Ölpest im Golf von Mexiko Komitee kritisiert exzessiven Chemie-Einsatz
Neue Vorwürfe gegen BP: Der Konzern setzte offenbar Zehntausende Liter an Chemie täglich ein, um das Öl im Golf von Mexiko zu bekämpfen. Die Küstenwache schritt nicht ein.
© Michael B. Watkins/U.S. Air Force/Getty Images News

Ein Flugzeug der U.S. Air Force wirft Chemikalien über dem Golf von Mexiko ab, die das Öl zersetzen sollen
BP steht erneut massiv in der Kritik. Nach Informationen der New York Times hat der britische Konzern bei der Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko exzessiv toxische Lösungsmittel eingesetzt – und sich dabei über Richtlinien hinweggesetzt. Auch die Küstenwache, welche die Genehmigungen für den Einsatz erteilt, soll die Vorschriften mehrfach missachten haben. Die toxischen Chemikalien – so genannte Dispergatoren – sollten das freigesetzte Öl in kleinere Tröpfchen zersetzen. Der Einsatz des verwendeten Mittels birgt Risiken für das Ökosystem sowie für Tiere und Pflanzen.
Dem Bericht der Zeitung zufolge hatte die Environmental Protection Agency (EPA), eine Umweltschutzbehörde der Regierung, am 26. Mai eine Direktive erlassen, die den Einsatz der Chemikalie strikt begrenzen sollte. Nach dem Willen der Behörde, sollte das Lösungsmittel nur noch in "seltenen" Fällen verwendet werden, wenn "Ausnahmen nötig würden".
Einem Komitee des amerikanischen Kongresses liegen nun Dokumente und Briefwechsel vor, aus denen hervorgeht, dass BP täglich hohe Mengen des Mittels einsetzte und hierfür von der Küstenwache Genehmigungen erhielt – auch nach dem 26. Mai. In einigen Fällen spezifizierte BP die Mengenangaben in seinen Anfragen offenbar nicht einmal. Die Küstenwache erlaubte dem Konzern dennoch, die giftigen Dispergatoren zum Einsatz zu bringen, berichtet die New York Times .
- Natur in Gefahr
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Anfangs hieß es noch, dass aus den Lecks unter der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon nach Schätzungen des Ölkonzerns BP und der Behörden täglich rund 5000 Barrel Öl schießen würden. Das sind knapp 800.000 Liter der zähen schwarzen Masse. Mittlerweile hat die US-Regierung ihre Schätzung deutlich nach oben korrigiert. Sie liegt nun zwischen 35.000 und 60.000 Barrel pro Tag. Das wären bis zu 9,5 Millionen Liter. Seit Wochen weisen Forscher auf entsprechende Mengen hin.
Bedroht ist nicht nur die Küstenregion des amerikanischen Bundesstaates Louisiana, wo das Öl bereits auf Land getroffen ist. Nach Angaben der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOOA) kommt es auch zu Auswirkungen für Tiere und Pflanzen entlang der Küsten der Nachbarstaaten Mississippi, Alabama und Florida. Derzeit schätzt NOOA, dass allein in Louisiana zehn Tierschutzgebiete betroffen sind.
Die Sumpflandschaften in der Region sind artenreiche Ökosysteme, die fast 40 Prozent der Feuchtgebiete der USA ausmachen.
- Meerestiere
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Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sieht 445 Fischarten, 45 Säugetierarten, 32 Amphibienarten und 134 Vogelarten unmittelbar durch den wabernden Ölteppich in Gefahr.
Meeressäuger, wie die Delfinart Großer Tümmler oder der Pottwall können sich im klebrigen Öl verfangen, wenn sie zum Luftholen auftauchen. Der Karibik-Manati, eine bereits gefährdete Seekuhart, wandert entlang der Golfküste in warme Gewässer.
Auch einige Schildkrötenarten könnten unter dem Öl leiden. Gerade beginnt die Zeit, in der sie ihre Eier an den Stränden ablegen und auf Futtersuche sind.
Einige Umweltschützer fürchten sogar, dass der Alligator Schwierigkeiten bekommen könnte, im brackigen Mündungsgebiet des Mississippi-Delta Nahrung zu finden. Viele Fischarten, die auf seinem Speiseplan stehen, könnten vom Öl eingefangen werden.
- Vögel
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Eine Vielzahl an Vogelarten lebt und zieht an der Golfküste entlang, um hier Eier zu legen, Nester zu hüten und nach Futter zu suchen. Allein an der Küste Louisianas zählt man rund fünf Millionen Zugvögel in den Sumpfgebieten.
Der offizielle Vogel des Staates Louisiana, der Braunpelikan, hat gerade angefangen auf den Sandinseln, die parallel zur Küstenlinie verlaufen, zu brüten. Weitere rund hundert Zugvögelarten, darunter Schwalben, Ammern und Waldsänger, legen derzeit einen Zwischenstopp in der Region ein.
Hinzu kommen zahlreiche Vogelarten, die an den Stränden nisten.
- Pflanzen
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Besonders die weitverbreiteten Mangrovenwälder an der Küste des Golfs von Mexiko reagieren sehr empfindlich auf eine Ölverschmutzung. Sie sterben ab, sobald das Öl ihre Luftöffnungen in den Wurzeln verklebt.
Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem. Die Mangroven spielen auch eine wichtige Rolle im Küstenschutz. Gerade in der Region vor Louisianas Küste kommt es immer wieder zu starken Hurrikans. Die Mangroven bieten als eine Art natürliche Barriere Schutz für das gesamte Mississippi-Delta.
Künftige Stürme könnten größere Schäden anrichten, weil Mangroven nur langsam nachwachsen.
- Fischerei
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Der Golf von Mexiko ist der einzige Ort, an dem der Blauflossenthun im Westatlantik seine Laichgründe hat. Die Laichzeit hat gerade begonnen und die Meerestiere sind ohnehin eine gefährdete Art. Ihre Eier schwimmen an der Wasseroberfläche und auch die Larven bleiben in den oberen Wasserschichten, die direkt vom Öl verseucht sind.
Auch der Menaden, eine Heringsart, ist direkt vom Öl betroffen. Die Fische ziehen ihre Nahrung aus dem Wasser, indem sie es filtern. So kann das Öl direkt in ihren Organismus gelangen.
In den Gewässern vor der US-Küste leben zudem riesige Mengen Austern, Krabben, Muscheln und weitere Fische.
Noch geht die örtliche Industrie zwar nicht von einem dramatischen Einfluss auf die Fischereibetriebe aus. Dennoch geht die Furcht um. Einige Krabbenfischer haben bereits BP, Transocean und die anderen an dem Bohrvorhaben beteiligten Konzerne Halliburton sowie Cameron wegen Fahrlässigkeit verklagt.
Nach Informationen des Energie- und Umweltschutzkomitees erbat BP innerhalb von 48 Tagen mehr als 74 Ausnahmen, von denen alle bis auf zehn von der Küstenwache erteilt wurden. In anderen Fällen sollen die Anfragen des Ölkonzerns sogar erst gekommen sein, nachdem die Chemikalie bereits eingesetzt wurde. In einem Fall habe die Küstenwache sogar mehr Lösungsmittel freigegeben, als überhaupt erbeten worden war. Der Einsatzleiter der Regierung im Kampf gegen die Ölpest, Thad Allen, und die Leiterin der Umweltschutzbehörde EPA kündigten eine Ermittlung an.
Der Einsatz der Dispergatoren war von vornherein umstritten . Die Lösungsmittel zersetzen das Öl in kleinere Tropfen, die wiederum besser von natürlichen Bakterien verarbeitet werden können. Für die Meerestiere birgt der Einsatz ein Risiko, da die Chemikalien giftig sind. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass sie dazu führen können, dass zu viele zersetzende Bakterien entstehen, die dann wiederum dem Wasser den Sauerstoff entziehen.
Unterdessen weitet sich die Debatte um weitere Offshore-Bohrungen aus. Auf thailändischen Insel Samui protestierten Tausende Bürger gegen die Erlaubnis der Regierung, 42 Kilometer vor der Küste nach Öl bohren zu lassen. Dorfbewohner, Studenten, Fischer, Reiseanbieter, Hoteliers und Umweltschützer formierten sich zu einer 52 Kilometer langen Kette, wie die Bangkok Post berichtet.
Einige Demonstranten hielten Poster mit Bildern der Umweltkatastrophe nach der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon am 20. April hoch. Das thailändische Unternehmen NuCastle, eine Tochterfirma der Coastal Energy Company mit Sitz in London, hatte kürzlich eine Lizenz für die Suche nach Öl vor der Küste von Samui erhalten. Fischer wollen diese Bohrungen verhindern. Andere Umweltaktivisten wollen juristisch gegen die Regierung vorgehen, wenn sie die Bohrerlaubnis nicht bis Donnerstag zurückzieht.
Samui liegt im Golf von Thailand, wo Energiekonzerne große Erdgasreserven entdeckt haben. Diese decken mittlerweile knapp ein Drittel des thailändischen Energiebedarfs. Größere Ölvorkommen wurden bei der Suche in den vergangenen 40 Jahren nicht gefunden.
- Datum 01.08.2010 - 10:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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birgt, birgt dieselben Risiken für den Menschen und den Erdboden (Meeresboden); es bleibt ensetzlich zu sehen, wie leichtfertig bestehende Richtlinien außer Kraft gesetzt werden, weil sich jetzt wohl jeder auf die Ausnahme berufen wird. - Eine der wenigen Kinderstuben der Tier- und Pflanzenwelt des Atlantik ist auf Jahrzehnte tot; dieses Wasser wird auch keinen Sauerstoff mehr in die Luft freisetzen. - Hoffentlich ist die menschengemachte Katastrophe ein wirkliches Lehrbeispiel für andere. -
In jedem Handbuch der Tankschifffahrt können sie nachlesen,
das Dispersionsmittel zur Bekämpfung der Ölverschmutzung
immer das schlechteste Mittel sind, wie auch schon im Artikel
beschrieben.
Die Handbücher beziehen sich weitgehend auf die Erfahrungen,
die man aus dem Totalverlust des MT "Torrey Canyon" gesammelt hat.
Grundsätzlich gilt:
Die beste Reinigungskraft ist die Natur mit Wind, Sonne und Welle.
Ein Beispiel dafür der gestrandete MT "Braer" auf den Shetland Inseln.
In diesem Fall hätten die Medien den Verantwortlichen auch ohne Einsatz
von Dispersionsmitteln das Fell über die Ohren gezogen.
Welchen Sinn haben denn die Dispersionsmittel? BP hat großes Interesse daran, dass sich kein schmieriger, dicker Ölteppich ausbildet, in dem dann Wasservögel und andere Meeres- und Küstenbewohner elendig verenden. Die Bilder würden um die Welt gehen und eine verstärkte emotionale Ebene erzeugen. BP wäre auf ewig mit diesen Bildern verknüpft. Deswegen riskiert man neben der eigentlichen Katastrophe eine zweite im Artikel angesprochene.
Durch die feine Verteilung der Öltröpfchen können diese wohl sehr leicht in die Nahrungskette gelangen und kommen - vielen Dank BP!! - letzten Endes beim Menschen.
In solchen besonders gravierenden Katastrophen sollten die Verantwortlichen bei BP allesamt persönlich haften und sich nicht mit einer satten Entschädigung zurückziehen. Es kann nicht sein, dass einige wenige Menschen für eine so große Katastrophe verantwortlich sind und dann nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Ich hoffe die Zeit berichtet auch von den Ölkatastrophen im gelben Meer und den Great Lakes. Wir müssen uns schleunigst losmachen vom Öl als Brennstoff, das ist hoffentlich die Lehre die daraus gezogen wird.
Noch mehr Vergiftung gefällig? Mit welch krassen Mitteln eine Ölpest bekämpft werden muss. Ob das jemals Nutzen für die bedrohte Nautur hat?
Dank BP niemand mehr ....
...denn wenn das Öl wo klebt kann man BP in Regress nehmen aber wenn in 5 Jahren viele Menschen an "irgendwas" erkranken und das nach dem Verzehr von Fischen etc aus dem Golf von Mexico dann müssen die ja erstmal nachweisen das dies von diesen Lösungsmittel kommt. Denn viele Studien gibt es zu den Lösungsmitteln nicht. Ach es ist wohl einfach BP Anwalt zu sein ;)
Hier galt das Motto, jeden Dreck den wir nicht sehen ist gut, also lassen wir ihn verschwinden. Und das schöne an dieser „Lösung“, trotz besserer vorheriger Erkenntnis … die toten Tierchen sinken auch gleich mit nach unten und da werden nicht soviel Kadaver an die Strände gespült. Das mildert das Leid ungemein. Die restliche Milderung des Leids erfolgt über eine stark zensierte Berichterstattung, denn was wir nicht sehen, kann uns nicht aufregen, siehe auch saubere Kriegsführung ohne Leichen.
Also bleiben wir weiter positiv gestimmt und beschwören doch schon mal die Wende bei der Ölpest und üben den weiteren kreativen Umgang damit.
http://qpress.de/2010/07/...
Und jeder der an der Aufrichtigkeit der offiziellen Kämpfer für eine saubere Umwelt, Frieden, Freiheit und Demokratie glaubt, ist ein Patriot und alle die versuchen den Namen von BP oder der US-Regierung zu besudeln sind Nestbeschmutzer. Das lernen wir doch gerade durch WikiLeaks, die jetzt Blut an ihren Händen haben, weil sie Geheimnisse des Tötens für den Frieden lüfteten. Daher muss man sich sehr genau überlegen in welches Horn man heute stoßen möchte, denn man könnte schneller ein Staatsfeind werden als einem lieb ist. Deshalb danken wir BP an dieser Stelle nochmals ausdrücklich für seinen unermüdlichen Einsatz in dieser Sache und wollen nicht weiter erwähnen, dass es hinreichend biologische Mittel gibt, die den Abbau von Erdöl gefahrlos für Fauna und Flora hätten erledigen können.
… Ein Flugzeug der U.S. Air Force wirft Chemikalien über dem Golf von Mexiko ab, die das Öl zersetzen sollen.
Also, untersteht die Air Force schon den Konzernen, oder wie, oder was???????? Die Regierung scheint das doch befürwortet zu haben.
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