Somalia: Hort der Piraten, Warlords und Terroristen
Vor 50 Jahren wurde Somalia unabhängig. Die Hoffnungen der Menschen erfüllten sich nicht. Auf eine Diktatur folgten 20 Jahre Bürgerkrieg und Terror.
© Mustafa Abdi/AFP/Getty Images

Islamistische Kämpfer gehen neben einem zerstörten Panzer in Deckung. Nahe der somalischen Hauptstadt Mogadischu bekriegen sich Soldaten der Afrikanischen Union mit der Terrorgruppe al-Shabab
Der junge Mann war weit gereist, um zu sterben. Er raste mit einem mit Sprengstoff beladenen Toyota in ein Büro des Geheimdienstes von Puntland, im Norden Somalias. Dann zündete er die rollende Bombe. Shirwa Ahmed, amerikanischer Staatsbürger mit somalischen Wurzeln, riss am 29. Oktober 2008 zahlreiche Menschen mit in den Tod.
Gleichzeitig schlugen vier andere Selbstmordattentäter in Somalia zu. Sie attackierten den Präsidentenpalast, ein Gebäude der UN und eine Hilfsorganisation. Die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelte, dass Shirwa Ahmed und rund 20 weitere Männer aus Minnesota nach Somalia gereist waren, um dort einen Heiligen Krieg gegen die Übergangsregierung und ausländische Truppen zu führen.
Kein Einzelfall: Am Donnerstag nahmen amerikanische Sicherheitsbehörden erneut mehrere Männer fest, die Verbindungen zu somalischen Terrororganisationen unterhalten haben sollen.
- Somalia
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Somalia liegt im Osten Afrikas am Golf von Aden und am Indischen Ozean. Das Land hat etwas mehr als neun Millionen Einwohner, rund 600.000 Somalis sind vor dem Bürgerkrieg geflohen und leben in den Nachbarländern Kenia und Äthiopien sowie auf der arabischen Halbinsel.
45 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15, lediglich 2,5 Prozent älter als 65. Das Durchschnittsalter liegt bei 17 Jahren. Jedes zehnte Kind überlebt das Säuglingsalter nicht.
- Unabhängigkeit
Am 26. Juni 1960 wurde Britisch Somaliland unabhängig, am 1. Juli folgte die italienische Kolonie Somaliland. Gemeinsam bildeten sie die unabhängige
Republik Somalia.
Nach Angaben amerikanischer und europäischer Sicherheitskräfte ist Somalia neben dem afghanisch-pakistanischem Grenzgebiet und Jemen der wichtigste Rückzugsort für islamische Terroristen. Der Staat ist zerfallen, die Macht haben Warlords, Bandenchef und Clans. "Das Land ist zu einem Hort für Piraten und dschihadistische Kämpfer geworden", heißt es ganz offiziell im Auswärtigen Amt. Das Ministerium pflegt sonst größere Zurückhaltung bei der Beschreibung anderer Staaten. Für diplomatische Beschönigung gibt es bei Somalia schlicht keinerlei Anlass. Das Land destabilisiert eine ganze Region.
Frieden am Horn von Afrika ist nur möglich, wenn es gelingt, ein Mindestmaß an Sicherheit in Somalia zu schaffen
Staatsminister Werner Hoyer
"Frieden am Horn von Afrika ist nur möglich, wenn es gelingt, ein Mindestmaß an Sicherheit in Somalia zu schaffen", sagte Staatsminister Werner Hoyer vor Kurzem bei einem Treffen der europäischen Außenminister. Die EU hat ein Trainingsprogramm für somalische Soldaten in Uganda begonnen. Die Somalis sollen für den Kampf gegen Piraten und Terroristen ausgebildet werden. 13 der 140 internationalen Trainer stellt die Bundeswehr. 2000 somalische Unteroffiziere und Offiziere werden in "Minenabwehr, Kampf im bebauten Gelände, Sanitäts- und Fernmeldewesen" geschult. Die Sicherheitslage Somalias lässt sich so allerdings kaum verbessern.
Die großen Hoffnungen, die Somalia vor 50 Jahren begleiteten, als die Region die italienische und britische Kolonialherrschaft abstreifte und ein geeinter, freier, unabhängiger Staat wurde, lösten sich nach Jahrzehnten der Gewalt im Nichts auf. Heute steht Somalia symbolhaft für einen failed state – und für das Versagen der internationalen Gemeinschaft und der Afrikanischen Union.

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Jede dritte Somali ist auf humanitäre Hilfe aus dem Ausland angewiesen, 1,5 Millionen Menschen leben an Binnenvertriebene in notdürftigen Lagern, 600.000 sind nach Angaben der UN ins Ausland geflohen. 3,8 Millionen – rund 40 Prozent der Bevölkerung gelten als Not leidend – viele Hilfsorganisationen haben wegen der dramatisch schlechten Sicherheitslage jedoch Somalia verlassen. Das Auswärtige Amt zählt Somalia zu den größten Krisengebieten der Welt.
Die Unabhängigkeitsfeier fiel wegen dem Bürgerkrieg aus. Militärparaden, Ansprachen, Jubelfeiern – die anderen afrikanischen Staaten, die vor 50 Jahren in die Unabhängigkeit entlassen wurden, begehen das Jubiläum mit Prunk. Somalia hingegen hat wenig zu feiern. Die Übergangsregierung ohne demokratisches Mandat verfügt in großen Teilen des Landes über keine Macht. In Südsomalia kämpft die Regierungsmiliz gemeinsam mit den Friedenstruppen der Afrikanischen Union gegen die in mehrere Fraktionen zersplitterte Union der Islamischen Gerichtshöfe sowie gegen die al-Shabab.
Gebildet hat sich die Übergangsregierung 2004 im Exil in Kenia. In einem Hotel im winzigen Nachbarstaat Dschibuti holte sie sich dann die Zustimmung zahlreicher Clans. Die Sicherheitslage ließ kein Treffen in Somalia zu. Besonders kritisch ist die Lage in Zentral- und Südsomalia, auch die Hauptstadt Mogadischu ist unsicher. "Deutschen Staatsangehörigen wird dringend geraten, das Land zu verlassen. In ganz Somalia besteht für westliche Staatsangehörige ein sehr hohes Entführungsrisiko", teilt das Auswärtige Amt in einer Reisewarnung mit. Deutschland, die USA und die meisten anderen westlichen Staaten unterhalten in Somalia keine diplomatische Vertretung – auch dafür ist die Lage zu unsicher.





Leider ist Ihre angefügte Karte nicht wirklich nützlich, da sie den geostrategischen Vorteil Somalias am Golf von Aden außer Acht lässt. Auch wenn Obama und Petraeus ja im Januar verlauten liessen, dass sie keine Truppen in Somalia und Jemen haben möchte.
http://www.lib.utexas.edu...
Schau mer mal!
Lieber User,
aus geostrategischer Sicht haben Sie Recht - der Golf von Aden und die wenigen Seemeilen, die die Unruheherde Somalia und Jemen trennen, sind natürlich interessant. Allerdings erschien der Text innerhalb unser Serie über die afrikanischen Staaten, die vor 50 Jahren die Unabhängigkeit erlangten. Eine Afrikakarte ist deswegen keinesfalls überflüssig.
Und noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache: Hauke ist ein norddeutscher Männername (zumindest habe ich noch nie eine Dame mit diesem Vornamen getroffen).
Lieber User,
aus geostrategischer Sicht haben Sie Recht - der Golf von Aden und die wenigen Seemeilen, die die Unruheherde Somalia und Jemen trennen, sind natürlich interessant. Allerdings erschien der Text innerhalb unser Serie über die afrikanischen Staaten, die vor 50 Jahren die Unabhängigkeit erlangten. Eine Afrikakarte ist deswegen keinesfalls überflüssig.
Und noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache: Hauke ist ein norddeutscher Männername (zumindest habe ich noch nie eine Dame mit diesem Vornamen getroffen).
dass Somalia bei seiner Unabhängigkeit eigentlich gute Aussichten hatte, eine stabile Demokratie zu werden, besser als in vielen Nachbarländern, was bei Herrn Friederichs etwas zu kurz kommt.
Letzten Ende ist Somalia erst ein Opfer des sowjetischen und dann des wahhabitischen Imperialismus geworden.
im kalten Krieges wirken eben immer noch nach.
Mohammed Siad Barre war anscheinend wohl so eine "Schachfigur".
Vielleicht sollte der Westen und vor allen Dingen Deuustchland sich wirklich mal raus halten und die Entscheidung, wem diese Völker nun als Verbündete oder ob sie überhaupt welche haben wollen, denen überlassen.
Denn mischt man sich nicht ein und betreibt Handel und sonstiges ist es falsch, mischt man sich ein, tut man es nur wegen des Handels, ist auch falsch.
Und am liebsten kritisieren dann die deutschen Bürger ihre Politiker und Landsleute nach diesem Schema: wie man es macht, ist es falsch. Und da die Politik in diesem Berich nahezu amateurhaft ist, kann sie dem nichts entgegen setzen.
Nicht mal entschieden Piraten bekämpfen. Denn auch da ist wieder Verständnis gefordet.
Also gilt für Deutschland: Raus da, allerdings aushalten muss man dann die Entwicklung schon. Ändert sich was, ist es gut. Ändert sich nichts, geht also die Gewalt weiter, und es entstehen Einflusssphären anderer sich beteiligender Länder, hat man das bitte schön auszuhalten.
Irgendeinen Preis für den frommen Wunsch, mit fast steril sauberen Händen durch die Welt gehen zu wollen, wird man aber vermutlich zahlen müssen.
Odre man versucht wirklich mal, sich den aussenpoltischen Status von z. B. Costa Rica anzueignen. Man sollte nur wissen, dass ein sich Heraushalten eines Großen noch keine Garantie für Frieden unter den Kleinen ist.
...aber könnte es vielleicht sein, dass jenes Land seit Jahrzehnten vom Westen systematisch destabilisiert wird, um Vorwände zu schaffen, die Schifffahrtswege militärisch zu kontrollieren, über die er das Erdöl abtransportiert, welches "der Schöpfer" einst unter arabischem Sand für ihn vergrub?
[Entfernt. Unsachliche Polemik dieser Art ist hier nicht erwünscht. Danke. /Die Redaktion pt.]
Und selbst der unhöflichste User sollte die Form wahren.
Bitte informieren Sie sich doch auf der Seite der Stiftung Wissenschaft und Politik (http://www.swp-berlin.org/) und zahlreicher anderer wissenschaftlicher Institutionen über al-Qaida. Die Bezeichnung Organisation ist bei einem Netzwerk natürlich schwierig. Aber selbstverständlich ist ein radikal-islamistisches Terrornetzwerk, das hinter den Anschlägen vom 11. September steckt, anti-westlich. Alles andere ist Verschwörungstheorie
mal bar jeder Polemik, der entferntee Link zur dreiteiligen BBC-Dokumentation "The Power of Nightmares" von 2006 auf googlevideo
http://video.google.com/v...
geht doch durch, oder?
Nachdem diese bereits vor sechs Jahren veröffentlicht wurde, fragte ich mich nur, warum bei der ZEIT bisher noch nie jemand Notiz genommen zu haben scheint - insbesondere wo es doch seit Kurzem das Internet gibt.
http://de.wikipedia.org/w...
Und selbst der unhöflichste User sollte die Form wahren.
Bitte informieren Sie sich doch auf der Seite der Stiftung Wissenschaft und Politik (http://www.swp-berlin.org/) und zahlreicher anderer wissenschaftlicher Institutionen über al-Qaida. Die Bezeichnung Organisation ist bei einem Netzwerk natürlich schwierig. Aber selbstverständlich ist ein radikal-islamistisches Terrornetzwerk, das hinter den Anschlägen vom 11. September steckt, anti-westlich. Alles andere ist Verschwörungstheorie
mal bar jeder Polemik, der entferntee Link zur dreiteiligen BBC-Dokumentation "The Power of Nightmares" von 2006 auf googlevideo
http://video.google.com/v...
geht doch durch, oder?
Nachdem diese bereits vor sechs Jahren veröffentlicht wurde, fragte ich mich nur, warum bei der ZEIT bisher noch nie jemand Notiz genommen zu haben scheint - insbesondere wo es doch seit Kurzem das Internet gibt.
http://de.wikipedia.org/w...
Lieber User,
aus geostrategischer Sicht haben Sie Recht - der Golf von Aden und die wenigen Seemeilen, die die Unruheherde Somalia und Jemen trennen, sind natürlich interessant. Allerdings erschien der Text innerhalb unser Serie über die afrikanischen Staaten, die vor 50 Jahren die Unabhängigkeit erlangten. Eine Afrikakarte ist deswegen keinesfalls überflüssig.
Und noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache: Hauke ist ein norddeutscher Männername (zumindest habe ich noch nie eine Dame mit diesem Vornamen getroffen).
Und selbst der unhöflichste User sollte die Form wahren.
Bitte informieren Sie sich doch auf der Seite der Stiftung Wissenschaft und Politik (http://www.swp-berlin.org/) und zahlreicher anderer wissenschaftlicher Institutionen über al-Qaida. Die Bezeichnung Organisation ist bei einem Netzwerk natürlich schwierig. Aber selbstverständlich ist ein radikal-islamistisches Terrornetzwerk, das hinter den Anschlägen vom 11. September steckt, anti-westlich. Alles andere ist Verschwörungstheorie
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