Verbotenes Interview Zwei deutsche Journalisten in Iran festgenommen

Die iranische Justiz hat nach eigenen Angaben deutsche Reporter festgenommen. Grund ist ein Interview mit der Familie einer wegen Ehebruchs zum Tode verurteilten Frau.

Französische Feministinnen demonstrieren für die zum Tod durch Steinigung verurteilte Sakineh Mohammadi-Ashtiani

Französische Feministinnen demonstrieren für die zum Tod durch Steinigung verurteilte Sakineh Mohammadi-Ashtiani

In Iran sitzen zwei deutsche Journalisten in Haft. Dies bestätigte der Oberstaatsanwalt und Sprecher der iranischen Justiz, Gholam Hossein Mohseni Edscheie, örtlichen Medien. Die beiden Ausländer hätten versucht, mit dem Sohn von Sakineh Mohammadi Ashtiani ein Interview zu führen, jener Iranerin, die zum Tod durch Steinigung verurteilt worden war. Berichten zufolge sollen die beiden Deutschen für das Interview keine amtliche Akkreditierung gehabt haben. Sie seien stattdessen als Touristen ins Land gekommen und dann in die Stadt Täbris im Nordwesten des Landes weitergereist.

Die Identität der Journalisten, die nach Aussage Edscheies bis zur Klärung der Angelegenheit in Haft bleiben müssten, ist noch unklar. Nach inoffiziellen iranischen Angaben soll es sich um einen Reporter und einen Fotografen handeln, die im Auftrag eines deutschen Printmediums arbeiten. Aus mehreren Quellen verlautete, es handelt sich dabei um die Bild am Sonntag . Ein Sprecher des Springer-Konzerns, zu der die Zeitung gehört, sagte jedoch, über eine Festnahme von Mitarbeitern sei nichts bekannt.

Anzeige

Die Angabe über die Festnahme wurde von der Organisation "Internationales Komitee gegen die Steinigung" bestätigt. Mina Ahadi, die in Deutschland lebende Sprecherin des Komitees, sagte, das Interview wurde bereits am Sonntagnachmittag im Büro von Ashtianis Anwalt Houtan Kian geführt. Dort habe sich der Sohn sicherer gefühlt. Zuvor allerdings war der Jurist vom iranischen Informationsministerium massiv unter Druck gesetzt worden. "Sie haben ihm gesagt, dass er nicht mit ausländischen Medien sprechen soll", sagte Ahadi. "Sie wollen nicht, dass noch mehr Informationen über den Fall nach außen dringen."

Ahadi berichtete, dass sie selbst per Telefonkonferenz an dem Interview teilgenommen habe, um als Übersetzerin zu fungieren. "Es war gestern Nachmittag, ich war sozusagen live dabei, als etwas Schlimmes passierte", sagte Ahadi, deren Ehemann in Iran hingerichtet worden war und die in Köln unter Polizeischutz lebt. "Es war eine große Aufregung, laute Stimmen, dann flüsterte eine männliche Stimme: 'Ich muss auflegen, Frau Ahadi'." Zuvor habe einer der Journalisten noch gerufen "Was ist hier los?". Seitdem habe sie weder die Journalisten noch Ashtinais Sohn noch den Anwalt erreichen können. 

Ahadi sagte, sie habe auch mit Bekannten des Sohnes gesprochen, die ebenfalls keine Neuigkeiten hätten. "Die Familie des jungen Mannes ist in großer Sorge, er ist nicht nach Hause gekommen und heute Morgen auch nicht zur Arbeit erschienen." Sie sei sich zu "100 Prozent" sicher, dass die vier Männer festgenommen worden seien, schließlich stünde sie normalerweise "täglich" mit ihnen im Kontakt. 

Das Auswärtige Amt teilte mit, Hinweisen auf die Festnahme "mit Hochdruck" nachzugehen. Man sei mit der deutschen Botschaft in Teheran auf verschiedenen Ebenen um Aufklärung der genauen Umstände bemüht. Details könne man im Augenblick nicht bestätigen. Medienberichten zufolge beschäftigt sich der Krisenstab im Außenministerium seit dem Morgen intensiv mit dem Fall. Zudem sei bereits ein Mitarbeiter in die Provinz geschickt worden, in der die beiden Deutschen festgehalten werden.

Leser-Kommentare
    • Mejan
    • 11.10.2010 um 18:33 Uhr

    Sonst nichts. Die Bundesregierung muss auf einer sofortigen und bedienungslosen Freilassung bestehen. Solche Regeln aus der Steinzeit haben in den heutigen Zeiten keinen Platz, auch im Iran nicht. Es ist sehr schade das die Regierung im Iran, es nicht für notwendig erachtet, Anstrengungen für ein friedliches Miteinander zu unternehmen.

    via ZEIT ONLINE plus App

  1. 2. Islam

    Das ist der friedliche Islam!!!
    Wer es noch glaubt, dem ist nicht zu helfen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...das ist der Iran....

    Wer es nicht glaubt, dem ist nicht zu helfen!

    Dies ist nur der Iran unter Amadineschad - nicht mehr, und nicht weniger - und in keinem Falle der Islam!

    ...das ist der Iran....

    Wer es nicht glaubt, dem ist nicht zu helfen!

    Dies ist nur der Iran unter Amadineschad - nicht mehr, und nicht weniger - und in keinem Falle der Islam!

    • ctuth
    • 11.10.2010 um 19:03 Uhr

    Bevor jetzt wieder alle mit ihrem anti-Islam Geschrei anfangen, wuerde ich doch festhalten wollen, dass diese 2 Herren keine Genehmigung fuer dieses Interview hatten, welche sie anscheinend brauchen.
    Nur weil uns diese Gesetze zuwider sind (zu Recht!), muessen sie sich als Gaeste dieses Landes dran halten, ob sie wollen oder nicht!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sind Sie noch bei Trost?

    Sind Sie noch bei Trost?

  2. Geiselnahmen und Freilassung gegen hohes Lösegeld hat sich mittlerweile zur sicheren Einnahmequelle für diese Diktatur entwickelt. Regelmäßig werden ausländische Staatsbürger v.a. mit Verdacht auf Spionage verhaftet. Wenig später werden sie gegen ein hohes Lösegeld freigelassen. So funktionieren halt moderne Diktaturen.

    • Sufi
    • 11.10.2010 um 19:28 Uhr

    Bild am Sonntag und Mina Ahadi , die behauptet :." Sie sei sich zu "100 Prozent" sicher.
    Keine unbedingt seriösen Quellen.
    Ich würde meinen , dass man die weiteren Nachrichten abwarten sollte , um dann sich dann ein Bild machen zu können . Mit Bild meine ich Bild und nicht BILD.

    • k2
    • 11.10.2010 um 19:43 Uhr

    Da die Moderation im Fall einer großen Anzahl von Sprachen die Netiquetteverträglichkeit der Kommentare nicht überprüfen kann, bitten wir darum in Deutsch zu kommentieren. Danke, die REdaktion/fk.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • k2
    • 11.10.2010 um 19:51 Uhr

    Die Quelle und der Beleg in Farsi wurde so eben
    entfernt ; es war eine staatliche Verlautbarung

    • Sufi
    • 11.10.2010 um 20:12 Uhr

    Nach dem was Sie hier schreiben , wurde das angebliche Interview ,seitens Ahadi mit der Familie von Ashtiani in Tabriz , schon im Vorwege , also bevor die vermeintlichen 'Bild-Reporter' nach Iran reisten , organisiert.
    Verstehe ich Sie richtig ?

    • k2
    • 11.10.2010 um 19:51 Uhr

    Die Quelle und der Beleg in Farsi wurde so eben
    entfernt ; es war eine staatliche Verlautbarung

    • Sufi
    • 11.10.2010 um 20:12 Uhr

    Nach dem was Sie hier schreiben , wurde das angebliche Interview ,seitens Ahadi mit der Familie von Ashtiani in Tabriz , schon im Vorwege , also bevor die vermeintlichen 'Bild-Reporter' nach Iran reisten , organisiert.
    Verstehe ich Sie richtig ?

    • k2
    • 11.10.2010 um 19:51 Uhr

    Die Quelle und der Beleg in Farsi wurde so eben
    entfernt ; es war eine staatliche Verlautbarung

    • Tuner
    • 11.10.2010 um 19:56 Uhr

    Meine Hochachtung vor diesen Journalisten. Da gehört viel Mut dazu, in diesem Lande zu recherchieren. Die Machenschaften der mächtigen Männer mit den Bärten sind nur zu verurteilen. Nur eben noch eine Frage: Wer verurteilt dasselbe Vorgehen (z.B. Steinigung) in Saudi-Arabien und anderen Ländern mit der Sharia als Rechtssystem?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service