Nahost Israel im Alleingang gegen Iran?

Ein US-Magazin kommt zum Ergebnis, Israel werde binnen zwölf Monaten Iran im Alleingang angreifen. Die strategischen und politischen Realitäten sprechen dagegen. Ein Kommentar

Wie einst das Loch-Ness-Ungeheuer taucht nun regelmäßig der i sraelische Angriff auf die iranische Atom-Manufaktur aus dem Sommerloch auf. Die Versatzstücke bleiben gleich: Orakelhafte Sprüche aus Washington ("alle Optionen auf dem Tisch"), Drohungen aus Jerusalem, gut publizierte Übungen der israelischen Luftwaffe und Marine, Signale aus Saudi-Arabien, wonach Riad den Luftraum öffnen würde (sofort dementiert). Morgen erscheint in der amerikanischen Zeitschrift The Atlantic eine überlange Reportage von Jeffrey Goldberg "The Point of No Return", der die Apokalypse vorzeichnet: "Wenn die Dinge so bleiben, wie sie sind, kommt ein israelischer Luftangriff."

Dazu in aller Kürze, erstens: Solche Berichte sind immer gut für die psychologische Kriegsführung gegen das Ahmadineschad-Regime. Zweitens: Israel will, aber kann nicht ; Amerika kann, aber will nicht. Zum Strategischen: Es geht um rund fünfzig relevante Ziele in Iran – manche davon inmitten von Städten wie Isfahan, andere besonders sorgfältig "gehärtet" mit dicken Bunkermauern wie die Anreicherungsanlage von Natans. Sie zu vernichten, wäre kein Spaziergang wie 1981 der Nachmittagsausflug gegen den irakischen Osirak-Reaktor, den die israelische Luftwaffe zerstörte .

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Um es "richtig" zu machen, müsste sich der Luftkrieg (siehe Serbien, Irak, Afghanistan) über Wochen erstrecken – mit drei Phasen. Die erste würde die Luftverteidigung im ganzen Land ausschalten. Die zweite müsste alle militärischen Kräfte am Golf zerschlagen, die im Vergeltungsangriff Tanker und Ölanlagen angreifen könnten. Die dritte würde den Atomanlagen gelten. Auch das ginge nicht in einer einzigen Nacht. Hochgehärtete Ziele wie Natans müssten in vielen Wellen attackiert werden.

Die Luftabwehr kann nur die amerikanische Luftwaffe mit ihren Tarnkappen-Bombern zuverlässig ausschalten, weil diese auf dem Radar unsichtbar bleiben. Solche Flugzeuge haben die Israelis nicht. Die eigentlichen Ziele wären für die Langstreckenbomber vom Typ B-52 reserviert, deren Bunkerbrecher auch Natans knacken könnten. Solche haben die Israelis auch nicht. Taktische Aufgaben – für den Geleitschutz, gegen See- und Küstenziele – müssten die Kampfjets der Flugzeugträger übernehmen. Von solchen Riesenschiffen haben die Israelis genau: Null.

All das summiert sich zu einem wochenlangen Krieg. Was können die Israelis? Ihre Luftwaffe (IAF) hat zwar mehr Kampfflugzeuge (hauptsächlich F-15 und F-16) als die Deutschen und Franzosen, aber nicht für die weiträumige Kriegführung. Um die 1500 Kilometer nach Iran zu überwinden, müssten die Kampfbomber im Flug aufgetankt werden. Aber die IAF verfügt lediglich über neun Tanker. Die reichen für eine mehrtägige Kampagne nicht aus – nur für einen Einmal-Angriff, der bloß taktischen Schaden anrichten, keinen strategischen Sieg erringen könnte. Und noch etwas fehlt: Die Regierung Bush verweigerte Israel demonstrativ den Ankauf der schwersten, Bunker brechenden Bomben; die leichteren können die Beton- und Erddecken von Natans, dem wichtigsten Ziel, nicht überwinden.

Das hieße, wie Obamas Stabschef Rahm Emanuel dem Atlantic -Reporter erzählt hat: Die Israelis "könnten das Atomprogramm nicht stoppen, sondern nur verzögern". Also bleibt nur Amerika, das schon unter George W. Bush den Krieg gegen das Mullah-Regime vermied. Aber wer auch immer im Weißen Haus sitzt, er käme nicht an dem strategischen Kalkül vorbei, das allenfalls gelbes, aber kein grünes Licht zeigt.

Es wäre, noch einmal, ein richtiger Krieg, doch Amerika führt schon einen in Afghanistan und einen halben im Irak. Es müsste, anders als Israel, im Weltmaßstab denken. Über hochschießende Ölpreise in einer sehr wackeligen Weltkonjunktur, über iranische Entlastungsschläge in Afghanistan und im Irak, über die Blockade des Golfs, der Welt-Ölader, über Terroranschläge in Amerika, über eine zweite und dritte Front gegen Israel durch die Raketenoffensiven der Hisbollah im Norden und der Hamas im Süden. Die israelische Vergeltung könnte Syrien in den Krieg ziehen, einem Quasi-Verbündeten der Türkei. Welcher Präsident möchte da den ersten Zug machen?

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte widersprechen Sie dem Artikel mit sachlichen Gegenargumenten. Danke. Die Redaktion/sh

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    • ilot
    • 11.08.2010 um 19:43 Uhr

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    • ilot
    • 11.08.2010 um 19:53 Uhr

    Ein wesentlicher Teil der Eskalationsspirale, die im Moment eines Angriffs auf den Iran einsetzt, ist auch die in Ausschnitten durch Martin van Creveld (Professor für Militärgeschichte an der Universität von Jerusalem) bekannt gewordene Militärstrategie der israelischen Streitkräfte:

    "We possess several hundred atomic warheads and rockets and can launch them at targets in all directions, perhaps even at Rome. Most European capitals are targets for our air force. Let me quote General Moshe Dayan: "Israel must be like a mad dog, too dangerous to bother." I consider it all hopeless at this point. We shall have to try to prevent things from coming to that, if at all possible. Our armed forces, however, are not the thirtieth strongest in the world, but rather the second or third. We have the capability to take the world down with us. And I can assure you that that will happen before Israel goes under."

    Quelle: The Observer, Sunday 21 September 2003 00.51 BST

    Siehe auch:
    Die SAMSON OPTION

    Meine Schlussfolgerung lautet:
    Jeder, und zwar überall auf diesem Planeten, sollte schleunigst ein Teil der friedlichen Kräfte dieser Welt werden, sei es durch finanzielle Unterstützung von Friedensgruppen, persönlichen Einsatz, Wort und Tat im Alltag und was die Fantasie sonst noch hergibt.

    http://www.friedensfestiv...

    • ilot
    • 11.08.2010 um 20:30 Uhr

    Entfernt. Verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Die Redaktion/sh

    • ilot
    • 11.08.2010 um 19:43 Uhr

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    • ilot
    • 11.08.2010 um 19:53 Uhr

    Ein wesentlicher Teil der Eskalationsspirale, die im Moment eines Angriffs auf den Iran einsetzt, ist auch die in Ausschnitten durch Martin van Creveld (Professor für Militärgeschichte an der Universität von Jerusalem) bekannt gewordene Militärstrategie der israelischen Streitkräfte:

    "We possess several hundred atomic warheads and rockets and can launch them at targets in all directions, perhaps even at Rome. Most European capitals are targets for our air force. Let me quote General Moshe Dayan: "Israel must be like a mad dog, too dangerous to bother." I consider it all hopeless at this point. We shall have to try to prevent things from coming to that, if at all possible. Our armed forces, however, are not the thirtieth strongest in the world, but rather the second or third. We have the capability to take the world down with us. And I can assure you that that will happen before Israel goes under."

    Quelle: The Observer, Sunday 21 September 2003 00.51 BST

    Siehe auch:
    Die SAMSON OPTION

    Meine Schlussfolgerung lautet:
    Jeder, und zwar überall auf diesem Planeten, sollte schleunigst ein Teil der friedlichen Kräfte dieser Welt werden, sei es durch finanzielle Unterstützung von Friedensgruppen, persönlichen Einsatz, Wort und Tat im Alltag und was die Fantasie sonst noch hergibt.

    http://www.friedensfestiv...

    • ilot
    • 11.08.2010 um 20:30 Uhr

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    • leon1
    • 11.08.2010 um 19:20 Uhr

    psychologischen Beschaffenheit der Israelischen Fuehrung?
    Darueber haette ich auch gern etwas von Herrn Joffe erfahren.
    Nach dem Ueberfall auf das tuerkische Hilfsschiff im internationalen Gewaesser habe ich den Eindruck das die Herrschenden in Israel nach dem Prinzip leben: Ist der Ruf erst ruiniert...
    Die USA und Deutschland werden uns schon raushauen?

    • WIHE
    • 11.08.2010 um 19:35 Uhr

    sollten aufhören, in fremden Gärten zu siedeln, denn so etwas ist der Tod jeder friedlichen Nachbarschaft.

    Auch in meinem Garten dürfte kein Fremder gegen meinen Willen Hütten bauen, nicht mal ein Israeli.

    • ovozim
    • 11.08.2010 um 19:37 Uhr

    Bitte kritisieren Sie konstruktiv. Die Redaktion/is

  2. Den Israelis wird schon etwas einfallen, was sie tun müssen, um als "armes Opfer" dastehen zu können. Offenen Angriff auf den Iran im Alleingang werden sie sich nicht trauen - da muß man schon hinter den Kulissen ein wenig manipulieren und den "Verteidigungsfall" provozieren. Auch dem großen Bruder USA bleibt dann nicht anderes mehr übrig, als mit in den Krieg zu ziehen...

  3. zum wievielten Mal erörtern Sie jetzt eigentlich die Führbarkeit eines Krieges von Israel gegen den Iran? [...]

    Bitte äußern Sie konstruktive Kritik. Die Redaktion/is

    • ilot
    • 11.08.2010 um 19:43 Uhr

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    Antwort auf "Lieber Herr Joffe."

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