Chinesischer Soldat in der Großen Halle in Peking: Die Regierung reagiert mit Empörung - und mit Zensur © Feng Li/Getty Images

Die Vergabe des Friedensnobelpreises hat ein diplomatisches Nachspiel: Norwegens Außenministerium in Oslo hat die Einbestellung seines Botschafters in China durch das dortige Außenamt bestätigt. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Zuvor hatte Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg Liu Xiaobo zum Nobelpreis gratuliert, direkte Kritik an Peking aber vermieden. Vertreter des Pekinger Außenministeriums hatten zuvor in Oslo mit einer Verschlechterung der Beziehungen gedroht, falls Liu oder ein anderer Oppositioneller aus China den Friedensnobelpreis bekommen sollte.

Medienberichten zufolge reagierte die Regierung in Peking zudem mit einer breit angelegten Zensur von Netzinhalten. Die New York Times berichtet , dass sämtliche Schlagzeilen über die Preisverleihung von den Nachrichtenseiten des Landes verschwunden seien. Offenbar liefert die größte Suchmaschine Chinas, Baidu, seit dem Mittag keine Ergebnisse mehr zum Suchbegriff "Liu Xiaobo" – mit Ausnahme von zwei Stellungnahmen des Außenministeriums. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Die Frau von Liu Xiaobo, Liu Xia, hatte bereits vor der Preisverleihung in einem Reuters-Interview gewarnt, die Kommunistische Partei Chinas werde alle "Arten von Methoden nutzen, um den Preis zu verhindern oder irgendetwas anderes, das der Partei schaden könnte". Liu Xiaobo wurde im vergangenen Jahr inhaftiert und verbüßt derzeit eine elfjährige Haftstrafe. Ihm wird zur Last gelegt, Hauptverfasser der Charta 08 zu sein – einem Manifest chinesischer Intellektueller und Bürgerrechtler, in dem Redefreiheit und freie Wahlen gefordert werden.

Amerikas Präsident Barack Obama forderte China auf, Liu Xiaobo so schnell wie möglich aus dem Gefängnis zu entlassen. China habe in den vergangenen 30 Jahren dramatische Fortschritte bei Wirtschaftsreformen und der Verbesserung des Lebensstandards von Millionen Menschen gemacht, sagte er. Die Auszeichnung für Liu zeige jedoch, dass politische Reformen mit denen in der Wirtschaft nicht Schritt gehalten hätten und die grundlegenden Menschenrechte respektiert werden müssten.

Auch der frühere tschechische Präsident Václav Havel, der Liu selbst nominiert hatte, begrüßte die Entscheidung des Nobelkomitees, das es ungeachtet der Warnungen aus Peking abgelehnt habe, ökonomische Interessen über die Menschenrechte zu stellen. Er bezeichnete Liu als "Prototyp eines engagierten Bürgers, dem ein solcher Preis gebührt".