Schweden Grüne an die Macht
Schwedens Grüne sind zur drittstärksten Kraft im Parlament aufgestiegen. Doch mit den Konservativen zusammen regieren wollen sie nicht. Ein Fehler, kommentiert M. Horeld.
© Jonathan Nackstrand/AFP/Getty Images

Könnten bei der Regierungsbildung mitreden: Schwedens Grünen-Chefs Peter Eriksson und Maria Wetterstrand
Jetzt also Schweden. Nein, an dieser Stelle soll nicht die Rede sein vom Einzug der Rechtspopulisten ins Parlament. Sondern von den Grünen. Sie haben bei der Wahl am Sonntag ihr bestes Wahlergebnis aller Zeiten eingefahren und sind drittstärkste Kraft im Reichstag geworden.
Die Grünen kommen mit Macht, nicht nur in Schweden. Auch in Deutschland sehen Demoskopen sie derzeit zwischen 17 bis 22 Prozent. In Baden-Württemberg und Berlin, wo im kommenden Jahr gewählt werden wird, liegen sie gleichauf mit der SPD.
Nun sind die Verhältnisse in Schweden und in Deutschland nicht ohne Weiteres miteinander zu vergleichen. Doch eine Gemeinsamkeit lässt sich erkennen: Die Grünen sind diesseits und jenseits der Ostsee an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr nur darum geht, Erfolge zu bejubeln. Nein, sie müssen Verantwortung übernehmen. Und dafür müssen sie überkommene Ideologien über Bord werfen.
Im Falle Schwedens haben sie genau das nicht getan. Die Einladung von Ministerpräsident Frederik Reinfeldt, über eine Regierungsbeteiligung zu sprechen, haben sie ausgeschlagen. Das war ein unverzeihlicher Fehler.
Parteipolitisch, besser: parteiideologisch betrachtet, scheinen tatsächlich einige Gründe gegen eine solche Zusammenarbeit zu sprechen. Zum einen haben sich die Grünen vor der Wahl in ein Bündnis mit Sozialdemokraten und Linkspartei begeben. Daraus auszuscheren dürfte zu schweren Verwerfungen innerhalb des "Linksblocks" führen. Auch rein praktisch dürfte eine Koalition problematisch werden: Fünf Parteien müssten zu einem Regierungsbündnis zusammengefasst werden. Und inhaltlich steht die Ankündigung der Konservativen, neue Atomkraftwerke zu bauen, grünen Vorstellungen diametral entgegen.
Dennoch: Grüne und Konservative sind sich viel näher, als sie bislang zu akzeptieren bereit sind. Das gilt für Deutschland und Schweden gleichermaßen. Denn jenseits von Ideologien und alten Links-Rechts-Schemata tragen beide Parteien einen konservativen Kern in sich. Er kommt umso mehr zum Vorschein, je mehr den Bürgerlichen alte Wählerschichten abhanden kommen. Und je mehr die Grünen das Wesen ihrer Politik betonen: das Bewahren der Welt. Dies ist Konservatismus in seiner reinsten Form.
Wo es darum geht, den Wohlfahrtsstaat nicht abzuschaffen, sondern moderner zu machen und die Wirtschaft davon zu überzeugen, mit Nachhaltigkeit Geschäfte zu machen, wo es darum geht, das Land auf die großen Umwälzungen der Zukunft vorzubereiten und gleichzeitig seine Errungenschaften zu bewahren, dort manifestiert sich konservative Politik. Dort treffen sich Grüne und Bürgerliche.
Wenn die schwedischen Grünen dies doch noch erkennen, wenn sie über ihren ideologischen Schatten springen und mit Reinfeldts Bündnis koalieren, würden sie nicht nur die Debatte um den Konservatismus nachhaltig befruchten. Sie könnten ihrem Land einen unschätzbaren Dienst erweisen und eine Zusammenarbeit der Konservativen mit den Rechtsextremen unnötig machen.
- Datum 21.09.2010 - 15:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 26
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[...]
Vielleicht sollte man einfach anerkennen, dass die Lage der Grünen in Schweden wirklich schwierig ist. Egal was Sie tun, entweder wird Ihnen von interessierter Seite vorgeworfen, "die Neonazis an die Macht" kommen zu lassen (wenn Sie nicht mit den Moderaterna zusammenarbeiten), oder es wird Ihnen von den gleichen Leute Wahlbetrug vorgeworfen (nämlich genau dann, wenn Sie entgegen der Aussagen vor der Wahl jetzt doch mit Reinfeldt zusammenarbeiten).
Und nebenbei sei angemerkt, dass Reinfeldt bislang (20/9) noch keinerlei Kontakt mit den Grünen aufgenommen hat. Was auch verständlich ist, weil immer noch Stimmen ausgezählt werden.
Vielleicht sollte man - auch bevor solche Schnellschuss-Artikel hier auf Zeit-Online erscheinen - erstmal abwarten, wie sich die Lage wirklich entwickeln wird.
Anmerkung: Der Kommentar, auf den Sie sich oben beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Die Redaktion/km
waschen? Die Rechten werden sich im In- und Ausland blamieren. Der Wirtschaft wird durch das schlecht Image schlecht gehen und dann werden die Menschen merken wozu die Rechten gut sind. Wer würde denn in Deutschland grün waehlen, wenn die Waehler wuessten, dass sie mit der CSU qualieren?
[...]
Vielleicht sollte man einfach anerkennen, dass die Lage der Grünen in Schweden wirklich schwierig ist. Egal was Sie tun, entweder wird Ihnen von interessierter Seite vorgeworfen, "die Neonazis an die Macht" kommen zu lassen (wenn Sie nicht mit den Moderaterna zusammenarbeiten), oder es wird Ihnen von den gleichen Leute Wahlbetrug vorgeworfen (nämlich genau dann, wenn Sie entgegen der Aussagen vor der Wahl jetzt doch mit Reinfeldt zusammenarbeiten).
Und nebenbei sei angemerkt, dass Reinfeldt bislang (20/9) noch keinerlei Kontakt mit den Grünen aufgenommen hat. Was auch verständlich ist, weil immer noch Stimmen ausgezählt werden.
Vielleicht sollte man - auch bevor solche Schnellschuss-Artikel hier auf Zeit-Online erscheinen - erstmal abwarten, wie sich die Lage wirklich entwickeln wird.
Anmerkung: Der Kommentar, auf den Sie sich oben beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Die Redaktion/km
waschen? Die Rechten werden sich im In- und Ausland blamieren. Der Wirtschaft wird durch das schlecht Image schlecht gehen und dann werden die Menschen merken wozu die Rechten gut sind. Wer würde denn in Deutschland grün waehlen, wenn die Waehler wuessten, dass sie mit der CSU qualieren?
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Vielleicht sollte man einfach anerkennen, dass die Lage der Grünen in Schweden wirklich schwierig ist. Egal was Sie tun, entweder wird Ihnen von interessierter Seite vorgeworfen, "die Neonazis an die Macht" kommen zu lassen (wenn Sie nicht mit den Moderaterna zusammenarbeiten), oder es wird Ihnen von den gleichen Leute Wahlbetrug vorgeworfen (nämlich genau dann, wenn Sie entgegen der Aussagen vor der Wahl jetzt doch mit Reinfeldt zusammenarbeiten).
Und nebenbei sei angemerkt, dass Reinfeldt bislang (20/9) noch keinerlei Kontakt mit den Grünen aufgenommen hat. Was auch verständlich ist, weil immer noch Stimmen ausgezählt werden.
Vielleicht sollte man - auch bevor solche Schnellschuss-Artikel hier auf Zeit-Online erscheinen - erstmal abwarten, wie sich die Lage wirklich entwickeln wird.
Anmerkung: Der Kommentar, auf den Sie sich oben beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Die Redaktion/km
Gab es ein angebot an die Grünen von seiten der Konservativen...ich weiß jetzt nicht wie glaubwürdig das ist, wo mich die Tagesscahu in den vergangenen jahren immer mehr mit nicht haltbaren behauptungen und halbwahrheiten ent
täuscht hat...aber...naja.
....ob man sich näher hin zu Scylla segeln denn Charybdis nähern will. Aber man muss entscheiden. Und würden die Neo Nazis wirklich groben Unsinn machen, so muss man sich im Klaren sein, dass man später wissen wird, dass man ihn hätte verhindern können, wenn man das gewagt hätte.
Gab es ein angebot an die Grünen von seiten der Konservativen...ich weiß jetzt nicht wie glaubwürdig das ist, wo mich die Tagesscahu in den vergangenen jahren immer mehr mit nicht haltbaren behauptungen und halbwahrheiten ent
täuscht hat...aber...naja.
....ob man sich näher hin zu Scylla segeln denn Charybdis nähern will. Aber man muss entscheiden. Und würden die Neo Nazis wirklich groben Unsinn machen, so muss man sich im Klaren sein, dass man später wissen wird, dass man ihn hätte verhindern können, wenn man das gewagt hätte.
... der Konservativen.
Dies und nicht mehr scheint der Kommentar auszusagen. Die schwedischen Grünen sollen einfach ihre politische Positionen mehr oder weniger vollständig aufgeben - hier "überkommene Ideologien über Bord werfen" genannt -, damit die konservative Allianzregierung im Wesentlichen einfach weitermachen kann.
So nah wie angedeutet sind sich Grüne und Konservative sicherlich nicht. Die politische Strömung des Konservatismus einfach mit dem "Bewahren der Welt" zu beschreiben, ist nichts als eine romantische Verklärung. Vom eigentlichen politischen Konservatismus, eines doch eher auf die Interessen der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Eliten des Landes ausgerichteten Politikverständnis, sind die Grünen ideologisch - zumindest wohl in deren Basis - recht weit entfernt. Unter einem "moderneren" Wohlfahrtsstaat scheinen der rot-grüne Block und die Allianzparteien (plus Autor ?) ebenfalls etwas recht anderes zu verstehen, stehen sich dort doch das Modell eines starken Sozialstaates mit hohen Steuersätzen und Steuersenkungsideologien (im Sinne der Besserverdienerpartei) gegenüber.
Es gibt sicherlich andere Lösungen, als dass sich die Grünen als Mehrheitsbeschaffer missbrauchen lassen, seien es eine konservative Minderheitsregierung (unter "Tolerierung" des Mitte-Links Blocks, wie etwa in Kanada) oder auch eine lagerübergreifende sozialliberale Koalition.
waschen? Die Rechten werden sich im In- und Ausland blamieren. Der Wirtschaft wird durch das schlecht Image schlecht gehen und dann werden die Menschen merken wozu die Rechten gut sind. Wer würde denn in Deutschland grün waehlen, wenn die Waehler wuessten, dass sie mit der CSU qualieren?
Es gibt Wahlprogramme ,manche Parteien vergessen sie schon am Wahlabend
wenn sie Erfolg gehabt haben.Den Grünen steht es gut an sich konservativ an ihr Wahlprogramm zu halten ,das sind sie ihren Wählern schuldig.Alles andere würde bei der nächsten Wahl in das Gegenteil umschlagen.
Die Wahlprogramme der Konservativen und der Grünen unterscheiden sich deutlich und es gibt Positionen die können nicht verhandelbar sein.
Gab es ein angebot an die Grünen von seiten der Konservativen...ich weiß jetzt nicht wie glaubwürdig das ist, wo mich die Tagesscahu in den vergangenen jahren immer mehr mit nicht haltbaren behauptungen und halbwahrheiten ent
täuscht hat...aber...naja.
Das ist, was ich mir wünsche.
Wie hat eigentlich die Piratenpartei in ihrem Ursprungsland abgeschnitten? Bei den letzten (Europa-)Wahlen waren sie meiner Meinung relativ stark. Ich bin des Schwedischen nicht maechtig, aber mir scheint sie waren in keiner der Tabellen, die ich gesehe habe aufgefuehrt.
Die Piratenpartei hat nur 0,7% der Stimmen bekommen, genauso wie die andere gröszere Minipartei "Feministische Initiative" (0,8%).
Die Piratenpartei hat nur 0,7% der Stimmen bekommen, genauso wie die andere gröszere Minipartei "Feministische Initiative" (0,8%).
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