Klaas Carel FaberNS-Verbrecher muss doch mit Gefängnis rechnen

Neue Entwicklung im Fall des NS-Verbrechers Klaas Carel Faber: Justizministerin Schnarrenberger will den 88-Jährigen mit Hilfe der Niederländer zur Verantwortung ziehen. von dpa

Das Transitlager Westerbork in den Niederlanden: Hier soll Klaas Carel Faber mehrere Menschen ermordet haben

Das Transitlager Westerbork in den Niederlanden: Hier soll Klaas Carel Faber mehrere Menschen ermordet haben  |  © Koen Suyk/AFP/Getty Images

Die Niederlande wollen den in Deutschland lebenden NS-Verbrecher Klaas Carel Faber doch noch ins Gefängnis bringen. Deshalb sei Den Haag grundsätzlich bereit, in Deutschland erneut um Hilfe bei der Vollstreckung der Haftstrafe nachzusuchen, sagte der Sprecher des Justizministeriums.

Der gebürtige Niederländer Faber ist inzwischen 88 Jahre alt und lebt seit Langem unbehelligt in Ingolstadt. In den Niederlanden war er für die Ermordung von mehreren Gefangenen im Transitlager Westerbork 1944 zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 floh Faber aus dem Gefängnis. Eine Auslieferung hatten die deutschen Behörden stets abgelehnt.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dringt nun darauf, Faber doch noch zur Verantwortung zu ziehen. Wie ihr Sprecher in Berlin bestätigte, regte die FDP-Politikerin in einem Telefonat mit ihrem Amtskollegen Ernst Hirsch Ballin ein Vollstreckungs-Übernahme-Ersuchen an, mit dem Faber seine in den Niederlanden verhängte Strafe in Deutschland absitzen könnte.

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Bereits im vergangenen Jahr hatte Leutheusser-Schnarrenberger von Bayern die Wiederaufnahme der Strafverfolgung Fabers verlangt. In Deutschland war Faber nie verurteilt worden. Die deutsche Justiz war zwar tätig geworden, hielt aber die Beweise für nicht ausreichend. Eine Auslieferung hatte sie unter Hinweis auf einen Erlass aus der Nazi-Zeit abgelehnt: Im Jahr 1943 hatte Adolf Hitler entschieden, dass alle niederländischen Freiwilligen der Waffen-SS automatisch deutsche Staatsbürger sind. Zuletzt scheiterte im Jahr 2004 ein Antrag der Niederlande auf Auslieferung. Die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung wird von Leutheusser-Schnarrenberger angezweifelt.

"Wir rechnen in der kommenden Woche mit weiteren Informationen aus Deutschland", sagte der Sprecher des niederländischen Justizministeriums, Wim van der Weegen, in Den Haag. "Je nachdem, welche Möglichkeiten die deutsche Justiz noch sieht, wollen wir reagieren." Wann und in welcher Form dann ein entsprechendes Ersuchen an die deutsche Justiz übermittelt werden könnte, sei derzeit noch unklar.

Leutheusser-Schnarrenberger sagte der Süddeutschen Zeitung : "Ich freue mich, dass mein niederländischer Amtskollege große Bereitschaft gezeigt hat, mit einem neuen Ersuchen das Urteil gegen Klaas Faber in Deutschland zur Vollstreckung zu bringen." Die bayerische Justizministerin Beate Merk von der CSU hatte angekündigt, den Fall schnell zu überprüfen, wenn ein entsprechendes Begehren der Niederlande vorliegt.

 

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Leserkommentare
    • lapidar
    • 09. September 2010 15:11 Uhr

    wäre die beste Lösung.

    Die Auslieferung mit Hinweis auf einen Erlass Hitlers abzulehnen war und ist grotesk. Das konnte man zunächst nach 1952 nur mit der Nähe von CDU, CSU und FDP zu ihren Vorgängerparteien erklären, die Hitler zum Reichskanzler gemacht hatten und damit, dass man es sich mit dem konservativen Teil der Bevölkerung nicht verscherzen wollte.

    Warum die Auslieferung in der Zeit von 1969 bis 1982 (SPD/FDP Regierung) nicht erfolgte, kann ich mir nur mit der Haltung der FDP erklären.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bbaushd
    • 09. September 2010 15:44 Uhr

    Man kann ja zur FDP stehen, wie man will; allerdings empfehle ich, den Artikel noch einmal zu lesen.

    Der letzte Versuch der Auslieferung scheiterte 2004. Soweit es mir bekannt ist, war die FDP damals nicht an der Regierung beteiligt.

    Letztlich bringt es nichts, sich Theorien auszudenken, warum das Begehr der Niederlande bisher nur negativ beschieden wurde.

    • bbaushd
    • 09. September 2010 15:44 Uhr

    Man kann ja zur FDP stehen, wie man will; allerdings empfehle ich, den Artikel noch einmal zu lesen.

    Der letzte Versuch der Auslieferung scheiterte 2004. Soweit es mir bekannt ist, war die FDP damals nicht an der Regierung beteiligt.

    Letztlich bringt es nichts, sich Theorien auszudenken, warum das Begehr der Niederlande bisher nur negativ beschieden wurde.

  1. Na wenn das mal nicht, eine schönes Alter, für einen Nazi ist. Fast scheint dies, eine Posse zu sein. :-)

    Wenn dieser noch rege ist und am Leben teilnimmt, dann tut auch die späte Strafe Not.

    Wenn ich im INet, allerdings den Namen google, dann sehe ich einen alten Mann der "fertig hat". Ob dies noch einen "Aufreger" wert ist, ich weis nicht.

    Anstatt im Gestern zu leben, würde ich es bevorzugen, mehr für die Meinungsfreiheit, in diesem Land zu tun. Verstärkt gegen den latenten Antisemitismus bei manchen "Deutschen" vorzugehen. Oder näher, als nur für ein schwaches Lippenbekenntnis, an Israel heranzurücken. Das wäre Klasse!

    Ein ehrliches "Schalom" für den alten Mann, denn wer in seinem Leben, so menschenverachtend und schlecht gehandelt hat, wird den Frieden, sein Lebtag lang, nicht mehr finden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger | Adolf Hitler | CSU | Beate Merk | Gefängnis | Justiz
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