Westjordanland Der letzte Krieger von DscheninSeite 2/2
Zubeidi meint die internationalen Volontäre, die nach Dschenin kommen, um kulturelle Projekte wie das vom deutschen Filmemacher Marcus Vetter initiierte Cinema Jenin zu unterstützen. Er meint das Freedom Theatre , welches eben auch über die Kultur, den kulturellen Widerstand, eine nationale Identität umreißen soll: "Das ist eines unserer wesentlichen Ziele, an denen wir arbeiten: Eine palästinensische Idee zu bestimmen und zu entwickeln", sagt Zubeidi.
Doch diese Identität ist prekär. Immer wieder spricht Zubeidi von der dritten Intifada als sinnstiftendem Ereignis. Wenn er einen dabei so sonderbar fern anblickt, dann weiß man, das sind nicht die Floskeln eines Politikers oder saturierten Alt-Aktivisten. "Ich habe meine Waffen nicht niedergelegt. Ich benutze sie schlicht nicht mehr", sagt Zubeidi dann und greift dabei beiläufig an sein Pistolenhalfter, das er unter seinem Hemd am Rücken verborgen immer bei sich trägt.
Zubeidi sagt, er trage diese Waffe nicht, um zu töten, sondern um getötet zu werden, sollten israelische Spezialeinheiten ihn einmal doch in Haft nehmen wollen. Man nimmt ihm ab, dass er das ernst gemeint.
In den Augen, den Gesten und dem Ton von Zubeidi findet sich eine eigentümliche Sanftheit, die einfach nicht zu seiner Biografie passen will. Wenn man seinen Blick erwidert, schlägt er oftmals die Augen nieder. Aber nicht verschüchtert oder zaghaft. Es ist, als wenn Zakaria Zubeidi schon längst nicht mehr ganz da wäre, schon halb an einem anderen Ort.
Blickt man in seine Augen dann begegnet einem die ganze Komplexität und das biblische Alter des Nahost-Konfliktes. Und die Sonntagsreden der Politik scheinen sich in der flirrend heißen Luft Dschenins schlicht aufzulösen.
In der vergangenen Woche haben durch die Vermittlung der Amerikaner wieder direkte Gespräche zwischen den Palästinensern und der israelischen Regierung begonnen. Am Tisch saß eine Generation, die überlebt hat und dabei alt geworden ist. Nicht die Zubeidis des bewaffneten Kampfes sprachen und sprechen über die Zwei-Staaten-Lösung, das Rückkehrrecht und Jerusalem als gemeinsame Hauptstadt, sondern der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und sein Regierungschef Salam Fayyad.
Sie sprechen für eine Gemeinschaft, die in Biografie, Zielsetzung und emotionaler Bindung heterogen bis in die äußersten Ränder ist. So different wie die Perspektiven auf den Nahost-Konflikt sind, so unterschiedlich sind sie innerhalb des palästinensischen Volkes selbst.
"Nach der (Zweiten) Intifada begannen die inner-palästinensischen Probleme zwischen Hamas und Fatah. Das ist der wahre Grund, warum ich den bewaffneten Kampf unterbrochen habe" sagt Zubeidi leise: "Man kann die palästinensische Flagge nicht mehr sehen. Alle Flaggen sind grün, gelb oder schwarz: Die Farben der einzelnen Parteien. Die Palästinenser haben diese Partikular-Interessen ständig vor Augen." Ihm gehe es um Einheit. Den Politikern in Ramallah misstraut er dabei: "Wir haben die Opfer gebracht. Dort wird nur geredet", sagt der ehemalige Al-Aksa-Brigaden-Chef.
Die Narben, die Zakaria Zubeidi im Gesicht und am Körper trägt, sind die Wunden des Konfliktes, die ihn zum Mörder, zum Volkshelden, zum letzten Krieger haben werden lassen. Er kann keinen Frieden finden. Er kann von den Israelis nicht als gleichberechtigter Partner akzeptiert werden. Umso abstrakter klingt es wenn Zubeidi sagt, er lade jeden Juden ein, sein Nachbar zu sein: "Wir beanspruchen das ganze Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer. In diesem palästinensischen Staat begrüßen wir alle Religionen. Wir sind das heilige Land für alle drei Religionen." Dazu wird es wohl niemals kommen. Zubeidi weiß das.
Manchmal, wenn er eine Zeit lang schweigt, scheint es, als versinke Zubeidi in der Vergangenheit, als höre er "die im Dunkeln unter dem Fenster entlang marschierenden Truppen", wie Hemingway in A farewell to arms schreibt. Als spüre er das Gewicht und den Rückstoß der Maschinenpistole in seiner Hand. "Die Israelis besetzen unser Land, unsere Kultur und unsere Träume", sagt Zubeidi schließlich. Unruhige Träume müssen das sein.
- Datum 06.09.2010 - 16:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Woher will der Autor eigentlich wissen was die "neue Zeit" eigentlich ist?
Wer prägt die Zukunft in den Köpfen der jungen Palistinänser. Judith Butler oder die Geschichten vom Heldentod? Die Zukunft gehört denen, welche Kinder in die Welt setzen. Zumindest davon gibt es in dieser Weltregion genug...
dass der unbarmherzige Feind weiß, dass sein Staatsfeind Nummer Eins der echte gerechte Frieden ist, und dass für weitere Kriege und Aggressionen -mit der Zeit- seine Begründungen und Ausreden nicht mehr überzeugen werden.
Das Dillema der Palästininser ist, dass sie das genau wissen, aber mit dem Rücken zur Wand stehend, so einem Feind ausgeliefert sind.
zeit.de hat sicherlich schon genug sich wiederholende Debatten zu dem ganzen Thema erlebt.
Und obwohl ihr Username dem schon wiederspricht, bitte ich Sie wenigstens den Versuch zu unternehmen den ganzen Konflikt nicht nur Schwarz-Weiß zu sehen.
Gruß
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Die erste weibliche Terroristin ("palästinensiche Befreungsfront")sitzt heute in Jordanien und sagt öffentlich, dass sie ihre Ansichten keinen Deut geändert hat.
Sie wurde seinerzeit überwältigt, aber mit den Geiseln der anderen drei entführten Flugzeuge freigepresst.
Die erste weibliche Terroristin ("palästinensiche Befreungsfront")sitzt heute in Jordanien und sagt öffentlich, dass sie ihre Ansichten keinen Deut geändert hat.
Sie wurde seinerzeit überwältigt, aber mit den Geiseln der anderen drei entführten Flugzeuge freigepresst.
Die erste weibliche Terroristin ("palästinensiche Befreungsfront")sitzt heute in Jordanien und sagt öffentlich, dass sie ihre Ansichten keinen Deut geändert hat.
Sie wurde seinerzeit überwältigt, aber mit den Geiseln der anderen drei entführten Flugzeuge freigepresst.
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