Bei dem Militäreinsatz gegen eine Hilfsflotte für den Gaza-Streifen im Mittelmeer hat Israel nach Ansicht von UN-Ermittlern internationales Recht gebrochen. Das Aufbringen des türkischen Schiffs Mavi Marmara Ende Mai, bei dem neun Aktivisten getötet wurden, habe "auf hoher See klar gegen das Recht verstoßen", heißt es im Bericht des UN-Menschenrechtsrats.

Die Verfasser des 56 Seiten langen Reports bezeichnen auch die israelische Blockade des Gaza-Streifens selbst als ungesetzlich. Der Angriff könne durch nichts gerechtfertigt werden, heißt es, auch nicht durch Artikel 51 der UN-Charta. Der Passus erlaubt Staaten die Selbstverteidigung und die Abwehr von Terroristen.

Die Autoren warnen, solch ein Vorfall könne sich wiederholen, wenn es keinen "dramatischen Wandel" in der Gaza-Politik gebe. Die Blockade des Gaza-Streifens, die Israel mit der Abwehr von Terroristen begründet, sei "ungesetzlich und kann nicht mit dem Recht in Einklang gebracht werden".

Das israelische Außenministerium kritisierte in einer Reaktion, der Menschenrechtsrat habe eine "parteiische, politisierte und extremistische Einstellung". Israel sei ein demokratisches Land, das sich an internationales Recht halte, hieß es in der Stellungnahme. Auch könne Israel, falls die Notwendigkeit bestehe, selbst eine Untersuchung führen.

Das Land verwies auf die sogenannte Turkel-Kommission, die ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen habe. Israel hatte dieses Gremium nach massiver internationaler Kritik an dem Einsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte gegründet. Israel werde den UN-Bericht dennoch studieren, hieß es.

Der Menschenrechtsrat in Genf hatte drei Experten mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragt. Zugleich hatte Generalsekretär Ban Ki Moon eine Kommission aus vier Diplomaten unter Leitung des neuseeländischen Ex-Premiers Geoffrey Palmer berufen. Deren Bericht steht noch aus.

Die meisten der etwa 500 Menschen an Bord der Mavi Marmara waren Türken. Auch alle Todesopfer des israelischen Einsatzes kamen aus der Türkei. Der Zwischenfall hatte das Verhältnis der beiden Länder belastet.

Die Autoren des Berichts forderten beide Seiten zu Frieden und gegenseitigem Respekt auf: "Ein ungerechter Sieg hat noch nie dauerhaften Frieden gebracht", schrieben sie.