Schweden Prognosen sehen Rechtspopulisten im Parlament
Bei den Wahlen in Schweden zeichnet sich ein Sieg des konservativen Ministerpräsidenten Reinfeldt ab. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten sind wohl im Parlament.
Bei den Parlamentswahlen in Schweden hat ersten Prognosen zufolge die rechtspopulistische Partei Schwedendemokraten den Sprung ins Parlament geschafft. Demnach kamen sie über die Vier-Prozent-Sperrklausel. Die vor wenigen Jahren noch zum rechtsextremistischen Lager gerechnete Partei verlangt massive Verschärfungen bei der Ausländer- und Zuwanderungspolitik.
Die Mitte-rechts-Koalition unter Regierungschef Fredrik Reinfeldt wurde den Angaben zufolge wiedergewählt. Bei einer hohen Stimmenzahl für die Schwedendemokraten ist die absolute Mehrheit für ihn allerdings gefährdet. Der Regierungschef will jedoch auch an der Spitze einer Minderheitsregierung im Amt bleiben, lehnt er doch jede Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten ab.
Umfragen unmittelbar vor Ende der Stimmabgabe von 7,1 Millionen stimmberechtigten Schweden sahen Reinfeldts Vier-Parteien-Koalition fünf bis sechs Prozent vor der sozialdemokratisch geführten Opposition. Der 45-jährige Reinfeldt könnte damit eine zweite Amtszeit regieren. Die Sozialdemokraten mit ihrer Spitzenkandidatin Mona Sahlin, 53, kamen demnach nur auf etwa 30 Prozent. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit knapp 100 Jahren. Die seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Schweden meist allein regierenden Sozialdemokraten haben sich im Wahlkampf auf eine Koalition mit der Linkspartei und den Grünen festgelegt.
Wie die Behörden am Wahltag mitteilten, hatten 2,2 Millionen Wähler schon vorab ihre Stimmen abgegeben, mehr als je zuvor bei Reichstagswahlen. Auch nach den letzen Umfragen wurde eine höhere Wahlbeteiligung als 2006 erwartet. Damals hatten sich knapp 82 Prozent beteiligt. Sie stimmten damals für einen Regierungswechsel von den Sozialdemokraten zum bürgerlichen Lager aus Konservativen, der liberalen Volkspartei, dem Zentrum und den Christdemokraten.
- Datum 19.09.2010 - 20:13 Uhr
- Quelle dpa
- Kommentare 15
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"Die vor wenigen Jahren noch zum rechtsextremistischen Lager gerechnete Partei "
Was hat sich denn geändert, dass sie nicht mehr als extremistisch eingestuft wird? Ist die Partei inhaltlich nach links gerückt oder die Gesellschaft u. Politik nach rechts?
Über dem Wikipediaartikel zu dieser Partei prangt ein Neutralitätsmangel-Balken und auch beim Eurorex-Watchblog findet sich nur wenig an verwertbarer Information zu dieser Gruppierung.
In der schwedischen Wikipedia fehlt die Neutralität angeblich nicht. Darin heißt es, die Sverigedemokraterna wären eine demokratische und nationalistische Partei, die nationalkonservativ, aber auch vom sozialdemokratischen folkhems-Gedanken (etwas schwierig zu übersetzen) inspiriert wären. Zudem distanzieren sie sich von Marxismus, Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus. Ab 1999 gab es wohl einen gewissen Wandel in der Partei, z.B. wurden 2001 führende "Nationaldemokraten" ausgeschlossen. [Alle Übersetzungen ohne Gewähr.]
Zusammen reicht das offenbar, um nicht mehr als extremistisch eingestuft zu werden (letzter Satz = meine Einschätzung), wobei ich auch denke, dass die schwedische Gesellschaft nach rechts hin "offener" geworden ist.
Meine schwedischen Bekannten haben sich auf Facebook dennoch alle gegen die Schwedendemokraten bekannt; nicht zu unrecht, denke ich. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es ausgeht und ob die Schwedendemokraten in den Reichstag kommen. Ansonsten sind die schwedischen Konservativen immer noch fast sozialdemokratischer als die SPD – auch wenn die letzte Legislaturperiode wohl einige wohlfahrtsstaatliche Veränderungen gebracht hat.
haben wohl nichts aus der Geschichte gelernt mit ihrer REICHSTAGSWAHL.
Bei dem Wort zuckt man als Deutscher ja direkt zusammen :-)
heute noch ein Reichstagsgebäude. Und vor dem Tausendjährigen
Reich gab es auch einen Reichstag ...
heute noch ein Reichstagsgebäude. Und vor dem Tausendjährigen
Reich gab es auch einen Reichstag ...
ich war gerade auf "aftonbladet.se" und dort habe ich noch gar nichts vom Wahlergebnis, geschweige denn vom Sieg der Konservativen lesen können. (das soll keine Unterstellung sein, die Info sei falsch, nur, dass die Schweden wohl etwas lahmer sind)
Ansonsten wundert es mich nicht, dass die Schweden so gewählt haben. Aus dutzenden von Kommentaren z.B. im Leserforum des "Aftonbladet" habe ich für mich in den letzten Monaten durchaus den Eindruck gewinnen können, dass viele Schweden ihr Land als überfremdet empfinden und demzufolge politisch nach rechts rücken (gleichwohl aber auch immer wieder gerne auf die "Moderaterna" geschimpft wird, wenn sie z.B. im Gesundheitssystem mit dem Rotstift wüten).
@Kommentar Nr. 3
Wieso sollten die Schweden das umbennen? "Bundestag" ergäbe für Schweden doch keinen Sinn, da Schweden meines Wissens nach kein Bundesstaat ist, sondern ein KönigREICH.
Die Schweden sind nicht lahm, die Wahllokale schließen erst um 20 Uhr. Da ist es normal, das Prognosen noch nicht veröffentlicht werden. Deshalb finde ich es sehr befremdlich, dass die Zeit knapp vier Stunden vor Schließung der Wahllokale das Wahlergebnis verkündet. Was würden die Deutschen sagen, wenn das das Aftonbladet bei der nächsten Bundestagswahl macht?
"Aus dutzenden von Kommentaren z.B. im Leserforum des "Aftonbladet" habe ich für mich in den letzten Monaten durchaus den Eindruck gewinnen können, dass viele Schweden ihr Land als überfremdet empfinden und demzufolge politisch nach rechts rücken"
Solche Beobachtungen haben immer das extrem grosse Risiko, dass sie aus selektiver Wahrnehmung herrühren:
Um einen Kommentar in bei einer Zeitung abzugeben braucht man ein Mitteilungsbedürfniss (und das haben Leute, die wütend sind eher als Leute die es nicht sind) und Zeit (und die haben - vorsicht Vorurteil - die neuen Rechtsausleger sicher auch mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung).
In Schweden läuft es wohl auf eine Minderheitenregierung hinaus, da keine der Parteien aus dem sozialdemokratischen Lager zu den Moderaten wechseln möchte, keine Partei mit den Schwedendemokraten zusammenarbeiten wird und Reinfeldt sicher nicht den Juniorpartner in einer grossen Koalition gibt.
Die Schweden sind nicht lahm, die Wahllokale schließen erst um 20 Uhr. Da ist es normal, das Prognosen noch nicht veröffentlicht werden. Deshalb finde ich es sehr befremdlich, dass die Zeit knapp vier Stunden vor Schließung der Wahllokale das Wahlergebnis verkündet. Was würden die Deutschen sagen, wenn das das Aftonbladet bei der nächsten Bundestagswahl macht?
"Aus dutzenden von Kommentaren z.B. im Leserforum des "Aftonbladet" habe ich für mich in den letzten Monaten durchaus den Eindruck gewinnen können, dass viele Schweden ihr Land als überfremdet empfinden und demzufolge politisch nach rechts rücken"
Solche Beobachtungen haben immer das extrem grosse Risiko, dass sie aus selektiver Wahrnehmung herrühren:
Um einen Kommentar in bei einer Zeitung abzugeben braucht man ein Mitteilungsbedürfniss (und das haben Leute, die wütend sind eher als Leute die es nicht sind) und Zeit (und die haben - vorsicht Vorurteil - die neuen Rechtsausleger sicher auch mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung).
In Schweden läuft es wohl auf eine Minderheitenregierung hinaus, da keine der Parteien aus dem sozialdemokratischen Lager zu den Moderaten wechseln möchte, keine Partei mit den Schwedendemokraten zusammenarbeiten wird und Reinfeldt sicher nicht den Juniorpartner in einer grossen Koalition gibt.
der Auffassung sind, sie besässen das einzig richtige und wahre sittliche Verständnis, und alles andere wäre niedere Gesinnung und gehöre diffamiert, so ändert das nichts an der Tatsache, daß offenbar wieder einmal ein Geist in Europa umgeht: Der Rechtskonservatismus.
`Und in der Ferne klagt leise eine Trompete´
Die Schweden sind nicht lahm, die Wahllokale schließen erst um 20 Uhr. Da ist es normal, das Prognosen noch nicht veröffentlicht werden. Deshalb finde ich es sehr befremdlich, dass die Zeit knapp vier Stunden vor Schließung der Wahllokale das Wahlergebnis verkündet. Was würden die Deutschen sagen, wenn das das Aftonbladet bei der nächsten Bundestagswahl macht?
dass die Allianz laut ersten Prognosen in der Tat leicht führt und die Sverigedemokraterna es wohl in den Reichstag geschafft haben.
Alles was die etablierten Parteien Stimmen kostet, wird mit diesem Negativprädikat versehen.
Warum schreiben renommierte Zeitungen so ?
Stehen sie in der Pflicht ? Wenn ja wem ?
Ist vox publica nur die Stimme der Dummen ?
Man hats mal versucht zu erklären mit " nach dem Maul reden ".
Dürfte wohl langsam überholt sein. Bürger, welche den unsäglichen Parteienmainstream satt haben bis zum Hals, wird es mehr und mehr geben - überall in Europa.
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