Wikileaks-Chef und -Gründer Julian Assange

Ungeachtet des Drucks aus dem US-Verteidigungsministerium will die umstrittene Internetplattform Wikileaks weitere geheime Militärberichte zu Afghanistan veröffentlichen. Dies kündigte Website-Gründer Julian Assange in einer Videoschaltung zu einer Diskussionsveranstaltung in London an. Es gehe um etwa 15.000 Dokumente, die Wikileaks bisher zurückgehalten habe. Einen Termin für die Veröffentlichung der Berichte nannte Assange in seiner Schaltung zum Frontline Club nicht.

Das US-Verteidigungsministerium hat die Enthüllungsplattform vor der Veröffentlichung weiterer Dokumente über den Krieg in Afghanistan gewarnt. Pentagonsprecher Geoff Morell sprach nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN von einem "Fehler", der bereits zu viele Menschenleben in Gefahr gebracht habe. Das einzig verantwortliche Vorgehen für Wikileaks sei es, "alle gestohlenen Dokumente von ihrer Webseite zu entfernen und alles geheime Material aus ihren Computern zu löschen". Die Publizierung weiterer Geheimpapiere wäre eine "Verantwortungslosigkeit".

Vergangene Woche forderte das Pentagon Wikileaks auf, die Geheimdokumente "umgehend zurückzugeben" . Das Pentagon leitete Ermittlungen ein, um herauszufinden, wer der Enthüllungsplattform die Dokumente zugespielt hat. Das FBI fahndet mit Hochdruck nach dem Informanten von Wikileaks.

Auch mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International und die International Crisis Group, haben dem Wall Street Journal zufolge Wikileaks in einer E-Mail darum gebeten, bei den nächsten Leaks größeren Wert auf die Geheimhaltung von Informationen zu legen. In den kürzlich veröffentlichten 76.000 Dokumenten waren Namen von Afghanern zu finden, deren Tätigkeit als Helfer der US-Armee durch die Veröffentlichung bekannt wurde. Die Taliban kündigten in einem Interview sogar an, dass man die Dokumente durchsehen und die Verräter zur Verantwortung ziehen werde .

Inzwischen schloss sich auch Reporter Ohne Grenzen der Kritik an, und formulierte einen offenen Brief an Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange. Die Journalistenorganisation wirft Assange "unglaubliche Verantwortungslosigkeit" vor.

Wikileaks versteht sich als Spezialist für Enthüllungsgeschichten. Die Website hatte Ende Juli rund 90.000 Dokumente der US-Streitkräfte in Afghanistan veröffentlicht . In den Dokumenten wird unter anderem dem pakistanischen Geheimdienst vorgeworfen, mit den Taliban zusammenzuarbeiten.