache und Eintragung beim Standesamt aber nicht. Ein Standesbeamter ist kein Priester - und schon gar nicht sind alle heiratenden Heterosexuellen gläubige Christen (müsste ja der Umkehrschluss sein - Ehe nur für bekennende Christen, da ein Sakrament).

Und wenn eine Ehe auf Nachwuchs "ausgerichtet" sei, wieso gibt es dann soviele kinderlose Paare? Warum die Pille, Kondom und Co.? Ja natürlich, Heterosexuelle betreiben Geschlechtsverkehr lediglich als Akt der Zeugung, voller Widerwillen.

Wenn Sie etwas gegen Schwule haben dann stehen Sie offen dazu, aber ziehen nicht derlei Unfug aus der Mottenkiste. Und was das mit dem Artikel und Kalifornien zu tun haben soll ist mir eh unklar, einfach gerne zum Anlass genommen gegen Homosexuelle zu schreiben?!

Nicht ohne Grund haben wir eine repräsentative, parl. Demokratie

Volksentscheide haben immer wieder die Gefahr, dass gut organisierte, rechtskonservative Gruppen zu hässlichen Entscheidungen kommen, siehe Schweiz und Minarettverbot oder gerade eben Kalifornien mit den aus den Nachbarstaaten, vor allem Utah, gesteuerten und finanzierten schwulenfeindlichen Kampagnen.
Genau wegen dieser Gefahren haben wir eine repräsentative, parlamentarische Demokratie und auch die Gewaltenteilung.
Das Sakrament spielt selbstverständlich im Staatsverständnis Kaliforniens keine Rolle. Da handelt es sich doch um wohl um eine katholische Angelegenheit. Mittelalterliche, klerikale Staatsformen können Sie im Nahen Osten finden. Vielleicht wäre das ja was für Sie.

Trennung von Kirche und Staat

Wenn Vertreter bestimmter Glaubensgemeinschaften die Ehe hauptsächlich als Sakrament betrachten möchten und weniger als juristische Institution, steht ihnen das frei. Aus einem Sakrament ohne juristisches Fundament ergeht allerdings keinerlei Recht auf staatliche Anerkennung des Bündnisses. Insofern ist es wohl wesentlich bedeutender über den rein juristischen Gehalt der Ehe zu sprechen. In der Tat wird oft argumentiert, die Ehe sei als Vorstufe zur Familie (= Mutter/Kind bzw. Vater/Kind bzw. Mutter/Vater/Kind) schützenswert. Fraglich ist dann, warum Ehe und Familie zwei Artikel im Grundgesetz benötigen. Fraglich ist auch, weshalb Gemeinschaften zwischen Mann und Frau geschützt werden, wenn ausdrücklich kein Kinderwunsch besteht. Fragwürdig ist weiterhin, weshalb auf diesem Wege Adoptivkinder diskriminiert werden dürfen, obwohl unser Grundgesetz doch ihre Gleichstellung beinhaltet.

"Muss das unbedingt 'Ehe' genannt werden?" Nun, 'Lebenspartnerschaft klingt meiner Ansicht nach wesentlich schöner. Leider beinhalten die beiden Begriffe nun nicht dieselben Rechte. "Muss" das Ehe genannt werden? Sicher nicht. Aber "musste" Rosa Parks damals denn auch unbedingt darauf bestehen einen anderen Sitzplatz zu besetzen, als der, der ihr zugeteilt wurde?

Eine Ehe im Sinne des GG ...

... wird aber als Beziehung zwischen Mann & Frau zum Zweck der Schaffung von Nachwuchs verstanden und nicht als beliebige & private Verpartnerung. Zu welchem Zweck sollten zwei Schwule 'heiraten' wollen, das irgendwelche öffentliche Interessen berührt? Wenn zwei Männer ihre Beziehung juristisch absichern wollen, können sie das gerne auf privatrechtlichem Weg machen, daran hindert sie in Kaliformien niemand, ist ja ein freies Land.

Aber darum geht's überhaupt nicht, stimmt's? Alles was die Fiktion entlarven könnte, eine schwule Partnerschaft sei einer heterosexuellen Beziehung in allen Punkten gleichwertig, muss unbedingt eingeebnet werde, oder? Die Ehe als juristische Konstruktion ist ungefähr 150 Jahre alt und es war dem Gesetzgeber immer klar, dass es in einer Ehe um mehr als nur die Ausgestaltung von Rechten & Pflichten der Partner geht. Aber genau dieses 'mehr' soll jetzt in der Schwulenehe abgeschafft werden und zwar einzig & allein, weil es 'diskriminierend' ist, dass biologische Vorraussetzungen nun einmal gewisse Bedingtheiten schaffen, die auch das ausgefeilteste Neusprech noch einfach so überwinden können.

Im übrigen ist die Offenheit für Kinder eine der Vorrausetzungen für das eingehen einer gültigen Ehe nach katholischem Verständniss, wie soll das bei einer schwulen Ehe gehen?

Wer will denn noch die röm-kath Definition von Ehe im Staat?

Wer sagt denn, dass schwule oder lesbische Ehen keine Kinder zum Ziel haben? Was ist denn das für ein altmodisches Denken, wenn Menschen meinen, derartige Ehen könnten keine Familie hervorbringen???

Es mag für konservativ denkende Menschen "ungewöhnlich" erscheinen, aber ich kann mit meinem Partner auch Kinder adoptieren oder mit einem lesbischen Päärchen ein Kind in die Welt setzen, das nicht weniger Liebe erfährt, als Kinder in Ehen zwischen Mann und Frau ;-)

Also das Argument, der katholisch geprägten Ehe, deren Vorgabe einer Zeit entstammt, in der Frauen als Hexen verbrannt wurden und die Kirche eine Rolle im Staat spielte, die heute nur noch im Vatikan gelebt werden kann, halte ich angesichts real inzwischen anders gelebter Partnerschaften für überholt und gesellschaftlich friedensstörend.

In einer Gesellschaft, in der der römisch-katholische Glaube wohl kaum noch als mehrheitlich gelebt festgestellt werden kann, kommt mir doch hier nicht mit der kirchlichen Definition der Ehe!!!!

@dborrmann - Kommentar 3

Das was in der Schweiz passiert ist, ist keine "hässliche" Entscheidung! Ich bin mir sicher, dass dieser Volksentscheid in den meisten europäischen Ländern ähnlich ausgefallen wäre. In den meisten Ländern sogar noch deutlicher als in der Schweiz! Ich hätte auch dagegen gestimmt!

Hingegen befürworte ich die Entscheidung des Richters in Kalifornien. Er hat mit dem Kommentar: "Es gibt keine rationale Grundlage gegen eine Homo-Ehe"

Ich beurteile solche Entscheidungen nach ihrer Wirkung für die übrige Bevölkerung. Ich kann keine negativen Auswirkungen bei einer Homo-Ehe erkennen. Im Gegenteil: Viele Homosexuelle haben einen Kinderwunsch. Sie könnten nach der Eheschließung zum Beispiel ein Waisenkind adoptieren (wie andere Ehepaare auch). Das ist für solch ein Kind allemal besser als in einem Heim aufzuwachsen! Und die Gesellschaft spart dadurch auch noch Geld!

Bei dem Minarett Verbot in der Schweiz sieht die Sache schon wieder ganz anders aus...aber das ist hier nicht Gegenstand der Diskussion (Off topic), deswegen verkneife ich mir weitere Ausführungen hierzu.

@13: Little-Devil

Wer sagt den, dass schwul-lesbische Ehen keine Kinder zum Ziel haben können?

Das sagt die Natur. Gleichgeschlechtlicher Geschlechtsverkehr ist nun mal steril. Das können sie meinetwegen als diskriminierend empfinden, aber so ist es halt nun mal. Homosexuellen & Heterosexuelle Beziehungen sind nicht gleich, sondern substantiell verschieden. Das ist auch keine böse Propaganda der katholischen Kirche, sondern eine Tatsache des Lebens. Nur weil man etwas als 'gleich' bezeichnet, ist es noch lange nicht gleich.

Im übrigen ist der Begriff 'Familie' ohne Kinder ziemlich inhaltsleer, meinen sie nicht auch? Sie können natürlich auf alle möglichen Arten Kinder in die Welt setzen, bis auf die von den Anhänger der Homoehe gewählten Lebensstil, mit dem funktioniert das nicht ... warum sollte der Staat das also in einer besonderen Weise fördern?

Kam Ihnen noch nie die Idee,

daß auch homosexuelle Paare beiderlei Geschlechts einen Kinderwunsch haben können, oftmals auch haben? Sind sie vollgültig verheiratet, können sie Kinder adoptieren oder eine Samenspende in Anspruch nehmen, mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft ist das nicht gestattet (Rechtslage in Deutschland).

Ich wäre ganz Ihrer Ansicht, würden alle Privilegien der Ehe grundsätzlich nur für Paare gelten, die tatsächlich Kinder haben. Aber - auch bei heterosexuellen Paaren dient Sex nicht ausschließlich der Erzeugung von Nachwuchs und es wird Adoption oder künstliche Befruchtung in Anspruch genommen, falls sich der Kinderwunsch nicht auf dem üblichen Weg erfüllen läßt - das dürfen die nicht? Falls doch, warum sollten dann Homosexuelle nicht dürfen? Was die Zeugungs-, bzw. Empfängnisfähigkeit von Lesben und Schwulen angeht, so verhält es sich nämlich ganz wie bei Heterosexuellen auch.

Was bringt Sie auch dazu, Liebesverbindungen als 'beliebig' zu bezeichnen? Ist das nicht ein ganz klein bißchen herablassend und anmaßend?

Meine Argumentation gilt übrigens ganz dem Kindswohl, da die Bamberger Studie http://www.ifb.bayern.de/... zeigte, daß es Kindern gleichgeschlechtlicher Eltern gut geht.
http://www.zeit.de/online...

Die Natur

"Wenn es einem mit der Natur kommt... mit der Natur ist das so eine Sache".
Selbst in er der Natur gibt es doch Tiere die sich mit gleichgeschlechtichen Partnern "paaren". Ich erinner mich nur an die Geschichte der 2 "schwulen" Schwäne die sogar noch zusammen ein Junges aufzogen. Wenn man die Natur als das ansieht, was "natürlich" ist, so ist Homosexualität ebenfalls natürlich. Warum sollte "Gott" manchen Menschen sowas "aufzwingen" wenn es am Ende total falsch ist ? (homosexualität gibt es überall, unabhängig von sozialem Stand, Herkunft etc.)

Ausserdem beklagt man sich doch heute im allgemeinen immer darüber, dass es so wenig "Liebe" auf der Welt gibt... gerade die Katholiken reden doch andauernd von Liebe, also wieso sollen nicht 2 Menschen ihrer Liebe Ausdruck verleihen und eine Basis in der Ehe geben?

Lieber Poster Nummer 1...

...Lieber Herr Theodor Groppe,

wo bitte bleibt denn die Demokratie, wenn nicht alle Menschen gleich behandelt werden?!
Unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Religion, Geschlecht etc?
Ich finde es gut, dass erwachsene Menschen heiraten dürfen und können, wen sie wollen- solange beide es wollen.

Gleichgeschlechtliche Liebe gibt es auch im Tierreich- und selbst dort sollte Mutter Natur doch eigentlich am besten wissen, dass der Sinn doch darin besteht, sich fortzupflanzen.
Tja, so ist halt das Leben- hauptsache, sie sind glücklich!

Und mal ganz ehrlich: Wenn es ihnen körperlich und seelisch weh tut, schauen sie doch einfach weg, wenn ein gleichgeschlechtliches Pärchen, dass sich liebt, küsst.

Nur, wenn einer seine Stellung im Leben missbraucht, um andere zu verletzen, dann sollte man hinschauen und etwas unternehmen- man denke nur an die ganzen scheinheiligen Geistlichen, die ihre Triebe an kleinen Jungen auslassen. Dürften sie ihre Neigungen öffentlich ausleben bzw öffentlich dazu stehen, würde man vielen Kindern unerträgliches Leid ersparen.

Laizismus tut not

Solange die Trennung von Staat und Kirche nicht wirklich existiert (siehe Kirchensteuer!!), wird man leider auch weiterhin den Begriff Ehe als Bund von Mann und Frau betrachten, selbst wenn im GG was anderes stehen sollte.

Der Staat muss endlich laizistisch werden, mit allen Folgen. Weg mit von Kirchen organisiertem Religionsunterricht in Schulen (stattdessen Religionen-Unterricht, in dem die Schüler so wertneutral wie möglich Fakten zu den allen Weltreligionen erhalten), weg mit der Kirchensteuer. Religionsausübung ist eine private Sache, da hat der Staat nichts drin zu suchen. Und umgekehrt darf der Staat sich nicht von den Kirchen vorschreiben lassen, wie er z.B. den Begriff Ehe definiert.

Es soll ja sogar heterosexuelle Paare geben...

...die aus Spaß an der Freude Sex haben- und gar keinen Kinderwunsch hegen! ;)
Und viele von denen hatten sicher schon vor ihrer Ehe Sex...oje oje...wer denkt denn an die ganzen armen Katholiken, die der Meinung sind, dass das System nicht mehr funktioniert...?!

Aufwachen! Wir leben nicht mehr im Mittelalter- Hexenverbrennungen wurden ja auch abgeschafft. Willkommen in der Moderne, in der sich Gleichgeschlechtliche lieben und heiraten sollen/dürfen und sogar katholische Geistliche Sex haben.........

In der Tat spielt das eben keine Rolle

Rechtsstaatliche Gerichte entscheiden zum Glück nicht nach Gusto der Mehrheitsgesellschaft. Grundrechte kommen uns als Mensch von Natur aus zu und werden uns nicht gönnerhaft verliehen - können uns daher auch nicht genommen werden. Auch nicht durch noch so tolle Volksabstimmungen. Undemokratische Ansinnen, wie die Unterdrückung oder Ungleichbehandlung von Minderheiten durch Mehrheiten (wogegen sich diese Minderheiten qua Prinzip auch nie durch demokratische Mehrheitsentscheide wehren könnten), werden auch nicht demokratisch nur weil sie in einer Abstimmung durchgesetzt werden.

Demokratie ist nach modernem aufgeklärtem westlichem Verständnis viel mehr als einfach nur Wahlen abzuhalten. Damit ist viel mehr ein Wertekanon und eine Gesinnung verbunden, die sich sehr schön mit dem kölschen "Jeder Jeck ist anders" beschreiben lässt. Schwule die "heiraten" wollen tun doch niemand was, wie kann man also auch nur eine Nanosekunde daran verschwenden anderen Menschen die gemeinsam glücklich sein, ihre Liebe formalisieren, wollen dieses Glück zu verweigern? Mein Gott, wie kann man Liebe zwischen zwei Menschen überhaupt so verachten, wie das viele noch immer tun.

Und im 14th Amendment der amerikanischen Verfassung heißt es:

"No State shall make or enforce any law which shall abridge (...) privileges (...) nor deny to any person (...) equal protection of the laws". Es war seit diesem Zusatz schlicht verfassungswidrig die standesamtliche Ehe auf gegengeschlechtliche Paare zu begrenzen.

Widerspruch

Das Grundgesetz ist nicht so eindimensional zu interpretieren, über allem steht IMMER die Direktive des Artikel 1, die Menschenwürde. Im Gegensatz zu Artikel 1 ist Artikel 6 des Grundgesetz auch änderbar.

Und so kurz nach der Nazi Barbarei mag das Grundgesetz ein Werk großer Weisheit und Liberalität gewesen sein, nach heutigen Maßstäben atmet es aber an vielen Stellen den doch vergleichsweise autoritären Geist der "bleiernen Jahre" der jungen Bundesrepublik. Es wurde ja auch jahrzehntelang von Gerichten als verfassungsgemäß angesehen den "Kupplerparagraphen" durchzusetzen, Schwule für ihr Schweulsein einzusperren (§175 stammte übrigens noch aus der Nazi Zeit) oder auch Frauen unter den Pantoffel ihrer Gatten zu stellen, so dass diese nicht einmal ein eigenes Girokonto führen durften.

Grundsätzlich lasse ich meine progressiven Ziele nicht vom Status quo begrenzen, wäre ja auch ein Oxymoron. Aber ja, auch auf dem Boden des geltenden Grundgesetzes: die Ungleichbehandlung von Heterosexuellen und Homosexuellen die ihre Partnerschaft formalisieren wollen verstößt meiner Meinung nach gegen Artikel 1 sowie den Gleichbehandlungsgrundsatz. Der steht über allen weiteren Staatszielen, wie die "Ehe" (wobei sich meiner Meinung nach ein säkularer Staat auch nicht die Ehedefinition einer Religionsgemeinschaft, wie der kath. Kirche, zu Eigen machen darf).

Last der Geschichte

Es ist halt so dass sich Karlsruhe jetzt nicht auf einmal selbst widersprechen kann, über Jahrzehnte wurde eine sehr konservative Linie wiederholt bestätigt (besonders in den Adenauer-Jahren). Wenn das BVG jetzt Entscheidungen früherer Senate kassiert hätte es ein Glaubwürdigkeitsproblem, wie kann damals grundgesetzkonform sein was jetzt dem Grundgesetz widerspricht. Dieses Dilemma lässt nur ein ganz langsames Umsteuern zu.

Wobei wir in Deutschland traditionell viele Defizite bezüglich Demokratieverständnis haben. Prinzipien wie die unbedingte Gleichbehandlung vor dem Gesetz (bar von Geschlecht, Weltanschauung, ...) werden in unserer Gesellschaft gerne gebogen und gestaucht, wie man es braucht. Merkt man in vielen Bereichen, zB dass immer noch meist die Frau das Sorgerecht bei unehelichen Kindern erhält und der "Kindsvater" vor allem dazu gut ist Unterhalt zu bezahlen.

Und die öffentliche Meinung hat auch kein Verständnis dafür dass der europäische Gerichtshof ganz zurecht die deutsche Praxis der "nachträglichen Sicherungsverwahrung" gekippt hat, auch wenn das Bauchgefühl noch so sehr dafür plädieren mag Sextäter "für immer wegzusperren" verbieten es rechtsstaatliche Prinzipien nun einmal Freiheitsstrafen nachträglich beliebig zu verlängern (und de facto ist eine "Sicherungsverwahrung" nichts anderes als eine Freiheitsstrafe, bitte keine Wortklauberei).

Nur da wo es darum geht anderen Menschen das eigene Weltbild aufzuzwingen will man es wieder ganz genau nach GG haben.

Gleichheit ist, wenn Mehrheiten Minderheiten akzeptieren!

Ist es nicht herrlich (und man beachte den ironischen Unterton in meiner Stimme), wie offen und deutlich anhand von Gesetzen die Verlogenheit einer Gesellschaft deutlich werden kann?

Da wird von "Gleichheit" in der Verfassung gesprochen und dennoch wird gleichgeschlechtlich Liebenden, der amtlich bescheinigte Bund versagt, der angeblich nur Mann und Frau als Paar zusteht! Wieso eigentlich? Die Wurzeln sind in der Religion zu finden, nicht in dem, was Menschen emotional und logisch resultierend aus dem Miteinander im Staat, festgelegt haben!!!

In Kalifornien geht es nicht um "Gerichte vs Demokratie". Hier geht es darum, dass Menschen zuvor zugestandene Rechte plötzlich per Volksentscheid wieder aberkannt wurden! Wer ein solche Urteil dann als "undemokratisch" oder "Basisdemokratie-feindlich" bezeichnet, sollte Demokratie nicht als Gesellschaftsform vom Mehrheiten gegen Minderheiten verstehen, sondern als bevorzugte Staatsform jener Gesellschaften, die integrieren wollen und Toleranz auch gegenüber Minderheiten im Staat leben möchten!

Grundgesetz

@9
Bitte zeigen sie mir die Stelle im Grundgesetz, in der steht, dass die Ehe nur zwischen Mann und Frau erlaubt sei.

Diese Stelle werden sie nicht finden, von daher steht nichts dagegen die Ehe auch endlich in Deutschland für alle Menschen zu öffnen. Ok, unter Schwarz-Gelb wird das wohl nix, aber die Hoffnung stirb ja bekanntlich zuletzt.

Homoehe

Komischer Begriff. Bei dem Begriff Ehe denkt nun mal der Bürger an "Vater, Mutter, Kind(er)".
So sollte dann der Bergriff Ehe und Familie eigentlich auch weiter erhalten bleiben
Das "3 Geschlecht" kann ja einen anderen Namen für die Beziehung wählen und wenn es um Versorgung geht (Rente bzw.Unterhalt) kann der Gesetzgeber dies evtl. durch Tastament oder Notarverträge legalisieren.
Den Begriff Ehe halte ich für derartige Verbindungen für unpassend. Vermutlich geht es aber nur um gesellschaftliche Anerkennung und die ist anders herzustellen.

3. Geschlecht?

Wieso das 3. Geschlecht? Haben Homosexuelle ein anderes Geschlecht als Heterosexuelle? Welches denn? Was reden sie da?

Ich bin eine Frau und ich bin Bisexuel. Ich gehöre keinem 3. Geschlecht an, und selsbt wenn, gibt Ihnen das nicht das recht, mich ungleich zu behandeln. In meinem Kopf ist "Ehe" ein Begriff der zwei Menschen aneinander binden will. Im gegenseitigen Einvernehmen und mit Liebe. Dabei sit es MIR egal ob es zwei Männer, zwei Frauen oder eine Mann und eine Frau sich lieben und eine Familie gründen.

Aber um en Begriff geht es garnicht,. Es geht darum sich mit den selben rechtlichen pflichten und privilegien verheiraten zu können. Ob das nun gleichgeschlechtliche partnerschaft oder ehe heisst ist egal, die leute werden so oder so Ehe nennen im volksmund. Das wird sich so etablieren. ob sie es wollen oder nicht

Das dritte Geschlecht?

Homosexuelle beiderlei Geschlechter haben ganz genau zwei davon - sie sind entweder männlich oder weiblich, fertig. Hermaphroditen oder Intersexuelle - das dritte Geschlecht - sind ein völlig anderes Thema. Falls es Sie interessiert, hier ein Feature aus dem d-radio 'Sag es keinem anderen. Die Geschichte der Hermaphroditen' http://www.dradio.de/dkul... bei denen übrigens die Gesetzgebung vor 200 Jahren schon mal weiter war als heute.

Wie ich zuvor bereits schrieb http://www.zeit.de/politi... - es geht nicht wenigen homosexuellen Paaren ganz ausdrücklich um Kinder - insofern ist der Begriff 'Ehe' und die damit verbundenen Rechte und Pflichten auch auf sie anzuwenden. Und 'der Bürger' hat hier zur Kenntnis zu nehmen, daß nämlich Mutter, Mutter, Kinder und Vater, Vater, Kinder für die Kinder nachweislich in gar keiner Weise schlechter ist als Vater, Mutter, Kinder (den link zur Bamberger Studie finden Sie im verlinkten Kommentar).
'Der Bürger' sollte sich also schon lernfähig zeigen, andernfalls liefe er einige Gefahr eines 'gesunden Volksempfindens'.

@35 dame.von.welt

Sehr geehrte Dame.von.welt,

die Bamberger-Studie war ein Gefälligkeitsgutachten mit geradezu abenteuerlichem heuristischem Ansatz, dort wurde nämlich nur die Selbstaussagen betroffener Kinder/Jugendlicher als empirische Grundlage herangezogen. Die Studie war von ihrem Ergebnis so vorhersehbar wie wertlos, darauf so weitreichende Aussagen wie ihr "nachweislich in gar keinem Fall schlechter" aufzubauen ist unseriös. Es gibt nämlich eine Vielzahl von anderem Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen. Im übrigen gibt es in den Sozialwissenschaften wohl nichts, wo wirklich mal was 'nachgewiesen' worden ist. Im besten Fall besteht eine große Streubreite unterschiedlicher Ergebnisse, die allesamt interpretatiosbedürftig sind. Aufgrund einer einzigen 'positiven' Studie gleich die gesamte Gesellschaft umbauen zu wollen, erscheint mir im übrigen völlig unvernünftig zu sein.

Dazu kommt: Heutzutage werden 90% aller Adoptionswünsche negativ beschieden, weil die Kriterien für die behördliche Auswahl von Aoptiveltern so extrem hoch sind, dass nur die wenigsten Paare sie erfüllen können- warum sollte man dann ausgerechnet einer Gruppe bevorzugen, die nach allem was wir klassischerweise über Kindererziehung wissen, eher suboptimal dafür geeignet sind? Ich meine, wenn Beispielsweise 'Zeuge Jehovas' zu sein schon ein no-go beim Adoptionsverfahren ist, warum sollte dann Schwule/Lesben besonders bevorzugt werden?

Bevorzugung?

Sehr geehrter theodor groppe,
wie Sie sehr richtig ausführen, ist das Adoptionsverfahren sehr streng. Zu Recht. Wo also schrieb ich davon, daß Homosexuelle dabei bevorzugt würden? Sie würden lediglich nicht mehr benachteiligt, indem sie bei einer vollgültigen Ehe überhaupt endlich daran teilnehmen könnten. Zur daraus ebenfalls folgenden Möglichkeit legaler Samenspenden in Ehen weiblicher Homosexueller äußern Sie sich gar nicht erst. Auch nicht dazu, warum eigentlich heterosexuelle Ehen ohne Kinder in jeder Hinsicht bevorzugt werden.

Ich halte es für das Minimum ernst gemeinter Diskussion, wenn Sie die Relevanz der Bamberger Studie in Zweifel ziehen und viele Studien mit anderen Ergebnissen erwähnen, relevante kritische Stimmen dazu nebst besagter Studien zu benennen und zu verlinken. Mit relevant meine ich nun nicht Christl Ruth Vonholdt, kreuz.net o.ä.

Daß Sie persönlich Homosexuelle ganz offensichtlich verachten, kommt hier in Ihren Wertungen wie zur 'Kindererziehung...eher suboptimal...geeignet' oder in Ihrem Urteil über homosexuelle Ehen als 'beliebig' zum Ausdruck, ich erinnere auch gut Ihre Bemühungen am Anfang des Jahres, Pater Klaus Mertes als 'CSD-Aktivisten' zu etikettieren und die sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der RKK mit Homosexualität gleich zu setzen.

Es ist ein freies Land, Sie können ganz zweifellos eine solche Privatmeinung haben und sie äußern, sollten das aber nun nicht für Wissenschaft oder für Seriosität halten und ausgeben.