Massenproteste Wieder protestieren Franzosen landesweit gegen Rentenreform

Die Franzosen gehen für die Rente mit 60 auf die Straße, bis zu drei Millionen werden aus Protest streiken. Derweil hat Sarkozys Rentenreform eine Hürde im Senat genommen.

In Frankreich sollen die Proteste gegen die umstrittene Rentenreform von Präsident Nicolas Sarkozy an diesem Dienstag einen neuen Höhepunkt erreichen. Die Gewerkschaften hoffen auf mehr als drei Millionen Teilnehmer an landesweit rund 244 Veranstaltungen.

Erstmals sind manche Streikaktionen nicht von vornherein zeitlich befristet. Im Nah- und Fernverkehr der Bahnen sind erhebliche Störungen zu erwarten. Auch der Flugverkehr wird wegen der Arbeitsniederlegungen beeinträchtigt sein. Am Flughafen Orly sollen die Hälfte der Flüge ausfallen, am Flughafen Charles de Gaulle-Roissy rund ein Drittel. Zudem werde auf den Bahngleisen in Frankreich nur jeder dritte Hochgeschwindigkeitszug TGV ausfahren können, teilten die Gewerkschaften weiter mit. Auch Lehrer, Lastwagenfahrer und Postmitarbeiter hatten angekündigt, sich zu beteiligen. 

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Diesmal könnten die Streiks sogar noch ausgeweitet werden, denn in verschiedenen Bereichen, darunter bei der Bahn, wurden Abstimmungen zur Verlängerung der Streiks ab Mittwoch angesetzt. Die Gewerkschaften riefen zudem Schüler und Studenten auf, sich an den Protesten zu beteiligen. Arbeitsminister Eric Woerth kritisierte dies als "vollkommen unverantwortlich". Für Samstag sind weitere Demonstrationen geplant.

Die Gewerkschaften wollen mit der erneuten Streikwelle noch Zugeständnisse in Einzelpunkten der Rentenreform erzwingen. Am Montag hatte das Reformwerk eine wichtige Hürde im Senat genommen. Die Kammer hatte mehrheitlich dafür gestimmt, volle Rentenbezüge erst ab 67 statt wie bisher mit 65 Jahren auszuzahlen. Dies ist einer der beiden Kernpunkte von Sarkozys Vorhaben, das zur Sanierung der Staatsfinanzen beitragen soll. Ende vergangener Woche hatte der Senat bereits die Anhebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre gebilligt. Dagegen laufen die Gewerkschaften seit Monaten mit Streiks und Straßenprotesten Sturm.

"Wir sind nicht hier, um zu tun, was leicht ist, wir haben nicht immer die Zustimmung des Volkes", sagte Arbeitsminister Woerth vor dem Senat. Präsident Sarkozy machte deutlich, dass die Reform ungeachtet der Streiks durchgesetzt werden wird.

Einer Umfrage zufolge unterstützen mit 69 Prozent mehr als zwei Drittel der Franzosen den Streik. 61 Prozent sprachen sich für länger währende Protestaktionen aus. Laut einer Ifop-Umfrage für die Zeitung France-Soir vertrauen derzeit 53 Prozent der Franzosen den Gewerkschaften. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als bei einer ähnlichen Umfrage im Juni.
 

 
Leser-Kommentare
  1. 1. ~ 1113

    Wem geht es nicht so - jedes Mal, wenn ich dies von unserem direkten Nachbarland höre, fühle ich mich wie in eine andere Welt versetzt. In Deutschland sind Streiks ein Problem, das Demonstrationsrecht wird gar schon in Frage gestellt und praktisch niemand wehrte sich gegen eine Anhebung des Renteneintrittalters von 65 auf 67 und auch nicht gegen die Stimmen, denen all das nicht weit genug ging (wobei die Stimminhaber seltsamerweise nie von einer Rente in diesem Sinne betroffen wären...).

    Das ist schon eigenartig, aber für mich nicht wirklich überraschend. Seit 14 Jahren rede ich von einem in unserem Land stattfindenden Spiel, dass im Interesse Dritter die Menschen in Gruppen aufteilt und gegen einander aufhetzt. Bei uns geht es eben um Jung gegen Alt, Rentner gegen Arbeitslose oder Ähnliches. Dafür hat man gesorgt und Nachschub wird beständig geliefert durch Gesundheitsreform, ALG - Neuberechnung und eine mutwillige Integrationsdebatte, die gar nicht geführt wird, sondern nur benutzt, um die Gräben zwischen den Gruppen noch zu vertiefen.

    Unsere Führer wie Merkel, Hundt oder Grube freuen sich. Die Kultur, die den Aufstieg der Nazis ermöglichte, ist wohl immer noch in uns Deutschen. Sündenböcke finden, drauf schlagen und ansonsten eher treu alles mitmachen, was man anordnet. Und was ist S21 gegen Millionen im Generalstreik?

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    Die Franzosen stürmen die Bastille und bestellen ihre Felder mit den Blut der Erschlagenen (gemeint ist damals der Adel (Marseillase),auf die heutige Zeit übertragen ist wohl der Beamten- und der Geldadel gemeint) und die Deutschen? Neben den berühmt-berüchtigten Klischees der Ordnungsliebe und dem Obrigkeitsgehorsam kommt ein dritte Unart hinzu:Dass in Zeiten der Bedrängnis nicht die Paläste gestürmt werden sondern nach unten ausgetreten wird,wie es an der Sarrazin- und der Seehofer-Debatte ja ersichtlich ist.Eigentlich sind die türkisch-arabische Problemfälle ein Unterschichtenproblem.

    Die Franzosen stürmen die Bastille und bestellen ihre Felder mit den Blut der Erschlagenen (gemeint ist damals der Adel (Marseillase),auf die heutige Zeit übertragen ist wohl der Beamten- und der Geldadel gemeint) und die Deutschen? Neben den berühmt-berüchtigten Klischees der Ordnungsliebe und dem Obrigkeitsgehorsam kommt ein dritte Unart hinzu:Dass in Zeiten der Bedrängnis nicht die Paläste gestürmt werden sondern nach unten ausgetreten wird,wie es an der Sarrazin- und der Seehofer-Debatte ja ersichtlich ist.Eigentlich sind die türkisch-arabische Problemfälle ein Unterschichtenproblem.

    • Harzer
    • 12.10.2010 um 10:18 Uhr

    Wahr gesprochen.

    Wer sich aber nicht wirkungsvoll wehrt, wird in kleinen Schritten immer mehr über den Tisch gezogen.

    Sind unsere Schmerzgrenzen noch nicht erreicht?
    Geht es uns noch zu wenig schlecht?

  2. .
    wir treu dem Kaiser gedient und haben dafür geblutet.

    Dann schlug das Pendel in politische Freiheit und Weimarer Verhältnisse aus und kreiste dann in Verblendung und noch mehr Blut!

    Die Deutschen sind gebrannte Kinder mit einem berechtigten, gesunden Misstrauen gegen die politische Führung (noch mehr in den neuen Bundesländern).

    In Frankreich gehörte der Staat nach der Revolution dem Volk, in Deutschland dem Establishment.

    Dem gemeinen Bürger bleibt da meist nur ein Gefühl der Machtlosigkeit und die innere Kündigung.

  3. damit die meisten sich schon gar nicht hintrauen. das hat man schön in Stuttgart, aber auch früher in Rostock sehen können.
    Die Regierung schreckt nicht davor zurück, normale Bürger sofort zu kriminaliseren, sofern ihre Interessen beschädigt werden. Solche polizeilichen Übergriffe wurden uns früher mit Fernsehbildern aus der DDR und Russland als Ausdruck von Diktatur gezeigt.
    So etwas ist in Frankreich einfach unmöglich. Franzosen sind Bürger, Deutsche sind Leibeigene, die dem jeweiligen "König" dienen.
    Stuutgart 21 ist allerdings ein Hoffnungsschimmer!

  4. Hier in Frankreich wird gerne und oft gestreikt. Mal sind es die Lehrer, mal die Ärzte, mal die Bahn, mal die Piloten. Das geht genau so schnell vorbei, wie es gekommen ist. Die beiden grössten Gewerkschaften CGT und die CFDT bringen zusammen nicht einmal mehr 100.000 Menschen auf die Strassen. Und das sind meistens ihre eigenen Funktionaire. Deutsche Journalisten machen daraus gerne den Untergang des Abendlandes. Wenn die Fernfahrer, wie jedes Jahr im Herbst streiken, dann weiss der Franzose das schon lange vorher und richtet sich darauf ein: er tankt sein Auto nocheinmal voll, füllt seinen Kühlschrank auf und bastelt eine Woche an seinem Häuschen herum. "Höhere Gewalt!" ruft er seinem Chef zu und bleibt zu Hause. Köstlich wird es, wenn die Polizisten streiken, dann gibt es regelmässig eine riesige Schlägerei mit der Bereitschaftspolizei CRS, in Frankreich auch "Schnauzenpolierer" genannt. Der Franzose ist renitent und neigt zum Widerspruch. Der eigentliche Grund für einen Streik ist ihm meist egal, Hauptsache es geht gegen den Staat. In Deutschland wird zwar viel gejammert, aber Streiks sind selten. Da sitzen ja auch die Bosse der Gewerkschaften bei den Arbeitgebern in den Aufsichtsräten und zwängen sich nur ungern aus ihren Limousinen. Heute ist Streik in Frankreich, morgen ist alles wieder beim alten. Die Rentenreform wurde mit grosser Mehrheit durch das Parlament gebracht, der Senat hat gestern zugestimmt. Also, was soll der Streik noch? La messe est lu! Vive la France!

  5. .
    Unterschiede deutlich auf!

    Die Deutschen werden das beneidenswerte Lebensgefühl nie erreichen, es sei denn sie knüpfen auch mal eine Regierung auf.

    Lust dazu empfindet man schon manchmal!

    Aber dann gehen wir wieder in die Wahlkabine und entscheiden uns zwischen Skylla und Charybdis, zwischen Pest und Cholera, zwischen Drachen und Apokalyptischen Reitern.

    Aus Wut entziehen wir dann noch 72,50 € an Steuern und schimpfen auf Migranten und Hartz4-Empfänger!

    Typisch Deutsch eben!

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    Wir Franzosen könnten Ihnen ja auch noch unsere guillotine leihen, die uns bei der französischen Revolution gute Dienste erwiesen hat. ( War nur ein Scherz! ) Die Deutschen sollten das Problem anders lösen und zwar durch eine seit dem Jahre 1989 überfällige neue Verfassung, die dem ganzen deutschen Volk zur Abstimmung vorgelegt werden muss. Dabei sollten die Listenplätze der Parteien abgeschafft und nur noch Direktmandate zugelassen werden. Der Bundestag darf nur noch so gross sein, wie die Wahlbeteiligung war. Existenzielle Fragen m ü s s e n durch Volksentscheide gelöst werden. Dann gäbe es kein Stuttgart 21, keine AKW-Laufzeitverlängerungen, kein Afghanistan-Krieg und kein OB Sauerland in Duisburg mehr! Wenn das Demokratiedefizit in Deutschland beseitigt wird, hört auch die Politikverdrossenheit auf. Und schliesslich muss der deutsche Staat an Haupt und Gliedern verschlankt werden.

    Wir Franzosen könnten Ihnen ja auch noch unsere guillotine leihen, die uns bei der französischen Revolution gute Dienste erwiesen hat. ( War nur ein Scherz! ) Die Deutschen sollten das Problem anders lösen und zwar durch eine seit dem Jahre 1989 überfällige neue Verfassung, die dem ganzen deutschen Volk zur Abstimmung vorgelegt werden muss. Dabei sollten die Listenplätze der Parteien abgeschafft und nur noch Direktmandate zugelassen werden. Der Bundestag darf nur noch so gross sein, wie die Wahlbeteiligung war. Existenzielle Fragen m ü s s e n durch Volksentscheide gelöst werden. Dann gäbe es kein Stuttgart 21, keine AKW-Laufzeitverlängerungen, kein Afghanistan-Krieg und kein OB Sauerland in Duisburg mehr! Wenn das Demokratiedefizit in Deutschland beseitigt wird, hört auch die Politikverdrossenheit auf. Und schliesslich muss der deutsche Staat an Haupt und Gliedern verschlankt werden.

  6. Wir Franzosen könnten Ihnen ja auch noch unsere guillotine leihen, die uns bei der französischen Revolution gute Dienste erwiesen hat. ( War nur ein Scherz! ) Die Deutschen sollten das Problem anders lösen und zwar durch eine seit dem Jahre 1989 überfällige neue Verfassung, die dem ganzen deutschen Volk zur Abstimmung vorgelegt werden muss. Dabei sollten die Listenplätze der Parteien abgeschafft und nur noch Direktmandate zugelassen werden. Der Bundestag darf nur noch so gross sein, wie die Wahlbeteiligung war. Existenzielle Fragen m ü s s e n durch Volksentscheide gelöst werden. Dann gäbe es kein Stuttgart 21, keine AKW-Laufzeitverlängerungen, kein Afghanistan-Krieg und kein OB Sauerland in Duisburg mehr! Wenn das Demokratiedefizit in Deutschland beseitigt wird, hört auch die Politikverdrossenheit auf. Und schliesslich muss der deutsche Staat an Haupt und Gliedern verschlankt werden.

  7. Die Franzosen stürmen die Bastille und bestellen ihre Felder mit den Blut der Erschlagenen (gemeint ist damals der Adel (Marseillase),auf die heutige Zeit übertragen ist wohl der Beamten- und der Geldadel gemeint) und die Deutschen? Neben den berühmt-berüchtigten Klischees der Ordnungsliebe und dem Obrigkeitsgehorsam kommt ein dritte Unart hinzu:Dass in Zeiten der Bedrängnis nicht die Paläste gestürmt werden sondern nach unten ausgetreten wird,wie es an der Sarrazin- und der Seehofer-Debatte ja ersichtlich ist.Eigentlich sind die türkisch-arabische Problemfälle ein Unterschichtenproblem.

    Antwort auf "~ 1113"

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