Nahost-Friedensverhandlungen Israel ohne IllusionenSeite 2/2

Netanjahus beredtes Schweigen zur Jerusalemfrage hat aber nun Verteidigungsminister Ehud Barak mit sehr klaren Worten ergänzt. "Westjerusalem und zwölf jüdische Nachbarschaften mit insgesamt 200.000 Einwohnern werden uns gehören. Die arabischen Nachbarschaften, in denen fast eine Viertelmillion Palästinenser leben, werden ihnen gehören." Was die heiligen Stätten angehe, so werde es ein "besonderes Regime" mit vereinbarten Arrangements geben.

Vielleicht, so denken in solchen Momenten dann doch wieder manche Israelis, die sich ein Abkommen wünschen, aber sich bisher nur am Rande für den Gipfel in Washington interessierten, könnte ja doch etwas aus den Gesprächen herauskommen. Was genau, bleibt allerdings unklar. Denn an einen großen Frieden, der wirklich Ruhe brächte, glaubt – Hisbollah und Hamas sei Dank – heute keiner mehr. Finanzminister Yuval Steinitz, der Netanjahus Likudpartei angehört, warnt davor, so zu tun, als würde ein Abkommen nur allein von Netanjahu abhängen. Die Frage sei nicht, "ob Israel will, sondern ob es einen Partner hat, ob eine echte Koexistenz möglich ist".

Der tödliche Anschlag der Hamas auf vier Israelis im Westjordanland zu Beginn dieser Woche wirft nun wieder verstärkt die Frage nach der Sicherheit auf, die sich Netanjahu so groß auf die Fahnen geschrieben hat. Um zu verhindern, dass sich das Westjordanland in ein zweites Gaza verwandelt, in das ungezügelt Waffen geschmuggelt werden, fordert er etwa die Stationierung israelischer Truppen im Jordantal – für Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist das ebenso ausgeschlossen wie die explizite Anerkennung Israels als jüdischer Staat, eine andere Forderung Netanjahus. Obama müsste sich da schon als sehr kreativ erweisen, wenn er solche Gräben überbrücken wollte.

Neben überwiegender Skepsis ist die Stimmung in Israel aber auch von der Angst geprägt, dass ein Scheitern der Verhandlungen zu einer dritten Intifada führen könne. Yossi Beilin beispielsweise hält die amerikanische Initiative für ein zynisches Spiel mit dem Feuer. Der ehemalige Unterhändler des Osloer Abkommens von 1993 unterstellt Obama, dass dieser mehr die anstehenden Kongresswahlen im Auge habe als das Wohlwollen der Menschen im Nahen Osten. Weil weder Netanjahu noch Abbas – der keinerlei Kontrolle über Gaza hat – in der Lage seien, dem Konflikt ein Ende zu bereiten, wäre es besser, so rät Beilin, ein Interimsabkommen in Angriff zu nehmen, als erneut einen umfassenden Frieden in Aussicht zu stellen.

Diese Richtung findet recht breite Akzeptanz. Auch in der liberalen Haaretz plädiert Ari Shavit dafür: Der einzige Weg, um den Prozess, der heute in Washington beginne, vor dem Kollaps zu bewahren, sei eine Fahrplanänderung. Eine umfassende Friedensregelung sei illusionär, deshalb müsse ein bescheideneres – erreichbares – Ziel gesetzt werden. Nur so könne man dem Frieden im Nahen Osten näherkommen.

 
Leser-Kommentare
  1. "Neben überwiegender Skepsis ist die Stimmung in Israel aber auch von der Angst geprägt, dass ein Scheitern der Verhandlungen zu einer dritten Intifada führen könne."

    Die Intifada wird kommen, so oder so. Die Wahrscheinlichkeit steigt sogar, wenn ein Erfolg der Gespräche in greifbare Nähe rückt. Zu groß ist die Fraktion derjenigen, die an antisemitische Gemeinplätze glauben und den Koran wörtlich nehmen. Diese Kräfte werden nicht eher ruhen, als bis auch der letzte Jude den Nahen Osten verlassen hat.

    • zd
    • 02.09.2010 um 21:49 Uhr

    "Yossi Beilin ... hält die amerikanische Initiative für ein zynisches Spiel mit dem Feuer. Der ehemalige Unterhändler des Osloer Abkommens ... unterstellt Obama, dass dieser mehr die anstehenden Kongresswahlen im Auge habe als das Wohlwollen der Menschen im Nahen Osten. Weil weder Netanjahu noch Abbas – der keinerlei Kontrolle über Gaza hat – in der Lage seien, dem Konflikt ein Ende zu bereiten, wäre es besser, so rät Beilin, ein Interimsabkommen in Angriff zu nehmen, als erneut einen umfassenden Frieden in Aussicht zu stellen."

    ausgerechnet yossi beilin, einer der linken abgeordneten, der sich immer fuer einen palaestinenserstaat ausgesprochen haben, glaubt jetzt nicht an eine moeglichkeit frieden zu schliessen. und er gibt nicht dem netanjahu die schuld, sondern den umstaenden. das ist ja sehr interessant. anscheinend hat die linke, nach den ganzen friedensversuchen und besonders den camp david verhandlungen von 2000, verstanden mit wem sie es zu tun hat.

    "Auch in der liberalen Haaretz plädiert Ari Shavit dafür: Der einzige Weg, um den Prozess, der ... vor dem Kollaps zu bewahren, sei eine Fahrplanänderung. Eine umfassende Friedensregelung sei illusionär, deshalb müsse ein bescheideneres – erreichbares – Ziel gesetzt werden."

    und die linke haaretz setzt noch nach. was sie glauben jetzt auch nicht an einen frieden? anscheinend haben die bomben der terroristen und camp david sie in die realitaet zurueckgebombt.

    trotz allem, hoffe ich dass es dieses mal klappt.

    • HHuber
    • 02.09.2010 um 22:34 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

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    Hat Israel Frieden mit Ägypten geschlossen ja oder nein? Hat es sich dafür vom Sinai zurück gezogen, ja oder nein?
    Gab es Verhandlungen in Camp David 2000 ja oder nein?
    Finden Sie, die Hamas beweist, dass sie mit Israel zusammen leben möchte?
    Zudem: "erfunden"?

    Was gerne verdrängt wird, ist die Tatsache, daß Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist. Natürlich sind die Israelis des Kampfes müde.

    Aber was sollen sie tun? Die Sitten dort "unten" sind etwas rauher, als auf einem Gratiskonzert zum Thema: "Rettet die Wale". In den islamischen Ländern, im nahen Osten, gilt: Wer Schwäche zeigt, wird gefrühstückt.

    Da macht man sich in Deutschland leicht (k)ein Bild. Hier gelten ja die ersten Mai Demos, als "Wilde Sache".

    Die Israelis können so viel Siedlungen abreißen wie sie wollen, ist das West-Jordanland und der Gaza-Streifen geräumt, dann müssen die rechtgläubigen Muslime, das gesamte Heilige Land "judenfrei" gestalten.

    Ca. 1800 Jahre hatte dieses Volk keine Heimat und war der Willkür anderer ausgesetzt. Damit ist nun Schluß!

    Zeigt klare Kante liebe Israelis. Was die Welt über Euch denkt, kann Euch wenig stören. Wenn es darauf ankommt steht Ihr wieder alleine da. Verschwindende 7 Millionen gegen den Rest. Stand tall Israel! Proud and victorious.

    Hat Israel Frieden mit Ägypten geschlossen ja oder nein? Hat es sich dafür vom Sinai zurück gezogen, ja oder nein?
    Gab es Verhandlungen in Camp David 2000 ja oder nein?
    Finden Sie, die Hamas beweist, dass sie mit Israel zusammen leben möchte?
    Zudem: "erfunden"?

    Was gerne verdrängt wird, ist die Tatsache, daß Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist. Natürlich sind die Israelis des Kampfes müde.

    Aber was sollen sie tun? Die Sitten dort "unten" sind etwas rauher, als auf einem Gratiskonzert zum Thema: "Rettet die Wale". In den islamischen Ländern, im nahen Osten, gilt: Wer Schwäche zeigt, wird gefrühstückt.

    Da macht man sich in Deutschland leicht (k)ein Bild. Hier gelten ja die ersten Mai Demos, als "Wilde Sache".

    Die Israelis können so viel Siedlungen abreißen wie sie wollen, ist das West-Jordanland und der Gaza-Streifen geräumt, dann müssen die rechtgläubigen Muslime, das gesamte Heilige Land "judenfrei" gestalten.

    Ca. 1800 Jahre hatte dieses Volk keine Heimat und war der Willkür anderer ausgesetzt. Damit ist nun Schluß!

    Zeigt klare Kante liebe Israelis. Was die Welt über Euch denkt, kann Euch wenig stören. Wenn es darauf ankommt steht Ihr wieder alleine da. Verschwindende 7 Millionen gegen den Rest. Stand tall Israel! Proud and victorious.

  2. Und zwar an die Hamas
    Wer steuert hier eigentlich mittlerweile, sodaß ein Angriff auf Israelis als heldenhaft bezeichnet wird?
    Heldenhaft wäre es, nach Washington zu gehen - und klip und klar die Dinge auf den Tisch zu legen.
    Auf diese Weise wird womöglich aus dem Westjordanland auch noch ein Gaza.
    Eine Widerstandsbewegung muß doch begreifen, auch wenn sie es auf Anhieb nicht geschafft hat, anerkannt zu werden, den zweiten Anlauf, sprich Washington, zu nutzen, um die Anerkennung zu erreichen. Wenn dort dann keine Einigung möglich wäre, dann hätte man wenigstens der Weltöffentlichkeit gezeigt, wie die Dinge liegen.
    Aber weiterhin als Bewegung, die eigentlich die Regierung beansprucht, Gewaltmethoden des Widerstand anzuwenden, ohne Verhandlungsmöglichkeiten zu nutzen, ist verwerflich. Die Palästinenser haben das nicht verdient.

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    Kleine Frage an Sie: könnten Sie sich vorstellen, dass die Hamas anders ist, als Sie sie sich denken? Vielleicht will die Hamas ja etwas anderes als ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Kleiner Tip: mal in die Charta schauen...

    Kleine Frage an Sie: könnten Sie sich vorstellen, dass die Hamas anders ist, als Sie sie sich denken? Vielleicht will die Hamas ja etwas anderes als ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Kleiner Tip: mal in die Charta schauen...

  3. Hat Israel Frieden mit Ägypten geschlossen ja oder nein? Hat es sich dafür vom Sinai zurück gezogen, ja oder nein?
    Gab es Verhandlungen in Camp David 2000 ja oder nein?
    Finden Sie, die Hamas beweist, dass sie mit Israel zusammen leben möchte?
    Zudem: "erfunden"?

    Antwort auf "Falsche Überschrift"
  4. Kleine Frage an Sie: könnten Sie sich vorstellen, dass die Hamas anders ist, als Sie sie sich denken? Vielleicht will die Hamas ja etwas anderes als ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Kleiner Tip: mal in die Charta schauen...

    Antwort auf "Ein deutliches Wort"
  5. Die will den Staat ausradieren, der damals in ihrem Vorgarten gegründet wurde, auch wenn dort inzwischen auch viele "Eingeborene" leben

    Israel redet von Frieden und lügt über Baustopps.
    http://tinyurl.com/2vc2gpu

    Same procedure as ever

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    Etwa 20 % der Bürger des Staates Israel sind Araber; sie haben dort die gleichen Rechte wie die anderen Bürger und leben sehr gut im Staat Israel. Demgegenüber haben die arabischen Staaten ihre jüdischen Gemeinden fast ganz vertrieben. Was sagt dies Ihrer Meinung nach aus?

    Manches hat Israel falsch gemacht; der Vergleich mit der Hamas, die den Staat Israel auslöschen will und aus Prinzip gegen jede Verhandlung ist, halte ich deshalb für abwegig.

    Etwa 20 % der Bürger des Staates Israel sind Araber; sie haben dort die gleichen Rechte wie die anderen Bürger und leben sehr gut im Staat Israel. Demgegenüber haben die arabischen Staaten ihre jüdischen Gemeinden fast ganz vertrieben. Was sagt dies Ihrer Meinung nach aus?

    Manches hat Israel falsch gemacht; der Vergleich mit der Hamas, die den Staat Israel auslöschen will und aus Prinzip gegen jede Verhandlung ist, halte ich deshalb für abwegig.

  6. Etwa 20 % der Bürger des Staates Israel sind Araber; sie haben dort die gleichen Rechte wie die anderen Bürger und leben sehr gut im Staat Israel. Demgegenüber haben die arabischen Staaten ihre jüdischen Gemeinden fast ganz vertrieben. Was sagt dies Ihrer Meinung nach aus?

    Manches hat Israel falsch gemacht; der Vergleich mit der Hamas, die den Staat Israel auslöschen will und aus Prinzip gegen jede Verhandlung ist, halte ich deshalb für abwegig.

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