Petraeus in Afghanistan "Rammt eure Zähne in das Fleisch der Aufständischen"

Der neue Kommandeur für Afghanistan, Petraeus, schwört die Soldaten auf einen harten Kampf gegen die Taliban ein. Deren gezielte Tötung steht im Zentrum seiner Strategie.

US-General David Petraeus, Kommandeur aller ausländischen Truppen in Afghanistan, hat martialische Worte gewählt, um seine Soldaten am Hindukusch zu motivieren. In einer vierseitigen Leitlinie, die am Sonntag verbreitet wurde, schreibt der erst vor einem Monat zum Nachfolger des wegen Indiskretionen geschassten US-Generals Stanley McChrystal ernannte Petraeus: "Jagt den Feind ohne Unterlass."

Die vergangenen Monate waren äußerst verlustreich für die Isaf. Dies soll sich ändern. Der 57-Jährige appellierte an die 120.000 Männer und Frauen der Nato-Schutztruppe: "Gemeinsam mit unseren afghanischen Partnern rammt eure Zähne in das Fleisch der Aufständischen und lasst nicht mehr los." Und er fügte hinzu, "wenn die Extremisten kämpfen, lasst sie den Preis dafür zahlen. Findet und eliminiert diejenigen, die die Bevölkerung bedrohen. Lasst sie die Unschuldigen nicht einschüchtern. Nehmt das ganze Netzwerk ins Visier, nicht nur Einzelne". Die Leitlinie gilt für alle Isaf-Truppen in Afghanistan, auch für die rund 4600 Soldaten der Bundeswehr.

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Sie beginnt mit der Mahnung, die Isaf-Truppen seien zum Schutz der Bevölkerung in Afghanistan . "Die Menschen sind das wichtigste Feld", schreibt Petraeus. "Nur wenn wir ihnen Sicherheit bringen und uns ihr Vertrauen erarbeiten, können die afghanische Regierung und wir gewinnen." Deshalb sollten die Soldaten immer nah bei den Menschen wohnen, ihre Patrouillen zu Fuß statt im Panzerwagen durchführen und den Tod von Zivilisten vermeiden.

Außerdem erläutert der Vier-Sterne-General, dass die Taliban nicht die einzigen Feinde seien, das Volk werde ebenso durch schlechte Regierung, Korruption und Machtmissbrauch bedroht. Die Richtlinien enden mit der Aufforderung, "zeigt Initiative. Wenn es keine Führung oder Befehle gibt, mutmaßt, was der Befehl hätte sein können und führt ihn aggressiv aus."

Die Wortwahl des Dokuments könnte darauf hinweisen, dass die US-Truppen ihr Vorgehen am Hindukusch noch verschärfen wollen. Offenbar plant Petraeus, vor allem die gezielten Tötungen von prominenten Taliban und al-Qaida-Kämpfern auszuweiten. Dafür spricht auch ein Artikel der New York Times , die am Sonntag berichtete, die militärische und politische Spitze sehe in gezielten Tötungen den einzigen Weg, um die Taliban in die Knie zu zwingen. Es gehe darum, den Taliban Angst vor einem Aufstieg in den eigenen Hierarchien zu machen, weil sie ab einer bestimmten Ranghöhe zu Zielen würden. Dem Bericht zufolge hoffen die Strategen in Washington, dass die Taliban dadurch an den Verhandlungstisch gezwungen werden könnten.

In Deutschland dürften diese Nachrichten neuerlich Irritationen auslösen. Unter dem Eindruck von Medienberichten, wonach die Bundeswehr an der Erstellung von Fahndungslisten beteiligt gewesen sein soll, auf Basis derer US-Spezialkräfte hochrangige Taliban gezielt töten, war die Debatte über den Afghanistaneinsatz am Wochenende ohnehin schon mit neuer Vehemenz aufgeflammt.

Leser-Kommentare
  1. Wenn das keine Vorbilder sind, unsere "amerikanischen Freunde":

    "Rammt eure Zähne in das Fleisch der Aufständischen!"

    So spricht "the world's leading nation".

    Und wir trotteln noch immer brav hinterher: in Kriege, in McDonald und überhaupt in den "American way of life"...

    Wie lange noch!?

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    • neu85
    • 02.08.2010 um 8:43 Uhr

    Ich denke wir wissen alle wie lange die Streitkräfte dort unten bleiben werden. Verabschieden sollten wir uns auch von einem "geordneten" Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Solange der Iran nicht nachhaltig "geschwächt" wurde, wird das eine never-ending story.

    • leon1
    • 02.08.2010 um 16:16 Uhr

    das wir auch diesmal bei den Verlierern sind. Wie bei allen unseren Kriegen auser einem.
    Von Amerika lernen heisst verlieren lernen.

    Was hat der "American Way of Life", hinter dem wir angeblich Cheeseburger fressend "hinterhertrotteln", mit dem Krieg gegen die Taliban in Afghanistan zu tun? Waren Sie schon einmal in den USA und haben Sie dort Leute gefragt, was sie davon halten, dass ihre Landsleute in aller Welt mit ihrem Blut bezahlen sollen, um ein politisches und wirtschaftliches System aufrecht zu erhalten, von dem bisher gerade auch die Deutschen profitiert haben? Wenn Sie das Gewissen drückt wegen all der Privilegien, die uns dieses System gegenüber den armen und einflusslosen Ländern dieser Welt verschafft, und wenn Sie den "American Way of Life" so unerträglich finden, sollten Sie vielleicht mal ausprobieren, wie es sich in Iran, Kuba oder Nordkorea lebt.

    • Ellmax
    • 03.08.2010 um 11:44 Uhr

    Die Amerikaner zahlen mit ihrem Blut für ein politisches und wirtschaftliches System, von dem die oberen 10 Prozent der Bevölkerung profitieren. Besondere Privilegien sind damit nun wirklich nicht verbunden, aber natürlich - da haben Sie Recht - Vorteile gegenüber den "armen und einflusslosen Ländern der Welt".

    Übrigens: Wieso gibt es eigentlich arme und einflusslose Länder? Wollten die nicht für das amerikanische System mit Blut bezahlen? Oder wollten sie nicht mit Dollar für Öl bezahlen? Oder wollten sie keine Kredite vom IWF? Oder wollten Sie ihre Bodenschätze nicht an angloamerikanische Firmen verkaufen?

    Und da Sie Iran, Kuba und Nordkorea erwähnen: Wieso herrschen dort eigentlich die heutigen Verhältnisse? Wer ist dafür verantwortlich?

    Die Ursachen liegen bei allen drei Ländern in den 50er Jahren, und bei allen Dreien gibt es einen maßgeblichen Schuldigen dafür, dass sie die Entwicklung genommen haben, die sie zum heutigen Zustand geführt hat. Es ist - die Überraschung ist groß - die USA.

    Welche Nachrichtenagentur hat denn diese Übersetzung verbrochen?? Da hat wohl wieder ein Praktikant übersetzt.
    Zitat aus dem Originaltext von Petraeus (S. 1 unten): "Together with our Afghan partners, get our teeth into the insurgents and don't let go.". Die übliche Übersetzung dafür lautet: "sich festbeißen und nicht loslassen".
    Das ergibt dann schon wieder ein ganz anderes Bild. Aber mit "Tomatensoße" verkaufen sich Zeitungen einfach besser!

    • neu85
    • 02.08.2010 um 8:43 Uhr

    Ich denke wir wissen alle wie lange die Streitkräfte dort unten bleiben werden. Verabschieden sollten wir uns auch von einem "geordneten" Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Solange der Iran nicht nachhaltig "geschwächt" wurde, wird das eine never-ending story.

    • leon1
    • 02.08.2010 um 16:16 Uhr

    das wir auch diesmal bei den Verlierern sind. Wie bei allen unseren Kriegen auser einem.
    Von Amerika lernen heisst verlieren lernen.

    Was hat der "American Way of Life", hinter dem wir angeblich Cheeseburger fressend "hinterhertrotteln", mit dem Krieg gegen die Taliban in Afghanistan zu tun? Waren Sie schon einmal in den USA und haben Sie dort Leute gefragt, was sie davon halten, dass ihre Landsleute in aller Welt mit ihrem Blut bezahlen sollen, um ein politisches und wirtschaftliches System aufrecht zu erhalten, von dem bisher gerade auch die Deutschen profitiert haben? Wenn Sie das Gewissen drückt wegen all der Privilegien, die uns dieses System gegenüber den armen und einflusslosen Ländern dieser Welt verschafft, und wenn Sie den "American Way of Life" so unerträglich finden, sollten Sie vielleicht mal ausprobieren, wie es sich in Iran, Kuba oder Nordkorea lebt.

    • Ellmax
    • 03.08.2010 um 11:44 Uhr

    Die Amerikaner zahlen mit ihrem Blut für ein politisches und wirtschaftliches System, von dem die oberen 10 Prozent der Bevölkerung profitieren. Besondere Privilegien sind damit nun wirklich nicht verbunden, aber natürlich - da haben Sie Recht - Vorteile gegenüber den "armen und einflusslosen Ländern der Welt".

    Übrigens: Wieso gibt es eigentlich arme und einflusslose Länder? Wollten die nicht für das amerikanische System mit Blut bezahlen? Oder wollten sie nicht mit Dollar für Öl bezahlen? Oder wollten sie keine Kredite vom IWF? Oder wollten Sie ihre Bodenschätze nicht an angloamerikanische Firmen verkaufen?

    Und da Sie Iran, Kuba und Nordkorea erwähnen: Wieso herrschen dort eigentlich die heutigen Verhältnisse? Wer ist dafür verantwortlich?

    Die Ursachen liegen bei allen drei Ländern in den 50er Jahren, und bei allen Dreien gibt es einen maßgeblichen Schuldigen dafür, dass sie die Entwicklung genommen haben, die sie zum heutigen Zustand geführt hat. Es ist - die Überraschung ist groß - die USA.

    Welche Nachrichtenagentur hat denn diese Übersetzung verbrochen?? Da hat wohl wieder ein Praktikant übersetzt.
    Zitat aus dem Originaltext von Petraeus (S. 1 unten): "Together with our Afghan partners, get our teeth into the insurgents and don't let go.". Die übliche Übersetzung dafür lautet: "sich festbeißen und nicht loslassen".
    Das ergibt dann schon wieder ein ganz anderes Bild. Aber mit "Tomatensoße" verkaufen sich Zeitungen einfach besser!

  2. Der Grund für die Amerikaner, diesen Krieg zu führen ist also:
    "solle verhindert werden, dass Terroristen von der Region aus agieren, Trainingslager aufbauen und Anschläge gegen die USA planen könnten. "Das kann uns gelingen", sagte der Präsident."

    Na, dann knöpft euch mal ein Land nach dem anderen der ganzen Welt vor. Fröhliches Gewinnen!
    Liebe Amis, habt ihr nichts besseres zu tun?
    Was sagt denn eure Bevölkerung dazu, lohnt sich der Krieg angesichts der Kosten und der Toten?

    Ich muß sagen, ich halte diese Begründung von Obama für eine Lüge.

    Mein Vorschlag zur Terrorismusbekämpfung ist folgender :
    Vernichtung der Opiumfelder
    Dadurch keine Gelder mehr für den Einkauf von Waffen
    Kein Krieg geht ohne Waffen

    Anschließend spende ich einen Sack Saatgut für Getreideanbau. Und vielleicht finden sich ein paar Freiwillige, die die jungen Männer, die nur das Kämpfen gelernt haben, in Feldarbeit unterrichten.
    Wenn die dann von morgens früh bis zur Ermüdung ackern, weil sie sonst verhungern, muss keiner, auch nicht die Frauen und Kinder, mehr Angst haben vor ihrer Gewalttätigkeit.

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    Und zwar wird der Westen massive den unbemannten Krieg nach vorne treiben. Aus meiner Sicht eine der größten Veränderungen seit dem sich Menschen die Köpfe einschlagen.

    Bisher war es immer notwendig eigene Verluste zu ertragen / zu tragen / skrupellos einzusetzen. Wenn eine Seite aber nur noch Geld benötigt und High-Tech, dann ändern sich die Regeln massiv.

    Ich kann mir autonome Kmapfrobotor (zu Lande, in der Luft auf See) vorstellen, die mit Gesichtserkennung, Geruch Spürsinn, Spracheanalyse, Termobildern etc. sehr gezielt diejenigen raussuchen die irgendjemand auf eine Liste gesetzt hat.

    Und, ich glaube das wird schneller gehen als wir uns das vorstellen können.

    Und zwar wird der Westen massive den unbemannten Krieg nach vorne treiben. Aus meiner Sicht eine der größten Veränderungen seit dem sich Menschen die Köpfe einschlagen.

    Bisher war es immer notwendig eigene Verluste zu ertragen / zu tragen / skrupellos einzusetzen. Wenn eine Seite aber nur noch Geld benötigt und High-Tech, dann ändern sich die Regeln massiv.

    Ich kann mir autonome Kmapfrobotor (zu Lande, in der Luft auf See) vorstellen, die mit Gesichtserkennung, Geruch Spürsinn, Spracheanalyse, Termobildern etc. sehr gezielt diejenigen raussuchen die irgendjemand auf eine Liste gesetzt hat.

    Und, ich glaube das wird schneller gehen als wir uns das vorstellen können.

    • Chali
    • 02.08.2010 um 8:42 Uhr

    ... den einzigen Weg, um die Taliban in die Knie zu zwingen"

    Da hat er nun mal Recht. Wenn schon Krieg, dann nur so.
    Wem die Mittel nicht passen, sollte das "Kriegsspielen lassen" eben unterlassen.

    ABER:
    Ich war, ich bin gegen diesen Krieg - und zwar von Anfang an!

    • neu85
    • 02.08.2010 um 8:43 Uhr

    Ich denke wir wissen alle wie lange die Streitkräfte dort unten bleiben werden. Verabschieden sollten wir uns auch von einem "geordneten" Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Solange der Iran nicht nachhaltig "geschwächt" wurde, wird das eine never-ending story.

    • Chali
    • 02.08.2010 um 9:11 Uhr

    Wenn schon:
    "Die" haben "wir" dahingeschickt, kleine Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen [...]!
    Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Danke, die Redaktion/vv

    Antwort auf "Taliban jagen?"
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    • Chali
    • 02.08.2010 um 9:27 Uhr

    Den erwachsenen Frauen zu ermöglichen, Kleidung unserer Wahl zu tragen.

    Ist das genug guter Geschmack?

    • Chali
    • 02.08.2010 um 9:27 Uhr

    Den erwachsenen Frauen zu ermöglichen, Kleidung unserer Wahl zu tragen.

    Ist das genug guter Geschmack?

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