Nahost-Friedensverhandlungen Israel ohne Illusionen

An einen großen Frieden glaubt dank Hisbollah und Hamas in Israel niemand. Eher an Interimslösungen – man will eine dritte Intifada verhindern.

Verhandlungsrunde in Washington: Israels Premier Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas (l.)

Verhandlungsrunde in Washington: Israels Premier Netanjahu und Palästinenserpräsident Abbas (l.)

Es gab einfach schon viel zu viele Versuche, in Israel würde heute niemand auch nur einen Schekel auf einen positiven Ausgang der Friedensgespräche verwetten. Warum sollte diesmal klappen, was in der Vergangenheit immer wieder grandios wie gefährlich scheiterte! Noch dazu mit einem altbekannten Premier an der Spitze einer rechten Koalition – ohne Spielraum für Manöver.

Doch gerade darin, so argumentieren die wenigen Optimisten in diesen Tagen, würde ja die echte Chance liegen. Nur ein ausgewiesener rechter Regierungschef könnte nämlich schaffen, was seinen Vorgängern bisher verwehrt blieb. Weil nur er am Ende mit der Unterstützung des breiten Volks rechnen kann, wenn es darum geht, präzedenzlose Kompromisse zu machen.

Anzeige

Benjamin Netanjahu also auf den Spuren von US-Präsident Nixon, der nach China reiste, und Menachem Begin, der überraschend Frieden mit Ägypten schloss. Der prominente Kolumnist Aluf Benn porträtierte den Premier jüngst in Haaretz gar als Gorbatschow. Könnte es also sein, dass ausgerechnet jener Mann, der seine politische Karriere darauf gebaut hat, einen Palästinenserstaat zu verhindern, diesem nun tatsächlich zur Geburt verhelfen will?

Auch da gehen die Meinungen auseinander. Es sei vielleicht gar nicht so sehr eine Frage des Wollens, sondern des Müssens, sagen manche. Denn wenn Obama es wirklich ernst meint mit seinem Versuch, den israelisch-palästinensischen Konflikt beizulegen, bliebe Netanjahu gar nichts anderes übrig, als sich zu beugen. Außerdem sei sein Pragmatismus – oder seine schwache Resistenzfähigkeit – stärker als alle Ideologie.

Andere wiederum schenken dem Premier Glauben, wenn der neuerdings immer öfter davon redet, dass er nicht erneut als Regierungschef angetreten sei, um einfach nur im Amt auszuharren. Mit sechzig Jahren sei das kein so großes Vergnügen und er habe vor, diesmal wirklich etwas zu vollbringen. "Ich will keine Ausreden, sondern Lösungen", sagte Netanjahu vor seiner Abreise nach Washington.

Sein erster großer Test wird spätestens am 26. September sein. Denn dann ist der zehnmonatige partielle Siedlungsstopp vorbei, auf den sich Netanjahu unter heftigem amerikanischem Druck eingelassen hatte. Falls dann die Bauaktivitäten wieder aufgenommen werden, will Mahmud Abbas aus den Gesprächen aussteigen.

Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die Befürchtungen der Siedlerbewegung. Ihre Vertreter trauen nämlich Netanjahu sehr wohl zu, sich von all seinen bisherigen Versprechen radikal abzuwenden. Der Vorsitzende des Yesha-Rats, Danny Danon, gibt sich "sehr beunruhigt" darüber, dass Netanjahu seit mehr als einem Jahr einige Dinge nicht mehr sage. Nämlich, dass Jerusalem in Zukunft nicht geteilt werden dürfe, dass Israel nicht an die 1967er Grenzen zurückkehren werde, dass er keine Siedlungen auflösen werde.

Leser-Kommentare
  1. "Neben überwiegender Skepsis ist die Stimmung in Israel aber auch von der Angst geprägt, dass ein Scheitern der Verhandlungen zu einer dritten Intifada führen könne."

    Die Intifada wird kommen, so oder so. Die Wahrscheinlichkeit steigt sogar, wenn ein Erfolg der Gespräche in greifbare Nähe rückt. Zu groß ist die Fraktion derjenigen, die an antisemitische Gemeinplätze glauben und den Koran wörtlich nehmen. Diese Kräfte werden nicht eher ruhen, als bis auch der letzte Jude den Nahen Osten verlassen hat.

    • zd
    • 02.09.2010 um 21:49 Uhr

    "Yossi Beilin ... hält die amerikanische Initiative für ein zynisches Spiel mit dem Feuer. Der ehemalige Unterhändler des Osloer Abkommens ... unterstellt Obama, dass dieser mehr die anstehenden Kongresswahlen im Auge habe als das Wohlwollen der Menschen im Nahen Osten. Weil weder Netanjahu noch Abbas – der keinerlei Kontrolle über Gaza hat – in der Lage seien, dem Konflikt ein Ende zu bereiten, wäre es besser, so rät Beilin, ein Interimsabkommen in Angriff zu nehmen, als erneut einen umfassenden Frieden in Aussicht zu stellen."

    ausgerechnet yossi beilin, einer der linken abgeordneten, der sich immer fuer einen palaestinenserstaat ausgesprochen haben, glaubt jetzt nicht an eine moeglichkeit frieden zu schliessen. und er gibt nicht dem netanjahu die schuld, sondern den umstaenden. das ist ja sehr interessant. anscheinend hat die linke, nach den ganzen friedensversuchen und besonders den camp david verhandlungen von 2000, verstanden mit wem sie es zu tun hat.

    "Auch in der liberalen Haaretz plädiert Ari Shavit dafür: Der einzige Weg, um den Prozess, der ... vor dem Kollaps zu bewahren, sei eine Fahrplanänderung. Eine umfassende Friedensregelung sei illusionär, deshalb müsse ein bescheideneres – erreichbares – Ziel gesetzt werden."

    und die linke haaretz setzt noch nach. was sie glauben jetzt auch nicht an einen frieden? anscheinend haben die bomben der terroristen und camp david sie in die realitaet zurueckgebombt.

    trotz allem, hoffe ich dass es dieses mal klappt.

    • HHuber
    • 02.09.2010 um 22:34 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hat Israel Frieden mit Ägypten geschlossen ja oder nein? Hat es sich dafür vom Sinai zurück gezogen, ja oder nein?
    Gab es Verhandlungen in Camp David 2000 ja oder nein?
    Finden Sie, die Hamas beweist, dass sie mit Israel zusammen leben möchte?
    Zudem: "erfunden"?

    Was gerne verdrängt wird, ist die Tatsache, daß Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist. Natürlich sind die Israelis des Kampfes müde.

    Aber was sollen sie tun? Die Sitten dort "unten" sind etwas rauher, als auf einem Gratiskonzert zum Thema: "Rettet die Wale". In den islamischen Ländern, im nahen Osten, gilt: Wer Schwäche zeigt, wird gefrühstückt.

    Da macht man sich in Deutschland leicht (k)ein Bild. Hier gelten ja die ersten Mai Demos, als "Wilde Sache".

    Die Israelis können so viel Siedlungen abreißen wie sie wollen, ist das West-Jordanland und der Gaza-Streifen geräumt, dann müssen die rechtgläubigen Muslime, das gesamte Heilige Land "judenfrei" gestalten.

    Ca. 1800 Jahre hatte dieses Volk keine Heimat und war der Willkür anderer ausgesetzt. Damit ist nun Schluß!

    Zeigt klare Kante liebe Israelis. Was die Welt über Euch denkt, kann Euch wenig stören. Wenn es darauf ankommt steht Ihr wieder alleine da. Verschwindende 7 Millionen gegen den Rest. Stand tall Israel! Proud and victorious.

    Hat Israel Frieden mit Ägypten geschlossen ja oder nein? Hat es sich dafür vom Sinai zurück gezogen, ja oder nein?
    Gab es Verhandlungen in Camp David 2000 ja oder nein?
    Finden Sie, die Hamas beweist, dass sie mit Israel zusammen leben möchte?
    Zudem: "erfunden"?

    Was gerne verdrängt wird, ist die Tatsache, daß Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist. Natürlich sind die Israelis des Kampfes müde.

    Aber was sollen sie tun? Die Sitten dort "unten" sind etwas rauher, als auf einem Gratiskonzert zum Thema: "Rettet die Wale". In den islamischen Ländern, im nahen Osten, gilt: Wer Schwäche zeigt, wird gefrühstückt.

    Da macht man sich in Deutschland leicht (k)ein Bild. Hier gelten ja die ersten Mai Demos, als "Wilde Sache".

    Die Israelis können so viel Siedlungen abreißen wie sie wollen, ist das West-Jordanland und der Gaza-Streifen geräumt, dann müssen die rechtgläubigen Muslime, das gesamte Heilige Land "judenfrei" gestalten.

    Ca. 1800 Jahre hatte dieses Volk keine Heimat und war der Willkür anderer ausgesetzt. Damit ist nun Schluß!

    Zeigt klare Kante liebe Israelis. Was die Welt über Euch denkt, kann Euch wenig stören. Wenn es darauf ankommt steht Ihr wieder alleine da. Verschwindende 7 Millionen gegen den Rest. Stand tall Israel! Proud and victorious.

  2. Und zwar an die Hamas
    Wer steuert hier eigentlich mittlerweile, sodaß ein Angriff auf Israelis als heldenhaft bezeichnet wird?
    Heldenhaft wäre es, nach Washington zu gehen - und klip und klar die Dinge auf den Tisch zu legen.
    Auf diese Weise wird womöglich aus dem Westjordanland auch noch ein Gaza.
    Eine Widerstandsbewegung muß doch begreifen, auch wenn sie es auf Anhieb nicht geschafft hat, anerkannt zu werden, den zweiten Anlauf, sprich Washington, zu nutzen, um die Anerkennung zu erreichen. Wenn dort dann keine Einigung möglich wäre, dann hätte man wenigstens der Weltöffentlichkeit gezeigt, wie die Dinge liegen.
    Aber weiterhin als Bewegung, die eigentlich die Regierung beansprucht, Gewaltmethoden des Widerstand anzuwenden, ohne Verhandlungsmöglichkeiten zu nutzen, ist verwerflich. Die Palästinenser haben das nicht verdient.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kleine Frage an Sie: könnten Sie sich vorstellen, dass die Hamas anders ist, als Sie sie sich denken? Vielleicht will die Hamas ja etwas anderes als ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Kleiner Tip: mal in die Charta schauen...

    Kleine Frage an Sie: könnten Sie sich vorstellen, dass die Hamas anders ist, als Sie sie sich denken? Vielleicht will die Hamas ja etwas anderes als ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Kleiner Tip: mal in die Charta schauen...

  3. Hat Israel Frieden mit Ägypten geschlossen ja oder nein? Hat es sich dafür vom Sinai zurück gezogen, ja oder nein?
    Gab es Verhandlungen in Camp David 2000 ja oder nein?
    Finden Sie, die Hamas beweist, dass sie mit Israel zusammen leben möchte?
    Zudem: "erfunden"?

    Antwort auf "Falsche Überschrift"
  4. Kleine Frage an Sie: könnten Sie sich vorstellen, dass die Hamas anders ist, als Sie sie sich denken? Vielleicht will die Hamas ja etwas anderes als ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Kleiner Tip: mal in die Charta schauen...

    Antwort auf "Ein deutliches Wort"
  5. Die will den Staat ausradieren, der damals in ihrem Vorgarten gegründet wurde, auch wenn dort inzwischen auch viele "Eingeborene" leben

    Israel redet von Frieden und lügt über Baustopps.
    http://tinyurl.com/2vc2gpu

    Same procedure as ever

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Etwa 20 % der Bürger des Staates Israel sind Araber; sie haben dort die gleichen Rechte wie die anderen Bürger und leben sehr gut im Staat Israel. Demgegenüber haben die arabischen Staaten ihre jüdischen Gemeinden fast ganz vertrieben. Was sagt dies Ihrer Meinung nach aus?

    Manches hat Israel falsch gemacht; der Vergleich mit der Hamas, die den Staat Israel auslöschen will und aus Prinzip gegen jede Verhandlung ist, halte ich deshalb für abwegig.

    Etwa 20 % der Bürger des Staates Israel sind Araber; sie haben dort die gleichen Rechte wie die anderen Bürger und leben sehr gut im Staat Israel. Demgegenüber haben die arabischen Staaten ihre jüdischen Gemeinden fast ganz vertrieben. Was sagt dies Ihrer Meinung nach aus?

    Manches hat Israel falsch gemacht; der Vergleich mit der Hamas, die den Staat Israel auslöschen will und aus Prinzip gegen jede Verhandlung ist, halte ich deshalb für abwegig.

  6. Etwa 20 % der Bürger des Staates Israel sind Araber; sie haben dort die gleichen Rechte wie die anderen Bürger und leben sehr gut im Staat Israel. Demgegenüber haben die arabischen Staaten ihre jüdischen Gemeinden fast ganz vertrieben. Was sagt dies Ihrer Meinung nach aus?

    Manches hat Israel falsch gemacht; der Vergleich mit der Hamas, die den Staat Israel auslöschen will und aus Prinzip gegen jede Verhandlung ist, halte ich deshalb für abwegig.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service