AfghanistankriegObamas Angst vor dem Vietnam-Trauma

Starreporter Bob Woodward beschreibt Washingtons Streit um die richtige Afghanistan-Strategie. Nächste Woche erscheint sein Buch über eine frustrierende Kriegsdebatte. von 

US-Präsident Barack Obama und sein Vize Joe Biden

Vertraten gegenseitige Positionen in der Debatte um die Afghanistan-Strategie: US-Präsident Barack Obama und sein Vize Joe Biden  |  © JIM WATSON/AFP/Getty Images

Am Ende wird nicht in erster Linie die Wirtschaftslage über Barack Obamas Präsidentschaft entscheiden, sondern der Afghanistan-Krieg. Der Präsident weiß darum und ließ sich deshalb monatelang Zeit mit seiner schwierigen Strategieentscheidung.

Obama ahnt: Schaffen 30.000 zusätzliche US-Soldaten und Zigtausende von Zivilbeamten nicht die Wende, ist der Blutzoll hoch, dann werden die Wähler ihn dafür 2012 abstrafen. Denn dieser Krieg ist jetzt sein Krieg, denn er allein hat die Truppenaufstockung auf Drängen des Verteidigungsministeriums und der Afghanistan-Generäle befohlen.

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Über 100.000 amerikanische Soldaten und rund 40.000 verbündete Militärs kämpfen jetzt am Hindukusch, doch eine Wende ist nicht in Sicht: Schon jetzt sterben Monat für Monat mehr amerikanische Soldaten als zuvor. Die US-Offensiven in Marja und Kandahar stecken fest. Die afghanischen Parlamentswahlen sind gezeichnet von Intrigen und Korruption. Der Aufbau einer afghanischen Polizei und Armee kommt nur sehr schleppend voran. Und Afghanistans Präsident Karzai spielt weiter sein eigenes durchtriebenes Spiel.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der mit Bangen erwartete Bilanzbericht im Dezember keine großen Erfolge der neuen Afghanistan-Strategie verzeichnen wird. Und dass Obamas Versprechen, ab Juli 2011 allmählich mit einem Truppenrückzug zu beginnen, Makulatur sein könnte.

Mehr Soldaten, so verkündete Obama seine neue Strategie, würden mehr Sicherheit nach Afghanistan tragen und darum auch schneller wieder abziehen können. Von Anfang an war dieser Plan umstritten, nicht nur unter seinen engsten zivilen Beratern, sondern ebenso unter obersten Militärs. Hinter verschlossenen Türen lieferten sich die Experten erbitterte Schlachten.

Das ist seit Langem bekannt. Aber wie zerstritten sie waren und wie frustriert, das enthüllt jetzt ein neues Buch von Bob Woodward, dem obersten Enthüllungsjournalisten Amerikas. Woodward erschrieb sich bereits vor knapp 30 Jahren einen Namen, als er Licht in die Watergate-Affäre brachte und akribisch berichtete, wie sehr der damalige republikanische Präsident Richard Nixon und einige seiner engsten Mitarbeiter in diesen Skandal verstrickt waren, der das Land und seine politischen Institutionen schwer erschütterte.

"Obama’s Wars" heißt Woodwards neues Buch, das nächste Woche auf den Markt kommt und schon jetzt Schlagzeilen macht. Die Geschichte des Obama-Feldzugs muss deshalb nicht neu geschrieben werden, wie einige vorschnell schreiben. Aber der Autor öffnet, wie immer, einen Blick hinter die Kulissen, belegt mit Dokumenten, Protokollen und Interviewaufzeichnungen, was man bisher schon vermutet hatte. Und er nennt einige neue Details, wie zum Beispiel eine Gruppe afghanischer Terroristenjäger, einige tausend Männer, die im Auftrag der CIA Al-Qaida-Mitglieder aufstöbern und töten. Bin Laden haben aber auch sie bislang nicht gefunden.

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  • Schlagworte Barack Obama | Bob Woodward | CIA | Militär | Richard Nixon | Afghanistan
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