WikileaksPentagon warnt Wikileaks vor weiteren Veröffentlichungen

Wikileaks will weitere 15.000 geheime Militärberichte zum Afghanistan-Einsatz ins Netz stellen. Das Pentagon warnt, die Veröffentlichung gefährde Menschenleben. von dpa und AFP

Wikileaks-Chef und -Gründer Julian Assange

Wikileaks-Chef und -Gründer Julian Assange  |  © andygee1/flickr

Ungeachtet des Drucks aus dem US-Verteidigungsministerium will die umstrittene Internetplattform Wikileaks weitere geheime Militärberichte zu Afghanistan veröffentlichen. Dies kündigte Website-Gründer Julian Assange in einer Videoschaltung zu einer Diskussionsveranstaltung in London an. Es gehe um etwa 15.000 Dokumente, die Wikileaks bisher zurückgehalten habe. Einen Termin für die Veröffentlichung der Berichte nannte Assange in seiner Schaltung zum Frontline Club nicht.

Das US-Verteidigungsministerium hat die Enthüllungsplattform vor der Veröffentlichung weiterer Dokumente über den Krieg in Afghanistan gewarnt. Pentagonsprecher Geoff Morell sprach nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN von einem "Fehler", der bereits zu viele Menschenleben in Gefahr gebracht habe. Das einzig verantwortliche Vorgehen für Wikileaks sei es, "alle gestohlenen Dokumente von ihrer Webseite zu entfernen und alles geheime Material aus ihren Computern zu löschen". Die Publizierung weiterer Geheimpapiere wäre eine "Verantwortungslosigkeit".

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Vergangene Woche forderte das Pentagon Wikileaks auf, die Geheimdokumente "umgehend zurückzugeben" . Das Pentagon leitete Ermittlungen ein, um herauszufinden, wer der Enthüllungsplattform die Dokumente zugespielt hat. Das FBI fahndet mit Hochdruck nach dem Informanten von Wikileaks.

Auch mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International und die International Crisis Group, haben dem Wall Street Journal zufolge Wikileaks in einer E-Mail darum gebeten, bei den nächsten Leaks größeren Wert auf die Geheimhaltung von Informationen zu legen. In den kürzlich veröffentlichten 76.000 Dokumenten waren Namen von Afghanern zu finden, deren Tätigkeit als Helfer der US-Armee durch die Veröffentlichung bekannt wurde. Die Taliban kündigten in einem Interview sogar an, dass man die Dokumente durchsehen und die Verräter zur Verantwortung ziehen werde .

Inzwischen schloss sich auch Reporter Ohne Grenzen der Kritik an, und formulierte einen offenen Brief an Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange. Die Journalistenorganisation wirft Assange "unglaubliche Verantwortungslosigkeit" vor.

Wikileaks versteht sich als Spezialist für Enthüllungsgeschichten. Die Website hatte Ende Juli rund 90.000 Dokumente der US-Streitkräfte in Afghanistan veröffentlicht . In den Dokumenten wird unter anderem dem pakistanischen Geheimdienst vorgeworfen, mit den Taliban zusammenzuarbeiten.
 

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Leserkommentare
  1. Die Veröffentlichung politisch peinlicher Dokumente ist eine gute Sache. Aber wenn tatsächlich die Namen von Afghanen veröffentlicht wurden, hat Wikileaks jetzt Blut an den Händen.

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    • -Ziet-
    • 13. August 2010 11:40 Uhr

    Reingefallen, Kollege.
    Wikileaks hat natürlich KEIN Blut an den Händen!

    Wenn jemand Blut an den Händen hat, dann sind es die Täter, dann ist es die Administration der USA, der diversen Geheimdienste, jene mit Waffen in der Hand, die Warlords, deren Helfer, die Korrupten Amtsträger in Afghanistan und Pakistan, die Fundamentalisten und Menschenverächter und Gottes-Krieger auf beiden Seiten der Front.

    Es ist primitive Propaganda aus Washington, Wikileaks etwas anzuhängen oder zu unterstellen - das wird in nächsten Monaten und Jahren mit zum Spiel gehören.

    JEDE Veröffentlichung kann Menschen gefährden, wenn Mafiose oder Kriegerische Strukturen diese Informationen lesen und auswerten. Auch Banalitäten können irgendwelche Paranoiden Gewalttäter zu Schlußfolgerungen führen, welche als Rechtfertigung für Repressionen und Morde dienen. Es macht wenig Sinn über sowas nachzudenken - man weis als Schreiber meist zuwenig, um derlei einschätzen zu können. Im Zweifel für die (subjektive) Wahrheit des Autors.

    Es macht natürlich Sinn, weder den Taliban noch den US-Militärs JEDE Information zu liefern - wenn man es mit verhältnismäßigem Aufwand vermeiden kann - don't feed the pigs.

    Von daher ist die Überlegung aus dem Hause AI begründet - allerdings ist es vermessen anzunehmen, daß sich die Macher bei Wikileaks nicht lange vorher schon entsprechende Gedanken gemacht haben.

    Letztlich ist es doch so - wer Dreck am Stecken hat (sich als Kombattant in Konflikte anderer reinziehen läßt) ...

    Wenn das Pentagon so daran interessiert ist, dass Ihre Soldaten und Informanten nicht durch Veröffentlichungen gefährdet werden, warum wurden dann Anfragen seitens Wikileaks die zu Dokumente vor der anstehenden Veröffentlichung durchzusehen und ggf Namen zu streichen?

    So kann man die Argumentation des Pentagons nur als strategische Maßnahme ansehen den Propagandakrieg zu gewinnen. Sorge um Truppen und Informanten sieht anders aus.

    Go Wikileaks!

    Mein erster Satz sollte eher so lauten:

    Wenn das Pentagon so daran interessiert ist, dass Ihre Soldaten und Informanten nicht durch Veröffentlichungen gefährdet werden, warum wurden dann Anfragen seitens Wikileaks, die Dokumente vor der anstehenden Veröffentlichung durchzusehen und ggf. Namen zu streichen, abgelehnt?

    • -Ziet-
    • 13. August 2010 11:40 Uhr

    Reingefallen, Kollege.
    Wikileaks hat natürlich KEIN Blut an den Händen!

    Wenn jemand Blut an den Händen hat, dann sind es die Täter, dann ist es die Administration der USA, der diversen Geheimdienste, jene mit Waffen in der Hand, die Warlords, deren Helfer, die Korrupten Amtsträger in Afghanistan und Pakistan, die Fundamentalisten und Menschenverächter und Gottes-Krieger auf beiden Seiten der Front.

    Es ist primitive Propaganda aus Washington, Wikileaks etwas anzuhängen oder zu unterstellen - das wird in nächsten Monaten und Jahren mit zum Spiel gehören.

    JEDE Veröffentlichung kann Menschen gefährden, wenn Mafiose oder Kriegerische Strukturen diese Informationen lesen und auswerten. Auch Banalitäten können irgendwelche Paranoiden Gewalttäter zu Schlußfolgerungen führen, welche als Rechtfertigung für Repressionen und Morde dienen. Es macht wenig Sinn über sowas nachzudenken - man weis als Schreiber meist zuwenig, um derlei einschätzen zu können. Im Zweifel für die (subjektive) Wahrheit des Autors.

    Es macht natürlich Sinn, weder den Taliban noch den US-Militärs JEDE Information zu liefern - wenn man es mit verhältnismäßigem Aufwand vermeiden kann - don't feed the pigs.

    Von daher ist die Überlegung aus dem Hause AI begründet - allerdings ist es vermessen anzunehmen, daß sich die Macher bei Wikileaks nicht lange vorher schon entsprechende Gedanken gemacht haben.

    Letztlich ist es doch so - wer Dreck am Stecken hat (sich als Kombattant in Konflikte anderer reinziehen läßt) ...

  2. Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich. Die Redaktion/cs

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    sie sind wirklich ein Menschenkenner. Und das mit nur einem Blick. Respekt.

  3. 4. jaja..

    sie sind wirklich ein Menschenkenner. Und das mit nur einem Blick. Respekt.

    • Jenss
    • 13. August 2010 12:39 Uhr

    Also, mal kurz zusammengefasst.

    Die USA betrügen mit gefälschten Dokumenten die UN. Trotz fehlendem Mandat brechen sie den Irakkrieg vom Zaun.

    In Afghanistan werden Verdächtige, die teilweise von Warlords gegen Kopfprämie an die USA verkauft wurden, ohne Urteil verhaftet, verschleppt, für Rechtlos erklärt und jahrelang ohne einen Anwalt zu sehen eingelocht (Guantanamo). Nicht genug damit, dort werden sie sogar gefoltert, einige wenige sogar bis zum Tode.

    Im Irak, in Afgahnistan und auch in Europa (z.B. Masri) werden ebenfalls Terrorverdächtige von der Straße entführt, verschleppt und gefoltert. Vom nicht beigestellten Anwalt und dem fehlen jeglicher Gerichtsbarkeit mal ganz zu schweigen.

    In den wenigen Fällen in denen sie einen Irrtum eingestehen, also einen Unschuldigen gefoltert zu haben, wird dieser einfach in einem fremden Land ohne Geld aus dem Bus geworfen (Masri).

    Die höchste Gerichtsinstanz der USA hat entschieden, dass Herr Masri deswegen nicht in den USA klagen darf.

    Im Irak und Afgahnistan verschleppte werden in Gefängnisse wie Abu Ghraib verschleppt, ...

    Wikileaks deckt auf, dass das Pentagon Fehlschläge vertuscht, also die Öffentlichkeit belügt.

    Nachdem die USA für NICHT-Amerikaner nun so ziemlich alles verbrochen haben, was man gegen die Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit verbrechen kann, soll als letztes die Pressefreiheit ausgehebelt werden. Und damit die letzte Instanz die diesen ganzen Moder publik macht entmachtet werden.

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    • Sufi
    • 13. August 2010 13:36 Uhr

    Die Lawine ist ist ins Rollen gekommen und nichts kann sie aufhalten.
    Und wenn man Wikileak mondtot macht , werden hunderte neue Wikileaks enstehen .
    Es wird momentan Geschichte geschrieben und nichts kann diesen Trend mehr stoppen.
    Die Menschen sind es Leid von den Mainstream Medien belogen und betrogen zu werden und wollen endlich die Wahrheiten wissen.

  4. ...verständliche Strategie des Pentagons. Sie wollen den unliebsamen Konkurrenten um die Informations-Hoheit mit dem Argument aus dem Feld kegeln, dass Wikileaks Menschenleben gefährde. Das mag sogar nachvollziehbar klingen. Doch es erscheint mir ein wenig zynisch in Anbetracht der gesamten Afghanistan- und Irak-Politik, die das Pentagon fährt. Just my two cents...

    • TDU
    • 13. August 2010 13:12 Uhr

    "den Mächtigen in die Suppe spucken", das will der Geschäftsführer.

    Dnnoch bleibt die Verpflichtung zu prüfen, wer sie ggfls. auslöffeln muss, wenn Namen, Einsätze, Orte oder andere zur Identifikation gegeignete Anagben veröffentlicht werden.

    • TomFynn
    • 13. August 2010 13:19 Uhr

    Oder glaubt hier irgendjemand, dass das Pentagon am Schutz von Menschenleben interessiert ist?

    Anmerkung: Bitte formulieren Sie ausführlichere Argumente, die die Diskussion bereichern. Danke. Die Redaktion/sh

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  • Quelle dpa, AFP
  • Schlagworte Julian Assange | CNN | Pentagon | FBI | US-Verteidigungsministerium | Afghanistan
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