Der afghanische Friedensrat hat die Nato dazu aufgerufen, ihre Militäreinsätze in den Gebieten zu stoppen, in denen die radikalislamischen Taliban zu Gesprächen mit der Regierung in Kabul bereit sind. Die Unterstützung der Nato im Friedensprozess sei "unerlässlich", sagte der Generalsekretär des Rates, Mahsum Staniksai. Die internationalen Truppen müssten ihre Einsätze dort aussetzen, wo die "lokale Opposition" bereit zu Verhandlungen sei. Der afghanische Friedensrat soll im Auftrag von Präsident Hamid Karsai Friedensgespräche mit den Taliban vorbereiten.

Am Vortag hatten die Taliban Äußerungen Karsais zurückgewiesen, wonach die Regierung in Kabul schon länger geheime Gespräche mit den Aufständischen führt. Sie erklärten den Abzug der Nato-Truppen zur Vorbedingung für Verhandlungen. Karsai hatte zuvor gesagt, dass Gespräche mit Taliban-Vertretern bereits "seit einiger Zeit" liefen.

Der afghanische Präsident folgt – unterstützt von der internationalen Gemeinschaft – einem Versöhnungsplan, der sich auch an Taliban richtet, die der Gewalt abschwören.

Die USA spielen laut Medienberichten eine aktive Rolle bei den Bemühungen der afghanischen Regierung um einen Friedenspakt. US-geführte Nato-Truppen hätten dafür gesorgt, dass hochrangige Taliban-Vertreter zu Vorgesprächen mit der Regierung nach Kabul gelangen könnten, berichteten die New York Times und das Wall Street Journal .

US-Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Robert Gates verteidigten nach einem Nato-Treffen in Brüssel das afghanische Vorhaben einer "nationalen Aussöhnung". "Wir haben immer anerkannt, dass Aussöhnung letztlich ein Teil der Lösung sein muss. Und wir werden tun, was wir können, um diesen Prozess zu unterstützen", sagte Gates. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sicherte Unterstützung zu. "Unsere Position ist: Wenn wir den Aussöhnungsprozess durch praktische Hilfe erleichtern können – warum nicht? Wenn wir eine Anforderung bekommen, und wir praktisch behilflich sein können, dann sind wir bereit, das zu tun."

Bei Bombenanschlägen in verschiedenen Teilen Afghanistans starben am Donnerstag sieben Isaf-Soldaten. Die Angehörigen der Nato-geführten Truppe seien drei Anschlägen im Westen, Osten und Süden des Landes zum Opfer gefallen, teilte das Bündnis mit. Die Bundeswehr-Soldaten sind vor allem im Norden des Landes stationiert.

Damit steigt die Zahl der in den vergangenen zwei Tagen bei Anschlägen getöteten ausländischen Soldaten auf dreizehn. Vor einer Woche hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf eine deutsche Patrouille einen Bundeswehrsoldaten getötet. Nach dem Sturz der Taliban Ende 2001 sind mehr als 2000 ausländische Soldaten getötet worden, über die Hälfte von ihnen allein in den vergangenen zwei Jahren.