AfghanistanAnwalt fordert 33.000 Dollar für Kundus-Opfer

Dem Opferanwalt Popal reicht die Entschädigung für die Toten des Angriffs auf zwei Tanklaster vor einem Jahr nicht aus. Die Regierung hatte 5000 Dollar zugesagt. von dpa und Reuters

Ein Jahr nach dem Angriff auf zwei Tanklaster nahe Kundus geht der Streit um die Entschädigung der Opferfamilien weiter. Der Bremer Anwalt Karim Popal forderte 33.000 US-Dollar (28.000 Euro) für jeden der 113 Toten. Damit liegen die Forderungen deutlich höher als die von der Bundesregierung versprochene Summe.

Anfang August hatte das Verteidigungsministerium jeder Opferfamilie "humanitäre Hilfe" in Höhe von 5000 US-Dollar (3900 Euro) zugesprochen . Die Gelder sollten auf Konten in Kundus überwiesen werden, zu denen nur Familienangehörige Zugriff haben. So sollte ein Missbrauch vermieden werden.

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Für viele Kritiker ist die Summe allerdings zu gering ausgefallen. Karim Popal beruft sich darauf, dass unter Verteidigungsminister Franz Josef Jung in einem Fall 33.000 Dollar für zivile Opfer gezahlt worden seien. Sollte die Bundesregierung die Entschädigungen nicht anheben, werde er auf eine Erhöhung klagen, sagte Popal.

Unterstützung bekommt der Bremer Anwalt aus der Politik: Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele bezeichnete die Entschädigungsregelung als unzureichend. Die Linke-Abgeordnete Christine Buchholz nannte den Umgang mit den Opfern "unwürdig". Zuvor hatten bereits die Anwälte von 456 mutmaßlichen Angehörigen eine Entschädigung von insgesamt 3,1 Millionen Euro gefordert – für jeden Todesfall wären das rund 28.000 Euro.

Am 4. September 2009 hatte die US-Luftwaffe auf Befehl des deutschen Oberst Georg Klein zwei entführte Tanklaster nahe Kundus bombardiert. Entgegen erster Behauptungen vonseiten des Verteidigungsministeriums wurden dabei nicht nur Taliban getötet. Die genaue Opferzahl ist bis heute umstritten. Die Bundeswehr geht von 91 Toten und 11 Schwerverletzten aus. Nach Popals Recherchen wurden 137 Menschen getötet, allerdings gebe es nur von 113 Opfern Dokumente.

Immer wieder geraten Zivilisten in Afghanistan ins Kreuzfeuer. Erst am Donnerstag sind bei einem Luftangriff der Nato im Norden Afghanistans nach Angaben der afghanischen Regierung zehn Zivilisten getötet worden. Darunter befanden sich auch Wahlhelfer des Kandidaten Abdul Wahid, der bei der Parlamentswahl am 18. September antritt. Der Kandidat selbst wurde ebenfalls verletzt. Der Angriff erfolgte in der Provinz Tachar, die auch im Kommandogebiet der Bundeswehr liegt. Deutsche Truppen seien nach Angaben des Verteidigungsministeriums aber nicht beteiligt gewesen.

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Leserkommentare
    • helgam
    • 02. September 2010 18:56 Uhr

    wenn afghanen

    Wie lange darf der Westen noch ungestraft Zivilisten im Ausland ermorden?
    Ist denn ein afghanischer Mensch nach westlichem Recht weniger wert als getöteter Soldat der Nato?
    Wieso darf der Westen in seiner Gier das Völkerrecht permanent brechen und den anderen Völkern dann noch diktieren, was sie wert sein dürfen?

    • Fifty4
    • 02. September 2010 20:09 Uhr

    Machen Sie sich nicht zum Anwalt der Armen. Sie sind es nicht. Sie sind nur an einer Erhöhung Ihres Honorars interessiert. Nicht anderes bewegt sie. Ich empfinde das beschämend für einen, der hier zu Hause sein will.

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    ... keinen Anwalt haben, sollen sie sich wirklich mit läppischen 5000 $ zufriedengeben?
    Warum ist es beschämend für einen Anwalt, sich für die Armen einzusetzen? Warum soll er kein Honorar für seine Arbeit erhalten, wovon soll er denn leben?
    Fragen über Fragen, auf die Fifty4 bestimmt keine Antwort hat.

  1. Mich wuerde interessieren, wie man auf 33'000 Dollar kommt. 5'000 Dollar erscheinen hier in Europa vielleicht als wenig, wenn man aber bedenkt, dass die meisten Betroffenen nicht mal ein Konto haben, ist die Frage nach Kompensation vielleicht nicht unbedingt eine monetaere.
    In der aktuellen Spiegel-Ausgabe (Heft 35/2010) ist ein interessanter Artikel ueber einen Betroffenen, der lieber eine gute, aerztliche Behandlung hat, damit er voll arbeiten kann und ein ganzer Mann ist.

  2. geld für kriegerische aktionen in denen zivilisten ums leben kamen bezahlt hat?

  3. ....die Hinterbliebenen der getöteten Aufbauhelfer und Soldaten von der afghanischen Regierung??? Die Afghanen fordern immer nur...wo wären sie denn ohne den Westen?!? Ein Menschenleben ist durch Geld doch nicht zu ersetzen. Aber Deutschland will immer "der Nette von nebenan" sein. Es ist Zeit endlich Stellung zu beziehen und auf den Willen des Volkes zu hören denn alle Macht dem Volke...

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    ... haben die westlichen Truppen nicht gerufen, vielleicht wären sie ohne den Westen wesentlich besser dran...
    Der Wille des afghanischen Volkes wird wohl sein, daß sich alle Fremden endlich mal aus ihrem Land heraushalten sollten.
    Oder ist Bra76ndy etwa nur am Willen des deutschen Volkes interessiert?
    "Ein Menschenleben ist durch Geld doch nicht zu ersetzen", also haben die Angehörigen doch eigentlich überhaupt nicht zu bekommen, oder?

  4. ... keinen Anwalt haben, sollen sie sich wirklich mit läppischen 5000 $ zufriedengeben?
    Warum ist es beschämend für einen Anwalt, sich für die Armen einzusetzen? Warum soll er kein Honorar für seine Arbeit erhalten, wovon soll er denn leben?
    Fragen über Fragen, auf die Fifty4 bestimmt keine Antwort hat.

    Antwort auf "Herr Popal!"
  5. ... haben die westlichen Truppen nicht gerufen, vielleicht wären sie ohne den Westen wesentlich besser dran...
    Der Wille des afghanischen Volkes wird wohl sein, daß sich alle Fremden endlich mal aus ihrem Land heraushalten sollten.
    Oder ist Bra76ndy etwa nur am Willen des deutschen Volkes interessiert?
    "Ein Menschenleben ist durch Geld doch nicht zu ersetzen", also haben die Angehörigen doch eigentlich überhaupt nicht zu bekommen, oder?

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    Leider wurde die Anzahl der Toten immer nur nach oben korrigiert und nie nach unten. Und meines Wissens hat nie jemand mit der expliziten Aufgabe die Anzahl der toten kritisch überprüft. In einem dritte Weltland wie Afghanistan kämpfen die Menschen täglich ums überleben was dazu führt dass der eine oder andere von den angeblich beim Angriff Gestorbenen vor dem Angriff gestorben und die Angehörigen einfach das Geld von den gutgläubigen Deutschen abkassieren wollen.

  6. In der Tat haben sie uns nicht gerufen, aber die Afghanen (da muessten Sie vielleicht etwas genauer sein, meinen Sie nun die Taliban vor 2001 oder die gestuetzte Regierung danach) waren nicht auch nicht sonderlich willig Osama Bin Laden auszuliefern. Diese Tatsache haben die Afghanen leider nicht mitgekriegt.

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