Russland forderte den Irak auf, die Todesstrafe gegen den früheren Außenminister Tarik Asis aus humanitären Gründen nicht zu vollstrecken. Das russische Außenministerium verwies zudem auf Gesundheitsprobleme und auf das fortgeschrittene Alter des 1936 geborenen Asis.

Auch der Vatikan setzte sich für den früheren irakischen Spitzenpolitiker ein. Das Leben des 74-jährigen Politikers müsse verschont werden, um "die Versöhnung und die Wiederherstellung von Frieden und Gerechtigkeit im Irak" zu unterstützen, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Asis hatte sich 2003 den US-Invasionstruppen ergeben, die ihn der irakischen Justiz überstellten.

Das Oberste Gericht des Golfstaates hatte ihn am Dienstag wegen der Verfolgung islamischer Parteien während der Saddam-Diktatur für schuldig befunden. In dem nun beendeten Prozess ging es um die zahlreichen Todesurteile, die nach 1980 gegen viele Mitglieder der Dawa-Partei verhängt worden waren. Der Dawa-Partei gehört auch der amtierende Ministerpräsident Nuri al-Maliki an.

Dem 74 Jahre alten Asis geht es gesundheitlich schlecht. Er war im vergangenen Januar in einem US-Militärkrankenhaus behandelt worden. Er sitzt laut letzter Informationen in einem Gefängnis im Bagdader Schiiten-Vorort Kadhemija. Asis war in zwei anderen Prozessen, in denen es um seine Rolle bei der Hinrichtung von irakischen Händlern und bei der Vertreibung der Kurden ging, bereits zu insgesamt 22 Jahren Haft verurteilt worden. In einem weiteren Verfahren wegen der brutalen Niederschlagung eines Schiiten-Aufstands hatte ihn das Gericht dagegen freigesprochen.

Asis war der einzige Christ im Umfeld des irakischen Machthabers Saddam Hussein. Eine Zeit lang gehörte er dem engsten Kreis des Diktators an. Er soll jedoch in den letzten Jahren vor dem Sturz des Regimes keine tragende Rolle mehr gespielt haben. Als dessen Außenminister wurde er im Februar 2003 von Papst Johannes Paul II. empfangen, den er bat, sich gegen die drohende Invasion der US-Armee im Irak einzusetzen.