Griechenland-Hilfe Slowakei erzürnt die EU

Als bislang einziges Land der EU wird sich die Slowakei nicht an den gemeinsamen Finanzhilfen für Griechenland beteiligen. Brüssel reagiert verstimmt.

Keine Hilfe für Griechenland: Das slowakische Parlament, hier ein Archivbild, verweigerte Athen eine Finanzspritze

Keine Hilfe für Griechenland: Das slowakische Parlament, hier ein Archivbild, verweigerte Athen eine Finanzspritze

Griechenland wird keine finanzielle Unterstützung aus Bratislava erhalten. Das slowakische Parlament sprach gegen diese Maßnahme aus. Nur zwei der 84 anwesenden Abgeordneten votierten für eine Teilnahme der Slowakei an den Notkrediten für das hoch verschuldete Mitgliedsland der Euro-Gruppe . Dagegen stimmten 69 Parlamentarier, 13 Abgeordnete enthielten sich.

Die EU-Kommission kritisierte die Entscheidung als Verstoß gegen das Solidaritätsprinzip. "Dies ist ein Bruch der Verpflichtung, die die Slowakei in der Euro-Gruppe eingegangen ist, um vorübergehend und unter Bedingungen Finanzhilfen an Griechenland zu geben", kommentierte Währungskommissar Olli Rehn das Votum. "Die Entscheidung der Euro-Gruppe war ein entscheidender Akt zu einem kritischen Zeitpunkt, um die finanzielle Stabilität der Eurogruppe insgesamt – einschließlich der Slowakei – zu sichern."

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Er erwarte, dass sich die Gruppe der 16 Staaten mit Euro-Währung bei ihrem nächsten Treffen Ende September mit diesem Vorgang beschäftigen werde, sagte Rehn weiter. Das Verhalten der Slowakei gefährde jedoch in keiner Weise die Finanzhilfen für Griechenland.

Die Verhandlungen mit den EU-Partnern Ende Mai hatte noch die frühere sozialdemokratische Regierung unter Premier Robert Fico geführt. Nach den Wahlen vom 12. Juni war es dann in der Slowakei zu einem Regierungswechsel gekommen . Die neue bürgerliche Koalition in Bratislava lehnt die Griechenlandhilfe überwiegend ab. "Die viel ärmere Slowakei soll nicht die Zeche für die undisziplinierte Haushaltspolitik des reicheren Griechenland zahlen", hatte die neue christlich-liberale Premierministerin Iveta Radicova bereits im Wahlkampf gesagt.

Die Frage der Griechenlandhilfe spaltet die slowakische Politik auch nach der Wahl. Alle 62 sozialdemokratischen Abgeordneten blieben der Abstimmung im Parlament fern. Die wenigen Abgeordneten der Koalitionsparteien, die für die Griechenland-Hilfe waren, enthielten sich größtenteils, um nicht gegen die eigene Regierung zu votieren. Gemeinsam mit den Sozialdemokraten hätten sie aber eine Mehrheit für die Griechenland-Hilfe erreichen können. Deshalb war die Abstimmung mit Spannung erwartet worden.

Keine Überraschung brachte hingegen die am selben Tag erfolgte Abstimmung über den als Euro-Rettungsschirm bekannten Rahmenvertrag, der einen Notfallfonds für kriselnde EU-Länder vorsieht: Diesem Garantiemechanismus hatte auch die neue slowakische Regierung trotz Vorbehalten bereits Mitte Juli ihre Zustimmung erteilt. Deshalb war in diesem Fall die klare Ja-Mehrheit im Parlament keine Überraschung.

Für seine Zustimmung zu dem milliardenschweren Paket drängte das Parlament allerdings auf strengere Haushaltsregeln in der Euro-Zone . Bevor Geld fließen soll, sollten die Anforderungen verschärft werden – dazu gehört auch ein geregeltes Insolvenzverfahren für Euro-Staaten. Zudem verweigerten die Abgeordneten den Beitragsanteil der Slowakei an einem Kreditrahmen, der 4,5 Milliarden Euro an Bürgschaften entspricht.

 
Leser-Kommentare
    • tomika
    • 12.08.2010 um 8:52 Uhr

    Es ist wohl richtig zu sagen, das man nicht für die jahrelangen Fehler eines anderen europ. Staates aufkommen möchte. Aber die Slowakai gibt durch das Ausscheren aus dem Solidaritätsprinzip falsche Signale!

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    Schon daß dieses Thema "Europa" dadurch hier wieder auftaucht,
    ist wichtig. Von den angepaßten Bundestagsabgeordneten hört man mit wenigen Ausnahmen doch nichts zum Thema.

    Schon daß dieses Thema "Europa" dadurch hier wieder auftaucht,
    ist wichtig. Von den angepaßten Bundestagsabgeordneten hört man mit wenigen Ausnahmen doch nichts zum Thema.

  1. dann haben wir eine EU der Beliebigkeit und können den Laden am besten gleich dicht machen. Wenn die Slowakei mal in Bedrängnis kommt: Daran denken und nichts geben.
    Zahlungen aus dem EU-Topf an diese unsicheren Kantonisten sollten sofort eingestellt werden.

  2. Die entscheidende Frage ist hier, wer sich mit wem solidarisieren will! Ob Griechenland das eigentliche Solidaritätsobjekt ist? Geld allein wird darüber hinaus das Problem nicht lösen. Das sollte jedem klar sein. Die maßgebliche Strukturschwäche ist systemimmanent! Das zu lösende Problem also wiederkehrend; die Wirkungskraft des Instruments "Finanzhilfe" aber nicht konstant (weil die Staatsverschuldung der übrigen Mitglieder der Eurogruppe fördernd)!

    Das Inaussichtstellen der Finanzhilfen hat funktioniert: Die Finanz-Hysterie ist vorbei. Wo bleiben die Strukturreformen? Die finanzielle Stabilität der Eurogruppe kann nicht auf Geldgeschenken aufgebaut werden. Im Gegenteil: Die Geldgeschenke könnten die finanzielle Stabilität der Eurogruppe gefährden!

    • Maafi
    • 13.08.2010 um 11:25 Uhr

    Was mich an dieser Sache am meisten verwundert, ist die angebliche Erzürnung der EU-Kommission.
    Für mich ist die Ablehnung der Hilfszahlungen für Griechenland seitens der Slowakei mehr als begründet.

    Wenn wir in Deutschland uns endlich einmal vor Augen halten wollen, was der Tschecholowakei bislang an Hilfen und Zahlungen verweigert wurde - (somit auch der heutigen Slowakei) - dann sollte man genau da ansetzen um fehlende Zahlungsmoral zu kritisieren. Nicht bei der Slowakei.

    Die Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel verdankt ihre Demokratie seit Kriegsende dem mutigen Einsatz eines aus der Tschechoslowalei gebürtig stammenden Mannes. Er verhalf 1934 dem damaligen Bürgermeister aus Köln zu seiner Flucht und versteckte ihn vor dem NS-Regime (Konrad Adenauer wurde von der NS als Gegner verfolgt und sollte ermordet werden) Dieser damals mit seiner Familie in Deutschland lebende Mensch wurde aber 1934 für seine Aktionen erschossen, seine Sterbeurkunde (also Beweise für das damalige Verbrechen) wurde seiner Familie und seinen Nachkommen 70 Jahre lang verweigert - bis 2009. Kein Angehöriger seiner Familie erhielt bisher auch nur einen Euro an Entschädigung - Frau Merkel kennt diese Sache und sieht keine Veranalssung sich einmal erkenntlich zu zeigen - bis heute nicht...
    Die Kritik fehlender Zahlungsmoral sollte wirklich an anderer Stelle beginnen!

  3. Schon daß dieses Thema "Europa" dadurch hier wieder auftaucht,
    ist wichtig. Von den angepaßten Bundestagsabgeordneten hört man mit wenigen Ausnahmen doch nichts zum Thema.

  4. Eine kritische und zugleich sachliche Stimme zum Thema Europa.
    Eine eher anregende Kostprobe:
    "In den letzten 10 Jahren stiegen die Reallöhne in Griechenland um über 30 Prozent, das Handelsdefizit betrug im letzten Jahr 14 Prozent des Bruttosozialprodukts, und ebenso hoch war das Leistungsbilanzdefizit."

  5. "...
    Seitdem sich das herumgesprochen hat, will kein Marktteilnehmer diesem Land mehr Geld leihen.
    Griechenland ist pleite.
    Dies ist an und für sich kein Unglück,
    es hat in der Geschichte schon Dutzende Staatsbankrotte gegeben. Ein Unglück ist, daß man aus Prestigegründen diesen Bankrott nicht zuließ und die anderen europäischen Länder rechtswidrig als Bürgen einsprangen..."

    Besonders zynische Politiker sprechen von Solidarität.

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