Terroristen haben angeblich geplant, Ziele in London sowie großen deutschen und französischen Städten anzugreifen. Das berichten der britische Fernsehsender Sky News sowie die US-Zeitung Wall Street Journal unter Berufung auf westliche Geheimdienste. Das Attentat habe unter anderem mit Bombardements auf einige Hintermänner in Pakistan vereitelt werden können. Wenngleich die Pläne in fortgeschrittenem Stadium gewesen seien, habe eine unmittelbare Gefahr nicht bestanden. Laut Sky News sollen die Hintermänner Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida unterhalten haben.

Das Bundesinnenministerium bestätigte die Berichte so weit, als dass al-Qaida "längerfristig" Anschläge in Deutschland sowie Europa und den USA plane. Diese Informationen ergäben sich aus "nachrichtendienstlichem Aufkommen", sagte ein Sprecher. Gegenwärtig ergäben sich daraus aber keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge in Deutschland. Die Gefährdungsbewertung müsse nicht geändert werden, sagte der Sprecher.

Den Berichten zufolge war eine Kommandoaktion wie im November 2008 in Mumbai geplant, um die Ziele gleichzeitig zu treffen. Damals hatten aus Pakistan eingereiste Islamisten in der indischen Metropole zwei Luxushotels und andere Ziele attackiert. 166 Menschen wurden getötet, mehr als 300 verletzt.

Der US-Sender ABC News berichtete, auch die USA seien womöglich ein Ziel gewesen. Der Sender zitierte einen hohen Regierungsbeamten, wonach es sich um eine "glaubhafte" Gefährdung handelt, obgleich es keine genauen Hinweise auf Ort und Zeit gebe. Auch das Wall Street Journal berief sich gleich auf mehrere Regierungsvertreter, wonach es für Europa seit vielen Jahren keine so ernste Gefahr mehr gegeben habe. US-Präsident Barack Obama sei über die Bedrohung informiert worden.

Die wichtigsten Informationen über die Bedrohung kamen ABC zufolge von einem mutmaßlichen deutschen Terroristen, der auf dem Weg nach Europa gefasst worden sei und nun auf der US-Basis Bagram in Afghanistan festgehalten werde. Der Deutsche habe ausgesagt, mehrere Gruppen von Terroristen – alle mit europäischen Pässen –, seien in Trainingslagern in Pakistan ausgebildet und von dort ausgesandt worden. Zudem habe Al-Qaida-Führer Osama bin Laden die Attentatspläne gutgeheißen.

Die Berichte fallen in eine Zeit vermehrter Sicherheitswarnungen der westlichen Geheimdienste . Erst vor einer Woche hatte US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano erklärt, dass die USA und Europa einer immer größer werdenden Bedrohung von Anschlägen ausgesetzt seien. In Frankreich wiederum warnen die Sicherheitsbehörden seit Wochen vor einer konkreten Terrorgefahr. "Die Bedrohung ist real, unsere Überwachung ist verstärkt", hatte Innenminister Brice Hortefeux kürzlich erklärt. Ob die zweimalige Räumung des Pariser Eiffel-Turms in den vergangenen Wochen mit den Bedrohungen im Zusammenhang stand, war zunächst nicht klar. 

Sky News berichtete, die Größe des jetzigen Komplotts sei entdeckt worden, nachdem die Geheimdienste in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA ihre Informationen ausgetauscht hätten. Das US-Militär habe dann geholfen, die Hintermänner in Pakistan aufzuspüren. Dies erkläre auch die vermehrten Angriffe von US-Drohnen auf pakistanisches Gebiet in den vergangenen Tagen, hieß es. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden ließ mitteilen, man könne zu den Berichten im Augenblick nichts sagen.

Die US-Armee hatte in den vergangenen Tagen vermehrt mutmaßliche Islamisten-Stellungen in Pakistan mit Drohnen angegriffen – in vergangenen Monaten sollen es nach Informationen des Wall Street Journals so viele Attacken gewesen sein wie seit sechs Jahren nicht mehr. Die Angriffe hätten teilweise auch den Planern der Anschläge gegolten, einige von ihnen seien getötet worden, berichtete Sky News. Am Wochenende soll dabei auch der Al-Qaida-Chef für Afghanistan und Pakistan ums Leben gekommen sein .