Angesichts der Wirtschaftskrise, sinkender Steuereinnahmen und einer wachsenden Staatsverschuldung in den USA muss das Pentagon erstmals seit einem Jahrzehnt sparen. Verteidigungsminister Robert Gates kündigt an, er wolle 100 Milliarden Dollar innerhalb der nächsten fünf Jahre streichen. "Die Kultur des unbegrenzten Geldes, die sich festgesetzt hat, muss durch eine Kultur des Sparens und der Zurückhaltung ersetzt werden", sagte er.

Gates möchte vor allem die Aufträge an private Firmen reduzieren. Zudem plant er, ganze Stabsstellen und regionale Hauptquartiere zu streichen, darunter das 1999 geschaffene Joint Forces Command in Virginia, das gemeinsame Einsatzführungskommando zur Koordination der Teilstreitkräfte. Die geplanten Kürzungen beschränken sich auf den Verwaltungsapparat und zivile Dienstleister. Die Einsätze in Afghanistan und im Irak sowie Waffenbeschaffungsprogramme sind nicht betroffen.

Das Pentagonbudget beläuft sich derzeit auf 708,2 Milliarden Dollar, mehr als das 17-Fache des deutschen Wehretats. Der US-Militärhaushalt setzt sich aus einem Basisetat von 548,9 Milliarden Dollar und den getrennt verbuchten Kriegskosten in Afghanistan und Irak (159,3 Milliarden Dollar) zusammen. Seit dem 11. September 2001 hat er sich mehr als verdoppelt.

Gates' Sparvorschläge betreffen den Basisetat. Die Einsparungen sollen sukzessive steigen: von sieben Milliarden Dollar im ersten auf 36 Milliarden Dollar im fünften Jahr. Trotzdem wird das Pentagon im kommenden Jahr keineswegs weniger ausgeben als in diesem Jahr. Denn von Gates' Sparankündigungen unbenommen ist die geplante Erhöhung des Basisetats im nächsten Jahr: Er soll von 535 Milliarden Dollar 2010 auf 549 Milliarden Dollar 2011 steigen.

Die Washington Post analysiert, Gates wolle damit stärkeren Kürzungen im Kongress zuvorkommen. Die Zeitung bezweifelt, dass das Pentagon so billig davon kommt und kritisiert, das Ministerium habe keinen Überblick mehr, wie viele externe Mitarbeiter es in privaten Firmen beschäftige. Offiziell sind es 766.000, mehr als die 745.000 zivilen Angestellten des Pentagon. Der Wert der externen Aufträge für Studien, Dienstleistungen und Beschaffungen beträgt 155 Milliarden Dollar im Jahr. Nach Recherchen der Zeitung arbeiten tatsächlich 1,2 Millionen Externe für das Ministerium und den militärischen Geheimdienst.

Aufträge an externe Mitarbeiter dienten einem politischen Ziel: die Aufgaben des Militärs auszubauen, ohne dass die Zahl der Regierungsangestellten wächst. Republikaner wie Demokraten propagieren das Ziel des "schlanken Staats" mit möglichst wenigen öffentlichen Bediensteten. Das Joint Forces Command, das nun geschlossen werden soll, beschäftigt 2800 militärische und zivile Angestellte sowie 3300 Externe.