Kuba Fidel Castro übt Selbstkritik

Der frühere Revolutionsführer Castro hat erstmals Mängel des kubanischen Modells eingestanden. Auch sein Verhalten während der Raketenkrise 1962 bedauerte er.

Revolutionsführer Fidel Castro hat in einem jetzt veröffentlichten Interview mit dem US-Magazin The Atlantic erstmals eingestanden, dass das politische System in Kuba nicht richtig funktioniert. "Das kubanische Modell funktioniert nicht einmal mehr für uns", sagte der 84-jährige Castro dem amerikanischen Journalisten Jeffrey Goldberg, der gefragt hatte, ob das kubanische System noch immer exportwürdig sei. Goldberg war von der Regierung zu dem Interview mit Castro nach Havanna eingeladen worden war.

Der US-Journalist hatte die Kuba-Kennerin Julia Sweig gebeten, an dem Gespräch mit Castro teilzunehmen, um bei der Analyse der Antworten zu helfen. Sweig sagte, Castro habe mit seiner Äußerung nicht die Revolution zurückgewiesen. "Für mich war es die Feststellung, dass im kubanischen System der Staat eine zu große Rolle im Wirtschaftsleben einnimmt", erklärte sie.

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Erst vor einem Monat hatte Präsident Raúl Castro den Kubanern Lockerungen in Richtung Marktwirtschaft verkündet, um die sieche Wirtschaft anzukurbeln. In einer Rede vor der Nationalversammlung kündigte der Bruder und Nachfolger Fidel Castros an, dass Selbstständige leichter ihr Unternehmen anmelden könnten und dabei auch Arbeitskräfte einstellen dürften. Mit der Lockerung sollen nach Castros Vorstellungen neue Jobs für etwa eine Million Kubaner entstehen, die in den nächsten fünf Jahren ihre Arbeitsplätze in Staatsunternehmen verlieren dürften.

Er nannte allerdings keine konkreten Zahlen, wie viele neue Zulassungen für Kleinunternehmer auf den Markt kommen sollten. Wirtschaftsminister Marino Murillo hatte nach der Rede des Präsidenten umgehend betont, es gehe nicht um eine grundlegende Reform des sozialistischen Modells. Der Staat müsse die Kontrolle über die Wirtschaft behalten, zumindest über die wichtigsten Dinge.

Auch im Hinblick auf seine Haltung während der Raketenkrise von 1962 zeigte Fidel Castro sich selbstkritisch. Damals stand die Welt am Rande eines Atomkrieges. Nach allem, was er erlebt habe und heute wisse, "war es das alles nicht wert", sagte Castro.

Im 22. Oktober 1962 hatte US-Präsident John F. Kennedy eine Luft- und Seeblockade gegen Kuba verhängt, nachdem die Sowjetunion Atomraketen auf der nur 150 Kilometer vor der Küste Floridas liegenden Insel stationiert hatte. Es folgten Tage höchster Spannungen zwischen den beiden Weltmächten, die auch einen Atomkrieg möglich scheinen ließen. Am 28. Oktober gab der sowjetische Präsident Nikita Chruschtschow schließlich der US-Forderung nach, die Abschussrampen abzubauen und die Raketen aus Kuba abzuziehen.

In dem Gespräch verwies Castro erneut darauf, dass er auch heute die Gefahr eines Atomkrieges sehe, wenn sich die Fronten im Streit um das iranische Atomprogramm verhärten würden. "Menschen glauben, dass sie sich kontrollieren können, aber (US-Präsident Barack) Obama könnte überreagieren, und aus schrittweiser Eskalation könnte ein Atomkrieg werden."

Dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad riet Castro, den Holocaust nicht zu leugnen. Es sei der Sache des Friedens dienlicher, die Einmaligkeit der Geschichte des Antisemitismus anzuerkennen und zu versuchen, zu verstehen, warum die Israelis um ihre Existenz fürchteten, sagte Castro.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Schön

    Schön, was das Alter mit Menschen machen kann. Oder war es sein Doppelgänger?
    Ist das Bild aus den letzten Tagen oder vom letzten September?

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    • joG
    • 09.09.2010 um 13:15 Uhr

    .....die Einsicht und Ehrlichkeit hätte man kaum erwartet. Schade nur, dass er erst jetzt damit kommt. Oder wusste er nicht, wie schlimm seine Politik war, als er noch regierte?

    • joG
    • 09.09.2010 um 13:15 Uhr

    .....die Einsicht und Ehrlichkeit hätte man kaum erwartet. Schade nur, dass er erst jetzt damit kommt. Oder wusste er nicht, wie schlimm seine Politik war, als er noch regierte?

    • hareck
    • 09.09.2010 um 10:33 Uhr

    Vielleicht schaffen es die Kubaner ja, sich dem übermächtigen westlichen Modell friedlich und schrittweise zu öffnen und so wirtschaftlich die goldene Mitte zu finden.

    Ich würde es diesem wunderbaren Land wünschen.

  2. Nach 50 Jahren, in denen er sein Volk unterdrückt, ausgebeutet, als
    Söldner verliehen und ihnen jede Möglichkeit eines besseren Lebens
    verweigert hat, kommt er zur Einsicht.
    Es war alles Mist, der Maximo Leader hat sich geirrt, so sorry.
    Geht es jetzt alles so weiter wie bisher, oder geht der Castro Clan
    in Rente und die Demokratie hält Einzug in Cuba?

  3. Vermögen Fidel C. ca. 900 Millionen Dollar (vgl. FORBES).
    Tagesverdienst seiner Genossen 2010 ca. 1,-- Euro.
    Muchas gracias Fidel !

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    hat Cuba als "Geschäftsidee" der Castros, nicht mehr als 900 Mio. $
    eingebracht?
    Ein jämmerliches Ergebnis, wo ist der Rest geblieben?
    Bedenken sie die vielen, vielen Milliarden die die ex SU und die ex DDR
    in das Land gepumpt haben, ohne je 1 ct davon wieder zu sehen.
    Es hat wohl noch nie ein größeres Faß ohne Boden gegeben, wie dieses
    Karibik Insel und die Cubaner haben von alledem nichts abbekommen.
    Null - nada - nothing!

    hat Cuba als "Geschäftsidee" der Castros, nicht mehr als 900 Mio. $
    eingebracht?
    Ein jämmerliches Ergebnis, wo ist der Rest geblieben?
    Bedenken sie die vielen, vielen Milliarden die die ex SU und die ex DDR
    in das Land gepumpt haben, ohne je 1 ct davon wieder zu sehen.
    Es hat wohl noch nie ein größeres Faß ohne Boden gegeben, wie dieses
    Karibik Insel und die Cubaner haben von alledem nichts abbekommen.
    Null - nada - nothing!

    • mkrm
    • 09.09.2010 um 12:07 Uhr

    man sollte nicht vergessen wer 1962 das embargo gegen kuba verhängt hat! die usa hat allein die schuld für die hugnersnot in kuba! ohne das embargo würde das volk warscheinlich wesentlich besser dastehen.

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    • TDU
    • 09.09.2010 um 12:11 Uhr

    Komisch, gegen die DDR wurde kein Embargo verhängt und die gibt es nicht mehr.

    • TDU
    • 09.09.2010 um 12:11 Uhr

    Komisch, gegen die DDR wurde kein Embargo verhängt und die gibt es nicht mehr.

    • TDU
    • 09.09.2010 um 12:11 Uhr

    Komisch, gegen die DDR wurde kein Embargo verhängt und die gibt es nicht mehr.

    Antwort auf "Embargo!"
    • TDU
    • 09.09.2010 um 12:15 Uhr

    Das ist Weise. Fehler zugeben und der Jugend etwas für die Zukunft an die Hand zu geben. Ohne das Deutsche: War alles falsch und jetzt machen bitte alle das genaue Gegenteil. Aber die früheren Vorteile möchten wir gerne behalten.

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