Im österreichischen Kitzbühel feierte Jurij Lushkow gerade seinen 74. Geburtstag. Daheim in Moskau hat sich die russische Führung laut einem Zeitungsbericht endgültig für eine rasche Absetzung des im Kreml in Ungnade gefallenen Moskauer Bürgermeisters entschieden.

Präsidialverwaltung und Regierung hätten sich nach tagelangem Machtkampf auf ein Ende der 18-jährigen Ära Lushkow geeinigt, zitierte die Zeitung Wedomosti einen Kremlbeamten. Aus dem Kreml verlautete, dass der Rathaus-Chef bis zum Ende seines Urlaubes in Österreich Bedenkzeit habe, die Art seines Abgangs zu wählen und sich einen neuen Job zu suchen.

Offiziell bestimmt Kremlchef Dmitrij Medwedjew den neuen Bürgermeister, eine Wahl ist nicht vorgesehen. Die Führung der Machtzentrale Moskau gilt neben den Ämtern des Präsidenten und Regierungschefs als einer der wichtigsten Posten in der russischen Politik.

Der Bürgermeister hatte einen Rücktritt zuletzt wiederholt abgelehnt. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte Lushkow in einem Interview. Gründe für einen Abgang könnten nur "fehlende Unterstützung in der Bevölkerung" oder "Misswirtschaft" sein.

Beobachter vermuten, dass Präsident Medwedjew die Herrschaft des autoritären Rathaus-Chefs beenden will. Hintergrund ist demnach der Vorwurf, dass Lushkow die Vielzahl der kremlkritischen Wähler im Vorfeld der Wahl 2012 der Hauptstadt weder für Medwedjew noch für Regierungschef Wladimir Putin begeistern könne.

In einer beispiellosen Medienkampagne berichtet die Staatspresse seit einer Woche fast täglich über Luschkows Verflechtungen in die Wirtschaft und warfen ihm Korruption vor. Lushkows Frau war als Bauunternehmerin an vielen Großprojekten in Moskau engagiert und zählt als Russlands reichste Frau.

Der bei vielen Russen beliebte Lushkow wies Vorwürfe zurück, er wolle einen Keil zwischen Präsident Medwedjew und Putin treiben, um so die Staatsmacht zu schwächen.

Russische Medien nannten bereits mehrere Kandidaten für Lushkows Nachfolge. Dabei fiel immer wieder auch der Name von Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu, der laut Umfragen in der Bevölkerung vergleichsweise große Zustimmung hat.