Die britische Regierung legt am Mittwoch dem Parlament die härtesten Haushaltskürzungen der Nachkriegsgeschichte vor. Der konservative Premierminister David Cameron will in den nächsten vier Jahren 83 Milliarden Pfund (94 Milliarden Euro) einsparen. So soll das massive Haushaltsdefizit von mehr als zehn Prozent bekämpft werden.

Der Rüstungsetat kommt mit Einschnitten von acht Prozent vergleichsweise glimpflich davon. Im Sozialhaushalt, bei Polizei, Justiz und Kultur werden weitaus drastischere Einbußen erwartet. Im Durchschnitt erwarten die Ministerien Budgetkürzungen in Höhe von 25 bis 40 Prozent. Schatzkanzler George Osborne stellt die kompletten Sparpläne für den Gesamthaushalt am Mittwoch vor. 

Die Opposition mit Labour-Chef Ed Miliband an der Spitze verlangt vorsichtigere Kürzungen. Auch Wirtschaftsexperten haben Angst, dass die Rotstift-Politik den Aufschwung gefährden könnte.

Miliband kritisierte, die Regierung betreibe ein unverantwortliches Spiel mit der britischen Wirtschaft. Es gäbe Alternativen: "Die Regierung soll einen Plan erarbeiten, um das Staatsdefizit zu reduzieren. Aber sie soll auch Jobs und das Wirtschaftswachstum unseres Landes sichern." 

Medienberichten zufolge sollen etwa 500.000 Jobs im öffentlichen Dienst bis 2015 gestrichen werden. Am Dienstag wurde bereits bekannt, dass das Budget des Verteidigungsministeriums ums acht Prozent gekürzt wird. Großbritannien will seine Streitkräfte um 17.000 Mann verringern. Die Landstreitkräfte werden demnach um 7000 auf 95.500 reduziert, bei der Marine und der Luftwaffe fallen jeweils 5000 Posten weg. Zudem werden die Flugzeugträger vom Typ HMS Ark Royal unverzüglich außer Dienst gestellt, obwohl die neue Generation der Flugzeugträger erst 2020 zum Einsatz kommen soll. Bis 2020 sollen auch alle 20.000 noch in Deutschland stationierten Soldaten abgezogen werden, kündigte Premierminister David Cameron an. Durch die massiven Kürzungen beim Militär, stehen auch die Einsätze der britischen Armee im Irak zur Diskussion

Seit Monaten wird über die drastischen Kürzungen in Großbritannien diskutiert. Unter anderem werden Sparmaßnahmen bei den Universitäten und Schulen , dem sozialen Wohnungsbau und bei Sozialleistungen erwartet.

Bereits am Dienstag demonstrierten mehrere tausend Menschen in London gegen die Pläne. "Brecht Großbritannien nicht auseinander!", stand auf einem Plakat.

Camerons seit Mai amtierende liberal-konservative Regierung will das Defizit des britischen Staatshaushalts in den kommenden fünf Jahren von 10,1 Prozent auf 1,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes senken.