Krise von Schwarz-Gelb Westerwelle will sich ändern

Weil Angela Merkel im Urlaub ist, leitete ihr Stellvertreter die Sitzung des Kabinetts. Der nutzte die Aufmerksamkeit, um Optimismus zu verbreiten.

Guido Westerwelles Arbeitstag begann um neun Uhr im Kanzleramt. Weil die Kanzlerin Urlaub hat, darf der Vize Westerwelle zum ersten Mal die Amtsgeschäfte führen. "Prinz für einen Tag", titelte die Süddeutsche Zeitung dazu.

Eher wohl ein halber Prinz. Während der von ihm geleiteten Sitzung des Kabinetts war nur die Hälfte der Minister anwesend und die Themen nicht entscheidend für Deutschlands Zukunft: Nothilfe für die Flutopfer in Pakistan. Ein Angebot an Russland, bei der Bekämpfung der Waldbrände zu helfen. Erörterung der Lage zwischen Israel und dem Libanon. "Man empfindet das in diesem Augenblick als große Ehre, dass man seinem Land dienen darf", sagt Westerwelle im Anschluss.

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Da sitzt er schon vor der blauen Wand mit dem Schriftzug "Bundespressekonferenz". Im Raum ist kaum ein Stuhl leer, obwohl in Berlin politische Sommerpause herrscht. Aber bei Westerwelle weiß man nie, müssen sich die versammelten Journalisten gedacht haben. Kein Kabinettsmitglied polarisiert so sehr wie er .

Doch der Außenminister hat offenbar beschlossen, sich dieses Mal nicht provozieren zu lassen, keine neuen Aufreger zu liefern. Er scheint zu genießen, dass er endlich mal wieder im Mittelpunkt steht. Ernst schaut er in Richtung der Fernsehkameras und Fotografen. Jede wichtige Aussage unterstreicht er mit energischen Handbewegungen. Für ihn ist die Sommerpause vorbei, soll das wohl bedeuten.

Die Koalition braucht nach der Sommerpause dringend einen Neuanfang. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf ihrer Sommerpressekonferenz einen neuen konstruktiven Kurs gefordert. Welchen Schluss zieht Westerwelle daraus? Er mahnt die Journalisten, nicht aus jeder Debatte gleich einen Streit zu machen. Diskussionen um Zukunftsfragen wie die Kernenergie und die Wehrpflicht seien schließlich wichtig.

Immerhin geht Westerwelle mit gutem Beispiel voran: Er tadelt heute keinen Ministerkollegen und versucht, dem offiziellen Regierungskurs nicht zu widersprechen. Das ist neu, denn leise Töne sind nie seine Sache gewesen. Im ersten Regierungsjahr begnügte er sich nicht mit seinen Posten als Vize-Kanzler, FDP-Vorsitzender und Außenminister. Stattdessen versuchte er, für den Wirtschafts-, Entwicklungs-, Arbeits- und Finanzminister mitzusprechen. Obendrein schien es, als könne er an keinem Mikrofon vorbeigehen, ohne sich nicht auch noch zu allen Fragen der Innenpolitik zu äußern: Gesundheit, Hartz IV, Wehrpflicht, Steuersenkung, Hotelsubvention.

Erfolg hatte er damit nicht. Als sich das Wahlversprechen "Mehr Netto vom Brutto" als nicht haltbar herausstellte, sank die Zustimmung in der Bevölkerung und auch in seiner Partei spürbar . Mit dem markigen Spruch von der "spätrömischen Dekadenz" machte sich der FDP-Vorsitzende nicht beliebter. Die Demoskopen sehen die Liberalen nun bei knapp fünf Prozent . Vor einem Jahr waren es noch 14,6.

Leser-Kommentare
    • WiKa
    • 04.08.2010 um 17:16 Uhr

    Nicht nur die Umfragewerte dürften ihn in diese Richtung gedrängt haben, sondern insbesondere die öffentliche Wahrnehmung. Offenbar sind die Deutschen doch nicht ganz so liberal wie er sich fühlt und handelt, d kann es dann schon mal die Schwierigkeiten kommen. Um in der öffentlichen Gunst nicht gänzlich vom Ast zu fallen, muss er sich halt ändern.

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf die Verlinkung zu pornographischen Bildern. Danke, die Redaktion/fk.

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    Tolle Popolation ...

    Tolle Popolation ...

  1. ...und heraus kommt eine ORANGE Partei:

    Wäre doch mal was Neues: Die Doppelspitze Westerwelle und Lötzsch.

    Die großen "Volksparteien haben's doch auch drauf und nehmen DIE GRÜNEN mit ins Boot, wenn auch nicht für voll.

    Hauptsache es dient dem Machterhalt und der ist wichtig für das eigene Geldsäckel oder etwa nicht?

    DIE LINKEN haben es wenigstens geschafft, in den letzten 20 Jahren in ganz Deutschland populär zu werden - was man von den GELBEN ja nicht gerade behaupten kann - seit "Genschmann" abgemustert hat.

  2. Offensichtlich kennt er sich mit den Begriffen nicht gut aus. Das waren keine Selbstzweifel die er hatte, dass war eine Mischung aus Arroganz und Narzissmus!

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    • keox
    • 04.08.2010 um 23:33 Uhr

    kurz, knapp, treffend

    lapidar eben

    • keox
    • 04.08.2010 um 23:33 Uhr

    kurz, knapp, treffend

    lapidar eben

  3. Er wurde demontiert, das fing mit der ersten Pressekonferenz an und geht langsam weiter.
    Wenn Westerwelle ein Schröderzitat in den Mund nimmt, dann bauscht man es zum Skandal auf. Wenn er einen wenig beachteten Artikel in der Welt schreibt, dann macht man daraus ein politische Posse. Und wenn er das Kabinett leitet, schreibt man "Guido allein zu Haus"

    Freilich tut er eine Menge dazu, er ist einer, der das letzte Wort haben will. Einer, dem man in Zeiten, des Erfolgs die Selbstzufriedenheit anmerkt. Er ist einer, der einfache Sätze sagt. Einer, der sich hochgearbeitet hat, von der Realschule bis zum Doktor und dem unter den Intellektuellen der Stallgeruch fehlt. Einer, der sich anstrengt und dabei ins Schwitzen kommt.

    Rhetorik kann man lernen, die großbürgerliche Gelassenheit nicht. Trotzdem ist Westerwelle auch ein Steher, einer der von seinen Inhalten überzeugt ist. Er leidet unter seiner Außendarstellung. Und eines ist sicher. Er ist ein Idealist der anderen Seite.

    Letztere Eigenschaft ist es, die ihn zum Antihelden einer durch und durch linksgeprägten Kultur- und Medienwelt macht. In seiner Haut möchte man nicht stecken.

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    Ach ja, jetzt ist es wieder die linke Kultur- und Medienwelt. Wen meinen Sie denn da. Die ZEIT doch wohl nicht. Die taz mit ihrer gigantischen Auflage? Die linksradikale Süddeutsche Zeitung? Nein, ich habe es, sie meinen die linksradikalen Sender ARD und ZDF.
    Gehen Sie in eine Wüste und suchen Sie im Umkreis von 1000 km ein Fettnäpfchen. Sie werdn es besetzt finden. Drin steht Westerwelle...und sagt: "Meine Außendarstellung ist schlecht."

    Von seinen Inhalten?
    Noch nie welche vermittelt bekommen ...

    • Dispot
    • 05.08.2010 um 2:03 Uhr

    Zitat:
    "Einer, dem man in Zeiten, des Erfolgs die Selbstzufriedenheit anmerkt."

    Auch in Zeiten des Mißerfolgs. Da anscheinend erst recht.
    Im Übrigen ist Ihre Lobhudelei auf W. vollkommen unangebracht. Dieser Mann ist ein rhetorisch gewiefter kaltblütiger Lobbyist, ein Verführer, wie das Bundestagswahlergebnis und der darauffolgende beispiellose Absturz eindrucksvoll gezeigt haben. Wenigstens ist er regierungspolitisch sowas von unfähig (Bevorzugung des Außenministeramts, Ministerauswahl, Koalitionsvertrag), das beruhigt mich in gewisser Weise etwas, nährt es doch die Hoffnung auf ein baldiges Ende des FDP-Spuks.

    Zitat:
    "Er ist einer, der einfache Sätze sagt."

    Die Sache im Februar, als er mit billiger Polemik gegen Sozialschwache seine Umfragewerte retten wollte, grenzte jedenfalls an Volksverhetzung. Eine Aufhetzung der verarmenden Mittelschicht gegen angeblich "spätrömische Dekadenz", W's Bezeichnung für menschenwürdiges Existenzminimum. Einfache Sätze, die mir gezeigt haben, daß Westerwelle ein gefährlicher Populist und Spalter ist. Völlig indiskutabel als Vizekanzler.

    Tut mir leid, aber für mich ist Westerwelle der schlimmste Politiker, an den ich mich mit meinen 40 Jahren erinnern kann. Und Sie können lobhudeln wie Sie wollen, selbst die FDP-Parteibasis muckt jetzt schon langsam auf. (z.B. Hessen-Abwahlantrag). Wenn noch BaWü im Frühjahr verloren geht, ist die Ära W. vorbei.

    • kael
    • 09.08.2010 um 12:40 Uhr

    Hier sei doch ein klares "veto" erlaubt.

    Herr Westerwelle macht nicht einmal als "Polit-Clown" Furore. Dafür nimmt er sich selbst viel zu bitterernst. Herr Westerwelle ist ein "Show-Spieler", dazu ein grottenschlechter. Denn immer wenn er mit der ihm eigenen Theatralik den Hamlet gibt und "Sein oder Nicht-Sein" (oder beispielsweise "Versprochen - gehalten!") bebend in die Welt hinaus posaunt, lachen die Leute und amüsieren sich über diesen Wichtigtuer.

    Herr Westerwelle ist auch deutscher Außenminisister? Gut, dies zu erfahren, denn Spuren hat er bislang auf diesem Gebiet nicht hinterlassen. Er tummelt sich lieber auf dem Partei-Parkett und treibt sie vorzugsweise in den Keller.

    Nicht die "linklastige Presse" (eine recht gewagte Behauptung) ist an seinem Untergang schuld. Er ist es ganz allein.

    Herr Westerwelle hat sich selbst demontiert.

    Ach ja, jetzt ist es wieder die linke Kultur- und Medienwelt. Wen meinen Sie denn da. Die ZEIT doch wohl nicht. Die taz mit ihrer gigantischen Auflage? Die linksradikale Süddeutsche Zeitung? Nein, ich habe es, sie meinen die linksradikalen Sender ARD und ZDF.
    Gehen Sie in eine Wüste und suchen Sie im Umkreis von 1000 km ein Fettnäpfchen. Sie werdn es besetzt finden. Drin steht Westerwelle...und sagt: "Meine Außendarstellung ist schlecht."

    Von seinen Inhalten?
    Noch nie welche vermittelt bekommen ...

    • Dispot
    • 05.08.2010 um 2:03 Uhr

    Zitat:
    "Einer, dem man in Zeiten, des Erfolgs die Selbstzufriedenheit anmerkt."

    Auch in Zeiten des Mißerfolgs. Da anscheinend erst recht.
    Im Übrigen ist Ihre Lobhudelei auf W. vollkommen unangebracht. Dieser Mann ist ein rhetorisch gewiefter kaltblütiger Lobbyist, ein Verführer, wie das Bundestagswahlergebnis und der darauffolgende beispiellose Absturz eindrucksvoll gezeigt haben. Wenigstens ist er regierungspolitisch sowas von unfähig (Bevorzugung des Außenministeramts, Ministerauswahl, Koalitionsvertrag), das beruhigt mich in gewisser Weise etwas, nährt es doch die Hoffnung auf ein baldiges Ende des FDP-Spuks.

    Zitat:
    "Er ist einer, der einfache Sätze sagt."

    Die Sache im Februar, als er mit billiger Polemik gegen Sozialschwache seine Umfragewerte retten wollte, grenzte jedenfalls an Volksverhetzung. Eine Aufhetzung der verarmenden Mittelschicht gegen angeblich "spätrömische Dekadenz", W's Bezeichnung für menschenwürdiges Existenzminimum. Einfache Sätze, die mir gezeigt haben, daß Westerwelle ein gefährlicher Populist und Spalter ist. Völlig indiskutabel als Vizekanzler.

    Tut mir leid, aber für mich ist Westerwelle der schlimmste Politiker, an den ich mich mit meinen 40 Jahren erinnern kann. Und Sie können lobhudeln wie Sie wollen, selbst die FDP-Parteibasis muckt jetzt schon langsam auf. (z.B. Hessen-Abwahlantrag). Wenn noch BaWü im Frühjahr verloren geht, ist die Ära W. vorbei.

    • kael
    • 09.08.2010 um 12:40 Uhr

    Hier sei doch ein klares "veto" erlaubt.

    Herr Westerwelle macht nicht einmal als "Polit-Clown" Furore. Dafür nimmt er sich selbst viel zu bitterernst. Herr Westerwelle ist ein "Show-Spieler", dazu ein grottenschlechter. Denn immer wenn er mit der ihm eigenen Theatralik den Hamlet gibt und "Sein oder Nicht-Sein" (oder beispielsweise "Versprochen - gehalten!") bebend in die Welt hinaus posaunt, lachen die Leute und amüsieren sich über diesen Wichtigtuer.

    Herr Westerwelle ist auch deutscher Außenminisister? Gut, dies zu erfahren, denn Spuren hat er bislang auf diesem Gebiet nicht hinterlassen. Er tummelt sich lieber auf dem Partei-Parkett und treibt sie vorzugsweise in den Keller.

    Nicht die "linklastige Presse" (eine recht gewagte Behauptung) ist an seinem Untergang schuld. Er ist es ganz allein.

    Herr Westerwelle hat sich selbst demontiert.

  4. auf einer zu großen Spielwiese. "In diesem Augenblick verspüre man eine Ehre, dem Land zu dienen." Ich wette, dass er sich für die Zeit der Abwesenheit von Merkel mit "Herr Bundeskanzler" anreden lässt.
    Er war ja so stolz, als er Viszekanzler wurde. Er war ja so stolz, als er Außenminister wurde. Denn er ist ja die "Freiheitsstatue" der Bundesrepublik Deutschland, wie er selber sagte auf einem CDU-Parteitag.

  5. Das ist ja mal eine ganz neue Aussage des Herrn W.
    Er will seinem Land DIENEN!!!! Das ist ja mal was ganz neues,
    normalerweise BEDIENEN sich diese Herrschaften am deutschen Volk und nutzen es aus wo es nur geht, sprich Diätenerhöhung und Pöstchengeschachere.

    Ob er wohl über Nacht eine Eingebung hatte??? Soll es ja
    manchmal geben.

  6. ...vremisse ich Westerwelle in der Opposition.
    Da hat er schon aus weit geringeren Anlässen nach "NEUWAHLEN!!!" gekräht!

  7. Ach ja, jetzt ist es wieder die linke Kultur- und Medienwelt. Wen meinen Sie denn da. Die ZEIT doch wohl nicht. Die taz mit ihrer gigantischen Auflage? Die linksradikale Süddeutsche Zeitung? Nein, ich habe es, sie meinen die linksradikalen Sender ARD und ZDF.
    Gehen Sie in eine Wüste und suchen Sie im Umkreis von 1000 km ein Fettnäpfchen. Sie werdn es besetzt finden. Drin steht Westerwelle...und sagt: "Meine Außendarstellung ist schlecht."

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