Russland Putin übt den politischen Feuerwehreinsatz
Die russische Landwirtschaft erlebt gerade einen herben Rückschlag. Die Dürre und die Waldbrände verhindern eine Rückkehr zur Exportgroßmacht.
© Alexey Druzhinin/AFP/Getty Images

Der Druck auf Russlands starken Mann steigt: Angesichts der verheerenden Waldbrände zeigte Wladimir Putin (r.) Präsenz in der Krisenregion
Spätestens als Premierminister Wladimir Putin ein abgebranntes Dorf im Gebiet von Nischnij-Nowgorod besuchte und wie eine Lichtgestalt im hellen Hemd durch die rußigen Ruinen lief, wurde klar: Die Waldbrände haben eine neue, bedrückende Dimension erreicht. Moskau musste sein Handeln beweisen. Putin ging auf die Menschen zu, um ihnen zu helfen. Aber er versucht zugleich, sein politisches System zu retten.
Denn die Vertikale der Macht, die Putin errichtet hat, erleichtert zwar das Durchregieren bis ins kleinste Dorf hinein. Sie hemmt aber die Entscheidungsbereitschaft und das Verantwortungsgefühl der regionalen Amtsträger, die vor allem Fehler fürchten. Der Moskauer Machthaber muss alles richten: Er kommt herbei, verspricht Hilfe und Wiederaufbau, beruhigt die Menschen und kündigt die Bestrafung unfähiger Beamten an. Das ist Putins politischer Feuerwehreinsatz. Sein hierarchisches System offenbart gerade bei außergewöhnlichen Herausforderungen seine Schwächen.
Die meisten Menschen starben in ihren Häusern beim Kampf mit dem Feuer. Die Feuerwehr kam oft nicht zur Hilfe, der Katastrophenschutz reagierte überfordert. Auf diese Feuersbrünste waren die Behörden nicht vorbereitet, obwohl die monatelange Dürre viele Waldstriche in riesige Zunderbüchsen verwandelt hatte. Für die Bekämpfung der Waldbrände sind die Regionalregierungen zuständig. Viele von ihnen versuchen zu sparen und setzen auf Einsätze von Freiwilligen und Fabrikbrigaden. Es mangelt an technischer Ausrüstung und an Professionalität.
Umweltschützer machen zudem die Regierung für die Brände mitverantwortlich : Das Waldgesetz, das Putin als Präsident 2007 unterzeichnet hat, löste die staatliche Waldaufsicht weitgehend auf und legte deren Aufgaben, darunter die Brandvorsorge und Kontrolle, in die Hände der privaten Pächter. Drei Viertel aller Außenmitarbeiter wurden damals gestrichen. Sie fehlten jetzt in den Wäldern.
Dabei sind Waldbrände in Russland keine Seltenheit. Vor allem in Sibirien und im Fernen Osten gehen jedes Jahr Teile der Taiga in Flammen auf. Dort gibt es Spezialeinheiten, die Feuerspringer, die sich vom Flugzeug zum Löschen absetzen lassen, wenn die Feuerbrunst bereits alle Wege auf der Erde versperrt hat. Aber solche Waldbrände wie in diesem Jahr hat Russland lange nicht erlebt: 48 Menschen sind umgekommen, mehr als 120.000 Hektar brennen. Die Rauchglocke über der Hauptstadt macht das Drama deutlich: Während Sibirien und der Ferne Osten aus Moskauer Sicht weit entfernt liegen, brennt es diesmal vor allem in Zentralrussland.
- Datum 04.08.2010 - 13:22 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Putins hierarchisches System ähnelt dem Aufbau des alten zaristischen Systems. Väterchen Putin hat Väterchen Zar ersetzt. Es ist völlig abwegig zu glauben, dass Putin die Wiedereinführung einer sowjetischen Räterepublik erstrebt. Es ist wohl eher die konzentrierte Macht des alten Zarenreichs mit einer relativ machtlosen Duma, die ihm als Vorbild zu dienen scheint. Wenn Russen manchmal zum Spaß behaupten, dass man Putin dereinst auch noch zum Zaren krönen werde, so ist ihnen dabei doch ein bisschen ängstlich zumute.
zu den Ursachen? Trinkwasserverbrauch der Metropolen - Austrocknen der Umgebung - vermehrter Methangasaustritt aus den aufgetauten Sümpfen mangels Permafrost?
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