Antisemitismus EU-Kommissar Gucht wegen Juden-Äußerung in der Kritik

Mit Worten über die Haltung von Juden zum Nahostkonflikt hat der Handelskommissar für Ärger gesorgt. Erinnerungen an Sarrazin kamen auf, die Kommission ging auf Distanz.

Die Europäische Kommission distanzierte sich von den Äußerungen des belgischen EU-Kommissars, der Europäische Jüdische Kongress reagierte bestürzt auf den "empörenden Antisemitismus". Er müsse die Worte zurücknehmen, außerdem sei eine Entschuldigung nötig, forderte die Dachorganisation. Karel De Gucht äußerte daraufhin Bedauern, er sei falsch verstanden worden.

Der Belgier, der in der Kommission für den Außenhandel zuständig ist, hatte am Donnerstag im flämischen Rundfunk VRT über den Nahostkonflikt gesprochen. "Es ist nicht einfach, selbst mit gemäßigten Juden, eine rationale Diskussion über die aktuellen Vorgänge im Nahen Osten zu führen." Es gebe einen "Glauben bei der Mehrzahl der Juden, dass sie Recht haben", sagte er auf Niederländisch.

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Und weiter: Es sei schwierig, gegen diesen Glauben "mit rationalen Argumenten zu kämpfen". Unklar war, ob sich De Gucht damit nur auf die außerhalb Israels lebenden Juden bezog, über die er zuvor gesprochen hatte. Über die jüdische Interessenvertretung in Washington urteilte der Handelskommissar, dass man ihren Einfluss auf die US-Politik nicht unterschätzen dürfe: "Es ist die bestorganisierte Lobby dort."

Am Freitag erklärte sich de Gucht. "Ich bedaure, dass die von mir gemachten Kommentare in einem Sinne gedeutet wurden, den ich nicht beabsichtigt hatte." Er habe die Jüdische Gemeinschaft nicht stigmatisieren wollen. Antisemitismus verstoße "fundamental gegen unsere europäischen Werte". Zuvor hatte ein Sprecher der Kommission die Einlassungen im Rundfunk als "persönliche Kommentare" bezeichnet. "Sie repräsentieren nicht die wohlbekannte Meinung der Kommission zum Nahost-Friedensprozess".

Der Europäische Jüdische Kongress stellte die Äußerungen in eine Reihe mit den Aussagen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin über ein angebliches jüdisches Gen . Das Schmähen von Juden sei "offenbar auf den höchsten Ebenen der Europäischen Union akzeptabel", hieß es.

De Gucht ist bekannt dafür, sich bisweilen polarisierend zu äußern. Der frühere belgische Außenminister hatte im vergangenen Jahr eine diplomatische Krise mit der Demokratischen Republik Kongo ausgelöst , da er Korruption in der ehemaligen belgischen Kolonie öffentlich angeprangert hatte.

 
Leser-Kommentare
  1. Also wenn ich das richtig lese, geht es ihm nur um den Punkt Nah-Ost-Konflikt!
    Bin ich jetzt auch ein schlimmer Rassist, wenn ich behaupte das stimmt in diesem Punkt und wird wohl bei den Palästinensern im Gegenzug genaus sein?

    Ich gebe mich jetzt mal als Intendant des Öffentlichen Fernsehes aus und prophezeie nächste Woche das gängige Thema in den Polit-Shows: "Rassissmuss gegen Juden flammt auf!"

    Ach wie wär das schön wenn es keine Religionen geben würde...!

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    • keox
    • 04.09.2010 um 17:21 Uhr

    "Ach wie wär das schön wenn es keine Religionen geben würde...!"

    Aber ich vermute, man würde die absolut notwendigen Feindbilder an Schuhgrößen oder Haarfarben ausrichten.

    ...das irgendwas mit Religion/Glauben an sich zu tun hätte...!
    Es geht hier um die Juden als Volksstamm und es geht um Politik, insofern bringt es der Begriff "Rassismus" auch auf den Punkt.

    • keox
    • 04.09.2010 um 17:21 Uhr

    "Ach wie wär das schön wenn es keine Religionen geben würde...!"

    Aber ich vermute, man würde die absolut notwendigen Feindbilder an Schuhgrößen oder Haarfarben ausrichten.

    ...das irgendwas mit Religion/Glauben an sich zu tun hätte...!
    Es geht hier um die Juden als Volksstamm und es geht um Politik, insofern bringt es der Begriff "Rassismus" auch auf den Punkt.

  2. Wer sich in einem linksliberalen Milieu bewegt dürfte dieses Geschwätz schon 1000mal gehört haben. Trotzdem ist es nicht richtig. Ich finde ein Repräsentant der EU sollte sich in solchen Fragen zurückhalten. Natürlich gibt es eine gewisse Vehemenz, wenn man mit Juden über den Nahostkonflikt diskutiert und alles besser weiß.

    Tatsache ist aber eben, dass in Israel Menschen sterben und im festen Rhythmus Attentate geschehen. Zusätzlich haben die meisten Freunde in der Armee, viele haben auch Freunde verloren. Menschen, die unter solchen Umständen leben, lassen sich eben nicht so nonchalant auf gute Tipps ein. Mit der Religion/Ethnie hat das rein gar nichts zu tun.

    Wenn zu mir ein Mexikaner käme und mir erklärt, was wir in der Wiedervereinigung falsch gemacht haben, dann würde ich wahrscheinlich auch etwas düpiert sein.

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    • Buh
    • 04.09.2010 um 1:26 Uhr

    Ich denke auch ein mexikaner hat das recht sich ein urteil zu machen. Ratio ist nationenübegreifend gleich. Der Mexianer weiß genauso wie jeder 20jährige deutsche über die verienigung bescheid.

    Zudem empfinde ich es nicht als rassistisch einer mehrheit soetwas zu unterstellen: er sagt ja nicht, alle juden dieser welt sind so und so. er sagt nur dass in diesem konflik auf jüdischer seite bestimmte eisntellungen vorherschen die kontraproduktiv sind.
    Ihre einwönde zum thema Anschläge und so sind eigentlich hnifälig weil es die auf beiden seiten gibt.

    ob das aber in der position sinnvoll ist weiß ich nicht. jedenfalls verstehe ich den antisemitismus hier nicht. aber erklären können sie ihn mir gerne.

    Frank 12-13 meint:
    Wenn zu mir ein Mexikaner käme und mir erklärt, was wir in der Wiedervereinigung falsch gemacht haben, dann würde ich wahrscheinlich auch etwas düpiert sein.

    ikke1000 sagt:
    Wir würden den Mexikaner aber kaum des Anti-Germanismus bezichtigen, oder?

    • Buh
    • 04.09.2010 um 1:26 Uhr

    Ich denke auch ein mexikaner hat das recht sich ein urteil zu machen. Ratio ist nationenübegreifend gleich. Der Mexianer weiß genauso wie jeder 20jährige deutsche über die verienigung bescheid.

    Zudem empfinde ich es nicht als rassistisch einer mehrheit soetwas zu unterstellen: er sagt ja nicht, alle juden dieser welt sind so und so. er sagt nur dass in diesem konflik auf jüdischer seite bestimmte eisntellungen vorherschen die kontraproduktiv sind.
    Ihre einwönde zum thema Anschläge und so sind eigentlich hnifälig weil es die auf beiden seiten gibt.

    ob das aber in der position sinnvoll ist weiß ich nicht. jedenfalls verstehe ich den antisemitismus hier nicht. aber erklären können sie ihn mir gerne.

    Frank 12-13 meint:
    Wenn zu mir ein Mexikaner käme und mir erklärt, was wir in der Wiedervereinigung falsch gemacht haben, dann würde ich wahrscheinlich auch etwas düpiert sein.

    ikke1000 sagt:
    Wir würden den Mexikaner aber kaum des Anti-Germanismus bezichtigen, oder?

    • Goa
    • 03.09.2010 um 20:11 Uhr

    die Zeiten des PC-Maulkorbs werden immer schlimmer...

    • hareck
    • 03.09.2010 um 20:26 Uhr

    Nehmen wir mal an, dass es stimmt, dass er nur das gesagt hat, was hier beschrieben wird.

    Wenn auf so eine harmlose und vermutlich richtige Äußerung hin bereits wieder die Antisemitismus-Keule ausgepackt wird, verliert dieser Begriff mehr und mehr seine Bedeutung.

    Und die einschlägigen Zentralräte und Kongresse schießen ohne Not ihre Magazine leer und damit sich selbst ins Knie. Wenn dann mal wirklich jemand von rechts außen daher kommt, ist keine Munition mehr übrig.

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    Dem kann ich nur zustimmen. Wenn's wirklich mal ernst kommen sollte, sind alle Empörungsworte längst aufgebraucht ....

    Ich frage mich auch immer mehr, ob man durch Überdruss an den immer gleichen Empörungsritualen zum Antisemiten werden kann? Vielleicht nicht zum wirklichen Antisemiten, aber die Tendenz, die Ohren zuzuklappen wenn nur irgendwo etwas 'mit Juden' kommt, verbreitet sich wohl immer mehr. Und jeder im öffentlichen Leben stehende macht schon heute tunlichst einen grossen Bogen um alles Jüdische. Ob das so im Sinne des Erfinders ist?

    Klar, bald gibt's wieder einen Artikel in der ZEIT darüber, dass die Nicht-Juden sich gegenüber Juden so verkrampft verhalten ....

    Dem kann ich nur zustimmen. Wenn's wirklich mal ernst kommen sollte, sind alle Empörungsworte längst aufgebraucht ....

    Ich frage mich auch immer mehr, ob man durch Überdruss an den immer gleichen Empörungsritualen zum Antisemiten werden kann? Vielleicht nicht zum wirklichen Antisemiten, aber die Tendenz, die Ohren zuzuklappen wenn nur irgendwo etwas 'mit Juden' kommt, verbreitet sich wohl immer mehr. Und jeder im öffentlichen Leben stehende macht schon heute tunlichst einen grossen Bogen um alles Jüdische. Ob das so im Sinne des Erfinders ist?

    Klar, bald gibt's wieder einen Artikel in der ZEIT darüber, dass die Nicht-Juden sich gegenüber Juden so verkrampft verhalten ....

  3. Was einige immer mit ihrer "Keule" haben - man könnte fast den Eindruck bekommen, es gebe keinen Antisemitismus und Zionisten wollten schlicht alles "niederkeulen".

    Interessant ist auch, dass, man sah es schon bei Sarrazin, ja eigentlich alles gar nicht so gemeint war und nur falsch verstanden oder gar - natürlich - dekontextualisiert wurde.

  4. Wort für Wort hat der Mann die Wahrheit gesagt. Was bitte ist daran antisemitsch. Man hat den Eindruck, sobald man auch nur einen Hauch einer Kritik an der israelischen Politik übt, wird man als judenfeindlich, antisemitsch oder rechtsaußen abgestempelt. Soll man Netanjahu und Co. mit einem Heiligenschein versehen, egal was er tut?
    Dieses kollektive hysterische aufjaulen von Politiki und Medien, sobald jemand bestimmte Themen anschneidet ist einfach nur noch unerträglich und hat mit der Realität absolut nichts zu tun.

    • Crest
    • 03.09.2010 um 21:12 Uhr

    dass ich es nur 'über Bande' behandeln möchte:

    1. Wo würde ein CharlesRyder die genuin antisemitischen Knackpunkte in den Äußerungen verorten?

    2. Wie würde man es beurteilen, wenn man die Äußerungen so modifizierte, dass in ihnen die Haltung der Japaner zu den Kurileninseln zum Ausdruck käme? Also "Es ist nicht einfach, selbst mit gemäßigten Japanern, eine rationale Diskussion über die von Russland besetzten Kurileninseln zu führen." Es gebe einen "Glauben bei der Mehrzahl der Japaner, dass sie Recht haben"

    Müsste bei 2. ein antijapanischer Rassismus unterstellt werden?

    Herzlichst Crest

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    1. Ich finde, de Gucht hat etwas ziemlich dummes gesagt. Ob es so richtig antisemitisch ist, naja: meiner Meinung nach ist echter Antisemitismus, wenn man sich eines der üblichen Klischees anzieht (paradebeispiel: die Juden beherrschen die Banken, die Presse, das Unterbewußtsein, etc. etc. ect).
    2. Ich kenne eine Menge Leute, die nicht Juden sind und mit denen man keine vernünftige Diskussion über das Thema Israel führen kann. Auch scheinen sich viele Menschen (fasse mich da auch an meine eigene Nase) mit besonderer Innbrunst zu glauben, dass sie bei diesem Thema "im Recht" sind. Man kann sich ja mal die Frage stellen, warum das eigentlich so ist...?
    3. Was die Japaner angeht: past is prologue und wir können unserer Geschichte eben nich entfliehen. Jeder, der Deutschland nur ein bisschen kennt, weiß, welchen immensen Einfluss nach 1945 die Nazis gehabt haben (im Sinne von: Vergangenheitsbewältigung, Änderung der Erziehung...etc...). Man sollte doch erkennen können, dass nicht nur die Nachfahren der Täter sondern auch die Nachfahren der Opfer den Wunsch haben, Lehren zu ziehen.

    1. Ich finde, de Gucht hat etwas ziemlich dummes gesagt. Ob es so richtig antisemitisch ist, naja: meiner Meinung nach ist echter Antisemitismus, wenn man sich eines der üblichen Klischees anzieht (paradebeispiel: die Juden beherrschen die Banken, die Presse, das Unterbewußtsein, etc. etc. ect).
    2. Ich kenne eine Menge Leute, die nicht Juden sind und mit denen man keine vernünftige Diskussion über das Thema Israel führen kann. Auch scheinen sich viele Menschen (fasse mich da auch an meine eigene Nase) mit besonderer Innbrunst zu glauben, dass sie bei diesem Thema "im Recht" sind. Man kann sich ja mal die Frage stellen, warum das eigentlich so ist...?
    3. Was die Japaner angeht: past is prologue und wir können unserer Geschichte eben nich entfliehen. Jeder, der Deutschland nur ein bisschen kennt, weiß, welchen immensen Einfluss nach 1945 die Nazis gehabt haben (im Sinne von: Vergangenheitsbewältigung, Änderung der Erziehung...etc...). Man sollte doch erkennen können, dass nicht nur die Nachfahren der Täter sondern auch die Nachfahren der Opfer den Wunsch haben, Lehren zu ziehen.

  5. Dem kann ich nur zustimmen. Wenn's wirklich mal ernst kommen sollte, sind alle Empörungsworte längst aufgebraucht ....

    Ich frage mich auch immer mehr, ob man durch Überdruss an den immer gleichen Empörungsritualen zum Antisemiten werden kann? Vielleicht nicht zum wirklichen Antisemiten, aber die Tendenz, die Ohren zuzuklappen wenn nur irgendwo etwas 'mit Juden' kommt, verbreitet sich wohl immer mehr. Und jeder im öffentlichen Leben stehende macht schon heute tunlichst einen grossen Bogen um alles Jüdische. Ob das so im Sinne des Erfinders ist?

    Klar, bald gibt's wieder einen Artikel in der ZEIT darüber, dass die Nicht-Juden sich gegenüber Juden so verkrampft verhalten ....

    Antwort auf "Immer wieder...."

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