Entwicklungshilfe Das Nord-Süd-Denken überwindenSeite 2/2
Gegenwärtig werden Dreieckskooperationen intensiv diskutiert, also Kooperationen mit neuen Gebern in einem weiteren Entwicklungsland. Dies geschieht auch, um Einfluss nehmen zu können auf die Praxis Chinas, Indiens oder Brasiliens in Entwicklungsländern.
Das größte Potenzial der Dreieckskooperation liegt darin, dass sie als strategische Brücke zwischen westlicher Entwicklungspolitik und Süd-Süd-Kooperation dienen kann. In der Praxis gibt es jedoch nur wenige, kleinteilige Projekte, vor allem mit lateinamerikanischen Ländern wie Mexiko oder Chile in Drittstaaten der Region. China und Indien sind bisher an einer Dreieckskooperation kaum interessiert, da sie als Vehikel betrachtet wird, mit dem der Westen seine Standards zu exportieren versucht. Westliche Geber betonen Vorteile der Dreieckskooperation wie Kostensenkungen, gemeinsames Lernen oder den Rückgriff auf besondere Kenntnisse der Partner. Gleichzeitig kann von Dreieckskooperationen nicht automatisch eine bessere Wirksamkeit der Hilfe erwartet werden: Die Vielzahl kleinteiliger Projekte ist nach den gängigen Wirksamkeits-Kriterien durchaus problematisch.
Angesichts der ohnehin weit verbreiteten Skepsis der neuen Geber gegenüber der Paris-Agenda – verstanden als Trojanisches Pferd des Westens – sollte auch nicht diese Agenda die Debatte bestimmen. Dass der Nord-Süd-Gegensatz vor den sich verändernden globalen Rahmenbedingungen nicht unbedingt fortgesetzt werden muss, zeigte diesen Sommer ein internationaler Austausch zu den Möglichkeiten von Dreieckskooperationen im Rahmen der Global Governance School am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), an dem Forscher und Praktiker aus China, Indien, Brasilien, Südafrika und anderen Schwellenländern teilnahmen. Gemeinsame Diskussionen und konkrete Forschungskooperationen des DIE mit chinesischen, indischen oder südafrikanischen Partnern führen zu neuen Perspektiven auf beiden Seiten.
Dreieckskooperation ist so keine Einbahnstraße, durch die die aufstrebenden Geber aus den Schwellenländern eingebunden werden, um unsere Standards zu lernen. Wenn die globalen Partnerschaften Wirklichkeit werden sollen, muss das alte Nord-Süd-Denken überwunden werden, das allzu oft noch die Debatte bestimmt. Gemeinsame Problemlösungen müssen im Zentrum stehen. Und dies geschieht auf Augenhöhe von Partnern mit unterschiedlichen Erfahrungen. Beide Seiten müssen im Interesse der Entwicklungsländer versuchen, voneinander und vielleicht sogar miteinander zu lernen.
Axel Berger ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung „Ausbildung“ am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Dr. Sven Grimm ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung „Bi- und multilaterale Entwicklungspolitik“ am DIE.
Das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) zählt weltweit zu den führenden Forschungsinstituten zu Fragen internationaler Entwicklungspolitik.
- Datum 11.01.2011 - 17:06 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Armutsbekämpfung durch Wirtschaftsförderung, Ressourcenschutz und "gute Regierungsführung" stehen im Vordergrund der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit Ländern der "Dritten Welt". Das ideelle Gerüst hierfür gibt die Modernisierungstheorie, nach der die Probleme unterentwickelter Länder durch Demokratie, Marktöffnung, Exportförderung, Bildung, Korruptionsbekämpfung, Transparenz der Verwaltung, Management-Techniken und Infrastrukturhilfe gelöst werden könnten, da "Unterentwicklung" auf überholten Wertesystemen, Mangel an Kapitalbildung und mangelndem Bewusstsein für die Begrenztheit natürlicher Rohstoffe beruhe.
Andere Theorien führen Unterentwicklung auf eine verfestigte Abhängigkeit unterentwickelter Regionen von ehemaligen Kolonialmächten zurück oder machen harte Standortfaktoren - Lage, Handelsmöglichkeiten, Klima, Rohstoffe - zu Determinanten der Entwicklung.
Inzwischen zeigt sich, dass sich die "entwickelte" und die "unterentwickelte" Welt immer weniger durch Ländergrenzen definieren lassen, sondern sich vor allem in den Schwellenländern ineinander schieben: In Brasilien und Indien sind große Sektoren von der Entwicklung ausgeschlossen oder fallen zurück; in den Industrieländern formen sich "Unterschichten", denen es nach der Zerstörung der Sozialsysteme nicht viel besser gehen wird.
Damit sollte EZ stärker zur Innenpolitik werden und helfen, Probleme der abgekoppelten Bevölkerungen in allen Staaten zu lösen - ein Ansatz, den ich zur Zeit noch völlig vermisse.
... ist es die "westliche" Entwicklungshilfe als frei von Eigeninteressen und unabhängig vom Ziel der Exportförderung darzustellen.
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