Die Demokratiebestrebungen in Afghanistan erleiden einen neuen Rückschlag : Nach der Präsidentschaftswahl im Jahr 2009 gibt es nun auch bei der Parlamentswahl vom 18. September starke Hinweise für Wahlbetrug . Nach Angaben der Wahlkommission werden etwa 1,3 Millionen der insgesamt 5,6 Millionen abgegebenen Stimmen für die endgültige Auswertung nicht gewertet. Von den etwa 18.000 Wahllokalen wurden demnach Stimmzettel aus 2500 Lokalen nicht berücksichtigt.

Schon einen Tag nach der Abstimmung zur afghanischen Volksvertretung Wolesi Dschirga – ein wichtiger Test für die Stabilisierung des Landes – gab es Berichte über Stimmenkäufe, mehrfacher Stimmabgabe und anderen Unregelmäßigkeiten. Die von den UN unterstützte Beschwerdestelle EEC übermittelte mehr als 4600 Eingaben gegen die Wahl, die darüber hinaus von Gewalt der radikal-islamischen Taliban begleitet worden war.

Bevor ein Endergebnis verkündet werden kann, müssen erst diese Protestnoten geprüft werden. Bis wann dies der Fall sein wird, konnte die Wahlkommission nicht sagen. Bereits die Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse wurde immer wieder verschoben. Der von der Wahlkommission ursprünglich angedachte Terminplan – am 9. Oktober die vorläufigen und am 30. Oktober dann die endgültigen Ergebnisse vorzulegen – ist längst Makulatur.

Deren Vorsitzender, Fazel Ahmad Manawi, nannte dennoch vorläufige Gewinner der Parlamentswahl , betonte aber das Provisorium dieser Liste, "die sich ändern kann, wenn die endgültige und bestätigte Liste verkündet wird". Nach den vorläufigen Ergebnissen wurden 69 Frauen ins Unterhaus gewählt und haben damit einen Sitz mehr, als ihnen die Verfassung garantiert.

Bei der Abstimmung bewarben sich mehr als 2500 Kandidaten – darunter mehr als 400 Frauen – um die 249 Sitze im Unterhaus. Die Wähler vergaben ihre Stimme nicht an Parteien, sondern an einzelne Abgeordnete, die einem politischen Lager nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Daher war zunächst auch unklar, ob das Lager des afghanischen Präsidenten  Hamid Karsai künftig eine Mehrheit in der Volksvertretung haben wird.

Bereits die Präsidentschaftswahl 2009 war von massivem Betrug überschattet worden, den unabhängige Wahlbeobachter vor allem dem Lager Karsais angelastet hatten. Zwischen Karsai und der internationalen Gemeinschaft war es daraufhin zu schweren Spannungen gekommen. Karsais Herausforderer Abdullah Abdullah hatte sich aus der Stichwahl zurückgezogen , weil er auch bei im zweiten Wahlgang Betrug des Präsidentenlagers befürchtete.