Homosexualität US-Richterin kippt Schwulen-Regel der Armee
Amerikanische Soldaten sollen sich offen zur ihrer Homosexualität bekennen dürfen. Eine Richterin hat die Verbotsregel gekippt und ist so Präsident Obama zuvorgekommen.
© Patrick Baz/AFP/Getty Images

Ein US-Gericht hat entschieden: Der Ausschluss bekennender Homosexueller aus der Armee ist verfassungswidrig
Ein US-Bundesgericht hat den Ausschluss offen bekennender Homosexueller vom Dienst in den Streitkräften für verfassungswidrig erklärt. Durch die Regelung würden Schwule und Lesben in ihren Rechten auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit eingeschränkt, urteilte Richterin Virginia Phillips in der kalifornischen Stadt Riverside. Das von der Regierung vorgebrachte Argument, eine Abkehr von der bisherigen Praxis würde sich negativ auf die Arbeit des Militärs auswirken, ließ sie nicht gelten.
Eine Gruppe republikanischer Schwuler hatte gegen die sogenannte Don't ask, don't tell -Politik ("Frage nicht, sage nichts") der Regierung geklagt. Diese 1993 vom damaligen Präsidenten Bill Clinton eingeführte Regelung erlaubt Homosexuellen den Militärdienst, wenn sie sich nicht offen zu ihrer sexuellen Orientierung äußern. Nach Angaben von Schwulenverbänden wurden in den vergangenen 17 Jahren dennoch mehr als 10.000 homosexuelle Frauen und Männer aus der Armee entlassen, nachdem ihre Orientierung bekannt geworden war.
Richterin Phillips erklärte, die Beweise der klagenden konservativen Homosexuellen-Vereinigung Log Cabin Republicans hätten klar gezeigt, dass die geltenden Bestimmungen diskriminierend seien. Sie ordnete an, die bisherige Praxis dauerhaft zu beenden. Die Entscheidung tritt allerdings nicht sofort in Kraft. Die Regierung hat eine Woche Zeit, um Einspruch einzulegen.
Die Entscheidung bringt die Regierung von Präsident Barack Obama in eine schwierige Lage. Sie sucht bereits schon nach Wegen, die umstrittene Regelung in Abstimmung mit der Militärführung und dem Kongress abzuschaffen. Eine Entscheidung war angesichts großer Widerstände unter den Republikanern erst nach einer eingehenden Untersuchung vorgesehen, wie sich eine Abschaffung auf die Armee auswirken würde. Kritiker der Änderung befürchten, dass die Armeezugehörigkeit offen schwul oder lesbisch lebender Soldaten die Kampfkraft unterwandern und dem Ansehen der Truppe schaden könne . Richterin Phillips wies dieses Argument in ihrer Entscheidung zurück.
Die US-Regierung hatte Anfang des Jahres eine Neuregelung des Umgangs mit Homosexuellen im Militär angekündigt und neue Bestimmungen verfügt , mit denen es schwerer wurde, Schwule und Lesben aus dem Militärdienst zu entfernen. Die Abschaffung der Don't ask, don't tell -Regelung war auch ein Wahlkampfversprechen von Präsident Obama. Den Schwulen-Verbänden geht die Umsetzung der Neuregelung jedoch zu langsam.
- Datum 10.09.2010 - 07:40 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Nicht dass ich es besonders empfehlenswert finde, in einer Armee zu dienen, aber ein Schritt auf dem Weg zur Herstellung gleicher Rechte für Schwule und Lesben ist dieses Gerichtsurteil schon.
Als "Zyniker" könnte ich jetzt natürlich kommentieren:
"Auch Schwule müssen das Recht haben, für ihr Land im Kriegseinsatz zu sterben ..." Aber, zum Glück bin ich nicht zynisch
"Nicht dass ich es besonders empfehlenswert finde, in einer Armee zu dienen...." Seien Sie froh, dass es Menschen gibt, die diesen Job machen. Die Welt da draussen ist nun mal nicht schoen und sicher. Soldaten verdienen meiner Meinung nach das Gegenteil eines zynischen Kommentares, Respekt und Anerkennung. Wer gibt Ihnen das Recht sich so abwertend zu aeussern?
"Nicht dass ich es besonders empfehlenswert finde, in einer Armee zu dienen...." Seien Sie froh, dass es Menschen gibt, die diesen Job machen. Die Welt da draussen ist nun mal nicht schoen und sicher. Soldaten verdienen meiner Meinung nach das Gegenteil eines zynischen Kommentares, Respekt und Anerkennung. Wer gibt Ihnen das Recht sich so abwertend zu aeussern?
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass sich selbst Die Zeit in ihren Artikeln und Kommentaren einer seltsamen und falschen Wortwahl bedient. Warum steht im Titel etwas von einer "Schwulen-Regel", wenn wie im Artikel erwähnt auch Frauen von DADT betroffen sind? Außerdem handelt es sich wohl kaum um reine "Schwulenverbände" sondern LGBT-Organisationen, die weit mehr Menschen umfassen als homosexuelle Männer.
Ich würde mir wünschen, dass irgendwann in der deutschen Medienlandschaft vorsichtiger mit der eigenen Wortwahl umgegangen wird, so dass nicht untergeht, dass durch ebensolche "Regeln" wie die der US-amerikanischen Armee Männer und Frauen gleichermaßen ihre Arbeit verlieren.
Was haben die bloss gegen die Don't ask Don't tell Regelung; das ist meiner Meinung nach die beste Loesung um mit dem Thema umzugehen. Viele Soldaten fuehlen sich unwohl in Gegenwart von Schwulen bzw. Lesben. Die oftmals beengten Unterkuenfte und gemeinsames Duschen koennen dann ernsthaft zum Problem werden. Ich verstehe das Gegenargument auf freie Meinungsaeusserung aber im Militaer ist das nochmal ein Sonderfall. Hier geht es darum die Moral der Truppe und die Gemeinschaft zusammenzuhalten und ein oeffentliches Bekenntnis koennte zur Gefahr werden, weil es von der Mission ablenkt. Unter gewissen Umstaenden koennten auch Ehen darunter leiden. Viele GIs sind nun mal ueber mehrere Monate von ihren Frauen getrennt.....
"Nicht dass ich es besonders empfehlenswert finde, in einer Armee zu dienen...." Seien Sie froh, dass es Menschen gibt, die diesen Job machen. Die Welt da draussen ist nun mal nicht schoen und sicher. Soldaten verdienen meiner Meinung nach das Gegenteil eines zynischen Kommentares, Respekt und Anerkennung. Wer gibt Ihnen das Recht sich so abwertend zu aeussern?
Es geht nur leider nicht nur darum, dass Homosexuelle aus der Armee ausgeschlossen werden, wenn sie sich "öffentlich bekennen" (auch so eine unschöne Formulierung). Auch wenn sie im privaten Alltag "erwischt" werden, kann es zu Anzeigen kommen. Es handelt sich um Menschen, die einen Beruf wählen und aufgrund ihres Privatlebens - und nicht irgendwelcher Verbrechen o.Ä. - entlassen werden.
Und wie kommen Sie darauf, nur heterosexuellen Soldaten Ihren Respekt auszusprechen? "Die anderen" machen genau den gleichen Job.
Das Duschargument ist alt und ehrlich gesagt sollten sich erwachsene Menschen in solchen Situationen auch zusammenreißen können. Ihnen wird nicht jeder andere Soldat sympathisch sein, vor dem sie sich in den Duschen ausziehen müssen, sei er nun homo oder hetero.
Und was bitte lenkt von der Mission ab? Schwule Soldaten? Sie scheinen zu vergessen, dass Homosexuelle eben schon in der Armee dienen - geoutet oder nicht. Und wenn sich ein vermeintlich heterosexueller Soldat dafür entscheidet, nur aufgrund der monatelangen Trennung von der Frau und eines anscheinend unkontrollierbaren Sexualtriebes, sexuelle Beziehungen mit seinen Kollegen einzugehen, dann kann man dafür wohl kaum nur Homosexuelle zur Rechenschaft ziehen.
Außerdem - könnten Sie so einfach das Ufer wechseln, wie Sie es gerade beschrieben haben?
Bitte argumentieren Sie sachlich fundiert. Danke, die Redaktion/vv
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren