Nahost-Gespräche Abbas ist Netanjahus "Friedenspartner"

Beim Auftakt der Nahost-Gespräche hat sich Israels Ministerpräsident Netanjahu zu einem "historischen Kompromiss" bereit erklärt. Knackpunkt bleibt der Siedlungsstreit.

Nach zweijährigem Stillstand nehmen Israel und die Palästinenser wieder direkte Friedensgespräche auf. Ziel ist ein Friedensvertrag, der den jahrzehntelangen Zwist beenden soll. Nach einem Auftakttreffen mit Präsident Barack Obama bemühten sich die Konfliktpartner um eine freundschaftliche Atmosphäre.

Vor einem gemeinsamen Abendessen machten die Staats- und Regierungschefs ihre Standpunkte deutlich. Israels Premier Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reichten sich dabei die Hände und lächelten einander an.

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Ziel der direkten Verhandlungen sei nicht nur eine "vorübergehende Atempause", sondern ein "verlässlicher und dauerhafter Frieden" zwischen Israelis und Palästinensern, sagte Netanjahu während einer Rede im Weißen Haus. Er sei gekommen, um einen historischen Kompromiss zu finden, der beiden Völkern ermöglicht, in Frieden, Sicherheit und Würde zu leben. "Präsident Abbas, Sie sind mein Friedenspartner", sagte Netanjahu.

Der Premier hatte zuvor Obama getroffen. Dieser hatte zu Einzelgesprächen auch Abbas sowie Ägyptens Präsidenten Hosni Mubarak und den jordanischen König Abdullah II. empfangen.

Abbas versicherte, keine Mühen zu scheuen und unermüdlich daran zu arbeiten, dass die Verhandlungen ihr Ziel erreichen. Der Palästinenserpräsident verurteilte den jüngsten Anschlag auf Israelis im Westjordanland . "Wir wollen keineswegs, dass Blut vergossen wird", sagte Abbas. Erneut bekräftigte er seine Forderung nach einem israelischen Baustopp in den Palästinensergebieten und betonte, es sei an der Zeit, dass die israelische Besetzung zu Ende gehe.

Im Westjordanland waren am Dienstag vier jüdische Siedler, darunter eine schwangere Frau, erschossen worden. Bei einem ähnlichen Vorfall wurden am Mittwochabend zwei Israelis verletzt. Zu beiden Taten bekannte sich der bewaffnete Arm der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas, die Essedin-el-Kassam-Brigaden. Die Hamas gilt als erbitterter Gegner von Friedensgesprächen mit Israel.

Obama forderte Israelis und Palästinenser auf, die Chance auf einen Frieden nicht verstreichen zu lassen. Beide Seiten müssten sich den für Donnerstag geplanten direkten Friedensgesprächen ernsthaft verpflichten, ansonsten "wird der lang anhaltende Konflikt weiter schwelen und eine weitere Generation aufzehren", ergänzte Obama. Er sei "vorsichtig optimistisch". Allerdings würden "Jahre des Misstrauens nicht über Nacht verschwinden".

Als Ziel der Friedensgespräche gab der Präsident eine Zwei-Staaten-Lösung aus. Am Ende der Verhandlungen müsse es eine Einigung auf einen "unabhängigen, demokratischen und lebensfähigen Palästinenserstaat" geben, "der in Frieden und Sicherheit Seite an Seite mit einem jüdischen Staat Israel und seinen anderen Nachbarn" existiere.

Die Erwartungen an die Wiederaufnahme des Dialogs sind angesichts der tief greifenden Differenzen gedämpft. Trotz Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten bleibt vor allem die Siedlungsfrage Streitpunkt. Abbas unterstrich in Washington seine Forderung nach einem vollständigen Siedlungsstopp, was Israel ablehnt.

Die direkten Friedensverhandlungen zwischen beiden Seiten waren seit 20 Monaten unterbrochen. Sie sollen am heutigen Donnerstag im State Department wieder in Gang kommen. Außenministerin Hillary Clinton empfängt ab 16 Uhr MESZ Abbas und Netanjahu. Das Treffen soll das erste in einer Serie von Spitzenbegegnungen sein, die nach dem Willen der USA binnen eines Jahres zu einer Friedensvereinbarung führen sollen.

 
Leser-Kommentare
    • sxouk2
    • 02.09.2010 um 9:17 Uhr

    und israel lehnt ab?

    warum steht dieser punkt überhaupt zur disposition?

    auf welches recht beruft sich der staat israel, wenn er siedlern das bauen auf palästinensischem boden erlaubt?

    eine offizielle erklärung netanjahus, für das recht, dass man sich nimmt, wäre doch "nett"

  1. Also einen ganz klaren Grenzverlauf und ganz klare Zuständigkeiten für die Sicherheitskräfte.

    Diese nun schon zwei Terror Anschläge der Hamas in der Westbank mit vier Toten und zwei Verletzten fanden aber eben in diesem ungeklärten Raum statt.

    Die Sicherheit für Israelis wird sich mit Sicherheit erhöhen, wenn sie nicht mehr Nachts über einsame Straßen durch unübersichtliches, rings verödetes Gelände fahren müssen um in irgend eine zwischen verschiedensten Sicherheitszonen liegende versprengte Siedlung zu gelangen.

    In solchem Gelände ist es doch ein Einfaches für Terroristen immer wieder Anschläge zu verüben.

    Dass in dieser Situation ein Sicherheitsrisiko für die Menschen besteht, und nicht alle zu jeder Zeit beschützt werden können, hatte Sharon damals ja auch zum Abzug der Siedler aus Gaza bewogen. Ohne die Kassam Raketen auf Israel zu vernachlässigen, aber in Gaza selbst wurden keine Siedler mehr attakiert, weil dort keine mehr sind.

    Und wenn erst in Gaza ein offener Hafen entsteht und Handel mit Gütern aus der WB losgeht, und wieder Fischer rausfahren, dann werde die Leute dort auch lieber ihren Geschäften nachgehen, sich Wohlstand für die Familien erwirtschaften und Häuser bauen, statt mit Wut im Bauch Raketen zu basteln.

    Das alles ist noch ein langer Weg, aber der einzig mögliche um diesen circulus vitiosus irgendwann einmal zu durchbrechen.

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    "In solchem Gelände ist es doch ein Einfaches für Terroristen immer wieder Anschläge zu verüben."

    Genau deshalb wurden die Straßensperren, die Kontrollpunkte und der Sicherheitszaun überhaupt erst errichtet. Seit ein paar Jahren werden diese Sicherheitsmaßnahmen sukzessive abgebaut. Je nach Anzahl und Ausmaß der Anschläge, die die Hamas angekündigt hat, kann es sein, daß eben diese wieder aufgebaut werden.

    "..., weil dort keine mehr sind."

    Das wird in Hebron nicht passieren. Da steht das Me'arat Hamachpela, das Grab der Patriarchen. Das größte jüdische Heiligtum nach dem Tempelberg.

    "Und wenn erst..., dann..." Das habe ich 2005 auch gedacht. Irgendwie kam es leider anders.

    "In solchem Gelände ist es doch ein Einfaches für Terroristen immer wieder Anschläge zu verüben."

    Genau deshalb wurden die Straßensperren, die Kontrollpunkte und der Sicherheitszaun überhaupt erst errichtet. Seit ein paar Jahren werden diese Sicherheitsmaßnahmen sukzessive abgebaut. Je nach Anzahl und Ausmaß der Anschläge, die die Hamas angekündigt hat, kann es sein, daß eben diese wieder aufgebaut werden.

    "..., weil dort keine mehr sind."

    Das wird in Hebron nicht passieren. Da steht das Me'arat Hamachpela, das Grab der Patriarchen. Das größte jüdische Heiligtum nach dem Tempelberg.

    "Und wenn erst..., dann..." Das habe ich 2005 auch gedacht. Irgendwie kam es leider anders.

  2. Eine Lösung für diesen Konflikt ist unbedingt notwendig, aber eine große Herrausforderung. Es gibt viele Probleme, wie die Siedlungspolitik oder die Grenzfrage, die große Kompromisse fordern. Problematisch ist natürlich, dass die Hamas nicht mitverhandelt und wohl auch nie wird. Die Palästinenser brauchen eine Alternative zur Hamas. Der Konflikt wird nicht von einem auf dem anderen Tag gelöst werden. Die Friedensgespräche sind aber ein Anfang. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Einen guten Hintergrundartikel zum Konflikt habe ich hier gefunden: http://bit.ly/caDGjy

  3. "In solchem Gelände ist es doch ein Einfaches für Terroristen immer wieder Anschläge zu verüben."

    Genau deshalb wurden die Straßensperren, die Kontrollpunkte und der Sicherheitszaun überhaupt erst errichtet. Seit ein paar Jahren werden diese Sicherheitsmaßnahmen sukzessive abgebaut. Je nach Anzahl und Ausmaß der Anschläge, die die Hamas angekündigt hat, kann es sein, daß eben diese wieder aufgebaut werden.

    "..., weil dort keine mehr sind."

    Das wird in Hebron nicht passieren. Da steht das Me'arat Hamachpela, das Grab der Patriarchen. Das größte jüdische Heiligtum nach dem Tempelberg.

    "Und wenn erst..., dann..." Das habe ich 2005 auch gedacht. Irgendwie kam es leider anders.

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