Studie Analysten bestätigen "langwieriges Desaster" in Afghanistan

Die Politik der Nato am Hindukusch bedarf laut dem Londoner Institut IISS eine völlig neue Ausrichtung: Verhandeln statt Kämpfen, Konzentration auf Pakistan statt auf Afghanistan.

Seit fast zehn Jahren versuchen die Nato-Staaten, Afghanistan zu befrieden. Polizei, Justiz und Schulwesen sind im Aufbau begriffen, das Land erhält viele Millionen Dollar Entwicklungshilfe. Doch die Macht der Taliban ist bis heute nicht gebrochen, im Gegenteil: Sie nimmt zu. Korruption gehört zum Alltag, Rauschgiftproduktion dient dem Broterwerb. Vom ursprünglichen Ziel, Afghanistan zu einer funktionierenden Demokratie zu machen, sind die im Land engagierten Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfer weit entfernt.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das auf dem bisherigen Weg wohl nie erreichen lässt. Nach Einschätzung des Londoner Instituts für Strategische Studien (IISS) stößt der Westen in Afghanistan "politisch und militärisch" an seine Grenzen. Die Zweifel nähmen zu, dass sich das ursprüngliche Ziel, die Taliban zu besiegen, erreichen lasse. Gleiches gelte für den Plan, eine afghanische Regierung und afghanische Sicherheitskräfte aufzubauen und die Korruption zu unterbinden.

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Die Autoren einer Analyse der Entwicklung in Afghanistan empfehlen den internationalen Truppen, zu einer Politik der "Abschreckung und Eindämmung" der terroristischen Bedrohung im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet überzugehen. Pakistan kommt nach Auffassung des IISS langfristig eine herausgehobene Rolle zu, weil dort ansässige Islamisten Anschläge in Afghanistan organisierten. Der Westen müsse deshalb eine neue Strategie für Pakistan ausarbeiten.

Die Zukunft liege eindeutig in Verhandlungen zwischen den Beteiligten des Konflikts, heißt es in der Studie. Eine starke Präsenz ausländischer Truppen verstärke hingegen die Befürchtung, dass die Taliban dadurch gestärkt und angeheizt werden könnten.

Über der Frage, ob man mit den Taliban verhandeln sollte, hatte es in den letzten Jahren wiederholt politischen Streit gegeben. Innerhalb Afghanistans setzte Präsident Hamid Karsai durch, dass Gespräche mit Taliban-Vertretern grundsätzlich möglich sind.

Ein Rezept für Erfolg haben auch die Londoner Experten nicht: Ein zu rascher Abzug der Truppen könne einen "Zusammenbruch Afghanistans" verursachen, warnen sie. Auf der gegenwärtigen Strategie zu beharren, berge wiederum die Gefahr, durch "überholte Vorstellungen" in ein "langwieriges Desaster" hineingezogen zu werden.

In den im Land engagierten Staaten regte sich immer wieder Zweifel, ob das bisherige Vorgehen erfolgreich sein könne . Erste Staaten diskutierten einen Abzug des Militärs. In Deutschland kündigte Brandenburg diese Woche an, künftig keine Polizisten mehr für die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte zu schicken. Die Bundesregierung hatte sich vor Monaten dazu bekannt, den Einsatz der Bundeswehr als Kriegseinsatz zu bezeichnen. Die Nato erwägt derzeit, 2000 weitere Soldaten in das Land zu schicken.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn alles destabiler wird, trotz Truppen, worauf wird dann gewartet? Auf ein Wunder, vielleicht in 367 Jahren, wo dann plötzlich alles stabil ist in Afghanistan. Ich meine, was ist das für eine Logik? Die Studie stellt fest, dass sich alles verschlimmert in dem Land, aber ein sofortiger Abzug würde das Land auch zum Einsturz bringen. Gut,aber worauf dann warten. Auf Stabilität, die laut Studie ja weit und breit nicht in Sicht ist?
    Abgesehen das dieser ganze Einsatz von Anfang an, ein aus meiner Sicht, großer Irrtum war, kann ich jetzt beim besten Willen nicht verstehen, worauf man denn wartet? Stabilität die aus dem Nichts kommt?
    Eine seltsame Welt.....

  2. Genau so ärgerlich wie die ständige Einführung neuer Fremd-
    wörter ist das Unvermögen, sie richtig zu verwenden. Die
    Ursache ist wahrscheinlich die gleiche : Faulheit, den
    vorhandenen reichen Sprachschatz des Deutschen auszuschöp-
    fen und die Sucht, besonders gebildet zu erscheinen.
    "Analyst" ist aus dem Englischen übernommen und bedeutet
    "Fachmann, der das Geschehen an der Börse beobachtet und
    analysiert"(Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 23.
    Auflage, S. 156). Wer sonstige Gegebenheiten analysiert,
    ist und bleibt ein Analytiker

  3. "Die Autoren einer Analyse der Entwicklung in Afghanistan empfehlen den internationalen Truppen, zu einer Politik der "Abschreckung und Eindämmung" der terroristischen Bedrohung im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet überzugehen." Bitte nicht, denn das bedeutet auch wieder nur Methoden anzuwenden, die einer Demokratie unwürdig sind. Partisanenkriege lassen sich eben nur mit drakonischen Strafmassnahmen gegen die Zivilbevölkerung "eindämmen", wie es die Nazis wunderbar veranschaulicht haben.

  4. Nachdem kurz nach der Abdankung "des senilen Aussteigers" Köhler, wegen seiner Äusserung zu möglichen wirtschaftlichen Interessen Deutschlands und der Westbundes bezüglich bewaffneten Kriegseinsätzen, eine Meldung von amerikanischen Wissenschaftlern verlautet wurde (die in der deutschen Presse fast untergegangen ist), dass in Afghanistan riesige Bodenschätze gefunden wurden, kann man doch als normaler Mensch nicht mehr an eine schnelle Konfliktlösung glauben...

    Mehr zu den unabsichtlich gefundenen Rohstoffen (was haben diese Wissenschaftler in einem Kriegsgebiet verloren?):
    http://www.youtube.com/wa...

    Ich möchte ja nicht bezweifeln, dass die Taliban schlimme Typen sind, (mit denen man aus Ihrer religiösen Überzeugung anscheinend wirklich nicht diskutieren kann) aber nach allem was man von Drittweltländer weiss, die mit Rohstoffen gesegnet sind, ist ein langanhaltender Konflikt bzw. ein Verbleib der Schutzmacht doch ziemlich vorteilhaft um an Ressourcen zu kommen, die dieses kaputt gebombte Land ja eh nicht selbst braucht....geschweige den die gute geopolitische Lage dieses Landes um militärischen Druck auf die neuen Supermächte China. Indien und auch Russland auszuüben...

    Ich möchte hier keine Verschwörungstheorie darstellen und lasse mich gerne von anderen, sinnvollen Argumenten überzeugen.
    Ich frage mich nur immer, wieso wir nicht einfach mal zu unseren Absichten stehen, dann müsste man es nicht immer so scheinheilig als humanitären Einsatz verbergen...

  5. in afghanistan ,ist seit langem bekannt, deshalb ist nun wirklich keiner zum töten bzw sterben hingeschickt worden,dass ging schon darum die Taliban und Alquaida zu zerstören.
    Hat ja auch geklappt und ganz schnell sogar.
    Wir als Christen ( bzw dem zugehörig ) haben aber keine Idee
    wie wir mit Menschen umgehen sollen deren Religion 500 Jahre zurückhängt und die daran auch noch fest glauben. Für die sind wir als Ungläubige nun mal der Feind.
    Warum haben die Islamischen Länder denn dort keine Präsenz ?
    Mag das daran liegen , dass die ´´Hassprediger´´ von dort kommen ? Da liegt doch schon das Dilemma der Pakistanischen Regierung in Pakistan selbst.
    Das wir ganz kurzeitig die Mädels von der Burka befreien konnten , war ja nett ; sie in die Schule schicken auch aber sinnlos.
    Es gibt in allen Islamischen Ländern nur eine kleine gebildete Oberschicht,die das regieren unter sich ausmacht.
    Die wirkliche Macht über dasdomme Volkt liegt bei den Predigern

  6. Der Koran ist auf arabisch geschrieben und wird nur in dieser Sprache als göttlich anerkannt, wirklich lesen kann Ihn aber nicht mal ein Araber , daher kann man so herrlich über die Übersetzungen streiten. Kaum ein Afghane spricht arabisch.
    Erinnert irgendwie an die Vergangenheit der Bibel , oder ?
    Da kommen jetzt noch laufend andere Übersetzungen aus dem Griechischen.
    Wenn wir also Frieden in Afghanistan schmieden wollen, dann müssen wir die Religion beeinflussen.
    Das schaffen wir ja nicht einmal in Deutschland.
    Also ist die einzig konsequente Lösung das Land sich selbst in dem gewolltem Mittelalter zu Überlassen.
    In 100 Jahren können wir unsere Urenkel mal wieder .

    • Lutz2
    • 08.09.2010 um 17:16 Uhr

    Es ist wieder Märchenstunde.
    Es ist so übel das man diesen ganzen menschenverachtenden Schwachsinn der letzten zehn Jahre einfach nicht mehr zu kommentieren braucht.
    Es ist sinnlos diese Verbrechereliten machen diesen Krieg immer weiter.
    Die einzige Möglichkeit dieses Desaster zu beenden ist, wir jagen diese Kriegsverbrechereliten aus ihren Ämtern.

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