Pentagon-BerichtUSA sind besorgt über Chinas neue Militärkraft

Das Pentagon ist beunruhigt: China beschleunige die Modernisierung der Streitkräfte. Die Cyber-Kriegsführung werde ausgeweitet, die Vorherrschaft der USA zurückgedrängt. von dpa

Die USA sind beunruhigt über Chinas wachsende militärische Stärke. Mit dem Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt habe China die Modernisierung seiner Streitkräfte beschleunigt und ausgeweitet, heißt es in einem Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Beklagt wird darin auch ein Mangel an Transparenz, der zu Missverständnissen und Fehleinschätzungen führen könne. "Viele Unsicherheiten bestehen darüber, wie China seine zunehmenden militärischen Fähigkeiten nutzen wird." China wolle nach Ansicht des Pentagon den Einsatzbereich des Militärs ausweiten und die Vorherrschaft der USA im Pazifik zurückdrängen.

Der Bericht hebt auch Fortschritte in Chinas Möglichkeiten zur elektronischen Kriegsführung hervor. Im Jahr 2009 seien zahlreiche Computer weltweit, darunter auch amerikanische Regierungsrechner, Ziel von Angriffen geworden, "die ihren Ursprung offenbar in der Volksrepublik hatten". Es bleibe unklar, ob die Volksbefreiungsarmee hinter den Hacker-Attacken stecke oder sie unterstütze. Die Entwicklung der Cyber-Kriegsführung decke sich aber mit schriftlichen Erklärungen der Militärs, heißt es weiter.

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Chinesische Staatsmedien wiesen das Pentagon-Papier am Dienstag als "Einmischung in innere Angelegenheiten" zurück. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua kritisierte "eigenwillige Kommentare" über Pekings Beziehungen zu Taiwan. Chinesische Sicherheitsexperten bescheinigten dem jährlichen Bericht gleichwohl einen "vorsichtigen und moderaten Ton". Die Vorlage war aus Rücksicht auf die Spannungen mit China im Frühjahr erst mit mehrmonatiger Verspätung erfolgt. Ursache waren neue amerikanische Waffenlieferungen an Taiwan . Der Bericht setzt sich für eine Wiederaufnahme der deswegen von China ausgesetzten Militärkontakte zu den USA ein.

In dem 83-seitigen Dokument heißt es, die umfassende Modernisierung der Streitkräfte "erweitert Chinas Optionen, seine militärische Stärke einzusetzen, um diplomatische Vorteile zu erlangen oder Streitigkeiten zu seinem Vorteil zu lösen". China liegt mit mehreren Nachbarn im Streit über Territorialansprüche und Rohstoffvorkommen in Seegebieten. Weiter heißt es in dem Dokument, China entwickle "überlappende, mehrschichtige offensive Einsatzmöglichkeiten", die bis in den Westpazifik reichten.

Damit wolle China amerikanische Streitkräfte hindern, Taiwan im Kriegsfall helfen zu können. Trotz "positiver Trends" im Verhältnis zu der demokratischen Inselrepublik rüste Peking gegenüber Taiwan unverändert auf. Das Kräftegleichgewicht verschiebe sich weiter zugunsten Festlandchinas, heißt es weiter. Peking betrachtet die Insel nur als abtrünnige Provinz und droht im Falle einer Unabhängigkeit Taiwans mit einer gewaltsamen Wiedervereinigung.

Der Bericht wirft China trotz "bescheidener Fortschritte" unzureichende Offenheit in Militär- und Sicherheitsfragen vor. Zu viel Geheimniskrämerei führe dazu, "regional und global Angst über Chinas wachsende Macht zu entfachen".
 

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Leserkommentare
  1. Könnte man sich mal die Sitte angewöhnen Quellen richtig zu zitieren? Ich würde das hier zusammengefasste sehr gerne selbst unter die Lupe nehmen, aber DPA als Quelle reicht mit offensichtlich nicht aus -.-.

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    • red_sky
    • 17. August 2010 15:47 Uhr

    Ihnen ist aber schon klar, dass die dpa nicht umsonst arbeitet?

  2. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die USA immernoch meinen, sie müssten Weltpolizei spielen. Mmn. ist es Chinas gutes Recht aufzurüsten, so wie jeder andere Staat auch. Das dabei nicht alle Details an den Konkurrenten USA gegeben werden ist doch selbstverständlich. Ich würde es sogar begrüßen, würde China die arroganten Amerikaner endlich mal vom Thron der Weltmacht runterstoßen, falls sie dies nicht schon längst getan haben.

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    • Rolf28
    • 17. August 2010 15:33 Uhr

    ... in einer von China als Weltpolizei dominierten Welt. Ich hoffe bis dahin lebe ich nicht mehr.

    Die Nachteile für unsereins sollten sogar Sie verstehen können. Auch wenn man dem großen Bruder gern mal eins auswischen möchte.

    • wulewuu
    • 17. August 2010 14:09 Uhr

    wenn man sich für den Retter der Menschheit hält. Jedwede Veränderung kann da nur beunruhigen. Nicht-Veränderungen sind ebenfalls beunruhigend, denn sie könnten Böses verbergen.

    Die Lösung? Alle Menschen werden Amerikaner. Und dann? Sehr, sehr beunruhigend...

  3. Globale Macht besteht (wie bei einem Sitzschemel) normalerweise aus drei Beinen: Politischer, militärischer und wirtschaftlicher Macht.
    Dass es insbesondere mit der wirtschaftlichen Macht der USA rasant abwärts geht ist inzwischen eine Weisheit nach Prof. Binse (Binsenweisheit).
    Eine ebensolche Warnehmung ist, dass sich die Chinesen allmählich und in subtiler Weise in entstehende Lücken des inzwischen brüchig gewordenen traditionellen Mahtgefüges hineinschieben.

    Übrigens: Über den Chinesischen Alleinvertretungsanspruch gegenüber Taiwan braucht sich doch gerade in Deutschland niemand aufregen: Da haben doch die Chinesen einfach die ehemalige Hallstein-Doktrin (Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR)abgeschrieben.
    Sie sind eben gerade im Kopieren ausgepichte Meister.

  4. Westliche Allianz versus Asiatischer Pakt? Man darf gespannt sein.

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    da hat wohl jemand zu viel Command & Conquer gespielt :)
    erstaunlich wie so ein PC Spiel die Zukunft vorwegnimmt ...

    p.s. die arabischen Terroristen nicht vergessen

    back to topic:
    ich freue mich schonmal auf ein neues Wettrüsten, und wenn ich mir mal wieder die letzten ökonomischen Daten aus den USA anhöre, weiß ich auch, wer dieses mal verlieren wird...

    nicht falsch verstehen, ich mag die USA!
    und den kalten Krieg haben wir wohl nur durch sie gut überstanden hier in good old europe,
    aber nüchtern betrachtet waren doch die meisten US- Regierungen eher suboptimal!

    • TomFynn
    • 17. August 2010 14:37 Uhr

    dass China die Aufrüstung von den Zinsen auf die etwa eine Billiarde Dollar bezahlen, welche ihnen die USA schulden.

    • Problem
    • 17. August 2010 14:42 Uhr

    Bisher hat sich keine 'Weltmacht' länger halten können; es gibt einen Höhepunkt der Dominanz und danach fällt diese wieder ab und eine andere Macht übernimmt diese Dominanz.

    Warum sollte es ausgerechnet den Amerikanern anders ergehen? Sie haben sich an zu vielen Fronten verteilt (auch das hatten wir schon mehrmals in der Geschichte), Konzentration verloren - eine Schwäche, welche die nächste Weltmacht hervorbringen wird, welche die alte zu verdrängen wird vermögen. Und dieser wird es genau so ergehen usw. usw. Da ändert die beste Technologie nichts daran...

    Nichts ungewöhnliches also. Im Gegenteil, Ich begrüße es, dass diese unglaublich arrogante und scheinheilige Dominanz, nein, Suppression! der Amerikaner endlich ein Ende findet!

    Alles wiederholt sich... Alles wiederholt sich...

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte China | Nachrichtenagentur | Offenheit | Pentagon | Streitkräfte | Taiwan
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