AfghanistanMit Iris-Scans den Aufstand bekämpfen

Die US-Armee nimmt in den umkämpften Regionen Afghanistans biometrische Daten der Einheimischen auf. Man will damit die Aufständischen abschotten.

Ein Iris-Scanner der US-Armee im Einsatz: Im Dand-District in der besonders umkämpften Kriegsprovinz Kandahar, Juni 2010

Ein Iris-Scanner der US-Armee im Einsatz: Im Dand-District in der besonders umkämpften Kriegsprovinz Kandahar, Juni 2010

Mit nach westlichen Maßstäben umstrittenen Methoden versucht die US-Armee in Afghanistan verdächtige Aufständische zu identifizieren: In den vom Krieg am stärksten betroffenen Regionen im Osten und Süden des Landes sammelt sie im großen Stil biometrische Daten. Nach einem Bericht des britischen Guardian hat dabei die Regierung in Kabul wenig Mitsprache .

Für das Projekt wurden US-Soldaten mit Handlesegeräten ausgerüstet, die mit einer Kamera für den Iris-Scan und einem elektronische Pad zur Aufnahme der Fingerabdrücke bestückt sind. Die gesammelten Daten werden anschließend beispielsweise mit einer Datenbank der Spurensicherung des US-Militärs abgeglichen. Dort sind Hunderttausende Fingerabdrücke gespeichert, die Aufständische an Waffen, dem Klebeband selbstgebauter Bomben oder Überweisungsbelegen hinterlassen haben.

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Die US-Armee hofft, mit den biometrischen Daten zudem Wanderungsbewegungen in den Aufstandsgebieten zu registrieren. Man könne erkennen, ob Gruppen neu in ein Gebiet gekommen seien und deshalb möglicherweise eine Bedrohung darstellen, sagte ein Verantwortlicher der US-Task-Force Biometrics im Guardian . Hunderte Verdächtige seien laut US-Militär durch diese Methoden schon identifiziert und festgenommen worden. Daten von rund 800.000 Afghanen wurden bereits aufgenommen, zusätzlich hat das afghanische Innenministerium eine Datenbank mit 250.000 Datensätzen angelegt. Auf Seiten des US-Militärs werden die Daten von der Biometrics Identity Management Agency verwaltet, also außerhalb der Kontrolle der afghanischen Regierung.

Es ist nicht das erste Mal, dass von Afghanen im großen Stil biometrischen Daten gesammelt wurden. 2003 führte das Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) Iris-Scans von Afghanen durch, die aus Pakistan in die Heimat zurückkehren und dabei die Unterstützung des UNHCR in Anspruch nehmen wollten. Die Flüchtlinge mussten sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet das Auge fotografieren lassen, damit sich prüfen ließ, wer bereits UNHCR-Hilfspakete bekommen hatte.

Das größte Biometrie-Projekt der Region – und gleichzeitig der ganzen Welt – findet zurzeit in Indien statt . Seit April dieses Jahres läuft hier die Volkszählung 2011 , bei der die biometrischen Daten aller 1,2 Milliarden Inder verpflichtend erfasst werden, inklusive Religion und Kaste. Dabei soll jedem Inder eine Identifikationsnummer zugeteilt werden, mit der er auch einen Ausweis bekommen kann. An dem gigantischen Projekt ist in Indien viel Kritik laut geworden, man befürchtet, dass Politik und Wirtschaft die Daten für sich nutzen wollen und das der Staat zu sehr in das Leben der Inder eingreifen kann.

Datenschutzfragen sind dagegen im vom Krieg geschundenen Vielvölkerstaat Afghanistan noch kaum ein Thema, viel zu groß sind die Probleme des täglichen Lebens. Dabei verspricht sich die US-Armee gerade von der Aufnahme biometrischer Daten eine Verbesserung der Situation, denn es ermöglicht die Trennung der Aufständischen von der Zivilbevölkerung . Erprobt wurde das bereits ausführlich in den umkämpften Vierteln der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die afghanische Regierung will zudem 2013 für alle Erwachsenen biometrische Ausweise einführen. Damit könnte dann auch der massive Wahlbetrug eingeschränkt werden, der die vergangenen zwei Wahlen bestimmt hat. Das allerdings könnte auch die Regierungsfraktion von Präsident Karsai treffen, gehörte die doch selbst zu den großen Wahlfälschern.

 
Leser-Kommentare
    • kaleb
    • 28.10.2010 um 18:39 Uhr

    [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    • kaleb
    • 28.10.2010 um 19:04 Uhr

    War ich das nicht?

    • kaleb
    • 28.10.2010 um 19:51 Uhr

    Auf youtube gibt es zu ähnlichen Themen verschiedene Kommentatoren, die behaupten, es gehe bei der Biometrie auf lange Sicht um die Zahl des Tieres 666 in der Offenbarung des Johannes. Man kann jeden Fingerabdruck der HAND und jede Iris unter der STIRN mit einem Barcode versehen. Dieser hat immer drei verlängerte Balken mit der Nummer 6.
    Offb 13,16 - 18:" Und es macht, dass sie allesamt...sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn...und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.13,18: Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist 666."

    • WiKa
    • 28.10.2010 um 20:00 Uhr

    …dann die Heimatfront. Also ich halte die Sache auch für sehr bedenklich, aber man kann natürlich in solchen „Kriegen“, oder doch Aufstandsbekämpfung, schon einmal das erproben was später auch in heimischen Landen den Leuten frommen könnte.

    Naja, bis zu einem gewissen Grade wird ja auch die deutsche Bevölkerung mit den Ausweisen jetzt flächendeckend erkennungsdienstlich behandelt … der spätere Vergleich mit an anderen Stellen gesammelten Daten ist dann nur noch ein Mausklick weit entfernt … ja sicher, der anständige Bürger hat ja nichts zu befürchten … geht ja nur um Schurken.

    Und was Afghanistan anbelangt würde ich auch mal nach der rechtlichen Grundlage fragen. Wird es dort aufgrund des Besatzungsrechts gemacht oder einfach nur weil die Amerikaner dort Spaß daran haben?

    Wenn allerdings mir hier beim Lesen solcher Darstellungen übel wird, wie muss es dann den Afghanen ergehen? Ich bin mir sicher, all diese Verhaltensweisen und der nicht enden wollende Krieg dort führt nur zu einem, zu weiteren Eskalation, zu weiteren Toten und mit Sicherheit zu vermehrtem Terror, denn sowas hält kein Volk ewig aus.

    http://qpress.de/2010/10/...

  1. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/er

    • Lutz2
    • 29.10.2010 um 0:08 Uhr

    Unfassbar was da abgeht und demnächst dann nach Test in Afghanistan bei uns auch eingeführt wird !!
    Natürlich alles im Namen der Sicherheit und des Volkes.
    Wie kann man sich als angeblicher Befreier so in einem Land aufspielen und die Würde,Freiheit und Selbstbestimmung dieses Landes mit Füßen treten.
    Der Westen hat dort ethisch,moralisch und menschlich absolut total versagt.
    Dieser Krieg ist ein 10-jähriges Desaster ohne Ende und eine Schande.

  2. Die Vorbereitungen für die allumfassende Überwchung von Bürgern auf diesem Planeten ist also endgültig angelaufen.Das wird das Ende der uns bisher bekannten Kultur sein.Wer die Daten hat hat die Macht.Demokratie,eigenverantwortliches Leben in Freiheit und Würde sind bald Vergangenheit.Ich habe mir vorgenommen das Leben noch einmal voll auszuleben bevor die Datenpiranhas uns alle auffressen.

    • LepCot
    • 29.10.2010 um 13:15 Uhr

    Datenschutz und Vorratsdatenspeicherung sind ja auch die dringendsten Probleme Afghanistans. Nein, lieber sterben noch mehr Soldaten und Zivilisten durch Anschläge, Hauptsache der Datenschutz bleibt gewahrt. oO

    *Sarkasmus on* Und das ist auch der geheime Plan von Guttenberg, erst baut er die Armee für den asymmetrischen Kampf um und schafft Doppelstrukturen ab, testet das Ganze in AFG, um dann als nächster Kanzler das Vierte Reich zu etablieren.*Sarkasmus off*

    Manche sollten echt weniger Verschwörungstheorien lesen.

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