Nordkorea Ein Diktator bestellt sein Erbe
Mit viel Geheimniskrämerei bereitet Nordkoreas Führung den Machtwechsel vor. Der erste große Parteitag seit 1966 soll dafür die Plattform sein.
© KNS/AFP/Getty Images

Will den Führungszirkel neu ordnen: Diktator Kim Jong Il (mit Sonnenbrille). Immer präsent in Nordkorea: das Militär
In Nordkorea wird eine neue Führung bestimmt. Machthaber Kim Jong Il hat dafür Vertreter seiner ostasiatischen Partei- und Militärdiktatur zu einer Delegiertenversammlung in die Hauptstadt Pjöngjang kommen lassen. Enden wird der Parteitag voraussichtlich am Donnerstag, dem 62. Jahrestag der Regime- und Parteigründung. Näheres bekannt gegeben wird darüber in Nordkorea nicht.
Ohnehin umgibt den Parteitag viel Geheimniskrämerei und Spekulation, seit vor rund zwei Monaten erstmals die kommende Wahl des "höchsten Führungsgremiums" bekannt gegeben wurde. Das Regime ist durch seine Atompolitik international isoliert, es beherrscht sein Volk mit eisernem Griff.
Seit Sonntag gab es erstmals ein paar Fotos von Chinas staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua, die Versammlungen auf Pjöngjangs zentralem Kim-Il-Sung-Platz zeigen, so beispielsweise für das Parteitags-Begleitprogramm rosa Tücher schwenkende Menschen und junge Mädchen beim Üben von Tänzen . Am Montag berichtete dann Nordkoreas offizielle Zeitung Rodong Sinmun , dass Delegierte aus dem ganzen Land zusammenkämen, um Politik und Personalveränderungen in der Partei zu diskutieren. Einiges deutet darauf hin, dass es dabei auch irgendeine Art von Inthronisierung von Kims Sohn Kim Jong Un geben wird.
Der Parteitag ist ein ungewöhnliches Ereignis. Es ist das erste Mal seit 44 Jahren, dass das Politbüro der nordkoreanischen Arbeiterpartei eine Tagung der wichtigsten Delegierten einberuft. Die bisher letzte derartige Sitzung in Nordkorea fand 1966 statt. Ein Parteikongress wurde zuletzt 1980 abgehalten, damals wurde der Aufstieg Kim Jong Ils an die Staatsspitze offiziell eingeleitet. Kim steht seit dem Tod seines Vaters, des "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung 1994 an der Spitze des industriell abgewirtschafteten, aber hoch gerüsteten Staates.
Ähnliches soll wohl auch mit Kim Jong Un geschehen. Sein durch einen Schlaganfall gesundheitlich angeschlagener Vater will vorbauen und die Macht in den Händen der Familie behalten. Allerdings ist Jong Un recht jung, es gibt keine aktuellen Fotos von ihm, wahrscheinlich ist er Ende 1983, Anfang 1984 geboren und zeitweilig in der Schweiz zur Schule gegangen. Für eine Übernahme der Herrschaft wird es nicht reichen, weshalb er nun erstmal einen wichtigen Titel mit Funktion zugeordnet bekommen wird.
Die eigentliche Gewalt in Nordkorea liegt heute in Händen des Militärs. Und so ist in Nordkorea (wie auch in China) der im Grunde wichtigste Posten jener des Vorsitzenden der Verteidigungskommission, den Kim Jong Il innehat. Sein Sohn wird wohl in den inneren Parteizirkel gewählt werden, wahrscheinlich ins Zentralkomitee. Experten vermuten, Kim Jong Il möchten den unter ihm eingeleiteten Machtzuwachs des Militärs wieder zugunsten der Partei verschieben, ein Grund für die Einberufung der Funktionäre auf den großen Parteitag.
Es gibt Hinweise darauf, dass in naher Zukunft in Pjöngjang ein Führungskollektiv gebildet wird, denn Kim Jong Un ist zu jung und hat in der Nomenklatura noch entsprechend wenig Rückhalt. Wichtig in der Führungsgruppe wird Kim Jong Ils Schwager Jang Song Taek sein, der neuernannte Vize der Verteidigungskommission und eine Art Nummer Zwei im Staat. Jang wiederum protegiert den 2007 degradierten und vor Kurzem in den inneren Zirkel zurückbeorderten Wirtschaftsfunktionär Pak Pong Ju.
Pak war einst für vorsichtige Wirtschaftsreformen verantwortlich und könnte in die erstarrte Staatswirtschaft Nordkoreas etwas Bewegung bringen. Ob das wirklich geschehen wird, steht jedoch in den Sternen. Bislang wurden wirtschaftliche Lockerungen immer wieder rückgängig gemacht. Das Regime in Pjöngjang kann sein Volk nicht mal richtig ernähren und ist abhängig von Hilfslieferungen aus dem Ausland.
Wirtschaftlich ist Pjöngjang vor allem abhängig von Peking. Kim Jong Il versucht daher die Neuordnung der Macht vom großen Nachbarn flankieren zu lassen, dem einzigen politischen Verbündeten. Kurz vor dem Parteikongress reiste er nach China, wohl um nach Wirtschaftshilfen zu fragen und um sich der Unterstützung für den Führungsumbau zu versichern. Zu Kims Entourage gehörte sein Schwager Jang Song Taek, manche Experten vermuteten, auch Sohn Jong Un sei mitgekommen. Zu Kims großer Freude sagte Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao die Unterstützung seiner Regierung zu.
Um Hilfe bat Pjöngjang inzwischen selbst beim verfeindeten Südkorea, denn nach schweren, Regen bedingten Überschwemmungen soll die Ernährungslage noch angespannter sein, als sie ohnehin schon ist. Eine Notlage, die schlecht mit einer demnächst wohl pompös verkündeten Neuordnung des Führungszirkels zusammengeht, denn in Diktaturen muss so etwas immer auch mit den großen wirtschaftlichen Erfolgen des Systems verkauft werden. In den kommenden Tagen wird man mehr erfahren aus der verschlossenen Diktatur der merkwürdigen Familie Kim.
- Datum 08.09.2010 - 15:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich stelle mir vor, das die Regelung der Nachfolge in einer Diktatur
wesentlich schwieriger abläuft, als eine demokratische Wahl.
Im Grunde habe ich gar keine Vorstellung, würfeln oder Lose ziehen?
es ist genau wie in einer erblichen monarchie: der monarch zuechtet seinen faehigsten (und vorzugsweise) aeltesten sohn zum nachfolger heran. der junge wird systematisch zum manager, guten soldaten und sicherheitsexperten geformt. wichtig ist, dass er sich unter der obhut des noch maechtigen vaters den respekt und die loyalitaet der wichtigsten gefolgsleute sichert. dazu muss er sich auf raenkespiele verstehen und zu beginn seiner karriere bereits erste exempel statuieren. sobald die vasallen des vaters den aufstieg des kronprinzen abgenickt haben und der sproessling zur fuehrungspersoenlichkeit gereift ist, kann der vater abtreten. bis dahin muss das netzwerk reissfest sein, sonst treten ambitionierte neffen und cousins auf den plan.
es ist genau wie in einer erblichen monarchie: der monarch zuechtet seinen faehigsten (und vorzugsweise) aeltesten sohn zum nachfolger heran. der junge wird systematisch zum manager, guten soldaten und sicherheitsexperten geformt. wichtig ist, dass er sich unter der obhut des noch maechtigen vaters den respekt und die loyalitaet der wichtigsten gefolgsleute sichert. dazu muss er sich auf raenkespiele verstehen und zu beginn seiner karriere bereits erste exempel statuieren. sobald die vasallen des vaters den aufstieg des kronprinzen abgenickt haben und der sproessling zur fuehrungspersoenlichkeit gereift ist, kann der vater abtreten. bis dahin muss das netzwerk reissfest sein, sonst treten ambitionierte neffen und cousins auf den plan.
es ist genau wie in einer erblichen monarchie: der monarch zuechtet seinen faehigsten (und vorzugsweise) aeltesten sohn zum nachfolger heran. der junge wird systematisch zum manager, guten soldaten und sicherheitsexperten geformt. wichtig ist, dass er sich unter der obhut des noch maechtigen vaters den respekt und die loyalitaet der wichtigsten gefolgsleute sichert. dazu muss er sich auf raenkespiele verstehen und zu beginn seiner karriere bereits erste exempel statuieren. sobald die vasallen des vaters den aufstieg des kronprinzen abgenickt haben und der sproessling zur fuehrungspersoenlichkeit gereift ist, kann der vater abtreten. bis dahin muss das netzwerk reissfest sein, sonst treten ambitionierte neffen und cousins auf den plan.
Gut, man kennt das Gehabe von NSDAP und KPdSU als auch allen anderen Einparteiensystemen, aber dass nach 44 Jahren überhaupt wieder ein Parteitag stattfindet ist schon interessant. Bei der letzten Machtübergabe von Vater zu Sohn gab es keinen. Zu hoffen bleibt, dass der Einfluss des Militärs etwas zurückgedrängt wird, denn aus Kreisen der Partei ist eher zu erwarten, dass sie zarte Pflänzchen zur langsamen Öffnung des Landes hervorbringen (siehe Beispiel KPdSU und Gorbatschow).
Zum Thema hochgerüstetes Land. Ja, Nordkorea hat die viertgrößte Armee im Bezug auf Mannstärke, aber die Existenz von verwendungsfähigen Atomwaffen ist zweifelhaft und die Armee ist mehrheitlich schlecht gerüstet und der Zustand des Großteils der Ausrüstung ist mangelhaft. Es herrscht Treibstoffmangel und Rückgrat der Truppenmobilität sind Eisenbahn mit japanischen Dampflokomotiven aus den 30ern (Aufgrund des häufigen Stromausfalls). Lediglich ein kleiner Teil, Elitetruppen, dürften auf einem hohen Stand sein.
Was allerdings unzweifelhaft ist, ist die hohe Moral unter den Soldaten, wenn das Land angegriffen würde.
MfG
AoM
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