Rede zur "Lage der Union" Barroso will eigene EU-Einnahmen

Kommissionspräsident Barroso will die Abhängigkeit der EU von den Überweisungen der Mitgliedsstaaten beenden. Projekte sollen mithilfe von Anleihen umgesetzt werden.

Der Ausbau transeuropäischer Energienetze, Forschung und Entwicklungshilfe: Für all diese Projekte will EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso eigene Einnahmen generieren. Vor dem Europaparlament in Straßburg forderte er die Einführung von EU-Anleihen, mit denen derartige Infrastrukturprojekte finanziert werden könnten.

Das derzeitige System, das vor allem auf Überweisungen der Mitgliedstaaten beruht, sei "an seine Grenzen gestoßen", sagte Barroso in seiner ersten Rede "zur Lage der Europäischen Union", die er ein halbes Jahr nach Amtsantritt seines neuen Teams hielt. Die Kommission werde daher ein "faireres und effizienteres System" für mehr Eigenmittel vorschlagen. So könnten Doppelausgaben vermieden werden, was Investitionen wirksamer mache. "Wenn wir Gelder auf der EU-Ebene konzentrieren, können die Mitgliedsstaaten sparen."

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Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, stehen der Idee von EU-Anleihen bisher ablehnend gegenüber. Erst vor vier Wochen war ein Vorschlag von Haushaltskommissar Janusz Lewandowski zur Schaffung einer EU-Steuer auf harten Widerstand unter anderem aus Berlin gestoßen.

Für Europa sei nun die "Stunde der Wahrheit" gekommen, mahnte Barroso, der ein halbes Jahr nach Amtsantritt seines neuen Teams erstmals eine Rede hielt. Angesichts der Wirtschaftskrise müsse die EU zeigen, dass sie mehr sei als 27 unterschiedliche nationale Lösungen. "Entweder wir schwimmen zusammen oder wir gehen einzeln unter". Notwendig seien gemeinsame Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und der Verbesserung des Binnenmarktes.

Für Ende September kündigte Barroso neue Vorschläge zur Schaffung einer EU-Wirtschaftsregierung an. Die Währungsunion müsse endlich von einer "wirklichen Wirtschaftsunion" flankiert werden. Dazu müsse der Stabilitäts- und Wachstumspakt durch schärfere Kontrollen gestärkt werden. Geplant sei außerdem ein EU-weites Verbot von Boni für "schnelle Gewinne, die morgen zu Verlusten werden".

 
Leser-Kommentare
  1. "Entweder wir schwimmen zusammen oder wir gehen einzeln unter".

  2. Herr Baronso will also "Einnahmen generieren". Früher nannte man so etwas "Steuern einführen".

  3. Erst neue 8.000 Beamte in das neue "Aussenbeauftragten Amt der EU" neu einstellen und instiutionalisieren und jetzt wie Griechenland nach mehr Geld schreien!
    Die Engländer werden Brüssel schon den Hals rumdrehen!
    Stoppt endlich die unsinnige neue "Behörde Lady Ashton"!!!!!!!!!!
    Sonst soll doch die EU "vor die Hunde" gehen!

    • WIHE
    • 07.09.2010 um 15:33 Uhr

    Die EU soll sich mit dem zufrieden geben, was die Staaten ihr zubilligen.
    Es fehlte noch, dass sich die EU nun auch noch über Anleihen verschulden darf.
    Wehret den Anfängen.

    Im Übrigen reicht es mir völlig, wenn ich Steuern an mein eigenes Land zahle.

  4. Das Budget, die Gehälter, die Spesen, in der EU Bürokratie ist vom Sparen keine Rede.

  5. Bei der Rede zur Lage der Nation kommt es nicht auf den Inhalt an sondern auf den Symbolgehalt: Woodrow Wilson war 1913 der erste US-Präsident, der eine solche Rede vor dem US-Kongress hielt und damit eine Institution des englischen Parlaments einführte, mit sich selbst als Pseudo-King. Sein Lebensgefährte Colonel House, der erst Jahrzehnte später als Agent des britischen Secret Service enttarnt wurde, mag ihn bezüglich der passenden Garderobe beraten haben.

  6. Über die Thesen von Thilo Sarrazin sollte man streiten. Die eigentliche Gefahr für den demokratischen und souveränen deutschen Rechtsstaat sind aber sicherlich nicht moslemische Einwanderer, sondern Brüsseler EU-Kommission und Europäisches Parlament. Diese beiden Institutionen sind die Totengräber der deutschen Demokratie. Ihrem undemokratischen und zentralistischen Machtstreben, dem Aufbau eines autoritären Brüsseler Zentralstaats müßte die Erregung und Empörung in diesem Land gelten.

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