Komorowski in Berlin Deutsch-polnischer Neubeginn
Bronisław Komorowski will Polen zu einem wichtigen Akteur in der EU machen. Das ist gut für Deutschland, doch es wird auch neue Konflikte geben.
© Janek Skarzynski/AFP/Getty Images

Bronisław Komorowski gewann Anfang Juli die Stichwahl gegen den Zwillingsbruder des verunglückten Lech Kaczyński
Wie viel einfacher hat es Bronisław Komorowski. Wenn der neue polnische Präsident an diesem Freitag nach Berlin kommt, werden keine großen Zerwürfnisse die Gespräche stören. Anders als sein Vorgänger Lech Kaczyński, der im April mit seiner Dienstmaschine abstürzte , ist der wirtschaftsliberale Katholik Komorowski ein erfahrener Realpolitiker, der die Rolle Polens in der EU zum Wahlkampfthema machte. Ihm eilt nicht der Ruf voraus, ein europaskeptischer Sturkopf zu sein.
Die Gespräche fangen also nicht bei Null an. Schon als polnischer Parlamentspräsident bewies Komorowski, dass ihm ein gutes Verhältnis zwischen Polen und Deutschland am Herzen liegt. Bundespräsident Christian Wulff hat Komorowski bereits vor dessen offizieller Vereidigung in Warschau besucht, mit Bundestagspräsident Norbert Lammert traf sich Komorowski in den vergangenen Jahren mehr als ein Dutzend Mal.
Es herrscht wieder eine freundliche Atmosphäre zwischen den Vertretern beider Staaten. Aber auch Komorowski wird die Interessen Polens in der Europäischen Union hart verteidigen, nur eben in einem anderen Ton als Kaczyński.
Ein Beispiel: Polen hat in der laufenden Haushaltsperiode mehr als 67 Milliarden Euro aus den Ausgleichsfonds der Union erhalten. Das Land hat die Wirtschaftskrise besser als andere EU-Staaten überstanden. Nun wird es schwierig zu erklären, warum die Zuschüsse auch weiterhin so hoch ausfallen sollen. Erste Überlegungen einiger EU-Kommissare haben in Polen große Aufregung verursacht.
Gemeinsam mit Tschechien, der Slowakei und Ungarn (die sogenannte Visegrad-Gruppe) forderte Polen Kommissionspräsident Barroso vorbeugend auf, an der Förderpolitik der EU nichts zu ändern. In der anstehenden Debatte braucht Komorowski Bundeskanzlerin Angela Merkel als Verbündete.
Zweites Problemfeld sind die polnischen Truppen in Afghanistan, die Komorowski bis 2012 abziehen will. Das hat er im Wahlkampf versprochen. Nach seinem Treffen mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vor zwei Tagen in Brüssel sagte der polnische Präsident, er wolle eine Diskussion über eine gemeinsame Abzugsstrategie des Bündnisses. Auch diese könnte während Komorowskis Deutschland-Besuches Thema werden, will doch die Bundesregierung die deutschen Soldaten bis spätestens 2014 aus Afghanistan zurückholen.
In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres übernimmt Polen überdies die EU-Ratspräsidentschaft. Allein das wäre Gesprächsstoff genug für Merkel und Komorowski. Schwerpunkt des polnischen Vorsitzes im Rat soll die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU sein. Ein Thema, das in der Union traditionell schwierig ist.
Ungleich leichter umzusetzen ist dagegen Komorowskis Vorschlag, das Weimarer Dreieck wiederzubeleben. Vier Jahre lange hatte sich dort nichts getan, nachdem im Juli 2006 ein satirisch gemeinter Artikel in der taz den damaligen Präsidenten Lech Kaczyński bewog, mit einer Magenverstimmung in Warschau zu bleiben. Das nachgeholte Gipfeltreffen der deutschen, französischen und polnischen Staatsoberhäupter im Dezember fiel eher lustlos aus. Dann tat sich vier Jahre lang nichts mehr.
Nun hat sich die Lage verändert. Deutschland und Frankreich allein können die Europäische Union nicht mehr anführen. Das zeigen die vielen Dispute, die Merkel und Sarkozy seit Ausbruch der Wirtschaftskrise austrugen. Komorowski bietet sein Land als Partner an. Gut möglich, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel noch in diesem Jahr zum Dreiergipfel nach Polen fährt. Das wäre in der Tat ein Neubeginn.
- Datum 03.09.2010 - 09:20 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 15
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heute noch die EU??
Und was Polen neben den erhaltenen 67 Milliarden EURO noch alles aus Brüssel rausholen will??
fährt zum Antrittsbesuch, damit ist doch alles gesagt. Normalerweise kommen doch nur Bittsteller oder Dienstleister ins Haus.
Und welchen Vorteil hat D-land von Polen ausser der Versorgung mit billigen Arbeitskräften, um dem Lohndumping weiter Vorschub zu leisten.
Man sollte sich lieber an Russland ausrichten und die Polen, Franzosen und vielleicht noch die Briten ihr eigenes Süppchen kochen lassen, da hatte D-land in der Vergangenheit mehr von.
Freue mich schon auf die hier dargestellte D-PL Freundschaft wenn es an die Pfründe PLs geht, da wird dann wieder die alte Keule vorgeholt.
... für eine gewaltige Umverteilung stattfindet. 67 Milliarden. Wo die größtenteils herkommen, kann man sich denken.
Und als Dank gibt man sich betont deutschfeindlich, gibt nicht eher Ruhe, bis man die Heimatvertriebenen noch mit ihren eigenen Leuten verkracht hat, nachdem man in der Sache bereits alle Maximalziele erreicht hat (da kommt ja nix mehr). Spielt den Festlandsdegen der USA, was sich auch nicht nur gegen Russland richtet ;). Und prahlt dann noch in Internetforen, was für ein aufstrebendes Land man doch ist im Vergleich zum degenerierten und islamisierten Deutschland. Polska Stolz. Alles meine Beobachtungen.
Und das alles wird dann von der deutschen Regierung auch noch honoriert, indem man mit Frankreich und Polen ein "Weimarer Dreieck" bildet und Merkel ständig was von unserem "großen Nachbarn im Osten" erzählt.
Dass auch ein anderer an der Spitze diese deutsche Politik weiter ausbeutet, die ja regelrecht darum bettelt, ist klar. Ansonsten würde er ja die Interessen seines Landes hintergehen.
Zum Neubeginn gehört meines Erachtens auch krimminelle Handlungen
unbedingt unterlassen.Deutsche Autos sollten dann auch in Nähe
zur polnischen Grenze unbewacht auf der Straße stehen bleiben.
Genau so sollten auch polnische junge Frauen nicht gewaltsam in
deutsche Bordelle verschleppt werden.
Es ist gut für Polen, dass jetzt ein Präsident offen und zugleich selbstbewusst auf die EU zugeht. Auch Deutschland kann davon profitieren.
Leider scheinen sich die vorangegangenen Kommentatoren ins Mittelalter zurück zu wünschen. Ich studiere in Frankreich und habe auch schon mit polnischen Studenten in Polen und Deutschland zusammengearbeitet. Für junge Menschen ist eine stärkere Verbindung der EU ein Segen, wohingegen die altertümliche Kleinstaatenmeierei nur nationalen Interessen folgt und alle Chance, die sich aus der EU ergeben zunichte macht. Anscheinend dient die stärkung nationaler Partikularintressen ausschließlich der Überwindung von Minderwertigkeitskomplexen.
Wer Offen und Selbstbewusst ist braucht sich nicht von anderen Abgrenzen und kann einsehen, dass Europa mit allen Ländern weit mehr Chancen für die Menschen ermöglicht, als es ein einzelner Nationalstaat schaffen könnte.
Man darf nur nicht zu egoistisch sein. Was wir heute in Europa investieren wird insbesondere den künftigen Generationen zu gute kommen!
Aber wenn so getan wird, als wenn wir auf Polen angewiesen seien und die sich auch noch so verhalten, obwohl sie eher besorgt sein müssten, es sich nicht mit uns zu verderben, weil sie nämlich in Wahrheit indirekt bei uns am Tropf hängen, geht mir der Hut hoch.
Wer da auch materiell wirklich den Vorteil hat und wer einen negativen Saldo hat, möchte ich lieber gar nicht so genau wissen. Dass sich junge (und auch alte Leute) aus gewissen Ländern über die EU freuen, die, wenn es nach ihrer Wirtschaftsleistung ginge, niemals auch nur annähernd einen mit uns vergleichbaren Lebensstandard hätten, ist klar ;). Genauso, wie sich auch gewisse Staaten freuen, dass sie ein paar Milliarden extra für ihre Infrastruktur haben, während hier alles verkommt.
Da sind es eher die paar deutschen Idealisten, die keinen echten Grund haben. Außer, dass angeblich sofort wieder Krieg wäre.^^
Wenn es diesen Umverteilungsmist nicht gäbe, hätte ich gar kein so großes Problem. Ich richte mich ja auch mehr gegen eine deutsche Politik, die andere in diesem Verhalten auch noch bestärkt.
Aber wenn so getan wird, als wenn wir auf Polen angewiesen seien und die sich auch noch so verhalten, obwohl sie eher besorgt sein müssten, es sich nicht mit uns zu verderben, weil sie nämlich in Wahrheit indirekt bei uns am Tropf hängen, geht mir der Hut hoch.
Wer da auch materiell wirklich den Vorteil hat und wer einen negativen Saldo hat, möchte ich lieber gar nicht so genau wissen. Dass sich junge (und auch alte Leute) aus gewissen Ländern über die EU freuen, die, wenn es nach ihrer Wirtschaftsleistung ginge, niemals auch nur annähernd einen mit uns vergleichbaren Lebensstandard hätten, ist klar ;). Genauso, wie sich auch gewisse Staaten freuen, dass sie ein paar Milliarden extra für ihre Infrastruktur haben, während hier alles verkommt.
Da sind es eher die paar deutschen Idealisten, die keinen echten Grund haben. Außer, dass angeblich sofort wieder Krieg wäre.^^
Wenn es diesen Umverteilungsmist nicht gäbe, hätte ich gar kein so großes Problem. Ich richte mich ja auch mehr gegen eine deutsche Politik, die andere in diesem Verhalten auch noch bestärkt.
Aber wenn so getan wird, als wenn wir auf Polen angewiesen seien und die sich auch noch so verhalten, obwohl sie eher besorgt sein müssten, es sich nicht mit uns zu verderben, weil sie nämlich in Wahrheit indirekt bei uns am Tropf hängen, geht mir der Hut hoch.
Wer da auch materiell wirklich den Vorteil hat und wer einen negativen Saldo hat, möchte ich lieber gar nicht so genau wissen. Dass sich junge (und auch alte Leute) aus gewissen Ländern über die EU freuen, die, wenn es nach ihrer Wirtschaftsleistung ginge, niemals auch nur annähernd einen mit uns vergleichbaren Lebensstandard hätten, ist klar ;). Genauso, wie sich auch gewisse Staaten freuen, dass sie ein paar Milliarden extra für ihre Infrastruktur haben, während hier alles verkommt.
Da sind es eher die paar deutschen Idealisten, die keinen echten Grund haben. Außer, dass angeblich sofort wieder Krieg wäre.^^
Wenn es diesen Umverteilungsmist nicht gäbe, hätte ich gar kein so großes Problem. Ich richte mich ja auch mehr gegen eine deutsche Politik, die andere in diesem Verhalten auch noch bestärkt.
"Wenn es diesen Umverteilungsmist nicht gäbe, hätte ich gar kein so großes Problem. Ich richte mich ja auch mehr gegen eine deutsche Politik, die andere in diesem Verhalten auch noch bestärkt." - ... das ist vom Mittelalter und der Kleinstaaterei (alles meins) gar nicht so weit entfernt. Da hätten uns Deutsche die Siegermächte 1945 doch am langen Arm verhungern lassen sollen, oder? Alles selber geschafft ohne Hilfe? -
"Wenn es diesen Umverteilungsmist nicht gäbe, hätte ich gar kein so großes Problem. Ich richte mich ja auch mehr gegen eine deutsche Politik, die andere in diesem Verhalten auch noch bestärkt." - ... das ist vom Mittelalter und der Kleinstaaterei (alles meins) gar nicht so weit entfernt. Da hätten uns Deutsche die Siegermächte 1945 doch am langen Arm verhungern lassen sollen, oder? Alles selber geschafft ohne Hilfe? -
"Wenn es diesen Umverteilungsmist nicht gäbe, hätte ich gar kein so großes Problem. Ich richte mich ja auch mehr gegen eine deutsche Politik, die andere in diesem Verhalten auch noch bestärkt." - ... das ist vom Mittelalter und der Kleinstaaterei (alles meins) gar nicht so weit entfernt. Da hätten uns Deutsche die Siegermächte 1945 doch am langen Arm verhungern lassen sollen, oder? Alles selber geschafft ohne Hilfe? -
... nachdem man unsere Stödte inklusive der Wohngebiete platt gemacht hat, waren nicht die paar Marshall-Plan-Milliarden, falls die gemeint sind, sondern unsere eigene Arbeitskraft. Andere haben viel mehr bekommen, ohne dass es ihnen vergleichbar genützt hätte. Und mussten es auch nicht zurückbezahlen. Möchte eh nicht wissen, was vorher alles über Demontagen an Werten rausgeschleppt worden war.
Und als der Motor wieder lief, wurden wir schön in internationale Systeme eingebunden, damit andere teilhaben. Bis heute.
... nachdem man unsere Stödte inklusive der Wohngebiete platt gemacht hat, waren nicht die paar Marshall-Plan-Milliarden, falls die gemeint sind, sondern unsere eigene Arbeitskraft. Andere haben viel mehr bekommen, ohne dass es ihnen vergleichbar genützt hätte. Und mussten es auch nicht zurückbezahlen. Möchte eh nicht wissen, was vorher alles über Demontagen an Werten rausgeschleppt worden war.
Und als der Motor wieder lief, wurden wir schön in internationale Systeme eingebunden, damit andere teilhaben. Bis heute.
"Deutschland und Frankreich allein können die Europäische Union nicht mehr anführen. Das zeigen die vielen Dispute, die Merkel und Sarkozy seit Ausbruch der Wirtschaftskrise austrugen."
So viel zu der (nicht vorhandenen), uns von den Politikern immer wieder vorgekauten angeblichen deutsch-französischen "Freundschaft". Im wirtschaftlichen Bereich herrscht sowieso ein erbittertes Ringen um Macht und Einfluss, das gerade von Frankreich forciert und vorangetrieben wird.
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