Die Verhandlungen zur Bildung einer Regierung in Belgien sind rund zwölf Wochen nach der Parlamentswahl gescheitert. Der von den französischsprachigen Sozialisten (PS) zuletzt vorgelegte Kompromissvorschlag sei nicht annehmbar gewesen, teilte die flämische Partei NVA mit.

Der für das Amt des Regierungschefs gehandelte Sozialist Elio Di Rupo sei auf dem Weg zu König Albert II., um ihn über die Lage zu informieren, hieß es am Freitagnachmittag aus informierten Kreisen.

Die Differenzen zwischen dem französischsprachigen Sozialisten Di Rupo, dem flämischen Nationalisten Bart De Wever und den übrigen Parteiführern waren demnach zu groß.

Di Rupo hatte Anfang der Woche vor einem "politischen Chaos" gewarnt, wenn die Blockade zwischen niederländischsprachigen Flamen im Norden und frankophonen Belgiern in der Wallonie und in Brüssel anhalte.

Belgien hat seit Juli den EU-Ratsvorsitz inne.

Bei den Verhandlungen ging es um tief greifende institutionelle Reformen und insbesondere die Finanzen der Hauptstadt Brüssel, die eine eigene belgische Region bildet. Die unterschiedlichen Positionen sind vom Sprachenstreit zwischen Flamen und Frankophonen geprägt. Dieser hatte auch zum Rücktritt der Regierung unter dem flämischen Christdemokraten Yves Leterme im April geführt, die seitdem nur noch geschäftsführend im Amt ist.