Parlamentswahlen Taliban entführen in Afghanistan Kandidaten und Wahlhelfer
Einen Tag vor den Parlamentswahlen in Afghanistan bleibt die Sicherheitslage im Land instabil. Taliban-Rebellen haben 18 Wahlhelfer und einen Kandidaten verschleppt.
Kurz vor der Parlamentswahl haben mutmaßliche Talibankämpfer in Afghanistan einen Wahlkandidaten sowie mehrere Wahlhelfer entführt. Der Kandidat Abdul Rahman Hajat sei am Freitagmorgen in der westlich von Kabul gelegenen Provinz Laghman verschleppt worden, teilte der Vertreter der Wahlkommission in der Provinz mit. Ein Taliban-Sprecher bestätigte diese Angaben.
Zuvor hatten mutmaßliche Mitglieder der radikalislamischen Bewegung 18 Wahlhelfer und -organisatoren entführt. Die zehn Helfer eines Kandidaten sowie acht Mitarbeiter der Wahlorganisatoren seien in der Nacht zum Freitag in der nordwestlichen Provinz Badghis verschleppt worden, sagte der Chef der Wahlkommission in der Provinz, Abdul Rahman. Nach Angaben von Bezirks-Gouverneur Mohammed Schah Hansala wurden sie in einem von den Taliban kontrollierten Gebiet entführt.
Rund 175 Wahllokale werden in der nordafghanischen Unruheprovinz Kundus für die Parlamentswahl am Samstag öffnen. Die genaue Zahl steht nicht fest, denn dutzende Wahlstationen dürften wegen der Gefahr von Taliban-Angriffen geschlossen bleiben. Die Orte, an denen Afghanen ihre Stimme abgeben können, drohen zur Zielscheibe der Aufständischen zu werden.
Laut US-Verteidigungsminister Robert Gates gibt es aber Anzeichen für Fortschritte beim Kampf gegen die Taliban. Die Afghanistan-Strategie scheine zu funktionieren, sowohl auf ziviler als auch auf militärischer Seite, sagte Gates nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Herve Morin in Washington. Es war einer seiner optimistischsten Kommentare zur Lage in dem Land am Hindukusch . Gates bemühte sich aber umgehend, überzogene Erwartungen zu dämpfen. "Ich will niemanden in die Irre führen. Dies ist ein harter Kampf. Es liegen noch viele Herausforderungen vor uns." Im Dezember wollen die USA ihre bisherige Afghanistan-Strategie überprüfen.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat unterdessen daran erinnert, dass das Land politische Lösungen brauche. Im Deutschlandfunk sagte er: "Wichtig ist vor allem, dass wir freie Wahlen haben und dass ein glaubwürdiges Ergebnis herauskommt." Die Bundesregierung unterstütze den Wahlprozess, sagte der FDP-Chef. Man müsse aber realistisch sein. "Wahlen wie in Mitteleuropa werden es nicht werden."
© Raheb Homavandi/Reuters

Ein Plakat der Parlamentskandidatin Simin Barkazi am Heck eines traditionellen Taxis in der westafghanischen Provinzhauptstadt Herat
Der FDP-Politiker warb für eine Wiedereingliederung von Taliban-Kämpfern in den politischen Prozess und wandte sich gegen rein militärische Lösungen. "Wir unterstützen ein Programm zur Wiedereingliederung und Versöhnung. Es muss natürlich auch rote Linien geben. Dazu zählt der Gewaltverzicht, das Niederlegen der Waffen, die Einhaltung der Menschenrechte und die Anerkennung der Verfassung", sagte Westerwelle.
Vor den anstehenden Parlamentswahlen haben deutsche Polizeiausbilder in Kundus erstmals afghanische Wahlhelferinnen angelernt, die auch Frauen und Kinder vor den Wahllokalen auf Sprengstoff und Waffen durchsuchen sollen. Die Sicherheit der Wahllokale sei eigentlich Aufgabe der afghanischen Polizei, sagt Polizeioberrat Sven Mewes, der das Deutsche Polizei Projekt Team (GPPT) in Kundus leitet. Allerdings gibt es nur wenige Polizistinnen – und dass Männer Frauen durchsuchen, ist im streng religiösen Afghanistan undenkbar. Daher habe der Gouverneur von Kundus das GPPT gebeten, für den Urnengang insgesamt 300 Wahlhelferinnen auszubilden, sagt Mewes.
Dabei lernen die angehenden Wahlhelferinnen auch den Umgang mit der Anschlags-Gefahr. "Wir wollen transparent machen, warum Personen durchsucht werden und auf die Gefahren eingehen", sagt Mewes. Die Frauen erlernen verschiedene Durchsuchungstechniken, ehe sie in Rollenspielen die Sicherheitskontrollen gemeinsam mit den Ausbilderinnen nachstellten – und schließlich bei mit dem Ganzkörperschleier Burka bekleideten Frauen Sprengstoffattrappen und falsche Waffen aufspüren mussten.
Seit 2002 beteiligt sich Deutschland am Aufbau der afghanischen Polizei, derzeit sind rund 200 Polizeiausbilder aus Bund und unterschiedlichen Bundesländern am Hindukusch im Einsatz. Die deutschen Polizeitrainingszentren befinden sich in Masar-i-Scharif, Kundus und Faisabad im Norden des Landes, das Polizeiprojektbüro ist in Kabul. Wahlhelferinnen für die Parlamentswahlen wurden nach Angaben des Innenministeriums in Berlin nur in Kundus ausgebildet.
- Datum 17.09.2010 - 11:11 Uhr
- Quelle AFP, Reuters
- Kommentare 2
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Schaut sie dem tatenlos zu?
Zitat "Allerdings gibt es nur wenige Polizistinnen – und dass Männer Frauen durchsuchen, ist im streng religiösen Afghanistan undenkbar."
Ich glaube nicht, dass dies in irgendeinem Land denkbar ist - religiös oder nicht.
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